Stewart O'Nan Die Chance

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Inhaltsangabe zu „Die Chance“ von Stewart O'Nan

Gemeinsam machen Marion und Art Fowler eine Pauschal-Busreise zu den Niagarafällen, wohin sie dreißig Jahre zuvor auch ihre Hochzeitsreise führte. Im Gepäck befindet sich ihr gesamtes Barvermögen, denn Art glaubt zu wissen, wie man beim Roulette gewinnen kann. Sie schmuggeln das Geld nach Kanada ein, wechseln es in Jetons und beziehen in einem Casino eine teure Hochzeitssuite, die sie sich leisten, weil es ja ohnehin egal ist. Arbeitslos und verschuldet, wie sie sind, haben sie nichts mehr zu verlieren. Das Haus, in dem ihre Kinder groß geworden sind, muss verkauft werden, ihre Ehe, von Seitensprüngen untergraben, steht vor dem Aus. Also greifen sie nach dem letzten Strohhalm: tagsüber beim Sightseeing an den spektakulären Wasserfällen, vor allem aber abends, im Casino. Sie spielen am ersten Abend und am zweiten. Und setzen alles auf eine Karte. Ein heiterer, sogar tröstlicher Roman über Zuversicht, Verzeihen und letzte Chancen, der eindringlich vor Augen führt, dass Liebe – wie das Leben selbst – mitunter ein Glücksspiel ist. «Dieser zutiefst bewegende, komische und hinreißend geschriebene Roman gipfelt in einem Ende, das so überraschend und beglückend ist wie ein unerwarteter Kuss.» The Boston Globe «Stewart O’Nan ist ein glänzender Erzähler.» Süddeutsche Zeitung Stewart O’Nan, 1961 in Pittsburgh/Pennsylvania geboren, veröffentlichte zuletzt den Roman «Emily, allein», das einfühlsame Porträt einer Frau, die im hohen Alter einen Neuanfang wagt.

Das Klischee vom alternden Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat und sich nun am Scheideweg befindet.

— SamiraBubble
SamiraBubble

Komplexer, faszinierender und psychologisch dichter Eheroman über Neuanfänge und letzte Chancen.

— littleowl
littleowl

Ein Paar versucht durch Glücksspiel die Existenz und damit ihre Ehe zu retten.

— Gruenente
Gruenente

Abgebrochen nach den ersten Seiten. Zu trocken und langweilig.

— LeonoraVonToffiefee
LeonoraVonToffiefee

Eine Beziehungsbeschreibung - intensiv, ungeschminkt, trocken, aber lesenswert

— Callso
Callso

Sehr tiefe Einblicke in eine Beziehung, die ihre Höhen und Tiefen erlebt hat. Schonungslos ehrlich - das hat mir gefallen!

— SteffiWausL
SteffiWausL

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Der einfache und schlichte Schreibstil steht im Kontrast zum ausgefallen Handlungsgeschehen bzw. zu den Gedankengängen der Figuren.

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Wow. Dieses Buch ist ungewöhnlich aber wirklich ein unglaublich gutes Buch. So wenig Worte vermögen eine solche Atmosphäre zu schaffen.Mega!

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  • Tiefe Einblicke in eine Ehe

    Die Chance
    SamiraBubble

    SamiraBubble

    05. June 2017 um 13:39

    Ein alterndes Noch-Ehepaar reist für ein Wochenende zurück an dem Ort, an dem für sie alles einst beging. Beide geben vor, damit ihrer Ehe, die durch Seitensprünge und einer lähmenden Gewohnheit untergraben wurde, einen würdevollen Abschluss geben zu wollen, obwohl deutlich wird, dass sie beide, die sich in einem Zwischenstadium aus Enttäuschung und Hoffnung befinden, insgeheim den Glauben an einen Neuanfang nicht aufgeben wollen. Stellenweise beeindruckt durch die unaufgeregte, aber präzise, feine Wiedergabe der Gedanken und Gefühle seiner Figuren, gleichzeitig verlangt der Autor unglaublich viel Geduld von seinen Lesern, die er mit seitenlangen Beschreibungen über alltägliche, triviale Beobachtungen und Gegebenheiten ermüdet. LIEBLINGSSATZ: Man konnte in seinem Leben nicht die Wiederholungstaste drücken und alles Schreckliche auslassen, ohne zu verlieren, was es lebenswert machte. Man musste es als Ganzes akzeptieren - genau wie die Welt oder den Menschen, den man liebte.EMPFEHLUNG: Nein.

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  • Porträt einer Ehe

    Die Chance
    Hamlets_Erbin

    Hamlets_Erbin

    12. October 2016 um 14:24

    "Als Mittelständler unterlagen sie der Tyrannei des äußeren Scheins..." (S.8) Inhalt: Art & Marion Fowler fahren an die Niagara Fälle. Beide sind im Zuge der Finanzkrise entlassen wurden und faktisch pleite. Ihr Haus lässt sich nicht verkaufen & Art hat vor, Privatinsolvenz anzumelden. Scheiden lassen wollen sie sich auch - allein aus finanziellen Gründen. Art plant insgeheim jedoch, Marion einen neuen Ring zu überreichen, während sie bereits über ein Leben ohne ihn nachdenkt. Meinung: Das Kurzporträt einer Ehe, glaubwürdig und voller Wahrhaftigkeit. Die Charaktere waren authentisch und komplex, die Dialoge sehr knapp und dabei voller Brisanz. Es gab eine Menge Leerstellen (etwas unbefriedigend für den Leser, der vielleicht gern mehr über die Vergangenheit des Ehepaars erfahren hätte, besonders im Hinblick auf ihre jeweiligen Affären), aber die machten innerhalb der Erzählung natürlich Sinn, da es keinen allwissenden Erzähler gab und allein die Erinnerungen, die Pläne und die Ansichten der Figuren wiedergegeben wurden. Fazit: Extrem beeindruckende Darstellung einer Beziehung und eines Lebens in der Schwebe. "Alle verrieten sich, um zu überleben. Das war der Preis fürs Altwerden." (S.134)

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  • Wahrscheinlichkeiten

    Die Chance
    walli007

    walli007

    21. September 2016 um 21:18

    Während der Immobilienkrise sind Art und Marion in Schwierigkeiten geraten. Beide haben ihren Job verloren, das Haus ist viel zu hoch belastet, als Ausweg bleiben nur noch Insolvenz und Scheidung. Bevor es soweit ist fahren die beiden zu einem letzten gemeinsamen Wochenende an die Niagara Fälle, dorthin wo sie ihre Hochzeitsreise vor dreißig Jahren verbracht haben. Ein letztes Mal noch wollen sie die Zeit zurückdrehen und unbeschwert sein. Wenigstens ihre Kinder sind versorgt, sie konnten ihnen das Studium ermöglichen, Art und Marion stehen jedoch vor dem aus. Doch sie haben einen Plan, mit dem letzten Bargeld, das sie zusammenkratzen konnten, wollen sie im Casino das große Geld gewinnen. Da stehen sie vor den Scherben ihres Lebens, ein viel zu großes Haus, mit Krediten finanziert, die sie kaum bedienen konnten. Reserven eingesetzt, die eigentlich für die Altersversorgung gedacht waren. Die Jobs verloren, Affären gehabt. Und nun kommt auch noch das Haus unter den Hammer, wahrscheinlich lässt es sich wenn überhaupt nur mit Verlust verkaufen. Genau genommen haben sich Marion und Art nicht mehr viel zu sagen. Dieses Wochenende ist der letzte Rettungsversuch. Tagsüber flanieren sie durch die touristischen Sehenswürdigkeiten und schwelgen in Erinnerungen und abends versuchen sie im Casino einen Gewinn herauszuschlagen. Jedem Kapitel ist eine Wahrscheinlichkeit vorangestellt, etwa wie groß die Wahrscheinlichkeit ist,dass ein Ehepaar seinen 25. Hochzeitstag erreicht (1:6). Das gilt wahrscheinlich für die USA. Irgendwie passt dann der Inhalt auch zu den Überschriften, die von Wahrscheinlichkeiten, auf die man nicht so viel Wert legt (Übelkeit im Urlaub), immer mehr zu solchen wechselt, die einem viel netter vorkommen (Frühstück im Bett). Und so geht es auch mit der Geschichte von Art und Marion, die sich zunächst mehr oder weniger anzicken und dann doch wieder annähern, je mehr Zeit sie in diesen gemeinsamen Tagen verbringen. Ob sie ihr Hab und Gut retten können, scheint immer unwichtiger zu werden je mehr sie es schaffen, die Zeit zu genießen. Mit klugen Worten unterbreitet Steward O’Nan das Angebot einen sehr positiven kleinen Roman lesen zu können. Ein Angebot, dass man unbedingt annehmen sollte.  Welches die schönste Wahrscheinlichkeit ist, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Aber schön ist es doch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass am Morgen die Sonne aufgeht bei 1:1 (also 100%) liegt. Das ist doch mal was, auf das man sich verlassen kann.

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  • Die Chance

    Die Chance
    littleowl

    littleowl

    01. April 2016 um 13:11

    Worum geht’s? Nach dreißig gemeinsamen Jahren ist die Ehe von Marion und Art Fowler am Ende, von Affären untergraben und durch Sprachlosigkeit geprägt. Hinzu kommen große finanzielle Probleme: Nachdem beide kurz hintereinander ihre Jobs verloren haben, hat sich ein Schuldenberg angehäuft, jetzt stehen sie vor der Pleite. Weil sie sowieso nichts mehr zu verlieren haben, fahren sie zu den Niagarafällen, wo sie Jahrzehnte zuvor ihre Flitterwochen verbracht haben. Für die beiden ist es in zweifacher Hinsicht eine letzte Chance: Während sie tagsüber die Sehenswürdigkeiten abklappern, kämpft Art weiterhin um die Ehe, die Marion längst abgeschrieben hat. Und abends im Casino setzen sie ihre gesamten Ersparnisse, um mit viel Glück doch noch dem finanziellen Ruin zu entgehen. Meine Meinung Ich finde es wirklich unheimlich schwer, meine Meinung zu diesem Roman in Worte zu fassen. In der Regel erlauben Bücher es einem, für ein paar Stunden der Wirklichkeit zu entfliehen, stellen die Welt ein bisschen spannender, romantischer und witziger dar als sie ist. „Die Chance“ ist nicht so ein Buch, hier beschreibt ein Autor fast schon schmerzhaft lebensnah und realistisch. Marions und Arts Verhältnis ist äußerst komplex, ein Mix aus Zuneigung, Routine, Schuld, Hoffnung, Angst und möglicherweise einem Rest Liebe. Stewart O’Nan gelingt es, ihre Gefühle und Handlungen verständlich zu machen, ohne sie zu verurteilen. Hier gibt es keinen Erzähler, der einem Emotionen und Schlussfolgerungen auf dem Silbertablett präsentiert, stattdessen wird man als Leser dazu herausgefordert, selbst zwischen den Zeilen zu lesen. Insofern passt das abrupte, offene Ende zum Rest des Romans, trotzdem fand ich es ziemlich unbefriedigend. Grundsätzlich schließt die Geschichte mit einer positiven, hoffnungsvollen Note, aber für meinen Geschmack sind hier zu viele Fragen offen geblieben. Eindeutig ist dagegen die Gesellschaftskritik, die der Autor zwar nur am Rande, aber doch sehr eindrücklich anklingen lässt. Marion und Art sind nur zwei von vielen Amerikanern, die während der Finanzkrise ihre Jobs verlieren und plötzlich mit Bergen von Schulden und einem Haus, das sie sich eigentlich nicht leisten können, dastehen. Diesen plötzlichen sozialen Abstieg einer Mittelstandsfamilie stellt der Autor sehr glaubhaft und eindringlich dar. Die beiden Protagonisten sind genauso facettenreich wie ihre Beziehung zueinander, ich merke es auch jetzt beim Schreiben daran, dass ich ihre Charaktere hier nicht einfach mit ein paar Adjektiven zusammenfassen kann. Beide sind interessant, lebendig und gut ausgearbeitet, aber nicht die klassischen liebenswert-langweiligen Sympathieträger. Marion und Art sind keine Helden, sondern ganz normale, komplizierte Menschen mit Stärken und Schwächen, gerade deshalb kann man sich so gut mit ihnen identifizieren. Wie alles andere in diesem Roman wird auch die Gegend um die Niagarafälle, Touristenmagnet und Traum-Reiseziel vieler Menschen, realistisch und ambivalent dargestellt. Marion und Art müssen feststellen, dass der Ort, den sie als junges, verliebtes Pärchen schon einmal bereist haben, im Winter nicht halb so schön ist wie im Sommer. Das Ganze ist im Grunde eine einzige Touristenfalle, alles ist völlig überteuert und vor den Sehenswürdigkeiten müssen sie lange anstehen. Der romantische Sehnsuchtsort entpuppt sich als ziemlich deprimierend, aber in manchen Momenten ist abseits der künstlichen Geldmaschinerie doch der Zauber der Natur zu spüren.    Fazit Komplexe, lebensnahe Bilanz einer Ehe kurz vor dem Aus. Ein kurzer, aber sehr eindrücklicher Roman über Enttäuschungen, Neuanfänge und letzte Chancen.

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  • Ein Wochenende soll über de Zukunft von Marion und Art entscheiden

    Die Chance
    Gruenente

    Gruenente

    08. August 2015 um 17:21

    Art und Marion Fowler stehen vor dem finanziellen Ruin. Sie geben sich noch eine letzte Chance: an einem Wochenende auf der kanadischen Seite der Niagarafälle, wollen sie ihr letztes Geld im Kasino zu setzen um zu versuchen genügend Geld zu gewinnen um ihre Hypotheken zu tilgen. Falls das nicht klappt,würden sie nach dem Wochenende die Scheidung einreichen, damit Marion die letzten kleinen Vermögenswerte retten kann, während Art Insolvenz anmelden müsste. Marion würde diese Scheidung auch als neuen Anfang für sich sehen. Nochmal alles auf Null stellen! Für Art ist das nur ein formeller Akt um das wenige, was sie noch besitzen, zu retten. Eine seltsame Beziehung, die da nach und nach aufgeblättert wird: die finanziellen Sorgen, die Affären die beide hatten, die Sprachlosigkeit in der Ehe. Im Gegensatz dazu besteht eindeutig eine starke Anziehung zwischen Art und Marion, sie kennen sich sehr gut und sind unheimlich vertraut miteinander. Stuart O’Nan versteht es sehr gut die inneren und beziehungslastigen Konflikte glaubwürdig darzustellen. Man muss die Gefühle der beiden Protagonisten nicht selbst erlebt haben, um sie sehr gut nachvollziehen können. Mehr dazu gibt es hier: http://leckerekekse.de/wordpress/die-chance/

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  • Wenn die Roulettekugel entscheiden soll...

    Die Chance
    Callso

    Callso

    19. December 2014 um 08:10

    Bücher haben immer einen Mehrwert. Auch wenn ich dieses Buch nur mit drei Sternen bewertet, so hat auch dieses Buch einige Stärken. Ein altes Ehepaar, das kurz vor der Insolvenz steht. Viel schlimmer: Die Beziehung hat sich einigermaßen auseinander gedriftet. Heimliche Affären sind vorgefallen, aber insbesondere im Alltag offenbaren sich die Differenzen zwischen Mann und Frau.  Beide beschließen einen letzten Versuch zu unternehmen. Eine Busreise nach Kanada, einen Besuch bei den Niagarafällen soll so etwas wie Höhepunkt und vielleicht auch Abschluss der Ehe bilden. Und ein entscheidender Besuch im Spielcasino mit der Maxime "Alles oder nichts" soll trotz des finanziellen Desaster für die Eheleute die Erlösung bringen. Flucht oder Hoffnung?  Tolles Thema, toller Stoff, der mich im Vorwege sehr gereizt hat.  In der Umsetzung gibt es dann doch einige Unwegbarkeiten und Kritikpunkte von  mir.   Das Buch skizziert recht nüchtern und manchmal etwas sachlich das Miteinander der Eheleute Art und Marion. Es wird vieles angedeutet, aber vielfach fehlt mir der Tiefgang im Buch. Hingegen werden die touristischen Besuche in Kanada sehr umfangreich beschrieben.  Auch die Szenen im Casino hatte ich mir spannender (und dramatischer) dargestellt. Anderseits wirkt das Buch sehr authentisch und ungeschminkt. Der Schluss ist für mich etwas abrupt und offen. Das finde ich auch ein klein wenig schade. Dennoch alles andere als ein schlechtes Buch... ******* So, by the way meine 250. Rezension, die wieder mal Freude bereitet hat. Ich bin auf viele weitere aufregende Bücher gespannt und berichte...

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  • Szenen einer Ehe

    Die Chance
    Babscha

    Babscha

    Art und Marion Fowler sind unterwegs Richtung Norden. Nach Kanada, zu den Niagara Falls. Im Gepäck haben sie ihr gesamtes restliches Geld in kleinen Scheinen, um es dort am Spieltisch entweder zu verdoppeln oder aber alles zu verspielen, was aber auch egal wäre, da sie ja, beide seit langem arbeits- und perspektivlos über ihre Verhältnisse lebend, sowieso unmittelbar vor der Privatinsolvenz mit geplanter Scheidung stehen. Das müsste man dann allerdings noch den beiden Kindern wie auch American Express, der Firma, die das ganze Kartenhaus bislang noch gerade so auf den Fundamenten gehalten hat, beichten. Was aber noch viel schwerer wiegt, ist ihre gescheiterte, mittlerweile dreißigjährige Ehe, deren Grundstein an genau diesem Reiseziel gelegt wurde, und die sich aus beider Sicht im Laufe der Jahre zu einem belastenden Alptraum entwickelt hat. Wie in jeder langjährigen problematischen Beziehung voller Argwohn und Sprachlosigkeit umkreisen sich die Beiden wie die Wölfe, man kennt sich in- und auswendig mit seinen ganzen Eigenheiten und Schwächen. Möchte trotzdem irgendwie den anderen auf dem letzten gemeinsamen Ausflug in Watte packen und nicht noch mehr verletzen, kann aber nicht aus seiner Haut. Hier Art, den immer noch die Schuldgefühle aus einer vor zwanzig Jahren aufgeflogenen Affaire mit einer deutlich jüngeren Frau quälen, dort Marion, die das Geheimnis eines lesbischen Abenteuers mit einer Kollegin Ihrem Mann bis heute nicht gebeichtet hat. In seiner typischen ruhigen Erzählweise, aber mit ausgeprägtem Realitätssinn und der messerscharfen Beobachtungsgabe für menschliche Problemzonen zeichnet der Autor in seinem Roman das überzeugende Panorama halbherzig agierender Protagonisten auf dem wackligen Untergrund einer Beziehung, in der so ziemlich alles Gute den Bach runter gegangen ist. In der jeder voller Selbstmitleid nur noch vorsichtig seine eigenen Wunden leckt und in einem Wechselbad von Selbstmitleid und unterdrückter Wut insgeheim hofft, das Schicksal möge es doch bitte für einen noch irgendwie richten. Wie immer ein so lebensnah wie lesenswert geschriebenes Buch. Eben O´Nan.

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  • Die Chance

    Die Chance
    ladyhopeless

    ladyhopeless

    31. August 2014 um 16:33

    Als ein letzter Akt ihrer fast dreißig Jahre währenden Ehe fahren Art und Marion Fowler, typische Vertreter des amerikanischen Mittelstandes, noch einmal zu den Niagara Fällen, dem Ort ihrer Flitterwochen. Doch jetzt stehen sie vor der Scheidung. Das Haus steht zum Verkauf und beide haben keinen Job mehr. Die Privatinsolvenz droht. Sie kratzen ihr letztes Geld zusammen - eigentlich kann man schon lange nicht mehr von ihrem Geld sprechen – um ein paar gemeinsame Tage vor der Scheidung miteinander zu verbringen und im Casino alles auf eine Karte zu setzen. Stewart O‘Nan schildert drei Tage eines Paares in den Fünfzigern, das vor den Scherben seiner Existenz steht. Dabei ist dieses Paar selbst, ebenso wie die Geschichte der fast dreißig gemeinsamen Jahre, von erschütternder Durchschnittlichkeit. Es gibt zwei Kinder, ein Haus, gemeinsame Reisen, Wünsche, gute und schlechte Entscheidungen, Fehltritte, Alltag. Man bekommt schnell das Gefühl, nicht nur die Geschichte von Art und Marion zu lesen sondern die des amerikanischen Mittelstands. Schnörkellos, schonungslos. Der Weg, den die beiden wählen, um sich dem Lauf der Dinge zu stellen, ist jedoch alles andere als durchschnittlich. Statt sich in Verbitterung zu ergehen und die Schuld dem System, dem Partner oder den Umständen zu geben, erkennen sie, jeder für sich, die eigenen Fehler an und verschaffen sich eine letzte Chance, um das eigene Schicksal zu ändern. Sie reisen zu den Niagara Fällen, jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Während Art hofft, durch die gemeinsamen Tage retten zu können, was noch zu retten ist, sind sie für Marion die Möglichkeit, versöhnlich abzuschließen, um danach allein weiter zu machen.  Durch die Perspektive des allwissenden Erzählers, der jedoch in szenischen Wechseln mal bei ihr, mal bei ihm, mal im Allgemeinen verweilt, entsteht ein Bild des Loslassen, doch ebenso ein Bild des –schon langjährigen - Ringens um eine Beziehung zweier Menschen, die bei aller Unterschiedlichkeit auch immer gemeinsame Ziele verfolgten.  Stewart O’Nans Gabe ist es, seine Figuren – manchmal fast bis zur Unerträglichkeit - glaubwürdig darzustellen. Auch in „Die Chance“ zeigt er wieder sein ganzes Können. Marion und Art sind keine Helden. Sie sind Wir. Sie sind nur ein Spiegelbild von uns allen -frei von Poesie und mit all den Ambivalenzen, die Leben und Sein mit sich bringen. Und sie ergreifen eine letzte Chance.

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  • From the HEART

    Die Chance
    thursdaynext

    thursdaynext

    17. August 2014 um 20:39

    Marion und Art Fowler, ein mittelaltes Mittelschichts Ehepaar, amerikanisch statistischer Durchschnitt, abgesehen von ein paar persönlichen Eigenheiten, begeben sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Auf der Suche nach Zukunft, so Arts trotz Verzweiflung optimistische Sichtweise, und dem Abschied vom Gewohnten gen ungewissem Neuanfang, aus Marions Sicht. Finanziell ruiniert, glücklicherweise sind die Kinder schon selbstständig, buchen sie eine Pauschalreise per Bus auf den Spuren ihrer damaligen Hochzeitsreise. Für 249 $ ein Wochenende in Kanada, bei den Niagarafällen. Im Gepäck: geschmuggeltes Geld welches ihnen eigentlich schon nicht mehr gehört, einen längst vergangenen sexuellen Fehltritt Arts, für den er immer wieder büßen muss und eine gescheiterte , uneingestandene lesbische Liebesbeziehung Marions und viele Jahre gemeinsam verbrachten Lebens. Stewart O ‚ Nan hat mich mit Die Chance bereits ab der ersten Seite eingefangen, das begann mit den Kapitelüberschriften zu Wahrscheinlichkeiten und seinem feinen unaufdringlichen Humor. Sein warmherziger Stil die Gedanken der Charaktere zu beschreiben, was ihm bei beiden Geschlechtern, detailiert und feinsinnig gelungen ist entfaltet einen ganz eigenen Sog der einen tief in die Beziehung und die Emotionen dieser beiden Menschen eindringen lässt ohne sich unangenehm voyeuristisch zu fühlen. Er lässt einen die Liebe, die trotz aller Verletzungen bei diesem Paar noch vorhanden ist spüren. Sie ist nach all diesen Jahren fad, alltäglich, abgewetzt und speckig aber sie ist vorhanden. Ein Hoffnungsschimmer in taubengrau. „Bald würden sie sich wieder in die Kälte hinauswagen und den langen Marsch zurück nach Kanada antreten müssen, doch im Augenblick war es, wenn auch nur vorübergehend, glücklich im Hier und Jetzt.“ Dieser Schimmer trägt die Handlung, weiter und weiter, einem Ende zu, von welchem man so sehr hofft es möge glücklich sein. Die Geschichte des Lebens dieser Beiden packt einen, lässt einen nicht los, und man wünscht sich, entgegen der Realität, so sehr, dass die Liebe ausreicht für ein wenig Glück. Hofft auf die minimale Chance ............... Klare Leseempfehlung für einen leisen unaufgeregten, nachdenklich machenden, feinen kleinen Roman um die substanziellen Wichtigkeiten des Lebens. Eine griechische Tragödie in amerikanische Verhältnisse transportiert, weniger Pathos mehr Burger King, doch ebenso existenziell dramatisch. Mit eigenem Soundtrack: https://www.youtube.com/watch?v=whXeb7Ohfkk Heart - Ann & Nancy Wilson

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