Westlich des Sunset

von Stewart O'Nan 
4,3 Sterne bei20 Bewertungen
Westlich des Sunset
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Positiv (18):
F

Präzise recherchiert, griffige Sprache, aber große Längen.

Kritisch (1):
sandysss avatar

Schwer verdaulich, depressiv, da holt auch die gedrechselte Sprache nichts mehr raus. Passt nicht in unsere Zeit und passt mir nicht.

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Inhaltsangabe zu "Westlich des Sunset"

Hollywood, 1937: Als der amerikanische Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald mit einundvierzig als Drehbuchschreiber nach Hollywood gerufen wird, scheint seine Alkoholsucht unbezähmbar, seine Frau Zelda lebt in einer psychiatrischen Klinik, das Verhältnis zu seiner Tochter ist schwierig. In der Traumfabrik Hollywood sieht Fitzgerald die Chance eines Neuanfangs. Er zieht in die Villenanlage 'Garden of Allah', wo sich abends eine muntere Schar am Pool trifft: Humphrey Bogart, Joan Crawford, Gloria Swanson und viele andere. Fitzgerald wohnt dem Getümmel als zweifelnder Beobachter bei, bis er sich in die Klatschreporterin Sheilah Graham verliebt.
Ein fesselnder Roman über die Traumfabrik Hollywood und die letzten drei Lebensjahre des berühmten amerikanischen Schriftstellers.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499269370
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:19.05.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    sandyssvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Schwer verdaulich, depressiv, da holt auch die gedrechselte Sprache nichts mehr raus. Passt nicht in unsere Zeit und passt mir nicht.
    überbewertet

    Ein Abriss der letzten Lebensjahre des Schriftstellers Fitzgerald. Roaring Twenties vobei, kaputte Ehe, Trinker, kein Geld, keinen passenden Job und nur Probleme mit dem Alkohol. Da reißen den auch die vorbeischwirrenden Stars und Sternchen der frühen Hollywood-Jahre niemanden hinter dem Ofen hervor. Was mich hier neben der unglaublich negativen, depressiven Grundeinstellung des Protagonisten stört, ist die Schreibe mit der Stewart O'Nan das ganz aufbrezeln will. Es kommt schicksalsschwanger gedrechselt daher und wird ständig unterbrochen von Einschätzungen, Rückblenden und viel zu viel Meinungen über Gott und die Welt. Eines bleibt dabei leider auf der Strecke und das ist die Handlung bzw. diese auch mal voranzutreiben. Auch von einem biografischen Roman darf ich Spannung erwarten, zumindest mitreißende Struktur und Plot. Das gibt es hier leider nicht, auch wenn der Autor versucht, gen Ende nochmal so etwas wie Fahrt aufzunehmen. Das ist quälende Nabelschau und letztlich langweilig.

    Zwei Sterne vergeben ich hier nur, da der Autor offensichtlich ganz hervorragende Recherche im Vorfeld betrieben hat.

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    Skruttens avatar
    Skruttenvor 2 Jahren
    Ambivalent

    Leicht biografisch angehauchter Roman eines meiner Lieblingsautoren.

    Eigentlich lese ich höchst ungern Geschichten, in denen die Protagonisten Trinker sind. Zum Glück versteht O´Nan es, die handelnden Personen schlüssig und in ihrer Ambivalenz so zu schildern, dass es spannend bleibt und das Verständnis des Lesers geweckt wird. Selbst für die psychisch kranke Frau der Hauptfigur gilt dies.

    Ich freue mich auf weitere Bücher des Autors!

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    M
    Minoovor 2 Jahren
    Nicht nur für Fans von Scott Fitzgerald

    Ich habe zuvor noch kein Buch von Stewart O'Nan gelesen und hätte auch dieses Buch vermutlich nicht für mich entdeckt, wenn mich die Buchbesprechung des Literaturclubs von Juni nicht so neugierig gemacht hätte. Nach dieser Sendung musste ich das Buch unbedingt lesen und bereute es keine Sekunde. Der Schreibstil von Stewart O'Nan fesselte mich von der ersten Seite an und lies mich bis zum Schluss nicht mehr los. Stewart O'Nan beschreibt perfekt Gefühle und Situationen, sodass ich die Geschichte nicht nur las sondern auch fühlte. Dabei schreibt er so wundervolle Sätze, die immer wieder eine Gänsehaut auf meinen Armen verursachten. So schrieb er beispielsweise über L.A.:

    "Trotz ihrer tropischen Schönheit hatte die Stadt etwas Reizloses, Hartes, etwas Vulgäres, das so unzweifelhaft amerikanisch war wie die Filmindustrie, die durch die endlosen Wellen arbeitshungriger Migranten florierte und ihnen nichts Handfesteres als Sonnenschein bot." (S.59)

    "Westlich des Sunset" handelt von Scott Fitzgerald letzten drei Lebensjahren. Während er in den 20er mit seiner Frau Zelda ein Leben in Saus uns Braus führte, schaffte er es in seinen frühen 40ern gerade so zu überleben. Seine Frau Zelda lebte aufgrund bipolarer Störungen in einer Nervenklinik, was eine erfüllte Ehe verhinderte und Scott schaffte es immer nur gerade so, finanziell nicht komplett unterzugehen. In Hollywood verdiente er sein Geld als Drehbuchschreiber, wobei ihm immer nur gewisse Dialoge oder Szenen zugewiesen wurden. Von heut auf morgen konnten Projekte fallen gelassen werden und er musste wieder von vorne beginnen. Dabei beschreibt Stewart O'Nan auch die harte Welt in Hollywood. Mitschreiber an den Drehbüchern werden namentlich nur dann genannt, wenn sie den Großteil des Drehbuchs geschrieben haben. Ansonsten fällt das Mitwirken unter den Tisch. Scott Fitzgerald verfiel dem Alkohol und litt unter dem schwierigen Verhältnis zu seiner Frau sowie seiner Tochter, die in einem Internat lebte.

    Als Leser erlebt man hautnah den Abstieg eines in der Vergangenheit gut situierten Mannes, der nach und nach alles verliert. Immer wieder scheint es bergauf zu gehen, doch dies ist meist nicht von langer Dauer. Wir sind dabei, wie Scott in seinen letzten Lebensjahren noch einmal die große Liebe zu einer viel jüngeren Frau findet, die sein Anker wird, auch wenn die Beziehung niemals leicht ist. Ich könnte mir vorstellen, dass einigen Lesern das Tempo des Buches zu gering ist. Es ist fesselnd geschrieben und auch die Faszination bezüglich der Fitzgeralds sowie der Filmindustrie konnte mich durchweg bei Laune halten. Dennoch ist es ein ruhiges Buch.

    Das Ende von "Westlich des Sunset" berührte mich sehr. In der groben Handlung beinhaltete das Buch natürlich nichts Neues, da es ein biografischer Roman ist. Dennoch konnte mich das Buch durch die vielen Details, den wundervollen Schreibstil und die verschiedenen Emotionen, die mich beim Lesen überkamen überzeugen und begeistern. Insbesondere das Ende klang lange in mir nach und selbst eine Woche nach der Beendung des Buches, wirkt die Geschichte noch in mir und regt mich zum Nachdenken an.

    Fazit: Ein großartiger Roman, der nicht nur für Fans von Scott Fitzgerald ein tolles Leseerlebnis bereit hält.

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    Gruenentes avatar
    Gruenentevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Buch zeigt die Schattenseiten im Leben des ehemaligen Superstars F. Scott Fitzgerald. Seine letzten Lebensjahre in Hollywood.
    F.Scott Fitzgerald ist am Ende

    1937 ist Francis Scott Fitzgerald 41 und pleite. Seine Frau Zelda ist in einer teuren Nervenklinik untergebracht, ihre gemeinsame Tochter Scottie lebt in einem teuren Internat. Ein Haus oder eine Wohnung hat die Familie nicht.

    Fitzgerald ist Alkoholiker, herzkrank, hoch verschuldet und auch beruflich am Ende. Seine Rettung ist Hollywood. Dort will er Drehbücher schreiben.

    Dieses Buch beschreibt die letzten Lebensjahre von F. Scott Fitzgerald, die er hauptsächlich in Kalifornien verbrachte.

    Er lernt die Journalistin Sheilah Graham kennen. Sie versuchte ihn vom Alkohol wegzubekommen um dadurch seine Gesundheit zu stabilisieren. Fitzgerald ist ein gebrochener Mann, der versucht sich seiner Verantwortung für die Familie und die Schulden zu stellen, aber immer weiter abrutscht.

    Sehr gut gefiel mir, dass O’Nan Szenen aus den Kurzgeschichten, die Fitzgerald zu dieser Zeit schrieb in seinen Roman mit einwob.

    Westlich des Sunset ist ein geschickt konstruiertes Buch, das einen zerstörten Mann zeigt und die Zeit in der es spielt kunstvoll aufleben lässt. Es macht viel Lust auf die Werke dieses Schriftstellers.

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    renies avatar
    renievor 2 Jahren
    F. Scott Fitzgerald in der Stadt der Engel

    Romane, deren Protagonisten bekannte Persönlichkeiten sind, üben eine große Faszination auf mich aus. Der Reiz liegt für mich darin, dass diese Persönlichkeiten mit all ihren Schwächen dargestellt werden, wobei es mir egal ist, ob diese Schwächen angedichtet sind oder tatsächlich vorhanden sind. Es ist doch immer ein gutes Gefühl zu wissen, dass Berühmtheiten auch nur Menschen wie du und ich sind. 

    In dem vorliegenden Roman "Westlich des Sunset" von Stewart O'Nan geht es um den Schriftsteller F. Scott Fitzgerald, Autor von "Der große Gatsby". Fitzgerald konnte mit seinem Ruhm nicht umgehen und ist daran fast zerbrochen. O'Nan versetzt seinen Helden in die 30er/40er Jahre. Fitzgerald, mittlerweile pleite, alkoholabhängig und tablettensüchtig, versucht sein Glück als Drehbuchautor in Hollywood.

    Auszug aus dem Klappentext:
    Hollywood, 1937. Als der amerikanische Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald mit eindundvierzig als Drehbuchschreiber nach Hollywood gerufen wird, scheint seine Alkoholsucht unbezähmbar, seine Frau Zelda lebt in einer psychiatrischen Klinik, das Verhältnis zu seiner Tochter ist schwierig. Mit "Der große Gatsby" hat er Weltruhm erlangt, doch das ist lange her. Nun sieht er in der Traumfabrik Hollywood die Chance eines Neuanfangs. ... 

    Hollywood - ein hartes Pflaster für einen Schriftsteller, der seine besten Zeiten bereits hinter sich hat. Fitzgerald gibt sich der Illusion hin, immer noch einen Namen in Hollywood zu haben. Er baut auf seinen Ruf, der ihm bei den Filmgesellschaften viele Türen öffnen soll. Doch man hat den Eindruck, dass er die Jobs, die er erhält, nur aus Mitleid angeboten bekommt. Man nimmt ihn nicht mehr ernst, wozu auch seine Unbeständigkeit als Folge seiner Alkoholsucht beiträgt. Doch Fitzgerald will sein gesunkenes Ansehen nicht wahrhaben. Noch immer vergleicht er sich mit alten Weggefährten, allen voran Ernest Hemingway, mit dem er sich nie ganz grün war. Hollywood ist ein Dorf. Zwangsläufig begegnet man sich auf Parties und öffentlichen Veranstaltungen. Aber Hollywood ist auch eine Zweiklassengesellschaft. Es gibt diejenigen, die auf der Erfolgswelle reiten und im Rampenlicht stehen. Und dann gibt es Leute wie Fitzgerald, die an ihren alten Erfolgen anknüpfen wollen, aber nicht wahrhaben können, dass die Zeiten des Erfolges längst vorbei sind. Diese Leute werden bestenfalls geduldet, gehören aber nicht mehr zur elitären Gesellschaft Hollywoods dazu.

    "Er dachte an den Rausch seines ersten Erfolgs, als alle Welt ihn begehrte, nur dass der verträumte Egoist, der er gewesen war, geglaubt hatte, es würde für immer so bleiben." (S. 181)

    Als erfolgreicher Romanautor hat Fitzgerald ein angenehmes und unabhängiges Leben geführt. Als Drehbuchautor ist es vorbei mit seiner Unabhängigkeit. Er ist auf Gedeih und Verderb der Produktionsgesellschaft ausgeliefert. Egal wie gut seine Drehbucharbeit ist, am Ende entscheidet der Produzent über den Inhalt des Drehbuches. Es wird ungefragt gekürzt und gestrichen, so dass das Ergebnis am Ende nur noch herzlich wenig mit der ursprünglichen Arbeit des Drehbuchautors zu tun hat. Aber wer bezahlt, bestimmt auch über Inhalt und Stil des Drehbuches. Kreativität ist an dieser Stelle unerwünscht.
    Fitzgerald widerstrebt die Rolle des Drehbuchautors. Aber er hat keine Alternativen. Hoch verschuldet, Ehefrau Zelda in einer kostspieligen psychiatrischen Einrichtung, Tochter Scottie auf dem Internat - Fitzgerald muss nehmen, was er kriegen kann und seine eigenen Bedürfnisse dabei hintenanstellen. Er ist einem enormen Druck ausgesetzt. In Hollywood ist sein Alkoholproblem bekannt. Man lauert förmlich darauf, dass Fitzgerald wieder seine Aussetzer hat und scheitert.

    O'Nan bestätigt einmal mehr, dass Hollywood nichts anderes als eine Scheinwelt ist. Einerseits das gern gesehene Bild vom Glamour, andererseits die Kälte, Neid und Missgunst der Reichen und Schönen, die sich in Hollywood tummeln. Hollywood hat etwas Verdorbenes und Zerstörerisches. Die Erfolgreichen können damit umgehen, die Erfolglosen gehen daran zugrunde.

    "Trotz ihrer tropischen Schönheit, hatte die Stadt etwas Reizloses, Hartes, etwas Vulgäres, das so unzweifelhaft amerikanisch war wie die Filmindustrie, die durch die endlosen Wellen arbeitshungriger Migranten florierte und ihnen nichts Handfesteres als Sonnenschein bot. Es war eine Stadt der Fremden, doch, anders als in New York, gründete sich der Traum, den L. A. verkaufte, wie in jeglichem Paradies, nicht auf außergewöhnliche Leistungen, sondern auf unbegrenzte Leichtigkeit; ein Zustand, den nur Wohlhabende oder Tote erreichen konnten." (S. 59)

    Nostalgie macht sich beim Lesen breit. Man stößt auf Stars wie Humphrey Bogart, Marlene Dietrich, Joan Crawford etc. etc. etc. und auch hier ist es sehr unterhaltsam, dass O'Nan diese schillernden Berühmtheiten des Filmgeschäfts, an die man mit Ehrfurcht zurückdenkt, von ihrem Podest herunterholt und mit allen möglichen menschlichen Schwächen ausstattet.

    Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, das Szenario durch einen Filter zu betrachten. Das Leben in Hollywood hat etwas Unwirkliches, als ob es nicht von dieser Welt ist. Fitzgerald ist auf der Suche nach Normalität. Ein "normales" Familienleben, ein "normaler" Beruf, um seine Familie zu ernähren. Aber mit seinem Wunsch nach Normalität wirkt er in Hollywood deplatziert. Diese Normalität findet er auch nicht mehr in seiner Ehe. Die psychische Erkrankung seiner Frau Zelda macht ein "normales" Eheleben unmöglich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er sich in eine andere Frau verguckt, die allerdings große Ähnlichkeit mit Zelda aufweist. Es ist der Versuch, an seinem "alten" Leben mit Frau anzuknüpfen. Aber die Beziehung zu seiner "Neuen" scheint nicht zu funktionieren. Sheila, beruflich erfolgreich und unabhängig, ist ihm deutlich überlegen. Fitzgerald nimmt die Beziehung ernster als sie es tut.

    "Er glaubte nicht an Scheidung - nicht als Katholik, denn das war er nur noch dem Namen nach, sondern als Romantiker -, und dennoch begriff er, dass, obwohl eine Verbundenheit blieb, der Aspekt ihrer Liebe vorbei war, zerstört durch Wut, Krankheit und Schmerz, durch zu viele Seitensprünge und zu viele getrennte Nächte." (S. 162)

    Fitzgerald wird immer mehr zum Loser. Kein Erfolg im Beruf, kein Erfolg in der Liebe. Fitzgerald zerbricht langsam an seinen Misserfolgen und versinkt immer häufiger in seiner Sucht. 

    Stewart O'Nan beschreibt das Scheitern Fitzgerald mit einer Nüchternheit, die eine große Distanz zu seinem Protagonisten aufkommen lässt. Er beschönigt nichts, bewertet nichts und nennt die Dinge beim Namen. Es kommen weder Mitgefühl für den zerplatzten Traum einer gescheiterten Existenz auf der Suche nach Normalität auf, noch Schadenfreude für den Absturz eines Mitgliedes des Vereins der Reichen und Schönen auf. Es scheint fast so, als ob einen die Geschichte Fitzgeralds gleichgültig lässt. Aber das stimmt nicht. Denn mit Fortschreiten der Handlung wird man feststellen, dass einem die Person Fitzgerald doch näher gekommen ist als man gedacht hat. 

    Fazit
    Dieser Roman liefert eine besondere Mischung aus der Glitzerwelt Hollywoods, Nostalgie und dem Scheitern einer Persönlichkeit. Dabei bedient sich der Autor einer Sprache, die nicht viel mit Glanz und Glamour zu tun hat, sondern eher das Zerstörerische und Unbarmherzige der Stadt der Engel betont. Klare Leseempfehlung!

    © Renie

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    raven1711s avatar
    raven1711vor 2 Jahren
    Beeindruckendes Porträit

    Klappentext:
    Ein fesselnder Roman über die Traumfabrik Hollywood und die letzten drei Lebensjahre des
    berühmten amerikanischen Schriftstellers Francis Scott Fitzgerald. Mit Der große Gatsby hatte er Weltruf erlangt. Doch das ist lange her. Als er einundvierzigjährig in Hollywood ankommt, scheint seine Alkoholsucht unbezähmbar, seine Frau Zelda lebt, mit einer offenbar unheilbaren bipolaren Störung, in einer psychiatrischen Klinik in Montgomery, das Verhältnis zu seiner Tochter Alabama ist schlecht.
    Er zieht in die Villenanlage Garden of Allah, wo sich abends eine muntere Schar aus den umliegenden Hollywood
    Hills am Pool trifft: Humphrey Bogart, Valentino, Joan Crawford, Gloria Swanson, die Marx Brothers,
    u. a. Man ist, beginnt man dieses Buch zu lesen, gleich mitten drin in dieser farbigen Welt der Stars, im Reich der Superreichen und Erfolgreichen, um Zeuge zu werden, wie Fitzgerald sich als zweifelnder Beobachter zu behaupten versucht, und in der Klatschreporterin Sheilah Graham noch einmal eine große Liebe findet.

    Meinung:
    F. Scott Fitzgerald gehört zu den bekanntesten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und vor allem Der große Gatsby wird wohl jedem in der Literaturszene ein Begriff sein.
    Stewart O'Nan widmet sich in Westlich des Sunset Scotts letzten Lebensjahren. Die Zeiten des großen Ruhms sind vorbei. Mittellos und verschuldet reist Scott nach Hollywood, um dort als Drehbuchautor unterzukommen. Seine Frau Zelda befindet sich in einer Nervenheilanstalt, wo ihre bipolare Störung behandelt werden soll, seine Tochter Scottie ist in einem Internat untergebracht. Vom einstigen Glamour des Paares ist nicht mehr viel übrig und sein Name öffnet nicht mehr so viele Türen, wie noch in den 20er Jahren. Doch das Leben hält nicht nur Schattenseiten für Scott bereit, denn in Hollywood lernt er Sheila kennen und lieben. Aber seine Alkoholsucht und seine Tobsuchtsanfälle stellen die Beziehung immer wieder auf die Probe.
    Stewart O'Nan versteht es meisterlich den verarmten Scott seinen Lesern näher zu bringen, ohne in zu glorifizieren. Scotts Schwächen und Launen werden ebenso thematisiert und machen so diese berühmte Figur menschlicher, näher und verletzlicher. Auch die vielen berühmten Nebenfiguren im Roman lassen richtiges Hollywood-Fieber auftreten und egal ob Ernest Hemingway, Marlene Dietrich oder Humphrey Bogart, alle sind wichtige Personen in Scotts Leben.
    Thomas Gunkel hat Stewart O'Nans Roman sprachlich wundervoll ins Deutsche gebracht, die Schreibweise hat mich richtig in ihren Bann gezogen und direkt ins Hollywood der 30er Jahre versetzt. Detailliert schildert O'Nan das Leben der Drehbuchautoren in Hollywood, zeigt wie entbehrlich und austauschbar diese in der Filmbranche sind und letztendlich hat es mich nicht mehr gewundert, dass so manche Romanverfilmung am Ende nur noch wenig mit dem Originalwerk zu tun hat. Scotts Leben ist wahrlich nicht leicht, immer schwingt ein melancholischer Grundton durch die Geschichte, und auch obwohl man weiß, wie das Buch ausgehen wird, habe ich mich auf keiner Seite gelangweilt. Stewart O'Nan zeigt den Niedergang eines Menschen, ohne diesen herabzuwürdigen.
    Erzählt wird die Geschichte in der dritten Person, wobei er Blickwinkel auf Scott gerichtet bleibt. Die Kapitel sind moderat lang und dank des eingängigen Erzählstils bleibt man bereitwillig am Roman dran und schwelgt in der tollen Sprache.

    Fazit:
    Westlich des Sunset liest sich spannend wie ein Krimi oder Schicksalsroman und fasziniert mit seinen vielen berühmten Figuren und seinem eindringlichen Erzählstil. Definitiv ein Buch für Menschen, die sich für Literatur und Biographien interessieren, oder den Glamour des alten Hollywoods suchen.
    Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

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    RosaEmmavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Brillanter biografischer Roman voller Tiefgang und Poesie
    Endstation Hollywood: Der Abstieg des "Golden Boys"

    Nachdem Emily Walton in ihrem originellen Kurzroman Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte, bereits den berühmten amerikanischen Schriftsteller und seine Frau zu ihren Protagonisten machte, hat nun auch der renommierte Autor Stewart O’Nan denGolden Boy, wie man Fitzgerald nannte, in den Fokus seines neuen, sehr beeindruckenden Buches gestellt. Während sich Walton auf die glamouröse Zeit der Fitzgeralds in Südfrankreich konzentriert, handelt O’Nans Roman Westlich des Sunset von Fitzgeralds letzten Jahren als Drehbuchautor in Hollywood. Nach seinem „Crack-up“, wie er selbst seinen Zusammenbruch bezeichnete, befindet sich Fitzgerald zu Beginn des Romans im Jahre 1937 auf dem Tiefpunkt seiner Karriere, lange nachdem er mit Meisterwerken wie This Side of Paradise und The Great Gatsby zum Darling der amerikanischen Moderne avancierte. Er ist hoch verschuldet, schwer alkoholabhängig, und seine schriftstellerische Brillanz scheint mehr und mehr zu verblassen. Und auch in seinem Privatleben liegt vieles im Argen: Seine Frau Zelda lebt in einer psychiatrischen Klinik, seine Tochter Scottie wohnt aufgrund des instabilen Elternumfeldes in einem Internat. Fitzgerald ist von seinem einstigen Glamour nicht viel geblieben – die Rechnungen für Zeldas Behandlung und Scotties Schule sind horrend hoch -, und er muss dringend Geld verdienen, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.

    Vergänglicher Glanz

    Als man ihm einen Job als Drehbuchautor beim berühmten Hollywood-Filmstudio Metro Goldwyn Mayer anbietet, sagt er sofort zu und hofft auf einen Neuanfang – vor allem aber hofft er auf eine Wiederbelebung seiner schriftstellerischen Kreativität. In der luxuriösen Villenanlage Garden of Allah, in die er einzieht, erlebt er noch einmal ein flüchtiges Aufflackern seines einstigen glanzvollen Lebens, denn dort trifft er viele schillernde Persönlichkeiten des Show Business: Humphrey Bogart, Joan Crawford, Gloria Swanson und die Schriftstellerin und Kritikerin Dorothy „Dotty“ Parker, mit der er vor vielen Jahren eine Affäre hatte. Im Mondschein am palmengesäumten Pool tratschen die VIPs über alles und jeden in Hollywood und tanzen zu den Klängen der angesagtesten Musik. Hierbei darf natürlich der Alkohol nicht fehlen – ein großes Problem für Fitzgerald, der fast nie „Nein“ sagen kann und ständig abstürzt.

    Neubeginn und Niedergang

    Doch bei seinem neuen Job soll alles anders werden, und er beißt sich tatsächlich durch – man lässt ihn sogar am Drehbuch zur Verfilmung von Margret Mitchells Klassiker Vom Winde verweht mitarbeiten. Als er sich dann unerwartet in die recht bodenständige Klatschreporterin Sheilah Graham verliebt, scheint einem Neubeginn nichts mehr im Wege zu stehen. Doch Fitzgerald kann mit einem geregelten Leben nicht umgehen, geschweige denn mit dem ständigen Erfolgsdruck in Hollywood, und so obsiegt seine Sucht, die ihn mit Anfang 40 zu einem körperlichen Wrack gemacht hat. Obwohl sein Niedergang aufgrund seines Lebenswandels vorprogrammiert zu sein scheint, will er noch ein weiteres Mal seinem Schicksal trotzen und beginnt mit einem neuen Roman, Der letzte Tycoon, der schließlich sein Vermächtnis wird…

    Ein großartiger biografischer Roman voller Tiefsinn und Poesie

    Die Geschichte der letzten Jahre von F. Scott Fitzgerald, die O’Nan mit Westlich des Sunset so beeindruckend erdacht hat, ist eine Klasse für sich. Der Autor macht die künstlerische und persönliche Agonie des exzentrischen Schriftstellers beinahe fühlbar, so dass man fast vergisst, dass es sich hierbei um Fiktion handelt. Wenn O’Nan die mondänen Stars der damaligen Zeit, Fitzgerald eingeschlossen, unter den Sternen am Pool des legendären Garden of Allah feiern und tanzen lässt, gelingt es ihm scheinbar mühelos, die ganz spezielle Atmosphäre dieser glanzvollen Zeit und ihre glamourösen VIPs, für die das Leben eine einzige Champagnerparty zu sein schien, wieder zu erwecken.

    Mit Tiefgang und Poesie rekonstruiert der Autor Fitzgeralds letztes Aufbegehren gegen seinen unausweichlichen Abstieg und stellt dabei dessen eisernen Willen, trotz widriger Umstände und trotz aller Verzweiflung niemals aufzugeben, in den Vordergrund. In einem Interview, das Bruce Ingram, Chicago Tribune1, mit O’Nan führte, betonte dieser, dass es für ihn wichtig war, herauszustellen, wie Fitzgerald angesichts der privaten und künstlerischen Rückschläge, die er erfahren musste, nicht aufgibt, weitermacht und sogar – gegen jede Chance – einen Neubeginn in Hollywood wagt, obwohl ihm von vorneherein klar ist, dass er dort nur sein Talent vergeudet. Diese Thematik der Endurance, die Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit der Menschen in schwierigen Situationen, taucht immer wieder in O’Nans Werken auf, denn sie ist existentieller Natur. Und es ist genau dieser unzerstörbare Überlebenswille, der O’Nans Protagonisten Fitzgerald letztendlich doch zu einem Sieger macht – wenn auch nur in kurzen Augenblicken. Mein Fazit: Sehr empfehlens- und lesenswert!

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    Girl56vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Stewart O'Nan hat eine sehr bewegende Romanbiografie zu F.S.Fitzgerald geschrieben - sehr lesenswert.
    Ein Schriftstellerleben - F. Scott Fitzgerald

    Stewart O’Nan beschreibt in seinem neuen Buch, einer Romanbiografie, die letzten Lebensjahre des berühmten amerikanischen Schriftstellers Scott F. Fitzgerald, vielen hier bekannt durch sein berühmtestes Werk „Der große Gatsby“.

    Fitzgerald, früh zu literarischem Erfolg gekommen, verspielte mit seinem exzentrischen Lebensstil,  Alkoholismus und Geldverschwendung, sein Renommee und seine bürgerliche Existenz. Nachdem seine Frau Zelda, nach diversen Aufenthalten in Sanatorien in Europa, scheinbar endgültig nervenkrank in einer psychiatrischen  Klinik untergebracht werden muss und die Tochter Scottie ins Internat gegeben wurde, steht Fitzgerald vor der fast unlösbaren Aufgabe, Geld für den Unterhalt von Zelda, Scottie und für sich zu verdienen.  In dieser verzweifelten Lage bringt er seinen Agenten dazu, ihn als Lohnschreiber für Drehbücher in einem Hollywoodstudio unterzubringen.

     Diese Zeit in Hollywood dient O’Nan nun als Rahmen für Fitzgeralds Lebensgeschichte. Wir erleben, wie demütigend die Existenz der Drehbuchautoren im Hollywood dieser Jahre war, wie ihnen Filmprojekte zugeteilt wurden, wie ihre Texte verändert, gar verstümmelt wurden, wie ihnen willkürlich Co-Autoren zugeteilt wurden oder das ganze Filmprojekt auf Eis oder ganz ad Acta gelegt wurde.

     In Zeiten von Leerlauf und Schreibblockaden, erinnert sich Fitzgerald an seine Kindheit und Jugend, wie schwer er es hatte, im wohlhabend-bürgerlichen Milieu zurechtzukommen (die Familie lebte vom Erbe der Mutter und dem guten Willen der Großeltern, der Vater verarbeitete seine Lebensniederlagen mit Alkohol), an seine frühen literarischen Erfolge, sein Werben um Zelda, deren Exaltiertheit ihn verzauberte und doch, gepaart mit seinen eigenen Schwächen, zu beider Scheitern in der Welt führte.

    In Hollywood nun lernt Fitzgerald eine junge Klatschreporterin kennen, Sheilah Graham, in die er sich verliebt. Beide sind, obgleich im Alter weit auseinander, schwer vom Leben gezeichnete Menschen. Sheilah möchte nicht geheiratet werden, sie verlangt nicht viel von Fitzgerald, nur die Alkoholsucht kann sie nicht akzeptieren. Seine wiederholten Abstürze, besonders immer wenn er Zelda im Osten besucht hat, bringen dieser Beziehung  enorme Belastungen, dazu die beständige Geldnot und die Furcht vor der Entlassung durch die Filmstudios.

    O’Nan beschreibt uns einen Menschen, auf dem ein unmenschlicher Druck liegt, der sich ununterbrochen  seiner Verantwortung für Frau und Tochter bewusst ist, der weiß, dass der Gin ihn langsam aber sicher die Gesundheit ruiniert, der aber immer wieder abstürzt. Er zeichnet uns einen Menschen, der sich dafür schämt, diese Arbeit in Hollywood machen zu müssen,  der ahnt, dass er an seinem Niedergang als Autor selbst  Schuld hat und doch weitermacht und arbeitet so viel er kann, um das Ruder rumzureißen.

     Stewart O’Nan findet eine wunderbare Sprache für diese Lebensbeschreibung. Fitzgerald geht einem sehr unter die Haut. Diese Romanbiografie ist keine  leichte Lektüre, das Scheitern eines Menschen so nahe gebracht zu bekommen, ist manchmal schwer erträglich, aber auf jeden Fall lesenswert und sehr zu empfehlen.

     

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    Brivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Einfach nur großartig. Ein Muss für jeden Fitzgerald Kenner.
    Schweres leicht aussehen lassen

    “Er war Schriftsteller – alles, was er von dieser Welt wollte waren die Zutaten für eine andere, die mehr seinem Herzen entsprach.”

    Als F. Scott Fitzgerald seinen dritten Anlauf in Hollywood wagt, ist er einer unter vielen. Er hat immense Schulden, muss für den Sanatoriumsaufenthalt seiner Frau Zelda und das Internat der gemeinsamen Tochter Scottie aufkommen. Vom einst gefeierten schillernden Autor der Roaring Twenties ist in der Öffentlichkeit nicht viel mehr übrig als die Geschichten über rauschhafte Eskapaden und öffentlich ausgetragene Szenen einer unglücklichen Ehe. Fitzgerald selbst sieht sich als Versager. Allerdings besitzt er trotz seiner weiterhin stattfindenden Rückfälle in einen grenzenlosen Alkoholismus etwas, das man wohl damals schon nicht mehr so häufig fand: Ehrgefühl, Verantwortungsbewusstsein seiner Frau und Tochter gegenüber und den unbedingten Willen durchzuhalten. Er diszipliniert sich so gut es nur geht. Der frühe Scott, der tagelang im Suff umherstreifte und das Geld mit vollen Händen ausgab, existiert nicht mehr.

    “Am Tor wartete sein Pass auf ihn, ausgestellt auf jemanden namens Mr. Francis Fitzgerald.” (S. 45)

    Doch wer eigentlich ist Fitzgerald in seinen letzten Jahren? In den Jahren, die er ambitioniert versuchte, schlechte Drehbücher, die zwar dem Massengeschmack entsprechen mochten, in das zu verwandeln, was für ihn gute Geschichten, richtige Kunst ausmachte:

    “So vulgär die bewegten Bilder auch waren, in den besten von ihnen zeigte sich, wie in der besten Literatur, unbestreitbar das Leben.” (S. 31)

    Harte Arbeit, die da auf ihn zukommt, denn als Hollywood-Drehbuchautor ist man vieles, aber eines nicht: unabhängig. Eigene Ausarbeitungen können über Nacht verworfen, das ganze Projekt plötzlich jemandem anderen übergeben werden. Am schwierigsten gestaltet sich die Arbeit, wenn grundlos ein anderer Autor hinzugezogen wird, der alles eigene komplett umschreibt – denn dann muss man selbst wiederum die Änderungen des anderen umschreiben, um die eigene Kunst wieder zur Geltung zu bringen.

    Und das ist laut Stewart O’Nan, der Hemingway dies sagen lässt: ” … deine Stärke, etwas Schweres leicht aussehen zu lassen …”. Hier zeigt sich, dass O’Nan ein wahrer Kenner des Werks seines Romanhelden ist. Wer das bezweifelt, möge einfach Fitzgerald selbst lesen – gleichgültig welche seiner Erzählungen oder welchen Roman. Sie zeigen diese Stärke alle – auch wenn einige seiner Erzählungen ausschließlich geschrieben wurden, um damit Geld zu verdienen.

    Und noch eine Stärke besitzt Fitzgerald: Er zeichnet seine Figuren glaubhaft. Den Stoff seiner Geschichten findet er im realen Leben. Die Menschen, die er beschreibt, besitzen Tiefe durch ihre lichten und ihre dunklen Seiten, die er meisterhaft freilegt, ohne die Personen zu verurteilen. Nichts Menschliches scheint ihm fremd zu sein, denn er hat alles schon erlebt oder gesehen.

    “Es fiel ihm schwerer, sie zu verlassen, wenn sie sich gut benommen hatte – als würde er eine Unschuldige verurteilen -, und nachdem er Scottie in ihre Maschine verfrachtet hatte, setze er sich in die Flughafenbar und genehmigte sich einen doppelten Gin. Er konnte sich noch erinnern, dass er einen zweiten bestellte, und dann an nichts mehr bis Albuquerque. Er lag irgendwo ausgestreckt auf dem nassen Rasen, über ihm das Wasser eines Sprinklers. Sein Geld war weg, seine Jacke mit Blut bespritzt, und als er Sheilah anrief, erklärte sie, bevor er auch nur ein Wort sagen konnte, so lasse sie nicht mit sich reden, und legte auf.” (S.134)

    Stewart O’Nan gelingt diese Glaubhaftigkeit der Figuren ebenso und das ist die Stärke dieses großartigen Romans. Er zeigt, was Scott umtreibt und das sehr deutlich. Jedoch versteigt er sich nicht darauf, die Vorkommnisse oder gar die Innenwelten seines Protagonisten zu kommentieren, zu deuten oder zu erklären.

    Fitzgerald leidet in Hollywood unter einem Doppelleben. Nicht seine Sucht ist es, die ihn zu dieser Art Zerrissenheit zwingt, sondern eine unverhofft erwiderte Liebe. Die junge aufstrebende Klatschreporterin Sheila Graham ist es, der sein Herz zufliegt und die sich – trotz seines andauernden Alkoholmissbrauchs – ebenfalls verliebt. Das was Fitzgerald so viel Kraft kostet und ihn auszehrt ist nicht nur sein nicht mehr vorhandenen Ruhm, der Kampf um berufliche Anerkennung – denn was das Schreiben angeht ist er immer noch ein Profi – sondern seine ihn verpflichtende Verbindung zu Zelda. Die Urlaube mit ihr strengen ihn über die Maßen an. Zunächst befürchtet er, sie könne einen ihrer berühmten Aussetzer haben, dann muss er erkennen, dass sie medikamentös ruhig gestellt ist, was ihm absolut widerstrebt. Nichts erinnert mehr an die frühere, zwar nervenaufreibende, aber eben authentische Zelda. Es kommt ihm vor, als würde sie in Ketten gelegt und das hält er nicht aus. Um die Spannung abzubauen trinkt er. Ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, die schon arg angeschlagen ist.

    Sheila hasst es, wenn er trinkt und versucht, ihm ein Abstinenzgelübde abzuringen. Sie sieht das, was hinter der Trunksucht lauert: den Zwang sich selbst zu verletzen.

    Stewart O’Nan gelingt es mühelos, Fitzgeralds letzte Jahre in Hollywood nachzuzeichnen. Mitunter so authentisch, dass man vergisst, dass man einen Roman in Händen hält. Das liegt nicht nur daran, dass O’Nan seinen Fitzgerald kennt – die Werke durchdrungen hat – sondern auch an seiner Haltung zu den Geschehnissen, zu Scotts Verhalten. Hier wird nichts beschönigt, aber auch nichts in den Dreck gezogen. Scott ist ein komplizierter Mensch, wie wir alle. Er hat sicher zahlreiche Dämonen, aber deshalb verurteilt ihn O’Nan nicht. Und dafür bin ich dankbar.

    Ich bin eine große Verehrerin des fitzgeraldischen Werkes und hatte tatsächlich etwas Furcht davor, meinen größten literarischen Helden künstlerisch stürzen zu sehen. Doch Stewart O’Nan hat Fitzgerald so einfühlsam behandelt, wie dieser seine eigenen Romanfiguren, so dass diese Furcht gänzlich unbegründet war. Natürlich ist auch er nicht immer sympathisch, natürlich tut auch er unverzeihliche Dinge, aber die Beweggründe dafür werden deutlich. Der Fitzgerald, den O’Nan hier zeigt ist in seinem Verhalten eher altmodisch. Er versteht die Schnelllebigkeit nicht, die überall Einzug hält.

    Der nicht eben üppig ausfallende finanzielle Erfolg des Gatsby, der vielen Literaten und Kritikern schon damals als richtungsweisend galt, nimmt ihn arg mit. Und dennoch will er dieses Mal durchhalten. Nicht nur wegen des Geldes. Auch literarisch hat er noch nicht abgeschlossen – immerhin ist erst knapp über 40 Jahre alt.

    Zum Ende hin strafft O’Nan seinen Roman deutlich. Die Geschehnisse werden nicht mehr so detailliert erzählt wie zuvor. Dadurch entsteht ganz deutlich der Eindruck, Fitzgerald zerrinne die Zeit zwischen den Fingern, um seinen nächsten – und leider auch letzten und unvollendeten – Roman auszuarbeiten. Gleichzeitig zeigt O’Nan damit, wie schwer es für jeden Schriftsteller ist, tagtäglich um sein kreatives, künstlerisches Potential zu ringen und sich den von außen herangetragenen Anforderungen zu stellen.

    Stewart O’Nan hat einmal in einem Interview gesagt, was ihn interessiere, sei der Punkt an dem Menschen aufgeben. In Westlich des Sunset ist dieser Punkt erst dann erreicht, als die lange Zeit stiefmütterlich behandelte Gesundheit Fitzgeralds nicht mehr wieder herzustellen ist. Das allseits bekannte Ende des für mich größten amerikanischen Schriftstellers der damaligen Zeit schildert O’Nan atmosphärisch so dicht, dass man trotz der Unausweichlichkeit der Geschehnisse überrascht, ja getroffen zurück bleibt.

    Mit Westlich des Sunset habe ich nicht nur einen großartigen Roman lesen dürfen, sondern eine ganz besondere Begegnung erfahren, für die ich sehr dankbar bin.

    Kommentare: 4
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    felix_kuchervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Präzise recherchiert, griffige Sprache, aber große Längen.
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    O'Nan liefert einen glänzenden Einblick in die Hollywood-Maschinerie und erzählt ein Kapitel Filmgeschichte.

    Die pointierten und schnellen Dialoge, die O’Nan offensichtlich mit großer Freude erfunden hat, adeln seine biografische Annäherung
    zu einem großen Lesespaß.

    Ein großartiger Roman.

    O'Nan hat, obwohl der Roman in Holllywood spielt, ein stilles, zurückhaltendes Buch geschrieben, das langsam Fahrt aufnimmt und am Ende große Romankunst ist.

    Stewart O’Nan ist ein bemerkenswert einfühlsamer und präziser Erzähler, dem es immer gelingt, Menschen, die aus dem amerikanischen Traum gefallen sind oder zumindest an dessen Rand stehen, lebensecht zu charakterisieren.

    Wie O'Nan den Hollywoodwahnsinn gegenschneidet mit der Welt des Sanatoriums, ist großartig.

    Ein biografischer Roman über Exzesse, Liebe, Glück - Erfolg und Fall. Berührend.

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