Sue Klebold

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Liebe ist nicht genug

Liebe ist nicht genug

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Erschienen am 22.09.2016

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Rezension zu "Liebe ist nicht genug" von Sue Klebold

Der größte Albtraum aller Eltern
Lilli33vor 2 Jahren

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (22. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596034314
Originaltitel: A Mother’s Reckoning: Living in the Aftermath of Tragedy
Preis: 16,99€
auch als E-Book erhältlich

Der größte Albtraum aller Eltern

Am 20. April 1999 betraten Dylan Klebold und Eric Harris ausgerüstet mit Gewehren und Sprengstoff die Columbine Highschool. Dort töteten sie zwölf Schüler und einen Lehrer, verletzten vierundzwanzig weitere Menschen und nahmen sich dann selbst das Leben. Es war der schlimmste Schul-Amoklauf der Geschichte.
Dylan Klebold war mein Sohn. (S. 21)

Mit dieser schockierenden Aussage beginnt Sue Klebold ihr Buch, in dem sie die Ereignisse um den Tod ihres Sohnes zu verstehen und zu verarbeiten versucht.

Als sie von der Schießerei in der Highschool, die ihr Sohn Dylan besucht, hört, durchlebt sie einen Albtraum in der Sorge um ihren geliebten Sohn. Hoffentlich ist ihm nichts passiert, hoffentlich konnte er sich vor den Tätern in Sicherheit bringen. Als sie erfährt, dass Dylan kein Opfer, sondern ein Täter dieses Amoklaufs ist, bricht ihre Welt zusammen. Beim besten Willen kann sie das Bild eines netten und unkomplizierten siebzehnjährigen Jungen, der von seiner Familie geliebt wird und viele Freunde hat, nicht mit dem Bild eines gewalttätigen, grausamen Monsters in Übereinstimmung bringen.

In der Folge des Amoklaufs werden Stimmen laut, die den Eltern die Schuld gegeben. Sue Klebolds Familie schlägt ein immenser Hass entgegen, wofür Sue aber alles Verständnis der Welt hat. Wäre ihr Kind eines der Opfer, hätte sie wohl genauso gedacht: „Wieso haben die Eltern ihr Kind nicht richtig erzogen?“ Aber Sue hat Dylan geliebt, hat sich um ihn gekümmert, hatte ein gutes Verhältnis zu ihm, ebenso wie sein Vater Tom und sein Bruder Byron. Und doch haben sie feine Anzeichen nicht richtig gedeutet oder übersehen. Anzeichen, die wohl die meisten von uns nicht als das erkennen würden, was sie sind. In den Jahren nach der Tragödie an der Columbine Highschool versucht Sue Klebold zu verstehen, was sie eventuell falsch gemacht hat, wo sie anders hätte reagieren können und sollen. Ihr Sohn Dylan war meistens gut drauf, und doch hatte er allem Anschein nach eine schwere Depression und Suizidgedanken, wie im Nachhinein aus seinem Tagebuch hervorgeht. Für die Eltern war dies bei aller Liebe nicht zu erkennen. Jugendliche sind wahre Meister darin, ihrer Familie und ihren Freunden etwas vorzumachen.

Aus Liebe zu seinen Kindern neigt man dazu, auffälliges Verhalten zu ignorieren oder schönzureden, insbesondere wenn es sich um ein eigentlich „braves Kind“ handelt, zu dem man ein gutes Verhältnis hat. Es kostet Überwindung, Probleme klar zu benennen und zu handeln, wenn einem etwas auffällt. Doch wer es unterlässt, wird sich das niemals verzeihen. (S. 304)

Mit dem Aufspüren vieler Kleinigkeiten, die etwas bedeuten können, aber natürlich nicht müssen, bringt Klebold Eltern dazu, noch aufmerksamer zu sein, um Depressionen bei ihren Kindern zu erkennen und sich um professionelle Hilfe zu bemühen. Als Mutter hat mich dieses Buch sehr betroffen gemacht.

Sue Klebold erzählt schockierend offen über ihre Gefühle und Gedanken, über ihre Ängste und ihre Trauer – Trauer um ihren Sohn Dylan, den sie trotz seiner abscheulichen Tat immer noch liebt und jeden Tag vermisst, und auch Trauer um die Menschen, denen Dylan jede Zukunft genommen hat.

Auch wenn es einige Wiederholungen gibt, weil bestimmte Details aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, ist das Buch äußerst fesselnd und lässt sich sehr flüssig lesen.

Fazit:
Eine schockierende und berührende Erzählung über die tragischen Ereignisse an der Columbine Highschool in Littleton, Colorado, am 20. April 1999.
Ein Versuch, die Ursachen für den Amoklauf zu verstehen.
Ein Anstoß für alle Eltern, sich noch aufmerksamer um ihre Kinder zu kümmern.

Meine Empfehlung: Lesen!

★★★★★

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Ravens avatar

Rezension zu "Liebe ist nicht genug" von Sue Klebold

Bewusstseinserweiterndes Werk!
Ravenvor 2 Jahren

Das Buch "Liebe ist nicht genug" von Sue Klebold ist 432 Seiten lang und beim Fischerverlag erschienen.

Die Leseseiten sind schön dick, aber das Buchcover hat wirklich eine miserable Softcoverqualität, die den Neupreis von fast 17 Euro nicht rechtfertigt. Leider kommen trotz vorsichtigem lesen sehr schnell Leserillen in das Buch.

Sue Klebolds Sohn Dylan war einer der zwei Amokläufer auf der Columbine High School am 20.04.1999. Sue hatte bisher in der Öffentlichkeit immer nur kurze Statements abgegeben. Doch mit diesem Werk stellt sie sich der Öffentlichkeit. Sie spendet das Honorar von diesem Buch an Hirnforschung, Organisationen für Suizidprävention und zur Unterstützung von Menschen mit psychischen Krankheiten.

Als erstes wenn man sich einen Amoklauf eines Jugendlichen und Suizid vor Augen hält, fragt man sich "Warum?". Mir geht es da nicht anders wie den Meisten. Allerdings sollte man eher fragen "Wie?", denn eine einfache Antwort wie die Schuld der Eltern oder Vernachlässigung, sind nicht immer der ausschlaggebende Punkt, besonders nicht bei einem Amoklauf. Sue ist fassunglsos als ihre Welt an einem Tag völlig zerbricht. Sie kann es erst nicht glauben was ihr Sohn getan hat, der in einem liebevollen zu Hause mit Freunden und Familie groß geworden ist und nie besonders auffällig war. Dennoch macht Sue sich schwere Vorwürfe und würde ihr Leben für jeden der Kinder geben, die bei dem Amoklauf durch ihren Sohn ums Leben kamen. Sie macht sich auf die Suche nach Anzeichen und versucht Hinweise zu rekonstruieren, mit denen man vielleicht die Tat hätte verhindern können. In der Biographie, werden Tagebucheinträge, einige Familienfotos und die komplette Tragödie mit dem Bruch einer scheinbar glücklichen Familie und den Reaktionen des Umfelds offen gelegt.
Als Mutter war ich zunächst selbst absolut schockiert und kann mir kaum ausmalen, was die Familie mitgemacht haben muss. Es macht mich zutiefst betroffen, denn Sue hat recht wenn sie sagt das wie bei physischen Krankheiten die psychischen Krankheiten in Präventionsmaßnahmen und Vorsorgeuntersuchungen in engen Kontrollen in Schulen und bei Hausärzten durchgeführt werden sollten, um gerade bei Heranwachsenden vielleicht solche Taten und Suizid zu verhindern. Ich selbst wusste zB nicht das depressive Jugendliche meistens keine Trauer zeigen, sondern überdreht, gereizt, aggressiv, launisch und faul sein können. Alles was man auch auf die Pubertät zurückführen könnte. Mir ist dann eingefallen das ich selbst als Jugendliche extrem depressiv gegen alles rebellierte, mich selbst verletzte aber auch die Welt hasste und total manipulativ wirklich fast alles tat, wenn ein damaliger Freund nur mit dem Finger schnippte. In diesen Freund war ich damals auch noch unglücklich verliebt, was das Ganze noch mehr zuspitzte. Heut erscheint mir mein Verhalten und meine Gedanken wie zur damaligen Zeit völlig abstrakt und nicht mehr real. Aber auch ich flüchtete mich in eine ganz eigene Welt, wo die Grenzen zunehmend zur Realität verschwammen. Was kann in so Phasen oder bei psychisch kranken Jugendlichen, die das Pech haben und von anderen Faktoren oder Umfeld noch zusätzlich negativ beeinflusst werden, nicht alles passieren, wenn dann kein Erwachsener aufmerksam wird? Sue Klebold hat nach Jahrzehnten immer noch keinen Frieden gefunden, aber es ist therapeutisch für sie und sicherlich auch für die Opfer wichtig, alles in Schrift zu benennen und sich für andere Betroffene einzusetzen und besonders auch Präventationsarbeit zu leisten, denn sie ist in mehreren Organisationen tätig. Mich hat das Buch emotional und gedanklich zutiefst berührt. Ich habe mir zusätzlich zum Buch noch Fotos und Dokumentationen im Internet rausgesucht, die mich absolut bestürzten und betroffen machten. Ich wünsche allen die bei dem Amoklauf ums Leben kamen Frieden und werde eine Kerze für sie anzünden und auch der Familie Klebold wünsche ich Frieden und Liebe und ich hoffe das in Zukunft solche Taten verhindert werden können durch Prävention und Aufklärung.

Fazit: Ein gedanklich und emotional zutiefst bewegendes Werk, welches für immer in den Gedanken verankert bleibt. Ein Buch das aufrüttelt, einen verändert und das eigene Leben danach beeinflusst, denn man erhält komplett neue Sichtweisen und ein neues Bewusstsein zum Thema Suizid und Aggression. Das Werk trägt einen wesentlichen Teil zur Aufklärung und Präventation bei und bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung!

Kommentare: 2
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Krimines avatar

Rezension zu "Liebe ist nicht genug" von Sue Klebold

Liebe ist nicht genug
Kriminevor 2 Jahren

Am 20. April 1999 geschieht etwas Unfassbares. An der Columbia Highschool findet ein Amoklauf statt, bei dem zwölf Schüler und ein Lehrer starben und vierundzwanzig Menschen teilweise schwer verletzt wurden. Die beiden Jugendlichen, die für das grausame Massaker verantwortlich waren, nahmen sich im Anschluss selbst das Leben.

Sechzehn Jahre danach veröffentlicht die Mutter eines der Amokläufer ein Buch, in dem sie ihre Suche nach Antworten beschreibt, ihre Scham, ihr Entsetzen und ihre Trauer und dem sie die Hoffnung äußert, dass ihre Erkenntnisse vielleicht jemanden weiterhelfen können. Sue Klebold, die bis zum 20. April 1999 in dem Glauben lebte, dass ihre Familie dem ganz normalen Durchschnitt entspricht und die beiden Söhne ihren Weg gehen werden, ist eine starke Frau. Denn mit einem solchen Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, sich ihr preiszugeben und sich der Meinung vieler Leser zu stellen, beweist eine ordentliche Portion Mut.

Ungeschönt mit vielen Gedanken und Gefühlen unter Zuhilfenahme von Auszügen aus ihren Tagebüchern und den Fakten, die unumstößlich sind, geht sie dabei vor und eröffnet ihren Lesern einen Einblick in die Zeit vor dem Amoklauf und in die Zeit danach. Ein Prozess der Erkenntnis, in dem sie erfährt, dass sie zwar im Nachhinein nichts ändern kann, der ihr aber einige Erklärungen dafür liefert, was geschehen ist. Dabei wird sie von vielen Menschen unterstützt, die ihr Hilfe und Mitgefühl entgegenbringen und ein Ausgleich für die Menschen bieten, die mit Anfeindungen und Schuldzuweisungen reagieren. Vor dem Hintergrund der entsetzlichen Tat ihres eigenen Sohnes und infolge ihrer danach stattfindenden Entwicklung engagiert sich Sue Klebold nun schon seit vielen Jahren für die Suizidprävention und für Hilfsmassnahmen, die psychisch Kranken zugute kommen.

Fazit:
„Liebe ist nicht genug“ ist das ergreifende Statement einer Mutter, die ihrem Sohn bei einem erweiterten Suizid an der Columbia Highschool verloren hat und noch immer einen tiefen Schmerz und eine erdrückende Schuld empfindet.

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