Die Frage nach der Notwendigkeit der wissenschaftlichen Disziplin der Militärgeschichte erübrigt sich in diesen Tagen - sie liegt angesichts der globalen geopolitischen Spannungen und militärischen Konflikte auf der Hand. Der Emeritus Stig Förster hat mit seiner im C.H. Beck Verlag erschienenen "Deutschen Militärgeschichte" ein Meisterwerk in inhaltlicher, aber auch formaler Hinsicht geschaffen.
Zum Inhalt: Vom Bauernkrieg und den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges über die Deutsch-Französischen Kriege und die Verheerungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs bis hin zu den Afghanistan-Einsätzen der Bundeswehr – Stig Förster bietet einen weitreichenden Überblick über alle wichtigen militärischen Konflikte der deutschen Staaten vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das Buch zeichnet sich vor allem durch eine Erweiterung der Perspektiven aus: Neben den großen Schlachten kommt das individuelle Erleben von Krieg ebenso zum Tragen wie die Verflechtungen zwischen Militär und Zivilgesellschaft sowie die internationale Dimension militärischen Handelns. Man erfährt darüber hinaus alles Wissenswerte über Waffengattungen, Uniformen und Militärtaktiken. Diese fundierte und flott geschriebene Darstellung bietet eine spannende Lektüre und ermöglicht ein tiefgreifendes Verständnis von 500 Jahren deutscher Militärgeschichte.
Trotz des genialen Wurfs bleiben für mich auch minimale Kritikpunkte bestehen. So wird der wissenschaftstheoretische Überbau der Disziplin Militärgeschichte nicht immer ganz deutlich und an manchen Stellen verfällt der Autor bei seiner durchaus genialen Analyse zu sehr ins Ethisch-Normative. Dennoch ist die "Deutsche Militärgeschichte" ein Meilenstein der Militärgeschichtsschreibung. Der Autor brilliert nicht nur mit einem unglaublichen Wissen und einer kohärent-holistischen Darstellung, sondern es gelingt ihm auch, stilistisch so zu agieren, dass die Lektüre des Buchs eine Art Sogwirkung entfaltet, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Absolute Leseempfehlung!







