Susan Kreller Pirasol

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Inhaltsangabe zu „Pirasol“ von Susan Kreller

Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla »Pirasol«: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst.

Phänomenal geschrieben, bedrückend, kämpferisch, bewegend

— Kaffeetasse

Sprachlich anspruchsvoll, späte Aufarbeitung eines Familiendramas und der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

— Gwenliest

Ein eigensinniger Roman, mit einem speziellen Und fast poesievollem Sprachstil

— Arietta

Sprachlich genial und daher lesenswert

— Bellis-Perennis

Dieses Buch hat mich wirklich sehr überrascht! Sprachgewaltig und atmosphärisch dicht geschrieben.

— Linatost

Die Autorin besticht auch in diesem Roman wieder mit herrlicher Poesie und wunderschönen eigenen Wortschöpfungen.

— buecher-bea

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  • Mein Lesehighlight Sommer 2017

    Pirasol

    Talitha

    03. October 2017 um 15:11

    Die 84jährige Gwendolin hat in ihrem langen Leben viel durchmachen müssen. In der Villa Pirasol ihres verstorbenen Mannes hat sie sich bislang geborgen gefühlt. Nun droht ihre Mitbewohnerin Thea damit, dass ihr Sohn, ein Brandstifter, wieder in der Stadt sei und baut daraufhin ein Sicherheitssystem auf, dasGewendolin verstört...Nach und nach wird die Geschichte Gwendolins aufgerollt, ihre Kindheit im Dritten Reich, das Schicksal ihrer Eltern, ihre unglückliche Ehe, die Sache mit ihrem Sohn... Und letztendlich Thea, die Gewendolin immer mehr unter Druck setzt... Zeit, etwas zu ändern, aber geht das noch nach 84 Jahren? Ein sehr außergewöhnliches Buch, das mich sehr ergriffen hat, sowohl vom Erzählstil her, der wirklich vom Feinsten ist als auch von der sehr komplexen, aber nachvollziehbaren Geschichte, die weit in die Vergangenheit reicht. Ich habe sehr mitgelitten und mitgebangt, wirklich eine Meisterleistung, so etwas bei mir durch eine Geschichte auszulösen. Das passiert nicht oft. Das Buch ist für mich definitiv das Lesehighlight des Sommers. Von mir gibt es daher eine ausdrückliche Leseempfehlung! 

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  • Leserunde zu "Pirasol" von Susan Kreller

    Pirasol

    Berlin_Verlag

    Liebe LovelyBooker, wir laden Euch herzlich ein, bei der Leserunde zu Susan Krellers »Pirasol« dabei zu sein! Zwei alte Damen leben in einer Papierfabrikantenvilla: Die scheue und liebenswerte Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des imposanten Hauses, ihre Mitbewohnerin Thea ist 15 Jahre jünger, hat sich vor einigen Jahren listig in die Villa eingenistet und verfolgt seither ohne Skrupel und Rücksicht auf ihre Gastgeberin ihren ganz eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihre Stellung zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin ist das zunehmende Machtstreben ihres tyrannischen Hausgastes jedoch der Auslöser, sich wieder an ihr eigenes langes und hartes Leben zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, die Verhaftung ihrs Vaters aus politischen Gründen, an den frühen Verlust der Eltern und das eigene Überleben in einer ausgebombten Stadt, an einen neuen Anfang in einer westdeutschen Kleinstadt mit ihrem Ehemann, dem despotischen Papierkönig Willen und schließlich an die Verbannung des einzigen gemeinsamen Kindes. Als Gwendolin sich wieder ihre eigene Lebensgeschichte in dieser emotionalen Krise vergegenwärtigt, beschließt sie, fortan nicht mehr alles stoisch zu ertragen, sondern ihr restliches Leben selber in die Hand zu nehmen. »Pirasol« ist die berührende Geschichte einer stillen und arbeitsamen Frau, die erst im hohen Alter beginnt, sich zur Wehr zu setzen. Susan Kreller erzählt in ihrem Roman lakonisch knapp und bildstark die Geschichte eines ganzen Lebens und schreibt von Schuld, Vergebung und der Last der deutschen Geschichte.             Susan Kreller, geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium, den Hansjörg-Martin-Preis (2013) und 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin und lebt in Bielefeld. Wenn Ihr Lust auf diese Leserunde habt, dann schreibt uns doch kurz, welche Gedanken und Assoziationen Euch in den Kopf kommen, wenn Ihr »Pirasol«, den Titel des Buchs, lest. Was stellt Ihr Euch darunter vor?  Wir freuen uns und sind gespannt!  Euer Berlin Verlag

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    • 253
  • Pirasol

    Pirasol

    buecherwurm1310

    25. September 2017 um 09:59

    In der Villa „Pirasol“ leben zwei alte Damen. Gwendolin ist die Eigentümerin der Villa, die die jüngere Thea bei sich aufgenommen hat. Aber es ist keine Wohngemeinschaft auf Augenhöhe, denn Thea nutzt es schamlos aus, dass sich Gwendolin nicht wehren kann. Am Anfang ist es mir recht schwer gefallen, in die Geschichte hineinzufinden, da die Zeiten immer wieder wechseln. Doch schon sehr bald hat mich das Buch dann vollkommen in den Bann gezogen. Gwendolin hat es nie leicht gehabt in ihrem Leben. Nachdem im Krieg Vater und Mutter verschwunden sind, musste sie sich durchschlagen. Später ging sie eine Ehe mit Willem ein, der sich dann als Despot herausstellte. Sie begehrt nicht auf, auch wenn das „Armband“ die Gewalt Willems dokumentiert. Auch wenn er den Jungen quält und einsperrt, wehrt sie sich nicht. Dann ist der Junge weg, sie wird irgendwann Witwe und nimmt Thea auf. Welches Druckmittel hat Thea in der Hand, dass sie so auftreten kann? Oft hätte ich Gwendolin schütteln können, um sie aufzufordern, sich zu wehren. Aber vielleicht wird man so, wenn das Schicksal einen beutelt. Am Ende überrascht mich nicht nur Gwendolin. Es ist ein Buch, das berührt und  einem lange im Gedächtnis bleibt.

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  • Berührendes Frauenschicksal

    Pirasol

    Estrelas

    17. September 2017 um 15:55

    "Pirasol" erzählt die Geschichte einer Frau, die sich durchs Leben schlagen muss, vom zweiten Weltkrieg über eine schwierige Ehe bis zu einer anstrengenden Wohngemeinschaft. Der Leser macht, von der Jetztzeit ausgehend, Abstecher in die verschiedenen Lebensphasen der Protagonistin Gwendolin. Diese sind voll mit kleinen Episoden, die am Ende ein Gesamtbild über ihr doch ziemlich bedrückendes Leben abgeben. Umso mehr verdient sie Achtung und Respekt, weil sie nie aufhört, für ihre Überzeugungen zu kämpfen. Das Cover spiegelt sehr gut das Zarte wider, die leisen Töne, die die Autorin trifft. Außerdem hat Susan Kreller wunderbare sprachliche Konstrukte geschaffen, die ein Um-die-Ecke-Denken erfordern, aber erheblich zum Lesegenuss beitragen.

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  • Phänomenal geschrieben, bedrückend, kämpferisch, bewegend

    Pirasol

    Kaffeetasse

    16. September 2017 um 19:25

    Dieses Buch hat mich auf so vielen Ebenen berührt, dass es mir sehr schwer fällt das in einer Rezension aufs "Papier" zu bringen. Die Geschichte von Gwendolin ist so tragisch und bedrückend, dass sich diese Stimmung auch durch das ganze Buch zieht. Sehr schnell habe ich mich in Gwendolin reingefühlt und mich so tief mit ihr verbunden gefühlt, dass mir bei den Rückblenden zu ihrem Leben immer wieder die Tränen kamen. Gleichfalls habe ich in der heutigen Zeit geschafft, dass sie ihre kämpferische Seite zeigen kann. Sie hat immer mehr oder minder still gelitten, aber immer weiter gemacht. Und als alte Frau findet sie endlich den Mut den Mund aufzumachen und für sich einzustehen, vor allem aber ihre Andenken zu schützen und den Geist von Pirasol. Die Worte sind in diesem Buch so mächtig, aber gleich auch so still. Man muss phasenweise zwischen den Zeilen lesen, um die ganze Tragik zu erfassen. Aber dennoch ist das Buch auch voller Mut und Stärke. Es gibt hier keinen großen Knall, keine Action, aber dennoch eine Spannung, die sich bis zum Ende halten kann. Das Buch schließt mit einer überraschenden Erkenntnis und lässt den Leser mit vielen Gefühlen zurück.  Phänomenal!

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  • Die berührende Geschichte einer alten Dame

    Pirasol

    camilla1303

    16. September 2017 um 07:58

    Der Roman „Pirasol“ von Susan Kreller ist 2017 im Berlin Verlag erschienen und erzählt die berührende Geschichte von Gwendolin, die erst im Alter richtig zu leben beginnt. „Pirasol“ erzählt aber auch von Schuld und Vergebung und einem Leben im 20. Jahrhundert. Die 84-jährige Witwe und Alleinerbin des Hauses, Gwendolin Suhr lebt mit der 15 Jahre jüngeren Thea Hartwig in der alten Papierfabrikantenvilla „Pirasol“. Gwendolin hat ihren einzigen Sohn viele Jahre nicht mehr gesehen, denn ihr mittlerweile verstorbener, patriarchaler Ehemann hat ihn vor drei Jahrzehnten aus „Pirasol“ vertrieben. Doch plötzlich soll sich Gwendolins Sohn wieder in der Stadt aufhalten. Gwendolin beginnt sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen, lässt das Erlebte noch einmal Revue passieren. Von der Kindheit, über den Krieg bis zur unglücklichen Ehe und schließlich den Verlust des eigenen Sohnes, den sie nicht vor dem herrischen Vater verteidigen konnte. Thea, die sich das Wohnrecht erschlichen hat, fühlt sich von der nahenden Anwesenheit des Sohnes bedroht und versucht ihre Macht über Gwendolin auszubauen. Ob sich Gwendolin zur Wehr setzen kann und endlich beginnt zu leben? Fasziniert war ich vom Schreibstil der Autorin. Susan Kreller gelingt es mit eindrucksvoller Sprache die Charaktere der Geschichte zu zeichnen und die Handlungsorte hervorzuheben und greifbar zu machen. Die einzelnen Seiten fliegen nur so dahin und die Geschichte wird mit Leichtigkeit und doch voller Tiefsinn erzählt. „Pirasol“ ist ein einprägsames Buch das nachhallt und neuen Mut macht. Mut darauf sein Leben zu leben. Eine ganz klare Leseempfehlung!

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  • Zeit fürVeränderungen

    Pirasol

    Dreamworx

    10. September 2017 um 13:31

    2014. Die 84-jährige Witwe Gwendoin Suhr lebt mit der 69-jährigen Thea Hartwig, die sie auf dem Friedhof kennengelernt hat, in der alten Fabrikantenvilla Pirasol. Gwendolin hat ihren einzigen Sohn viele Jahre nicht mehr gesehen, seitdem ihr verstorbener herrischer Ehemann Willem diesen vor langer Zeit aus dem Haus vertrieben hat. Doch plötzlich gibt es die Nachricht, dass dieser sich wieder in der Stadt aufhalten soll. Gwendolin zermürbt sich seitdem mit Schuldgefühlen und lässt ihr Leben noch einmal Revue passieren, angefangen bei ihrer Kindheit über den Krieg bis hin zu ihrer Ehe und dem Verlust des Sohnes. Thea dagegen fühlt sich von der Nachricht bedroht und setzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein, ihr erschlichenes Wohnrecht in der Villa zu verteidigen und nach all den Jahren des Zusammenlebens mit Gwendoline ihre Ansprüche auf Pirasol geltend zu machen. Wird Gwendoline die Kraft aufbringen, sich endlich gegen Thea zur Wehr zu setzen?Susan Kreller hat mit ihrem Buch „Pirasol“ einen sehr eindrucksvollen und poetischen Roman vorgelegt, der dem Leser noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Der Schreibstil besticht durch eine besondere Sensibilität und eigene wunderbare Wortkreationen, die des Lesers Herz anrühren. Schnell versinkt man in dieser Geschichte voller Traurigkeit und Schmerz, jedoch nicht ohne den unterschwelligen Funken namens Hoffnung, dass am Ende alles gut ausgehen wird. Die Handlung lebt von den ständigen Perspektivwechseln zwischen Gegenwart und Gwendolins Erinnerungen an 80 Jahre Vergangenheit. Die Zeitreise durch ein bereits lange gelebtes Leben ist ebenso bildgewaltig wie die gegenwärtige Lebenssituation der beiden Frauen, die beim Leser ein Auf und Ab auf dem Gefühlsbarometer verursachen. Die Charaktere wurden so individuell wie realistisch geformt und geben dem Leser tiefe Einblicke in ihre Gedanken, ihre Gefühlswelt und ihre Intentionen. Gwendolin ist eine sehr zurückhaltende und stille Frau, die sich Zeit ihres Lebens nie aufgelehnt oder Schwierigkeiten entgegen gestellt hat. Sie hasst sich selbst dafür, ihren Sohn gegenüber dem despotischen Ehemann nicht verteidigt zu haben, doch dafür fehlte ihr die Kraft, hat sie sich doch ihrem Schicksal ergeben. Doch gerade das macht ihr ihr Leben zur Hölle, und sie will diesen Zustand partout noch ändern, endlich selbstbestimmen und Frieden mit sich selbst schließen. Thea ist eine berechnende, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Sie kennt keine Skrupel, ihren Willen durchzusetzen, bedient sich der psychologischen Manipulation, um Gwendoline Stück für Stück zu entmündigen.„Pirasol“ ist ein literarisches Meisterwerk, das dem Leser auf eindrucksvolle Art deutlich macht, dass jeder sein Leben ändern kann, egal in welchem Alter. Es gilt den Willen dazu aufzubringen und dann den Weg unbeirrt zu gehen, ohne sich beeinflussen oder bevormunden zu lassen. Hierfür kann es nur eine absolute Leseempfehlung geben. Chapeau – alles richtig gemacht!   

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  • wie lange kann man warten um mit dem Leben anzufangen

    Pirasol

    Gwenliest

    10. September 2017 um 10:23

    Gwendolin ist 84 Witwe und lebt in der stattlichen Papierfabrikanten Villa Pirasol. Ihre Mitbewohnerin Thea, nur knapp 10 Jahre jünger hat sich an Pirasol festgesaugt wie eine Zecke und nimmt allerhand Veränderungen vor und versucht Pirasol immer mehr zu ihrem eigenen Heim zu machen. Der Leser fragt sich schnell wieso lässt Gwendolin dies zu, wieso begehrt sie nicht auf... was ist diese große Schuld die sie fühlt und sie fast erdrückt. Nach und nach erfährt man in Rückblenden etwas zu Gwendolins Kindheit, der Zeit des zweiten Weltkriegs und ihrer Ehe mit dem Fabrikanten Willem und es entsteht ein erschütterndes Gesamtbild und man hofft mit Gwendolin, dass sie beginnt für sich selbst einzustehen.Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten in die Sprache des Buches zu finden. Sie ist außergewöhnlich, verschachtelt und poetisch. Als ich mich daran gewöhnt hatte habe ich jedes Wort und jeden Satz sehr genossen. Der Leser muss aufmerksam sein, weil sich vieles zwischen den Zeilen abspielt und die Autorin wenig erklärt, das macht den zusätzlichen Reiz des Buches aus, macht es zu etwas ganz besonderem. Susann Kreller trägt Schicht für Schicht des Schutzpanzers den Gwendolin sich mühsam aufgebaut hat ab und lässt das Leben der Protagonistin vor unserem Augen ablaufen. Die Rückblenden sind nicht chronologisch und bilden einen Strudel rund um den Kern. Man möchte Gwendolin schütteln, versteht sie nicht in ihrer Ohnmacht, aber jeder Mensch braucht seine Zeit um sich zu finden. Bei Gwendolin hat das leider sehr sehr lange gedauert. Für mich war das Buch eine echte Überraschung, allerdings hat mir die erste Hälfte deutlich besser gefallen. Für mich hat sich die Geschichte gerade im letzten Drittel sehr gezogen, wobei das vielleicht von der Autorin so gwünscht war. Das Ende kam dann wiederum wie ein großer Befreiungsschlag. In jedem Fall sehr lesenswert.

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  • Erschütternd und Erschreckend erzählt

    Pirasol

    Arietta

    08. September 2017 um 15:57

    Inhaltsangabe: Quelle Lovely Boox Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla »Pirasol«: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst. Meine Meinung : Zur Autorin Es ist mein erstes Buch von Susan Kreller, den ich von ihr gelesen habe. Ein beeindruckender Roman, der sich durch ihren speziellen und eigenen Sprachstil hervorhebt, er ist stellenweise schon Poetisch. Die Worte perlen ihr flüssig aus der Feder, ihr Erzählstil fordert einem beim Lesen heraus und ist gewöhnungsbedürftig. Aber von Seite zu Seite wurde der Spannungsbogen besser. Die Personen und deren Charaktere sind gut heraus gearbeitet. Es geht um Schuldgefühle, Unterdrückung, Sadismus und Vergebung. Eine Geschichte mit sehr viel Tiefgang. Zum Inhalt: Sehr gut sind die beiden Alten Damen Thea die jünger als die 84 Jährige Witwe Gwendolin ist, die langsam zu erwacht und sich zur Wehr setzt. Willem ihr verstorbener Mann unter dem sie Jahrelang litt, der sie seelisch Misshandelte, genauso wie ihren gemeinsamen Jungen. Er hielt sie klein, allein durch seine frostigen Blicke, die man förmlich spüren konnte. Es fröstelte einem beim Lesen. Thea die sie sich nach dem Tode in ihre Villa Pirasol holte, ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihr verstorbener Ehemann. Ich glaube hätte Gwendolin geahnt, was sie sich mit Thea ins Haus holte, hätte sie es gelassen. Thea ist wie ein Parasit, eine Zecke die sich festgebissen hat, Gwendolin fängt sich an zu wehren, lehnt sich gegen sie auf, möchte sie aus der Villa haben,um sich von ihrem Regiment und Einfluss zu befreien. Wenn man gemeinsam mit Gwendolin in ihre Kinder-und Jugendzeit abtaucht, lernt man zu verstehen. Da ist die Zeit des Naziregimes, der zweite Weltkrieg, der Vater von den Nazis verhaftet und ins Lager verschleppt, die Mutter seit der Bombennacht vermisst, die Zeit nach dem Krieg, Hunger und Elend. Als sie den Papierfabrikanten Willem Suhr kennenlernt, ihn heiratet, da beginnt so richtig die ganze Tragödie. Ihr Mann ein Despot, der sie erniedrigt und seinen Jungen verachtet. Das alles lastet ihr auf der Seele.....

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  • Sprachliches Meisterwerk

    Pirasol

    cyrana

    05. September 2017 um 15:22

    Gwendolin ist nun schon lange Witwe und lebt in dem Haus "Pirasol". Jedoch nicht alleine, denn Thea hat sich ihr aufgezwungen und Gwendolin wird sie nicht mehr los. Warum steckt sie immer zurück, wehrt sich nie? Das ist der Auslöser für eine Reise in ihre Vergangenheit, die der Leser nach und nach erfährt. Von der Kindheit zur Zeit des Nationalsozialismus, aufgewachsen in einem kritischen Elternhaus, in dem die Künste hoch gehalten wurden, der Nachkriegszeit und dann die Zeit, als sie Willem, ihren späteren Mann kennen lernt. Die Zeitebenen nähern sich langsam an und vieles wird erst nach und nach klarer.Eine tolle Geschichte, die zum Nachdenken anregt, aber was mich begeistert hat, ist der unglaubliche Schreibstil. Sätze, die sehr poetisch sind, dann wieder witzig, die anders weiter gehen, als gedacht. Ganze Passagen kann man nur dann genießen, wenn man sie mehrmals liest. Ein Buch, das ein Genuss ist, von dem man gerne mehr möchte.

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    • 2
  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 24.09.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   239 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  646 Punkte Beust                                          ---   302 Punkte Bibliomania                               ---   201 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  397,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 253 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   130,5 Punkte Code-between-lines                ---  136 Punkte eilatan123                                 ---   53 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   168 Punkte Frenx51                                     ---  82 Punkte glanzente                                  ---   82 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   157 Punkte Hortensia13                             ---   130 Punkte Igelchen                                    ---   25 Punkte Igelmanu66                              ---  178 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   122 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   78 Punkte Katykate                                  ---   110 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   142 Punkte Kuhni77                                   ---   114 Punkte KymLuca                                  ---   103 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   259 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   226 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   92 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  131 Punkte Nelebooks                               ---  235 Punkte niknak                                       ----  285 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   213 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   115 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 65 PunkteSandkuchen                              ---   205 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   178 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   279 Punkte SomeBody                                ---   178,5 Punkte Sommerleser                           ---   198 Punkte StefanieFreigericht                  ---   213,5 Punkte tlow                                            ---   149 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   61 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   179 Punkte Yolande                                       --   171 Punkte

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    • 2382
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    Pirasol

    Bellis-Perennis

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    Das vorliegende Buch ist ein sprachlich genialer Roman. Die 84-jährige Gwendolin lebt seit mehreren Jahren mit der um 15 Jahre jüngeren Thea in einer Zwangsgemeinschaft zusammen. Obwohl Gwendolin die Eigentümerin der herrschaftlichen Villa ist, nistet sich Thea wie die Made im Speck ein und beraubt Gwendolin langsam aber sicher ihrer Eigenständigkeit. Erst recht spät gelingt es Gwendolin die parasitäre Thea loszuwerden.Meine Meinung:Der Roman kommt ohne direkt Rede aus, was für manchen Leser ungewohnt und daher schwer zu lesen sein kann. Die Sprache selbst ist poetisch, leise und doch eindringlich. Sie fällt durch eine Vielzahl von Umschreibungen auf. So werden z. B. die Nazis als „Verirrte“ bezeichnet oder Bücher als „zweimal verbrannte“ beschrieben. Diese subtilen Wortschöpfungen machen den Zauber des Buches aus, dessen Botschaft lautet:„Es ist nie zu spät, einen Neuanfang zu wagen!“Fazit:Ein lesenswertes Buch.

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    Pirasol

    UlrikeG-K

    03. September 2017 um 23:30

    Der Roman um die schweigsame Gwendolin, die sich erst im hohen Alter dazu durchringt, zu sich selbst zu stehen und alle Bevormundung von außen abzuschütteln, berührt wie kaum ein anderer, den ich je gelesen habe!Er ist ein wahres Kleinod, geschrieben in einer poetischen Sprache, die so leicht und dabei so eindringlich ist, dass man beim Lesen die Zeit vergisst und sich ganz verliert in einem bezaubernden Gespinst von Bildern und einfühlsamen Sätzen.Und dies, obwohl Susan Kreller dem Leser eigentlich sehr viel Leid und Schmerz und Traurigkeit zumutet! Doch ist es tatsächlich ihre wunderschöne, völlig unsentimentale Sprache, die es möglich macht, auch das Schwere zu ertragen, es zwar in den Fokus zu rücken, aber gleichsam unscharfe Bilder davon zu malen und diese wie durch einen seidenen Vorhang sehen zu lassen.Der Leser begegnet Gwendolin, die gegen ihren Willen ihre Villa Pirasol mit der herrischen, einige Jahre jüngeren Thea teilt, die ihr Stück für Stück den Platz streitig macht. Von allerlei Schuldgefühlen geplagt gelingt es Gwendolin nicht, sich ihrer zu entledigen - bis eines Tages angeblich der vor vielen Jahren vom Vater vertriebene Sohn in der Stadt gesehen wird.Dies ist der Anlass für Gwendolin, schmerzhafte Lebenserinnerungen aufkommen zu lassen und sich ihnen zu stellen: ihre geliebten Eltern, die letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre in Berlin, ihr Weggang, der Neuanfang weit im Westen Deutschlands, ihre Heirat mit dem herrschsüchtigen Papierfabrikanten Willem, der den gemeinsamen Sohn mit äußerster Strenge und Willkür behandelte, ihn dabei seiner Mutter entfremdete, die niemals in der Lage war, ihn zu schützen...Und indem die Autorin Gwendolin mit Trauer im Herzen ihr Leben Revue passieren lässt, gelingt es dieser allmählich, all das, wofür sie vermeintlich Schuld auf sich geladen hat, in neuem Licht zu sehen und sich mit ihrem Leben soweit es eben möglich ist zu versöhnen.Zur Befriedigung des Lesers, dem die, wie es im Klappentext heißt, "scheue Gwendolin" längst ans Herz gewachsen ist, der bereits von Anfang an auf ihrer Seite steht und mit Betroffenheit ihre Geschichte liest, die sich langsam vor ihm entfaltet. Der aber auch Bedauern darüber verspüren mag, dass die so einsame und verzagte Gwendolin erst so spät lernt, sich zu behaupten, dass sie erst so spät ihren Frieden gefunden hat.Dennoch macht dieser großartige Roman einer wundervollen Schriftstellerin von hohem Niveau auch Mut, denn er hat eine Botschaft! Es ist nie zu spät, sein Leben in die Hand zu nehmen! Und selbst wenn der Roman-Gwendolin nicht mehr viele Jahre beschert sein mögen, so wird sie diese selbstbestimmt leben und bis zur Neige auskosten!

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  • Toller Roman mit einem einzigartigen Schreibstil

    Pirasol

    bettinahertz

    02. September 2017 um 21:03

    Pirasol Autor: Susan Kreller Pirasol ist eine alte Fabrikantenvilla, darin leben Gwendolin 84 Jahre und die fünfzehn Jahre jüngere Thea, die ihren ganz eigenen Plan verfolgt. Eines Tages wird erzählt, man habe Gwendolins verschollenen Sohn bzw. einst vom Vater verstoßen, in der Stadt gesehen. Dies ist für Thea Anlass genug, die Villa unter ihrer Fuchtel zu bringen und beginnt gegenüber Gwendolin einen Kleinkrieg. Gwendolin muss spät in ihrem Leben lernen, ihre Stimme zu heben und sich zur Wehr zu setzen, um am Ende sich nicht selbst zu verlieren. Es wird für sie eine Reise in die Vergangenheit, mit erschütternden Erkenntnissen und eine Befreiung ihrer selbst. Dieser Roman aus der Feder von Susan Kreller ist keine leichte Kost. Sprachlich empfand ich ihn auf hohem Niveau und ich benötigte ein paar Kapitel, mich mit dem Schreibstil anzufreunden. Dann aber hat es mich gepackt und ich war begeistert von der Explosion an Wortspielen, die so viel Emotionen freilassen und einem mehr als einmal fassungslos zurücklassen. Zusätzlich bedient sie sich mehrerer Zeitperspektiven und lässt uns mit Gwendolin in ihre Vergangenheit reisen. Die Zeit bei ihren Eltern, die Zeit des zweiten Weltkrieges und danach, die Zeit mit Willem und ihrem Jungen. Es ist eine Vergangenheitsbewältigung, das Aufarbeiten großer Verluste und der Umgang mit Schuld und Vergebung. Gwendolin hat soviel hingenommen, mehr als ein Mensch ertragen kann, dabei wollte sie doch nur irgendwo geborgen, aufgehoben sein. Dieser Roman hallt noch lange in einem nach und macht traurig, wozu Menschen fähig sind, auch ohne Krieg und große Schlachten. Ich bin sehr beeindruckt über Gwendolins Geschichte und vergebe verdiente fünf Sterne.

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  • Ein bedrückender Roman um ein Trauma und alte Schuld; ungewöhnlich schöne Sprachbilder

    Pirasol

    Federfee

    02. September 2017 um 17:34

    4,5 Sterne von 5 Eine gute Vorstellung, dass sich zwei alte Frauen zusammentun und eine Wohngemeinschaft bilden. Hier aber ist es eine erzwungene, denn die etwa fünfzehn Jahre jüngere Thea macht sich auf dem Friedhof an die Witwe eines Papierfabrikanten, Gwendolin, heran und bearbeitet sie solange, bis diese zustimmt, sie bei sich in der 'Villa Pirasol' aufzunehmen. Obwohl es nicht Theas Haus ist, übernimmt sie dort sofort das Regiment, gegen den Willen von Gwendolin, die aber nicht in der Lage ist, sich durchzusetzen und die am liebsten hätte, dass Thea wieder auszieht, "Thea im knochigen Morgenmantel, Thea mit den kleinen euligen Augen." (21)Gwendolin fühlt sich ihr gegenüber schuldig und dieses Thema der 'Schuld' zieht sich wie ein roter Faden durch Gwendolins Leben. Traumatische Erlebnisse in der Jugend zur Zeit des Krieges, das Verschwinden beider Elternteile haben bei ihr dazu geführt, dass sie – ganz alleine auf der Welt – nicht in der Lage ist, sich zu wehren und gegen Unrecht zu behaupten, auch dann nicht, als es dringend nötig gewesen wäre, ihren Sohn gegen den offensichtlich sadistisch veranlagten Vater zu verteidigen."Sie war ein stummes Mägdelein." (62)In vielen Rückblenden erfahren wir ihre Lebensgeschichte: vom liebevollen Elternhaus in Berlin, von Hunger und Vergewaltigungsgefahr durch die Russen, von der Rückkehr des Vaters aus dem KZ,"eine Ansammlung von Knochen, ein schorfiges Gesicht aus Bart und Augenhöhlen, so etwas Ähnliches wie ein Mensch stand da, ein nie gekannter Gestank auf zwei dürren Beinen." (100),von einer missglückten Heirat, dem Alleinsein und der Unfähigkeit, ihren einzigen Sohn vor dem Vater zu schützen.Anfangs fragt man sich als Leser, warum sie sich nicht wehrt und aufbegehrt, aber wenn man ihre Geschichte erfährt, kann man verstehen, dass sie noch immer traumatisiert ist von all dem Leid und dem Horror ihrer Jugendzeit. Aber es gibt Grenzen für das, was ein Vater einem Sohn an seelischer Grausamkeit antun kann und da hat sicher eine Mutter die Verpflichtung, einzugreifen.All das wird nicht mit drastischen Worten oder plakativ erzählt, sondern in ungewöhnlichen Sprachbildern vermittelt, in Vergleichen und Metaphern, die völlig neu und oft ungewöhnlich in der Zusammenstellung sind:"… dass da jemand doppelt so dünn wie all die anderen Dünnen war." (115), "Wochen waren das aus Schwarz und Jod und Fürimmer" (98)."Gwendolin musste einzelne Sätze streicheln, so wie der Vater das oft in seinen Büchern getan hatte." (180) Und so wie wir Büchernarren das vielleicht auch tun. Überhaupt spielen Bücher eine gewichtige Rolle in diesem Roman, was alle Bücherfreunde entzückend wird. Da wird z.B. eine melancholische Dichterin erwähnt (Mascha Kaléko) und ihre federleichten Gedichte. "Unten sind sie trüb", hatte der Vater gesagt.Im Ganzen ist das Buch schwer verdaulich wegen der schrecklichen Vorkommnisse und der Unfähigkeit Gwendolins, sich zur Wehr zu setzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die, die ihr etwas bedeuten. Zum Schluss dreht sich alles zum Positiven, was mir dann aber etwas zu unwahrscheinlich klang.Diese Konstruktion der Geschichte ist der Grund, dass ich 'nur' 4,5 Sterne vergebe; von der Sprache her wären es dicke 5 gewesen.Alles in allem ein sprachlich anspruchsvolles, lesenswertes Buch.

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