Preiselbeertage

von Stina Lund 
4,4 Sterne bei38 Bewertungen
Preiselbeertage
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Gelernt: man sollte mehr miteinander reden, denn Geheimnisse kommen am Ende immer ans Licht.

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Familiengeschichte voller Geheimnisse mit interessantem Schauplatz Schweden in der Gegenwart und der DDR in der Vergangenheit

Alle 38 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Preiselbeertage"

Schweden: Das ist für Ariane das Land ihrer Kindheit, das Land mit dem roten Holzhaus ihrer Eltern am See, das Land der Preiselbeeren. Aber auch das Land, in dem sie nie wirklich zu Hause war, anders als ihre pragmatische Mutter und die lebensfrohe Schwester Jolante.
Seit Jahren war Ariane nicht mehr in Schweden. Gleich nach der Schule ist sie nach Deutschland ausgewandert, die ursprüngliche Heimat ihrer Eltern. Die waren nach der Wende aus der DDR nach Småland gezogen und sprachen nur selten von ihrem alten Leben.
Dann bekommt Ariane die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters - und von einem Manuskript, das er ihr vererbt hat. Doch das scheint spurlos verschwunden. Gegen jede Vernunft geht Ariane zurück nach Schweden und hofft, dort endlich herauszufinden, wohin ihr Herz gehört.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499291449
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:22.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.09.2017 bei Audio Media Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    schnaeppchenjaegerins avatar
    schnaeppchenjaegerinvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Familiengeschichte voller Geheimnisse mit interessantem Schauplatz Schweden in der Gegenwart und der DDR in der Vergangenheit
    Familiengeschichte voller Geheimnisse rührend aus den 80er Jahren in der DDR

    Ariane lebt seit elf Jahren in Leipzig, dem Herkunftsort ihrer Mutter Ina und wo auch ihre Großeltern Margarethe und Benno, zu denen sie ein sehr enges Verhältnis hat, und arbeitet dort als Bild- und Videoredakteurin beim MDR. Als ihr Vater Jörg plötzlich stirbt, kehrt sie nach all den Jahren nach Schweden zurück, um neu anzufangen. Zu ihrer Mutter Ina ist das Verhältnis unterkühlt und auch ihrer jüngeren Schwester Jolante fühlte sie sich nie eng verbunden. Jörg hat seinen Töchtern laut Testament ein Manuskript vermacht, das jedoch nicht auffindbar ist. Ina gibt sich ahnungslos, doch Ariane lässt nicht locker. Sie möchte endlich wissen, warum sie sich in Schweden nie heimisch gefühlt hat und ob das Manuskript ihr Aufschluss geben kann. 

    "Preiselbeertage" ist eine Familiengeschichte, die in der Gegenwart überwiegend in Söderby in Schweden spielt. In Rückblenden erfährt man, was sich Ende der Achtzigerjahre vor der Wende in Leipzig abgespielt hat und wie es dazu kam, dass Ina und Jörg als Republikflüchtlinge in Schweden ein neues Leben angefangen haben. 

    Die ganze Familie, aber insbesondere die Frauen, haben - geprägt von einem kommunistischen Staat mit wenig Freiheiten und in ständiger Angst vor Stasi und Bespitzelung - Schicksalsschläge verkraften müssen, die das Verhältnis zueinander nachhaltig erschüttert haben.   

    Ariane ist in einer Familie aufgewachsen, in der nicht viel miteinander gesprochen wurde. Während sie sich mit Jörg gut verstanden hat, war die Verbindung zu ihrer Mutter stets distanziert, fast lieblos. 

    Die Geschichte wirkt nicht nur durch die gut gezeichneten Charaktere, sondern auch durch die historischen Fakten der deutschen Geschichte, authentisch. Schmerz, Enttäuschung und Verbitterung sind nachvollziehbar dargestellt und als Leser begreift man schnell, dass in der Familie vor allem durch Verdrängung und Schweigen sowie dem Verfall in Opferrollen einiges im Argen liegt. Der Tod von Jörg und das Manuskript, für das er bereits einen Verleger gefunden hatte, sind eine Chance um das Schweigen zu brechen und die Geheimnisse der Vergangenheit auf den Tisch zu legen, um gemeinsam neu anzufangen. 

    Auch wenn die Geschichte in Teilen vorhersehbar ist und an mancher Stelle nur oberflächlich bleibt, hat mir die emotionale Familiengeschichte, eingebettet in die deutsch-deutsche Geschichte, und vor allem auch bildhafte Beschreibung von Schweden und seiner Natur gut gefallen. 

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    nati51vor 9 Monaten
    Ein Stück deutsche Geschichte

    Ariane hat gleich nach der Schule Schweden verlassen und ist nach Leipzig gezogen, der ursprünglichen Heimat ihrer Eltern, die die DDR verlassen hatten. Nach dem Studium hat sie eine Stelle angenommen und ist bereits seit Jahren nicht mehr in Schweden gewesen. Dann erreicht sie der Anruf ihrer Mutter Ina, dass ihr Vater Jörg plötzlich verstorben ist. Obwohl sie sich nicht sehr nahe standen, hatte sie ihren Vater Jörg sehr gemocht. Sie fliegt zur Beerdigung ihres Vaters nach Schweden und erfährt, dass ihr Vater ihr und ihrer Schwester Jolante ein Manuskript hinterlassen hat. Sie sollen dafür sorgen, dass es veröffentlicht wird. Ina streitet das Vorhandensein ab. Ariane glaubt ihrer Mutter nicht und begibt sich auf Spurensuche.

    Das Buch wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Die Gegenwart berichtet über Ariane, die sich auf die Suche des Manuskriptes begibt und Fragen stellt, auf die sie keine Antworten bekommt. Der zweite Erzählstrang beginnt Im Jahr 1986 und erzählt die Geschichte von Ina, die Gesang studiert und mit einem Chor von Leipzig ins kapitalistische Schweden reisen kann. Ihre kleine Tochter lässt sie bei ihren Eltern, ohne zu ahnen, dass sie diese für lange Zeit nicht wiedersehen wird.
    Stina Lund hat sehr nachvollziehbar das Verhalten der einzelnen Personen beschrieben und auch die Repressalien, die die ehemalige DDR auf ihre Bürger ausgeübt hat, so dass man sich gut in sie hineinversetzen konnte. Mich hat dieses Buch sehr berührt.

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    Isaoperas avatar
    Isaoperavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wirkt gut recherchiert, konnte mich emotional aber leider nicht erreichen!
    Hat mich emotional leider nicht erreicht

    Aufwachsen in einem freien westlichen Staat oder in einem reglementierten Staat mit Überwachung wie der DDR – davon, wie groß der Gegensatz nur sein kann und was das für die Menschen bedeutet hat, erzählt dieser Roman. Und das ist an manchen Stellen nicht ohne – die Geschichte ist sehr interessant und wirkt gut recherchiert, aber eben an vielen Stellen auch tragisch und ich fand die Empfindungen der Protagonisten zu jedem Zeitpunkt sehr authentisch dargestellt. Und dennoch ist dieses Buch leider kein Herzensbuch geworden und konnte mich nicht richtig erreichen. Ich denke, der Grund dafür liegt in den Figuren.

    Ariane ist eine angenehme Protagonistin, denn ich habe sie nicht besonders liebgewonnen, war aber auch nicht von ihr genervt oder gestört. Sie hat im Verlauf der Geschichte eine Menge zu verkraften und ich war froh, dass ihr die Liebe ein klein wenig Unterstützung geleistet hat. Oma Margarethe und Opa Benno waren auf jeden Fall meine Lieblingsfiguren, denn ihr enges Verhältnis zu Ariane konnte ich 100% nachvollziehen. Die beiden waren mir sehr sympathisch. Auch Arianes Schwester mochte ich gern, konnte ihre Ideen und Träume aber nicht immer wirklich nachvollziehen.

    Schwierig war für mich Arianes Mutter Ina. Einerseits konnte ich sehr gut verstehen, wie schwierig alles für sie war, aber andererseits blieb ich die ganze Zeit über unbeteiligt. Das Buch hat mich emotional einfach nicht erreicht und ich glaube, es lag vor allem daran, dass ich zu Ina einfach keinen richtigen Zugang gefunden habe.

    Insgesamt eine gute Geschichte, aber sie konnte mich nicht packen. Daher solide, aber eben auch nur mittelmäßige, 3 Sterne!

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    lenisveas avatar
    lenisveavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein fesselndes Buch über ein Stück deutsche Geschichte, nur zu empfehlen, 4,5 Sterne
    Preiselbeertage

    Bibliografie Verlag: rororoErscheinungstermin: 22.09.2017Lieferbar336 SeitenISBN: 978-3-499-29144-9 Schweden: Das ist für Ariane das Land ihrer Kindheit, das Land mit dem roten Holzhaus ihrer Eltern am See, das Land der Preiselbeeren. Aber auch das Land, in dem sie nie wirklich zu Hause war, anders als ihre pragmatische Mutter und die lebensfrohe Schwester Jolante. Seit Jahren war Ariane nicht mehr in Schweden. Gleich nach der Schule ist sie nach Deutschland ausgewandert, die ursprüngliche Heimat ihrer Eltern. Die waren nach der Wende aus der DDR nach Småland gezogen und sprachen nur selten von ihrem alten Leben. Dann bekommt Ariane die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters - und von einem Manuskript, das er ihr vererbt hat. Doch das scheint spurlos verschwunden. Gegen jede Vernunft geht Ariane zurück nach Schweden und hofft, dort endlich herauszufinden, wohin ihr Herz gehört. Meine Meinung: Ich bin durch eine Leserunde bei wasliestdu auf das Buch aufmerksam geworden. Freundlicherweise wurde mir das Buch hierfür und zu Rezensionszwecken vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leicht gefallen, der Schreibstil war sehr flüssig und ich bin direkt gut in die Geschichte rein gekommen. Man lernt Ariane kennen, die in Deutschland lebt und erfährt, dass ihr Vater, der mit ihrer Mutter und Schwester in Schweden lebt, sehr plötzlich gestorben ist. Daraufhin kehrt sie nach Jahren wieder nach Schweden zurück. Das Manuskript, das er ihr vererbt hat, ist verschwunden. Somit macht sie sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit. Ich fand die Thematik sehr interessant. Es gibt zwei Zeitstränge: die Gegenwart und die Vergangenheit von 1987-1990. Hierbei geht es auch um die frühere DDR, Republikflucht und zerrüttete Familien. Mich konnte diese deutsche Geschichte wahnsinnig fesseln. Für mich war es auch interessant, mal die andere Seite kennen zu lernen. Ich habe immer nur in Westdeutschland gewohnt, hatte auch früher nicht soviel Bezug zu Ostdeutschland. Es zeigt auch sehr gut auf, wie grausam teilweise Familien getrennt wurden, nicht immer klappt eine spätere Zusammenführung. Alles in allem hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Ich kann hier eine klare Kauf- und Leseempfehlung geben. Von mir bekommt das Buch sehr gute 4,5 Sterne. Die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Preiselbeertage

    Inhalt:

    Schweden: Das ist für Ariane das Land ihrer Kindheit, das Land mit dem roten Holzhaus ihrer Eltern am See, das Land der Preiselbeeren. Aber auch das Land, in dem sie nie wirklich zu Hause war, anders als ihre pragmatische Mutter und die lebensfrohe Schwester Jolante. Seit Jahren war Ariane nicht mehr in Schweden. Gleich nach der Schule ist sie nach Deutschland ausgewandert, die ursprüngliche Heimat ihrer Eltern. Die waren nach der Wende aus der DDR nach Småland gezogen und sprachen nur selten von ihrem alten Leben. Dann bekommt Ariane die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters - und von einem Manuskript, das er ihr vererbt hat. Doch das scheint spurlos verschwunden. Gegen jede Vernunft geht Ariane zurück nach Schweden und hofft, dort endlich herauszufinden, wohin ihr Herz gehört.

     

    Meine Gedanken zum Buch 



    Dieses Büchlein habe ich vom Rowohlt-Verlag zugeschickt bekommen, vielen Dank nochmal an dieser Stelle. Ich habe mich wirklich sehr auf das buch gefreut, denn die Gestaltung finde ich wirklich sehr gelungen und ansprechend. Auch die geschichte, konnte mich von sich überzeugen, wenn auch nicht vollends...♥


    Im Buch geht es um Ariane, die als Redakteurin in Leipzig lebt und arbeitet. Sie ist ein einer guten Beziehung, die aber nicht reicht, um mit ihrem Freund zusammenziehen zu wollen, woraufhin sich dieser von ihr trennt. Ariane braucht dringend eine Auszeit und diese nimmt sie sich: Sie reist nach Schweden, wo sie als Tochter ehemaliger DDR-Bürger aufgewachsen ist. Erst vor kurzer Zeit ist ihr Vater überraschend verstorben und nun verbringt sie einige Zeit mit ihrer Mutter, zu der sie aber nie ein wirklich inniges Verhältnis hatte. Ariana und ihre Schwester erfahren, dass sie von ihrem vater ein Manuskript geerbt haben. Das seltsame an der Sache ist, dass ihre Mutter das Ganze leugnet und sich dagegen auflehnt. Aber warum? Die Geschichte wird aus 2 Perspektiven erzählt: Einmal in der Gegenwart und dann wieder in Rückblenden, in der Zeit vor und rund um die Wende spielend. Erzählt wird grundlegend die Geschichte von Ina und Jörg, die sich in Schweden damals ein neues Leben aufgebaut haben und ihre Töchter Ariane und Jolante, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im Großen und Ganzen handelt es sich hier um eine Familien Geschichte. Sowas find eich ja immer total spannend! Wer versteht sich mit wem nicht und wer hat wen wie gern...? Solche Verstrickungen, die dann Ereignisse geschehen lassen, die das leben für alle Familienmitglieder verändern, finde ich immer wieder sehr interessant. Die Figuren waren alle unterschiedlich, jeder war auf seine eigene Art besonders und total interessant. Wirklich spannend fand ich auch die Hintergrundgeschichte, die mich noch mehr über die damalige DDR erfahren lies, also hatte das Buch auch einen gewissen geschichtlichen Stellenwert, aus dem ich etwas mitnehmen konnte.

    Dieses Buch bot für mich viele neue Handlungsweisen und Figuren, von denen ich so bisher nur wenig bis nichts gelesen habe. Eine wirklich tolle Geschichte über ein sich lüftendes Familiengeheimnis, sich ändernde Figuren und das Umgehen mit neuen und unerwarteten Lebensabschnitten, die einen manchmal zu überwältigen drohen. Wirklich sehr schön und spannend geschrieben! Ich hätte mir hier und da ein bisschen mehr Szenen gewünscht, in denen Emotionalität aufkommt, oder mehr Dialoge zwischen einigen Figuren, die sich für mich zu wenig ausgetauscht haben. Dennoch hat mir das Buch wirklich gut gefallen und ich kann es nur empfehlen!♥




    Bewertung

    Ich vergebe 4/5 Katzen für "Preiselbeertage"♥

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    yesterdays avatar
    yesterdayvor einem Jahr
    Ein Moment, der das Schicksal einer ganzen Familie besiegelte

    Dank einer doch sehr spannenden Hintergrundgeschichte kann dieser „Frauenroman“ auch für Spannungsliebhaber durchaus interessant werden. Eine deutsch-schwedische Familie wird durch den unerwarteten Tod eines Familienmitglieds nicht nur emotional erschüttert. Der Tod selbst ist natürlich und birgt keine Krimi-Aspekte. Aber da der Verstorbene seine Memoiren veröffentlichen wollte, könnte ein Familiengeheimnis ans Licht kommen.

    Wobei Familiengeheimnis eigentlich das falsche Wort ist, da nur ein kleiner Teil besagter Familie die Dinge kennt, die vor rund 30 Jahren vorgefallen sind und von da an das Schicksal von Ina und Jörg, ihrer Eltern und ihrer Kinder bestimmt haben. Beide stammen aus der DDR, die Familie lebt aber schon lange in Schweden. Ariane, die ältere Tochter, beginnt nachzuforschen und stolpert über alte Dokumente, Fotos und Daten, die nicht zusammenpassen.

    Mit Witz und Gefühl erzählt die Autorin das Schicksal der Familie Bentheim, wechselt Abschnitte in der Gegenwart und der Vergangenheit gut ab und flechtet viele berührende Gespräche und Momente ein. Auch eine Liebesgeschichte entwickelt sich, drängt sich aber nicht allzu sehr in den Vordergrund.

    Was nach dem Ende des Romans noch nachwirkt, sind Gedanken über die Umstände in der DDR, wie schwierig für viele ganz normale Alltagserledigungen sein mussten, die Entbehrungen, die den Menschen oft gar nicht bewusst waren, bis sie dann den Westen sahen. Da die Autorin eine deutsche Mutter und einen schwedischen Vater hat und zwar in Schweden geboren wurde, aber in Deutschland lebt, kommt doch irgendwann auch die Frage auf, wie viel autobiografisches wohl in diesem Buch steckt. Vieles von Ariane, die sich weder da noch dort ganz zu Hause fühlt, erlebt man als Leser jedenfalls als sehr authentisch.

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    Bibliomaries avatar
    Bibliomarievor einem Jahr
    Kurzmeinung: Jüngere deutsche Geschichte in einem wirklich gelungenen Roman verpackt.
    Fehlentscheidungen


    Das Verhältnis von Ariane zu ihrer Mutter Ina war immer schwierig und unterkühlt. Deshalb verlässt sie gleich nach dem Schulabschluss Schweden, wo die aus Leipzig stammenden Eltern seit vielen Jahren leben, um in Deutschland zu studieren und zu arbeiten. Sie hängt sehr an ihren Großeltern und sucht auch die räumliche Nähe zu ihnen. Erst der Tod des Vaters Jörg, bringt Ariane zurück nach Schweden. Bei der Testamentseröffnung erfährt sie, dass er ein Manuskript an sie und ihre Schwester vererbt hat. Doch Ina will davon nichts wissen, es bleibt unauffindbar. Berufliche und private Unzufriedenheit bestärken Ariane einige Zeit in Schweden zu bleiben und ihr Leben neu zu organisieren.

    Im Wechsel mit Ereignissen in Schweden führt ein zweiter Handlungsstrang zurück in die DDR der Vorwendezeit. Wir lernen eine junge Musikstudentin und ihre Hoffnungen auf die Zukunft kennen, ihre Vorfreude auf einen Choraustausch ins Ausland und ihre familiäre Situation.

    Gegenwart und Vergangenheit sind untrennbar miteinander verbunden und bevor Ariane diese Ereignisse nicht entschlüsseln wird, kann sie auch nicht mit Schwester und Mutter eine Bindung aufbauen.

    Das Buch von Stina Lund hat mich von der ersten Seite an in Bann geschlagen, ganz besonders die Vergangenheit und die Alltagsbegebenheiten in Leipzig von den 80iger Jahren an, hat mich fasziniert.

    Ein egoistischer Augenblick, eine Fehlentscheidung verändert das Leben über drei Generationen, das wird sehr einfühlsam geschildert, die Handlungen der handelnden Personen sind menschlich nachvollziehbar und lebensecht. Überhaupt spürt man die große Empathie der Autorin für ihre Charaktere, ihre Fehler und Lebenswege.

    Mir hat auch die Sprache der Autorin gefallen und der Wechsel der Perspektiven und Zeiten, das erschloss mir die Dramatik und auch die geschichtliche Dimension des Romans. Ob es das Alltagsleben in der DDR vor der Wende ist, familiäre Bindungen und Verletzungen – das alles ist mir sehr nahe gegangen.

    Auch wenn es ein versöhnliches Ende gibt, sogar ein Happy End, die Geschichte wirkt nach und bietet viel Nachdenkenswertes.
    Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich wünsche ihm sehr viele Leser.








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    Wiebke_Schmidt-Reyers avatar
    Wiebke_Schmidt-Reyervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Gute Unterhaltung: Nicht zu seicht, klarer, nicht übermäßig dramatischer Problemkreis, differenzierte, interessante Charaktere
    Unaufgeregt und überzeugend

    Ariane führt kein grandioses, aber auch kein schlechtes Dasein als freie Bild- und Videoredakteurin in Leipzig. Ihre Beziehung ist auch nicht toll, aber offenbar auch nicht schlecht genug, um sich daraus zu befreien. Als ihr Freund sie mit der Nachricht überrascht, dass er gerne mit ihr zusammenziehen möchte, lehnt sie ab, woraufhin ihr Freund die Beziehung beendet. Ariane nimmt sich eine Auszeit und geht nach Schweden, wo sie als Tochter deutscher, ursprünglich aus der DDR stammender Eltern aufgewachsen ist. Vor kurzem ist ihr Vater überraschend gestorben, und Ariane verbringt ein wenig Zeit mit ihrer Mutter, zu der sie aber immer ein distanziertes und irgendwie sperriges Verhältnis hatte. Von ihrem Vater erben Ariane und ihre Schwester ein Manuskript, dessen Existenz die Mutter vehement leugnet. Und was macht eigentlich der Wildhüter Viggo bei der Testamentseröffnung?

    Abwechselnd in der Gegenwart und in Rückblenden in der Zeit vor und rund um die Wende spielend, erzählt der Roman die Geschichte von Ina und Jörg aus Leipzig, die sich in Schweden ein neues Leben aufgebaut haben, sowie ihrer Töchter Ariane und Jolante, zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die erst mal als Schwestern wieder zusammenfinden müssen, nachdem Ariane Schweden als junges Mädchen verlassen hatte, um sich an einem Leben in der ursprünglichen Heimat ihrer Eltern zu versuchen.

    Der Roman erzählt eine solide konzipierte Geschichte um eine Familie, in der zu viele Geheimnisse lange unter Verschluss geblieben sind. Dabei kommt er ohne übermäßiges Pathos oder überzogene Dramatik aus. Die Ereignisse sind realistisch, die Charaktere interessant und differenziert. Besonders überzeugen konnten mich die Gegensätze zwischen der beengenden DDR-Gesellschaft und dem Westen, insbesondere dem liberalen Schweden. Rührend fand ich es beispielsweise, wie Ariane als DDR-Bügerin auf Chorreise in Schweden auffällt, dass alle Menschen im Publikum nicht nur bunte, sondern auch passende Kleidung tragen.


    Gute Unterhaltung. Nichts, was man nach all den Jahren deutsch-deutsche Beziehungen nicht schon woanders gelesen hätte, aber nett verpackt, ohne große Effekthascherei und mit der überzeugenden Darstellung einer Familie, in der sich alle eigentlich recht gerne mögen, die aber lange Zeit so etwas wie ein loser Verbund von Einzelpersonen gewesen war, weil ihnen zu viele Steine aus der Vergangenheit sowie sie sich selbst im Weg standen.

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    engineerwifes avatar
    engineerwifevor einem Jahr
    Unschuldige Flucht ...

    Als ich den Klappentext dieses Buches las, wusste ich, das muss ich lesen. Schweden wäre nämlich beinahe auch meine Heimat geworden, trugen sich meine Großeltern doch mit der Absicht nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin auszuwandern. Der tödliche Verlauf einer schweren Erkrankung meines Großvaters machte dem ganzen Unterfangen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Ihre Auswanderung wäre freiwillig gewesen, was man von Inas „Umzug“ nicht behaupten kann. Sie wollte doch in Leipzig ihr Kind großziehen, es lief doch alles gut mit den Eltern, mit dem Studium. Was war passiert?

    Langsam und behutsam lüftet die Autorin Stina Lund in ihrem Debütroman das Geheimnis um die Traurigkeit, die Ina ein Leben lang begleiten soll. Schicht für Schicht deckt sie die Familiengeschichte auf, die mich am Schluss sprachlos zurücklässt. Kann ein Mensch so egoistisch sein? Kann man wirklich mit diesem Geheimnis leben und zusehen, wie anders als gut alles verlaufen ist? Zum Schluss gibt es eine Art Happy End, aber ist denn nun wirklich alles gut?

    Mir hat das Buch, das jeweils im Wechsel das Gestern und das Heute darstellt sehr gut gefallen. Schnell hatte ich mich in den Schreibstil eingelesen, dennoch denke ich, dass für das nächste Buch noch ein kleines bisschen Luft nach oben ist. Ich werde diese neue Autorin auf jeden Fall im Auge behalten und freue mich, dass ich kurzzeitig an Nina, Jörg, Arianes und Jolantes Leben teilhaben durfte.

    Ein Sternchen vergebe ich übrigens für das wunderschöne Cover, das mich mit seiner geschmackvollen Schlichtheit wirklich an Schweden erinnert.    

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    Gwendolyn22s avatar
    Gwendolyn22vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Berührendes und ruhig erzähltes Familienporträt. Spielt in der DDR und in Schweden. Beeindruckend!
    Berührendes Familienporträt

    Inhalt:

    Ariane, die in Schweden aufgewachsen ist, nach der Schule aber nach Leipzig geht, um dort zu arbeiten, ereilt die Nachricht vom Tod des Vaters Jörg. Dieser hat ihr und ihrer Schwester ein Manuskript vermacht, das allerdings verschwunden ist. Von diesem Ausgangspunkt erzählt die Autorin in zwei Erzählsträngen eine sehr bewegende Familiengeschichte, die eng mit der DDR und dem Mauerfall verbunden ist.


    Gekonnt werden dabei die Erzählebenen immer näher zusammengeführt – einmal die aktuellen Geschehnisse aus der Sicht Arianes. Daneben werden in Rückblenden die Erlebnisse Inas, Arianes Mutter, geschildert. Sie lebte in der DDR und durfte, als Ariane noch klein war, zu einer Chorreise nach Schweden reisen.


    Meine Meinung:

    Ich finde Stina Lunds Erzählstil wunderschön. Ihr gelingt es, durchgehend ruhig, melancholisch, authentisch und dramatisch sowie spannend zu erzählen.

    Der Aufbau des Romans und die Rückblenden haben mir gut gefallen, alle Charaktere waren nahbar und in ihrer Handlungsweise und Entwicklung sehr nachvollziehbar beschrieben.

    Geschichte wird hier ohne den erhobenen Zeigefinger in einer anrührenden Familien- und Beziehungsstory nahegebracht.

    Ich hätte noch stundenlang weiterlesen können und bin sehr angetan.


    Fazit:

    Ein sehr bewegendes Buch, das zwar eindrücklich und teils auch emotional drastische Erlebnisse und eine Familiengeschichte schildert, aber stets ruhig, feinfühlig und sehr vorsichtig erzählt. Das war für mich sehr beeindruckend.



    Dieser Roman ist für mich eine wirklich tolle Entdeckung und ich gebe aus vollem Herzen fünf Sterne!

    Unbedingt lesen!

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