Stig Dagerman

 4,4 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor*in von Gebranntes Kind, Schwedische Hochzeitsnacht und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Stig Dagerman (1923–1954) wurde in Älvkarleby nördlich von Uppsala als Sohn eines Sprengmeisters und einer Telefonistin geboren. Er wuchs bei seinen Großeltern väterlicherseits auf dem Land auf, bis er 1931 zu seinem Vater nach Stockholm zog. 1940 wurde sein Großvater von einem Psychopathen erstochen, eine »Wahnsinnstat«, die ihm lebenslang nachging – zumal kurz darauf ein Freund bei einem gemeinsamen Bergurlaub in einem Lawinenunglück ums Leben kam. Dagerman arbeitete nach seinem Abitur für die anarchosyndikalistische Zeitung »Arbetaren« und debütierte 1945 mit dem Roman »Die Schlange«. Die kommenden Jahre waren geprägt von exzessiven Schreibphasen und einem kometenhaften Aufstieg, aber auch von Schreibblockaden, schweren Depressionen und existenziellen Krisen. 1943 heiratete er die deutsche Geflüchtete Annemarie Götze, mit der er zwei Söhne hatte und über deren Familie er Zugang zu Deutschland fand. Nach dem Scheitern der Ehe heiratete Dagerman 1953 die bekannte Schauspielerin Anita Björk, mit der er eine Tochter hatte. Mit gerade 31 Jahren nahm er sich 1954 das Leben.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Gebranntes Kind (ISBN: 9783945370452)

Gebranntes Kind

 (8)
Neu erschienen am 07.03.2024 als Gebundenes Buch bei Guggolz Verlag.

Alle Bücher von Stig Dagerman

Cover des Buches Gebranntes Kind (ISBN: 9783945370452)

Gebranntes Kind

 (8)
Erschienen am 07.03.2024
Cover des Buches Schwedische Hochzeitsnacht (ISBN: 9783821862309)

Schwedische Hochzeitsnacht

 (4)
Erschienen am 23.03.2010
Cover des Buches Deutscher Herbst (ISBN: 9783945370315)

Deutscher Herbst

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Erschienen am 12.08.2021
Cover des Buches Gebranntes Kind (ISBN: B002SEK7R2)

Gebranntes Kind

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Erschienen am 01.01.1983
Cover des Buches Der Mann, der nicht weinen wollte (ISBN: 9783379003230)

Der Mann, der nicht weinen wollte

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Erschienen am 01.01.1988
Cover des Buches Trost (ISBN: 9783596711611)

Trost

 (0)
Erscheint am 28.01.2025
Cover des Buches Gebranntes Kind. (ISBN: 9783518017951)

Gebranntes Kind.

 (1)
Erschienen am 01.12.1988
Cover des Buches Deutscher Herbst '46 (ISBN: 9783814700021)

Deutscher Herbst '46

 (0)
Erschienen am 01.04.1984

Neue Rezensionen zu Stig Dagerman

Cover des Buches Gebranntes Kind (ISBN: 9783945370452)
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Rezension zu "Gebranntes Kind" von Stig Dagerman

Auf der Suche nach Reinheit
lesehorizontvor 5 Tagen

Der Guggoltz Verlag ist nun seit einigen Jahren dafür bekannt, so manche Perle entdeckt und dieser der deutschen Leserschaft zugängig gemacht  zu haben. So gehe ich stets mit großer Vorfreude an die Lektüre der in diesem Verlag erscheienden Werke heran. Auch Stig Dagerman war mir vorher als Autor kein Begriff. "Gebranntes Kind" erschien vor gut 75 Jahren und wurde nun vom Guggoltz Verlag neu entdeckt.  Man darf keine leichte, kurzweilige Lektüre erwarten. Nicht auszuschließen ist, dass Dagerman, der sich mit 31 Jahren das leben lang, sein eigenes Seelenleben spiegelt. 

Zu Beginn des Romans erfahren wir, dass Bengts Mutter verstorben ist. Sie ist in ihrem Wohnhaus gegenüber einer Metzgerei tot aufgefunden worden. Ausgerechnet bei ihrer Beerdigung erfährt Bengt, dass sein Vater ihr nicht treu war und seit längerem eine Affaire mit Gun unterhält. Bengt hat somit zwei bittere Pillen auf einmal zu schlucken. Bei der Verarbeitung der Trauer fühlt er sich allein gelassen; findet keinen Gesprächspartner. Sein Vater hat sich ohnehin dafür disqualifiziert. Aber auch seine Freundin Berit kann ihn nicht auffangen. So folgen wir Bengt in seinen Gedanken und Gefühlen insbesondere in Form von Briefen, in denen er versucht, seine Trauer in den Griff zu bekommen. Tiefe Ambivalenzen duirchziehen nicht nur sein Innerstes, sondern auch sein zum Teil gestörtes Verhalten nach außen, dass eine Folge seiner Enttäuschung und seines tief empfundenen Hasses ist: auf den Vater und seine Partnerin Gun. 

Bengt sehnt sich nach Gewissheit in der Welt, nach Reinheit. Doch als er mit Freundin Berit, Vater und Gun den Sommer gemeinsam verbringt, entflammt eine Leidenschaft für Gun und Bengt beginnt ein Verhältnis mit ihr. Er ist mit sich im Reinen, dies auszuleben, was immer es koste. Vielleicht passt hier das Sprichwort "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm"? Er ist letztlich nicht besser als sein Vater, den er ja für seine Untreue hasst. Ohne Rücksicht auf Verluste lässt er seine Emotionen an seiner Umwelt aus. 

Ich habe den Roman als psychologische Fallstudie gerne gelessen. Allerdings habe ich mich auch etwas in der Geschichte und deren Fokus verloren. Eine Zweitlektüre wäre vielleicht hilfreich - auch um die komplexe Symbolik des Romans besser fassen zu können. Von der Thematik her, ist der Roman zeitlos: Es geht um den Umgang mit Trauer und Verlust, der Suche nach einem Platz in der Welt und schließlich um die verschiedenen Facetten von Liebe. In jedem Fall bin ich auf den Autoren nun neugierig geworden und bin grundsätzlich auch an weiteren Werken interessiert. Dieses Mal kein Highlight, aber dennoch ein sehr lesenwertes Buch. 

Cover des Buches Gebranntes Kind (ISBN: 9783945370452)
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Rezension zu "Gebranntes Kind" von Stig Dagerman

Intensiv und verstörend
Irisblattvor 11 Tagen

Der schwedische Autor Stig Dagerman, der sich mit 31 Jahren das Leben nahm, veröffentlichte „Gebranntes Kind“ im Jahr 1948. Nun hat der Guggolz Verlag den Text in einer neuen Übersetzung von Paul Berf neu herausgegeben. Ein informatives Nachwort des Schriftstellers Aris Fioreto bietet auf wenigen Seiten hilfreiche Ansatzpunkte zum Verständnis.
Der Roman setzt kurze Zeit vor einer Beerdigung ein. Bengts Mutter ist tot. Sie brach in der dem Wohnhaus gegenüberliegenden Metzgerei zusammen und starb. In einer zunächst sezierenden, stakkatoartig anmutenden Sprache richtet Dagerman den Blick auf den zwanzigjährigen Bengt, seinen Vater und seine beiden Schwestern, die sich in der Wohnung für die Beerdigung zurechtmachen. Wir begleiten Bengt und seinen Vater zur Beisetzung und nehmen an zentralen Geschehnissen im Jahr nach dem Tod der Mutter bzw. Ehefrau teil. Vater und Sohn trauern unterschiedlich. Sie belauern und belügen sich. Bengt ist in seiner Trauer und seinem Wesen äußerst ambivalent. Er fühlt sich moralisch überlegen, obwohl er weder zu seinem Vater noch zu seiner Freundin ehrlich ist und zu Gewaltausbrüchen neigt. Bereits vor dem Tod seiner Frau hatte der Vater eine Geliebte, die dieser nun gerne als „Ersatzmutter“ für seinen Sohn sehen würde. Bengt möchte diese Frau hassen, schmiedet Rachepläne, fühlt sich zugleich aber magisch angezogen. Sie wird für ihn Geliebte und Mutter zugleich.
Zahlreiche Szenen im Text haben etwas Kafkaeskes. Die Protagonist:innen wirken alle auf ihre Weise gestört, einsam und verloren. Dagermans Sprache wechselt zwischen äußerst reduzierten, knappen Sätzen mit zahlreichen Wortwiederholungen und poetisch dahinfließenden, zärtlichen Passagen. Der gesamte Text ist unglaublich dicht und reich an Symbolik, die es zu entschlüsseln gilt.
Mich hat dieser Roman ungemein fasziniert und ich bin froh, diesen zeitlosen, literarisch anspruchsvollen Text entdeckt zu haben, der die Zerrissenheit des Hauptprotagonisten, aber auch die Einsamkeit der anderen so hautnah erfahren lässt.

Cover des Buches Gebranntes Kind (ISBN: 9783945370452)
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Rezension zu "Gebranntes Kind" von Stig Dagerman

Einblick in die gestörte Psyche eine jungen Mannes
Federfeevor einem Monat

Ich muss die Hauptperson eines Buches nicht mögen, ich kann sogar das Verhalten verurteilen, ohne dass das Buch abzulehnen. Aber hier war mir der  Protagonist Bengt so zuwider, dass ich Schwierigkeiten hatte, das Buch zu Ende zu lesen. Er quält nicht nur einen Hund, stellvertretend für Personen, für die er Hass empfindet, er schlägt auch eine Frau und lügt und betrügt seinen Vater und andere. Er will sie und ihr Verhalten analysieren, kann das aber in keinster Weise auf sich selbst anwenden.

Dabei hat er mir zuerst ein bisschen Leid getan, denn seine Mutter ist gestorben und er scheint großen Schmerz zu empfinden. Mit der Beerdigung beginnt die Geschichte in einem mich zuerst schockierenden Stil: stakkatohaft, gleiche Satzanfänge, ständige Verwendung von 'schön' und 'hässlich'. Ob das die Weltsicht des Vaters – eines einfachen Mannes – ausdrücken soll, hat sich mir so wenig erschlossen wie die vielen Symbole und Bilder. Das erfordert angestrengtes Lesen und viel Nachdenken, um alles zu verstehen. Ich fand es überfrachtet.

Doch der Autor Stig Dagerman kann auch anders, denn plötzlich ändert sich der Tonfall. Der Sohn Bengt schreibt Briefe, sprachlich flüssig, mit geradezu philosophischen Gedanken über Liebe, Erziehung und das Leben. Ein erstaunlicher Kontrast. Aber auch hier zeigt sich wieder das Verlogene von Bengt und seine seltsame Sicht der Welt. Nur wer 'rein' ist, darf andere schlagen. Bengt biegt sich die Realität nach seinem Gutdünken zurecht. Ich empfand sein Verhalten und seine Gedanken als ziemlich gestört und frage mich, wie man so werden kann, was die Ursachen sind, bin aber ohne Antwort geblieben. Auch die Reaktionen der anderen Personen seiner Umwelt fand ich seltsam und von mir aus geurteilt unrealistisch.

Gefallen hat mir die atmosphärische Schilderung des Begräbnisses, das Davor und Danach – trotz der stilistischen Eigenheiten – und auch die zarten, zärtlichen Liebesszenen, überhaupt die ganze Dichte der Erzählungen. Man bekommt einen tiefen Einblick in die gespaltene Persönlichkeit des jungen Bengt, in das Hin und Her in seinem Inneren, in seine Überlegungen zu Erziehung, Liebe und wie man leben soll. Es ist allerdings eine sehr fordernde, manchmal schockierende Lektüre, die dem Leser einiges abfordert.

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