Stig Sæterbakken

 4.1 Sterne bei 32 Bewertungen
Autor von Durch die Nacht, Lillehammer-Palermo und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Stig Sæterbakken

Teil der norwegischen Legenden: Stig Sæterbakken, geboren am 4. Januar 1966, war ein norwegischer Schriftsteller. Er war bekannt für seine Romane, Gedichte, Essays und seine Arbeit als Übersetzer. 

Sein Debüt als Autor gab er mit seiner ersten Gedichtsammlung. Damals war er achtzehn Jahre und ging noch auf die Lillehammer Senior High School. 

1991 veröffentlichte er dann seinen ersten Roman „Incibus“. Später folgten weitere Romane, Essay-Sammlungen und lyrische Texte. Zahlreiche seiner Werke wurden in über 10 Sprachen übersetzt und bescherten dem norwegischen Autor so auch internationalen Erfolg. Nun als berühmter Schriftsteller angesehen, wurde er 2006 schließlich der Leiter des Notwegischen Literaturfestivals. 

Der Autor begang am 24. Januar 2012, im Alter von 46 Jahren Suizid.

Alle Bücher von Stig Sæterbakken

Cover des Buches Durch die Nacht (ISBN: 9783832165529)

Durch die Nacht

 (31)
Erscheint am 10.03.2021
Cover des Buches Lillehammer-Palermo (ISBN: 9783940524775)

Lillehammer-Palermo

 (1)
Erschienen am 22.07.2019
Cover des Buches 23 Notizen über den Alkohol (ISBN: 9783955660529)

23 Notizen über den Alkohol

 (0)
Erschienen am 01.11.2015

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Rezension zu "Durch die Nacht" von Stig Sæterbakken

Ein gebrochener Mann
Babschavor 4 Monaten

Schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dämmerung, bleib wach, 

Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach, 

Und frisst sich, wenn du schläfst, so tief in Hirn und Lungen fest, 

Dass du dieses Haus nur sterbend oder tot wieder verlässt. 

(Hannes Wader - Hotel zur langen Dämmerung)   


Karl Meyer heißt die tragische Hauptfigur dieses großartigen, im wahrsten Sinne umwerfenden Romans. Er ist Zahnarzt in Norwegen, verheiratet mit der schönen Eva, seiner abgeklärten, kühl-distanzierten Ehefrau, und hat zwei Kinder, Tochter Stine und den älteren Sohn Ole-Jakob. Alles gerät aus den Fugen, als Karl sich mit Mona, einer weitaus jüngeren Verkäuferin, einlässt, dann allerdings nach kurzer Zeit reumütig zu seiner Familie zurückkehrt. Eva nimmt ihn zwar wieder auf und wahrt nach außen den Schein, die Familie allerdings ist am Ende, Frau wie Kinder strafen ihn nur noch mit Verachtung, Wut und Desinteresse. Als der gerade achtzehnjährige Ole-Jakob dann eines Tages mit dem Wagen der Eltern Suizid begeht, gerät alles endgültig in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale. Die Schuldfrage wird zum alles beherrschenden Familienthema, allerdings ohne dass hierüber jemals offen gesprochen würde. Karl erfährt von einem Freund von einem mysteriösen Haus in der Slowakei, in dem man sich seinen innersten Dämonen stellen kann und aus dem man entweder geheilt oder vollständig gebrochen wieder herauskommt. Er macht sich auf den Weg…  Der Autor, der kurz nach Veröffentlichung des Buches seinem eigenen Leben ein Ende setzte, legt hier einen faszinierenden Roman über Schuld und Sühne vor, der vollständig aus Sicht der Hauptperson erzählt wird und damit viel Interpretationsspielraum zum Handeln der einzelnen Familienmitglieder lässt. In verschachtelten Rückblenden wird der Leser hineingesogen in die komplizierten, quälenden Gedanken und Empfindungen seiner zerrissenen Hauptperson und kann sich mit fortschreitender Lektüre dann seine eigene Meinung zu dem Ganzen bilden und innerlich  Stellung beziehen. Das ist auch gut so, weil das Buch sich in der zweiten Hälfte auf eine eher metaphysische Ebene begibt, die den bisherigen stringenten Handlungsverlauf verlässt, dabei aber das vollständige Abdriften Karls in seine eigene Kopfwelt voller Versagen, Ängste, Fehlverhalten und Schuld sehr anschaulich transportiert.  Ein toll geschriebenes, zutiefst unter die Haut gehendes Buch mit hoher Sprachgewalt des Autors, das den Leser bis zur letzten Seite fesselt und dessen interpretationsfähiges Ende ihm dann noch den letzten Kick gibt. Unbedingt lesenswert!

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Rezension zu "Durch die Nacht" von Stig Sæterbakken

Wenn die Schuld schwer zu ertragen ist
Buecherwurm1973vor 7 Monaten

Karl Meyer ist Zahnarzt. Er ist mit Eva verheiratet  und hat mit ihr zwei Kinder – Sohn Ole-Jakob und Tochter Stine.  Alle gehen ihres Weges bis zum Tag als Karl beichtet, dass er eine andere Frau liebt. Er zieht aus und glaubt an eine Zukunft mit Mona. Doch auch in dieser Beziehung schleicht sich bald der Alltag ein und ihm wird bewusst, was ihm seine Familie bedeutet. Er zieht wieder zu ihr zurück. Anstatt Friede, Freude, Eierkuchen zieht die Trauer ins Haus. Ole-Jakob begeht Suizid.

In etwa so kann man der erste Teil schnell zusammenfassen. Er ist so eindringlich geschrieben, dass ich ihn schlichtweg inhaliert habe. Danach habe ich kaum mehr aus dem Buch gefunden. Man kann ihn aus verschiedenen Sichtweisen lesen. Ich habe mich entschlossen, in die Rolle von Karl zu schlüpfen. Er erzählt, wie er seine Frau Eva kennengelernt hat bis hin zum Tod seines Sohnes. Mich fasziniert wie er in wenigen Sätzen Episoden erzählt – nur die Fragmente seiner Erinnerung und nur aus seinem Blinkwinkel gesehen. Es sind seine Wahrnehmungen und Interpretationen. Seine Frau und Kinder erhalten keine Stimme und wir wissen deshalb nicht, weshalb sich Eva und seine Kinder bereits vor dem Fremdgehen sich von ihm abwenden.   

Ich konnte diese Machtlosigkeit, die Trauer und es nicht wahrhaben wollen von Karl so gut verstehen und spüren. Sicherlich spielen da auch meine eigenen Erfahrungen mit diesem Thema eine Rolle.  Dazu kommt die Schuldfrage, hat seine Affäre mit Mona seinen Sohn in den Tod getrieben? Da Eva und Stine ihm zu verstehen geben, dass er im Haus nicht mehr erwünscht ist, beschliesst er dieses Haus in der Slowakei  auszusuchen, von dem ihm sein ehemaliger Schwager und Freund Boris erzählt hat. Es soll einen mit den ärgsten Ängsten konfrontieren. Karl will endlich die Erlösung von seinem Zustand. Wird er sie dort finden?

Der zweite Teil widmet sich seiner Reise. Der Schreibstil ändert sich. Ole-Jakob ist allgegenwärtig, überall begegnet er seinem Sohn. Seine Trauer, seine Schuldgefühle spülen Karls Dämonen an die Oberfläche, die wahrscheinlich auch diejenige des Autors waren. Zum Schluss kommt er vom eigentlichen Thema ab und schreibt eigentlich nur noch wirres Zeugs. Schade, denn es hat super begonnen. Aber dennoch war es ein intensives Leseerlebnis, welches ich nicht missen möchte.

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Rezension zu "Durch die Nacht" von Stig Sæterbakken

"Anatomie eines Trauerprozesses" oder das Ende einer Depression?
R_Mantheyvor 8 Monaten

Dass dieses Buch die Anatomie eines Trauerprozesses wäre, steht im Klappentext. Und so sehen es offenbar viele Leser und Rezensenten. Man kann es allerdings auch etwas anders verstehen.

Das erste Wort in diesem Buch ist Trauer. Sie würde in vielen Formen auftreten und so ähnlich sein, wie Licht, das ein- und ausgeschaltet wird, erfährt man von Karl Meyer, dem Erzähler. Karl Meyer hat erst seine Ehe mit einer Liebschaft zerstört, und dann hat sich in der Folge sein Sohn umgebracht. Ob es zwischen den beiden Taten einen Zusammenhang gibt, bleibt offen, denn Ole-Jakob zog es vor, seinen Selbstmord nicht zu erklären. Für Karl Meyer jedoch ist dieser Zusammenhang offenbar eine Tatsache. Und deshalb trauert er und gibt sich an allem die Schuld. Befeuert wird diese Gefühlslage durch seine betrogene Frau und seine Tochter.

So tragisch diese Geschichte auch sein mag, so stellt sich doch die Frage, wo sie eigentlich beginnt. Beim Ehebruch? Oder schon viel früher? Und was macht das Buch dabei so besonders? Auf die letzte Frage gibt es eine einfache Antwort: Es sind die Intensität und Präzision der Sprache. Mehr noch: Wer so schreibt, so genau und heftig das Innenleben des Karl Meyer aus dessen Perspektive sezieren kann, der muss es aus eigenem Erleben kennen.

Über seine Ehefrau spricht Meyer so: "Vielleicht war sie nicht diejenige, die ich am meisten geliebt hatte, aber sie war ein Mensch, bei dem ich gedacht hatte, es ist so, wie es sein soll, so soll es sich anfühlen, wenn zwei Menschen zusammenleben, die Liebe heruntergebrochen zu einer ehrlichen, respektablen Arbeitsgemeinschaft, solide genug, um Stürmen zu trotzen."

Und seine Geliebte Mona sieht er am Ende so: "Sie war ein Kind,, …, ein großes Kind, das aktiv werden wollte und nicht genügend Grips im Kopf hatte, um aus eigener Initiative etwas zu unternehmen, das plump und vulgär herumsaß und darauf wartete, dass ihm jemand ein neues Spielzeug in den Schoß legte, und das fünf Minuten später schon wieder ein neues Spielzeug brauchte. Sie war wie eine Prinzessin, die bedient werden wollte. Ein schmollendes Weibchen. Ein egozentrisches Kind."

Beide Frauen leben noch, aber Meyer wählt die Vergangenheitsform, um sie zu beschreiben. Auf den ersten Blick haben die beiden Aussagen nur eine Gemeinsamkeit: Sie bezeugen eine genaue Beobachtungsgabe und Meyers analytische Fähigkeiten. Vielleicht sind sie auch das Resultat ständigen Nachdenkens und Hinterfragens. Beim genaueren Hinhören merkt man in ihnen eine Distanziertheit. Hier bin ich, da sind die anderen. Da ist das Leben, zu dem ich irgendwie nicht gehöre.

Karl Meyers Leben scheint trist und unerfüllt verlaufen zu sein. In seinen Rückblenden fehlen fröhliche Ereignisse. All seine Erinnerungen liegen unter einem Grauschleier des Unbedeutenden. So wie er es bei seiner Geliebten nicht mehr ausgehalten hat, so verlässt er dann auch seine Frau und seine Tochter ein zweites Mal. Nun beginnt die Geschichte sich ins Surreale und Obskure zu entwickeln. Es wird nicht mehr hell. Es gibt keinen Morgen danach.

Kurz nach dem Erscheinen des norwegischen Originals nahm sich Stig Saeterbakken das Leben. Er litt an Depressionen.

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Stig Sæterbakken wurde am 04. Januar 1966 geboren.

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