Sudhir Venkatesh

 4.3 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Floating City, Underground Economy und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Sudhir Venkatesh

Floating City

Floating City

 (11)
Erschienen am 10.02.2015
Underground Economy

Underground Economy

 (3)
Erschienen am 10.10.2008
Gang Leader for a Day

Gang Leader for a Day

 (0)
Erschienen am 28.01.2009

Neue Rezensionen zu Sudhir Venkatesh

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saeskis avatar

Rezension zu "Underground Economy" von Sudhir Venkatesh

Eine soziologische Studie als Roman
saeskivor 3 Jahren

Drogen, Prostitution, Unterdrückung, Korruption und Herrschaft durch Gewalt.

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FloPs avatar

Rezension zu "Floating City" von Sudhir Venkatesh

Empfehlenswert!
FloPvor 3 Jahren

Die Unterschicht und sozialen Abgründe der Metropolenstadt New York City. Nicht alles in dieser Stadt ist toll und glänzt, nein, und eben diese Schattenwelt zeigt Sudhir Venkatesh in seinem Buch „Floating City“.

Bevor er New York unter die Lupe nahm, erforschte und beschäftigte es sich mit Chicagos dunkler Seite. Er wollte die Abläufe, Geheimnisse und Institutionen von Dealern, Prostituierten und Verbrechern in Big Apple beobachten, charakterisieren und mit den legalen Abläufen und Institutionen vergleichen. All dass, wollte er in seinem Buch veröffentlichen und niederschreiben. Und das tat er auch. Was sich bis jetzt jedoch wie ein lahmes Sachbuch angehört hat, ist in Wahrheit jedoch viel mehr. Der Soziologe erzählt nicht von namenlosen Gestalten, er erzählt die Geschichte der Leute mit denen er zu tun hatte. Und jede dieser Geschichten die er beschreibt berührt einen als Leser und regt zum Nachdenken an.

 Das Buch ist weniger eine wissenschaftliche Abhandlung über die dunkle Seite der Metropole sondern eher eine Sammlung von persönlichen Schicksalen. Vom Dealer Shine, des Callgirls Carla und sogenannte „Managerinnen“. Sudhir Venkatesh folgt seinem Weg durch die Stadt und erzählt die ungewöhnliche Geschichte der Unterwelt.

Mit Einblicken in Verhalten, Arbeit und Gefühle der Menschen die Venkatesh trifft wird das Buch von einem Sachbuch zu einem persönlichen und erzählenden Werk: die Menschen stehen im Mittelpunkt und setzen ein Zeichen. Die Tatsache, dass es auf wahren Ereignissen basiert macht die Story nur noch interessanter und durch den Realitätsbezug  bleibt das Buch im Gedächtnis. Man lernt als Leser die illegalen Beziehungen und Abläufe kennen und wird von Einzelschicksalen berührt, von einzelnen Personen, die einzig und allein auch nur etwas von dem Glanz der Metropole haben wollen – ihr eigenes Stück vom großen  Kuchen der glänzenden Metropole New York Citys.

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen und es ist für jene, die nicht mehr vom Schein geblendet werden wollen und so oder so NYC fokussiert sind. Ich kann es nur empfehlen!

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BluevanMeers avatar

Rezension zu "Floating City" von Sudhir Venkatesh

New York, New York!
BluevanMeervor 4 Jahren

Wohin New York sich im 21. Jahrhundert entwickeln wird? In eine globale und immer schnellere Stadt, deren Bewohner sich konstant über vertraute gesellschaftliche Territorien und Stammesgrenzen hinwegbewegen und dabei neue Muster hervorbringen. Hier wird Zukunft gemacht und ich war dabei es zu dokumentieren.

"If I can make it there, I can make it anywhere", sangen Liza Minelli und Frank Sinatra bereits 1977 und diese traumhafte Vorstellung von New York geistert auch immer noch in den Köpfen. Doch dieser Weg ist nicht immer legal und oft sind die Übergänge zwischen legalen und illegalen Aktivitäten fließend. Sudhir Venkatesh ist Soziologie-Professor an der Columbia Universität und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Untergrundökonomie großer Städte, z.B. mit Chicago. Seine Recherche in New York begann er 2003, dieses Jahr ist sein Buch erschienen, das von Jürgen Neubauer übersetzt wurde. Floating City ist kein Roman, aber eben auch keine rein wissenschaftliche Abhandlung. Das liegt vor allen Dingen an Venkateshs Herangehensweise. Um Kontakt zu den Gangstern, Dealern und Callgirls zu bekommen, die in der New Yorker Schattenwelt ihre Geschäfte abwickeln, muss sich der Soziologe natürlich ins Milieu begeben. Doch schon hier wird es schwierig. Alle Bereiche scheinen in der Stadt der Träume zu verschwimmen. Drogendealer aus der Bronx erscheinen auf schicken Galerieeröffnungen, wohlhabende Studentinnen verdienen nebenberuflich als "Broker" ihr Geld und managen Prostituierte. Die Verzweigungen der einzelnen Unternehmen, wenn man sie so nennen will, sind so weitreichend, dass Rundumschläge gegen die offensichtlichen Probleme auch an unerwarteten Stellen zu Erosionen führen. Als der Bürgermeister Giuliani in einer groß angelegten Aktion den Time Square von Prostituierten befreien will, sägt er gleichzeitig am Standbein einer ganzen anhängenden Unternehmerkultur, in der durch illegale Geschäfte ein legales Leben erst ermöglicht wird.

,Kriminell' war jedoch kein ausreichendes Etikett, wenn man sich ihre Aktivitäten als Ganzes ansah. Diese Menschen waren Suchende. Genau wie die avant-gardistischen Jungunternehmer in den Garagen von Silicon Valley träumten sie davon, ihre Welt zu verändern. Und in ihrem Alltag als Bürger und Verbraucher hielten sie mit ihren illegalen Einnahmen zahlreiche legale Unternehmen am Leben. In diesem Sinne waren sie wichtige Stützen der Gemeinschaft. (S. 200)

Um überhaupt eine wissenschaftliche Sicht auf diese vielschichtigen Zusammenhänge zu bekommen, muss Venkatesh das Vertrauen der Akteur*innen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, gewinnen. So sitzt er in Bars, besucht Luxuspartys und schäbige Absteigen. Eine Hand wäscht die andere und es entstehen interessante Gemeinschaften, zu denen er aber nur bedingt Zugang bekommt. Gleichzeitig muss er seine Forschung nicht nur einmal vor der Universität und Kolleg*innen rechtfertigen. Um dem Vorwurf des Sensationsjournalismus zu entkommen und gleichzeitig das Leben in der Schattenwelt so genau wie möglich recherchieren zu können, wählt er die Perspektive des Dokumentarfilmers. Und wird auch gleich mit offeneren Armen empfangen - unter soziologischer Forschung können sich die meisten der Befragten einfach nichts vorstellen, doch jeder weiß, was ein guter Dokumentarfilm ist.

Venkatesh hat einen populärwissenschaftlichen Roman geschrieben, der auch für soziologische Laien informativ ist. Anders als in der traditionellen Soziologie der 1970er Jahre, die gerne "die Armen" in einer Opferrolle festlegte und dadurch einer ganzen Bevölkerungsgruppe Passivität und fehlenden Ehrgeiz unterstellte, geht Venkatesh davon aus, dass es auf beiden Enden der Einkommensskala Suchende gibt, die mit den Gegebenheiten kreativ umgehen und immer neue Wege auftun um Geld zu verdienen und Geschäfte zu machen. Doch auch wenn viele Menschen in diesem Kosmos "schweben", im unteren Bereich der Einkommensskala steht mehr auf dem Spiel, ist das Risiko viel größer, wenn es Papas Kreditkarte im Hintergrund nicht gibt. So hat der Dealer Shane Schwierigkeiten die kulturellen Codes der weißen Drogenkonsument*innen zu verstehen und verliert ständig Kundschaft, er muss versuchen sich anzupassen, zu schweben oder er ist pleite. Manjun, der Besitzer des Erotikladens, braucht dringend Geld um seine Familie in die U.S.A zu holen und vermietet ein Zimmer an Prostituierte. Das Callgirl Carla ist hübsch und hat ein Händchen für's Geschäft, aber der gesellschaftliche Aufstieg bleibt aus, weil sie ihr gewohntes Viertel nicht verlassen möchte. Der Soziologie-Professor trifft die unterschiedlichsten Menschen in Harlem, der Lower East Side oder der Upper East Side und zeichnet interessante Porträts von Suchenden. Gleichzeitig ist Venkateshs Buch mehr als eine Reportage über Gangster und Drogenhandel und die Stadt New York.

Mir hat besonders gefallen, wie genau Venkatesh über sein Fach und die wissenschaftlichen Anforderungen an seine Forschung berichtet. Immer wieder reflektiert er auch seine eigene Perspektive und muss am Ende feststellen, dass die Rolle des dokumentierenden Beobachters im Angesicht der vielen Einzelschicksale auch für ihn nicht aufrecht zu erhalten ist. Floating City ist ein gelungenes Sachbuch, voll interessanter Rechercheergebnisse. Es gewinnt einen besonderen Reiz durch den sehr persönlichen Zugang, den Venkatesh wählt und der ihn stellenweise auch poetisch werden lässt, ohne dass er in anderen Kapiteln die Ereignisse verharmlosen würde:

Und wenn die Edel-Zuhälterin und der Getto-Dealer ihre vermeintlich festen gesellschaftlichen Rollen improvisieren und ihre Kommunikation derart schnell anpassen konnten - als handele es sich lediglich um eine Fiktion, auf die sich zwei Menschen einigen -, dann ist das Eingeständnis nicht weit, dass ein kriminelles Leben eine Art Kunstwerk ist. Die globale Stadt ist die Leinwand und gibt den Rahmen vor, doch den Rest haben die Künstler selbst in der Hand. (S. 305)

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Gespräche aus der Community

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Murmann_Verlags avatar
Liebe Leserinnen und Leser,

wir starten eine Leserunde für „Floating City“ von Sudhir Venkatesh und verlosen dafür 15 Rezensionsexemplare, für die Ihr Euch bis zum 06.04. bewerben könnt! Eine erste Leseprobe gibt es hier.

»Aber heute Abend war ich mit einem der größten Koks-Dealer von Harlem unterwegs, und ich wollte nicht derjenige sein, der der Tochter Amerikas den perfekten Zugang zur Drogenwelt verschafft.« (S. 14)    

Der Soziologieprofessor Sudhir Venkatesh wagt die Grenzüberschreitung und erforscht die Untergrundökonomie von New York, der Symbolstadt des amerikanischen Traums. Jahrelang begleitet und interviewt er die Prostituierten, Drogenhändler, Polizisten und Zwischenhändler der amerikanischen Metropole, ebenso wie die Sprösslinge der New Yorker Oberschicht.

 »Floating City« ist der fesselnde Bericht dieser Erlebnisse, der Autor selbst Chronist, leidenschaftlicher Beobachter und gleichzeitig mitfühlender Interviewer – mittendrin statt nur dabei.

„Ein Sittengemälde der New Yorker Unterwelt“, schreibt Welt am Sonntag.

Wir freuen uns auf Eure Bewerbungen und auf eine spannende Leserunde!



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