Was heißt optimistisch eigentlich? Sumit Paul-Choudhury kommt immer wieder an den Punkt zurück, dass Optimismus nichts naives ist, sondern uns zum Handeln auffordert, damit wir wirklich in der besten aller möglichen Welten leben können:
„Ich wollte eine Möglichkeit finden, Optimist zu sein, die tatsächlich dazu beiträgt, die Welt besser zu machen, anstatt nur davon auszugehen, dass sie es irgendwie schon sein würde.“
Der Autor war selbst schon an dem Punkt, an dem andere in Verzweiflung versinken würden. Ins Buch steigt er mit seiner Lebensgeschichte ein – dem Tod seiner Frau und kehrt auch immer wieder zu seinen ganz persönlichen Erfahrungen zurück, wenn er den großen historisch philosophischen Bogen aufschlägt, welche Strömungen und Ideen den Optimismus, den wahren wie den falschen, den hilfreichen wie den hinderlichen, befeuert haben. Ich mag den Ansatz, dass "The Bright Side" uns zum Handeln bringen möchte trotz der Schrecken dieser Welt.
Paul-Choudhurys Ausführungen habe ich wirklich gerne gelesen. Allerdings sind die Ausführungen zwischen Leibnitz bester aller möglichen Welten und Voltaires Erwiderungen darauf, zwischen Propagandisten und Plutokraten, zwischen Klimakrise und Pandemie nicht immer ganz einfach zu lesen. Ich teilte das Buch daher eher in kleinen Lektürehäppchen auf.
Neben der Komplexität des Buches gibt es für mich eine weitere Schwäche: Zwar geht das Buch auch auf K.I., Technismus, Transhumanismus und die dazugehörigen TechBros immer mal wieder ein. Weder benennt Sumit Paul-Choudhury hier weder die eugenische Komponente, noch geht er darauf ein, dass hier mit Milliarden Lobby für eine deutlich schlechtere mögliche Welt eingesetzt wird. (Wir denken nur Thiels Palantir und an Musks DOGE, letzteres passierte allerdings erst nach Erschienenen des Buchs passierte.) Paul-Choudhury geht mehr darauf ein, dass wir bei den Sorgen wegen künstlicher Intelligenz nicht das schlimmste Szenario annehmen müssen, dass uns diese künftig auslöschen könnte. Ich mache mir mehr Sorgen um die den Machthunger der Menschen, die KI nutzen. Da fehlte mir ein stärkeres Eingehen, wie wir angesichts eines so großen Antagonismus' weiterhin optimistisch bleiben können. Aber egal wie, müssen wir wohl eh unseren Garten bestellen, und weiterhin unseren Garten bestellen und im Kleinen handeln, wie das Buch immer wieder schön zeigt.
Das Buch gibt Anregungen, wie wir angesichts der Herausforderungen und des Leids in der Welt weiter handeln können. 4 von 5 Sternen, weil es nicht immer ganz einfach zu lesen ist und mir ein Aspekt fehlte.




