Pirasol

von Susan Kreller 
4,3 Sterne bei23 Bewertungen
Pirasol
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dicketillas avatar

Eine Lebensgeschichte voller Entsagungen , erzählt mit einer wunderbaren Sprache, die teilweise den Atem anhalten läßt.

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Eine Lebensgeschichte die sicher nicht von einem Gelingen geprägt ist und dem Lesenden viel zumutet, aber gleichzeitig auch sehr mitnimmt ..

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Inhaltsangabe zu "Pirasol"

Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla »Pirasol«: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492314114
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:04.12.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    MadameFlamusses avatar
    MadameFlamussevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Lebensgeschichte die sicher nicht von einem Gelingen geprägt ist und dem Lesenden viel zumutet, aber gleichzeitig auch sehr mitnimmt ..
    Ein Frauenleben

    Pirasol – das ist im Roman eine alte Villa. Das Zuhause der alten Gwendolin. Sie lebt schon eine ganze Weile hier. früher mit dem viel älterem Ehemann und dem Sohn, der eine inzwischen tot, der andere lange fort. Die alte Dame ist aber nicht allein. Sie hat sich, wie schnell klar wird leider, auf eine Mitbewohnerin eingelassen. die Mitbewohnerin ist um einiges Jünger und schaltet und waltet sehr bestimmend. Gwendolin fühlt sich überhaupt nicht wohl damit.
    Dieser Geschichtenstrang zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch das Buch und ist ein ziemlich angespannter Strang, mir wird am Schluß schon ganz hibbelig, so gespannt bin ich auf die Auflösung.
    In den Zeiten dazwischen erinnert sich Gwendolin an ihre Zeit die Sie in Pirasol verbracht hat, aber auch an ihre Kindheit und Jugend im Krieg und vor allen den Nachkriegsjahren.

    „…und sich gewundert hatte, warum er nur Papier ohne Zeilen benutzte und sich weigerte, seine Schrift auf gezogenen Linien abzulegen.“

    Die ganze Geschichte hat etwas schleifendes, so wie das Leben Gwendolin geschliffen hat, wird auch der Leser geschliffen. Es fiel mir schwer das mitzumachen und durchzuhalten. Denn zwischendurch stopp es kurz und dann wird neu angesetzt. alles wird mehrfach aufgegriffen, jedesmal geht es ein Stück tiefer und Häppchenweise erfahren wir was in der Vergangenheit passiert ist.
    Erfahren wie Gwendolin ihre Eltern verlor und in welcher bangen Hoffnung sie nach dem Krieg grade so überlebt.
    Es scheint Sie ist erstarrt durch das was Sie schon früh erlebt hat. In ihrer Ehe wird das Ihr und dem gemeinsamen Sohn zum Verhängnis.
    Was macht man nun mit diesen Erfahrungen, die einen still werden ließen. Was macht man jetzt im hohen Alter mit diesem Leben?

    „… und Gwendolin spürte, wie sie sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete: die Einsamkeit, wenn man andere Menschen zueinander geführt hatte.“

    Susan Kreller hat eine feine angenehme Sprachmelodie in den Roman gewirkt, immer wieder webt sie kleine Poesien sein, die viel Atmosphäre erzeugen. Eine echte Stärke des Romans. Er hat mich sehr berührt und so manches mal sind mir die Tränen gekommen, was mir eher selten beim lesen passiert.
    Beim schleifenden der Geschichte bin ich mir nicht scher ob es ein ausgefuchstes Stilmittel ist, welches uns immer mehr hineinziehen soll oder ob es nicht eine Schwäche in der Erzählung ist? Zwischendurch empfand ich es schon durchaus auch als lästig und hätte mir gewünscht das die Dinge mit einem mal „erledigt“ werden und nicht zwei-, dreimal wieder angefasst werden um dann doch noch wieder neues zu offenbaren. Ja ich denke man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und es hätte ihr vielleicht auch gut getan. Aber ich glaube dann wäre nicht diese besondere Stimmung zu Tage getreten. Welches Leben läuft schon gerade? Was gelingt schon im ersten Anlauf? Und ja, wie vieles gelingt nie?

    „..und der das, was war, in aller Lautstärke vergaß.“

    Worüber ich froh war, das war das versöhnliche Ende, welches ich Gwendolin auch aus tiefstem Herzen gegönnt habe.
    Pirasol ist ein besonderes Buch und birgt eine Geschichte in die man eben durch die Erzählweise tief einsteigt, eine Geschichte die in Erinnerung bleiben wird. Ein kleiner Wermutstropfen, auch wenn es die Geschichte von Gwendolin ist, dreht sich doch sehr viel mal wieder um die Männer, erst den Vater, dann den Ehemann und später den Sohn. Die Frauen bleiben zu oft Randfiguren, sehr schade.

    „Er lachte, weil es seine Art zu weinen war … und wie sie selbst weinte, indem sie nicht mehr weinte“

    Näheres zum Inhalt:

    Das Mädchen was von einer Nachbarin gerettet wird, unter Umständen die ihr das fühlen abgewöhnen. Umstände die viel Kraft kosten um sie zu überleben. Der Vater der aus dem Krieg heimkehrt, mit dem das Mädchen in seiner Abwesenheit all die Bücher geteilt hat, die eigentlich längst verbrannt sein sollten. Bücher die das Mädchen nie vergessen wird, und die auch ihr Sohn ganz heimlich entdeckt, viel viel später. Bücher spielen eine große Rolle und haben sehr viel zur Rettung beigetragen – ich kenne das. Bücher die einen sich selbst wiederfinden lassen. Bücher die trösten oder neue Welten zeigen. Bücher die ein Heimatgefühl oder Geborgenheit schenken. Bücher auch in Form von Buchläden als Zufluchtsorten und Buchhändlern als Vertraute.
    In der Erstarrung und Einsamkeit findet Gwendolin ein aufgewecktes paar graue Augen und lässt sich davon einnehmen. Lernt das Haus Pirasol kennen und verliebt sich sofort. Die Ehe wird ein Alptraum, die grauen Augen werden hart und bitter und lassen besonders am gemeinsamen Sohn alle Bösartigkeiten und Demütigungen aus. Strafen Gwendolin mit einer Kälte die Sie weiter in einer stummen Erstarrung verharren lässt. Der Widerstand so zart und leise das er nur für sehr kleine Glücksmomente reicht. Für ihren Sohn reicht es nicht.

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    abetterways avatar
    abetterwayvor einem Jahr
    Pirasol

    Inhalt:
    "Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla »Pirasol«: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst."

    Meinung:
    Man lernt Gwendoline langsam kennen und kann die Geschichte mitleben. Es sind einfach sehr viel Gefühl dahinter, sehr viel Erzählfreude.
    Der Schreibstil ist flüssig und man kann das Buch gut lesen. Dadurch ist es auch einfacher mitzuleben und dies schafft die Autorin mit Ihrer Schreibweise.
    Zwischendurch habe ich die Geduld mit Gwendoline verloren, da würde man sie gerne schütteln und rütteln....
    Aber ich finde das es einsehr gutes und lesenwertes Buch ist.

    Fazit:
    Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Mein Lesehighlight Sommer 2017

    Die 84jährige Gwendolin hat in ihrem langen Leben viel durchmachen müssen. In der Villa Pirasol ihres verstorbenen Mannes hat sie sich bislang geborgen gefühlt. Nun droht ihre Mitbewohnerin Thea damit, dass ihr Sohn, ein Brandstifter, wieder in der Stadt sei und baut daraufhin ein Sicherheitssystem auf, dasGewendolin verstört...

    Nach und nach wird die Geschichte Gwendolins aufgerollt, ihre Kindheit im Dritten Reich, das Schicksal ihrer Eltern, ihre unglückliche Ehe, die Sache mit ihrem Sohn... Und letztendlich Thea, die Gewendolin immer mehr unter Druck setzt... Zeit, etwas zu ändern, aber geht das noch nach 84 Jahren? 

    Ein sehr außergewöhnliches Buch, das mich sehr ergriffen hat, sowohl vom Erzählstil her, der wirklich vom Feinsten ist als auch von der sehr komplexen, aber nachvollziehbaren Geschichte, die weit in die Vergangenheit reicht. 

    Ich habe sehr mitgelitten und mitgebangt, wirklich eine Meisterleistung, so etwas bei mir durch eine Geschichte auszulösen. Das passiert nicht oft. Das Buch ist für mich definitiv das Lesehighlight des Sommers. 

    Von mir gibt es daher eine ausdrückliche Leseempfehlung! 

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    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor einem Jahr
    Pirasol

    In der Villa „Pirasol“ leben zwei alte Damen. Gwendolin ist die Eigentümerin der Villa, die die jüngere Thea bei sich aufgenommen hat. Aber es ist keine Wohngemeinschaft auf Augenhöhe, denn Thea nutzt es schamlos aus, dass sich Gwendolin nicht wehren kann.

    Am Anfang ist es mir recht schwer gefallen, in die Geschichte hineinzufinden, da die Zeiten immer wieder wechseln. Doch schon sehr bald hat mich das Buch dann vollkommen in den Bann gezogen.

    Gwendolin hat es nie leicht gehabt in ihrem Leben. Nachdem im Krieg Vater und Mutter verschwunden sind, musste sie sich durchschlagen. Später ging sie eine Ehe mit Willem ein, der sich dann als Despot herausstellte. Sie begehrt nicht auf, auch wenn das „Armband“ die Gewalt Willems dokumentiert. Auch wenn er den Jungen quält und einsperrt, wehrt sie sich nicht. Dann ist der Junge weg, sie wird irgendwann Witwe und nimmt Thea auf. Welches Druckmittel hat Thea in der Hand, dass sie so auftreten kann?

    Oft hätte ich Gwendolin schütteln können, um sie aufzufordern, sich zu wehren. Aber vielleicht wird man so, wenn das Schicksal einen beutelt.

    Am Ende überrascht mich nicht nur Gwendolin.

    Es ist ein Buch, das berührt und  einem lange im Gedächtnis bleibt.

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    Estrelass avatar
    Estrelasvor einem Jahr
    Berührendes Frauenschicksal

    "Pirasol" erzählt die Geschichte einer Frau, die sich durchs Leben schlagen muss, vom zweiten Weltkrieg über eine schwierige Ehe bis zu einer anstrengenden Wohngemeinschaft. Der Leser macht, von der Jetztzeit ausgehend, Abstecher in die verschiedenen Lebensphasen der Protagonistin Gwendolin. Diese sind voll mit kleinen Episoden, die am Ende ein Gesamtbild über ihr doch ziemlich bedrückendes Leben abgeben. Umso mehr verdient sie Achtung und Respekt, weil sie nie aufhört, für ihre Überzeugungen zu kämpfen. Das Cover spiegelt sehr gut das Zarte wider, die leisen Töne, die die Autorin trifft. Außerdem hat Susan Kreller wunderbare sprachliche Konstrukte geschaffen, die ein Um-die-Ecke-Denken erfordern, aber erheblich zum Lesegenuss beitragen.

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    Kaffeetasses avatar
    Kaffeetassevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Phänomenal geschrieben, bedrückend, kämpferisch, bewegend
    Phänomenal geschrieben, bedrückend, kämpferisch, bewegend

    Dieses Buch hat mich auf so vielen Ebenen berührt, dass es mir sehr schwer fällt das in einer Rezension aufs "Papier" zu bringen.
    Die Geschichte von Gwendolin ist so tragisch und bedrückend, dass sich diese Stimmung auch durch das ganze Buch zieht. Sehr schnell habe ich mich in Gwendolin reingefühlt und mich so tief mit ihr verbunden gefühlt, dass mir bei den Rückblenden zu ihrem Leben immer wieder die Tränen kamen. Gleichfalls habe ich in der heutigen Zeit geschafft, dass sie ihre kämpferische Seite zeigen kann. Sie hat immer mehr oder minder still gelitten, aber immer weiter gemacht. Und als alte Frau findet sie endlich den Mut den Mund aufzumachen und für sich einzustehen, vor allem aber ihre Andenken zu schützen und den Geist von Pirasol.

    Die Worte sind in diesem Buch so mächtig, aber gleich auch so still. Man muss phasenweise zwischen den Zeilen lesen, um die ganze Tragik zu erfassen. Aber dennoch ist das Buch auch voller Mut und Stärke. Es gibt hier keinen großen Knall, keine Action, aber dennoch eine Spannung, die sich bis zum Ende halten kann. Das Buch schließt mit einer überraschenden Erkenntnis und lässt den Leser mit vielen Gefühlen zurück.  Phänomenal!

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    camilla1303s avatar
    camilla1303vor einem Jahr
    Die berührende Geschichte einer alten Dame

    Der Roman „Pirasol“ von Susan Kreller ist 2017 im Berlin Verlag erschienen und erzählt die berührende Geschichte von Gwendolin, die erst im Alter richtig zu leben beginnt. „Pirasol“ erzählt aber auch von Schuld und Vergebung und einem Leben im 20. Jahrhundert.

    Die 84-jährige Witwe und Alleinerbin des Hauses, Gwendolin Suhr lebt mit der 15 Jahre jüngeren Thea Hartwig in der alten Papierfabrikantenvilla „Pirasol“. Gwendolin hat ihren einzigen Sohn viele Jahre nicht mehr gesehen, denn ihr mittlerweile verstorbener, patriarchaler Ehemann hat ihn vor drei Jahrzehnten aus „Pirasol“ vertrieben. Doch plötzlich soll sich Gwendolins Sohn wieder in der Stadt aufhalten. Gwendolin beginnt sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen, lässt das Erlebte noch einmal Revue passieren. Von der Kindheit, über den Krieg bis zur unglücklichen Ehe und schließlich den Verlust des eigenen Sohnes, den sie nicht vor dem herrischen Vater verteidigen konnte. Thea, die sich das Wohnrecht erschlichen hat, fühlt sich von der nahenden Anwesenheit des Sohnes bedroht und versucht ihre Macht über Gwendolin auszubauen. Ob sich Gwendolin zur Wehr setzen kann und endlich beginnt zu leben?

    Fasziniert war ich vom Schreibstil der Autorin. Susan Kreller gelingt es mit eindrucksvoller Sprache die Charaktere der Geschichte zu zeichnen und die Handlungsorte hervorzuheben und greifbar zu machen. Die einzelnen Seiten fliegen nur so dahin und die Geschichte wird mit Leichtigkeit und doch voller Tiefsinn erzählt.

    „Pirasol“ ist ein einprägsames Buch das nachhallt und neuen Mut macht. Mut darauf sein Leben zu leben. Eine ganz klare Leseempfehlung!

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    Dreamworxs avatar
    Dreamworxvor einem Jahr
    Zeit fürVeränderungen

    2014. Die 84-jährige Witwe Gwendoin Suhr lebt mit der 69-jährigen Thea Hartwig, die sie auf dem Friedhof kennengelernt hat, in der alten Fabrikantenvilla Pirasol. Gwendolin hat ihren einzigen Sohn viele Jahre nicht mehr gesehen, seitdem ihr verstorbener herrischer Ehemann Willem diesen vor langer Zeit aus dem Haus vertrieben hat. Doch plötzlich gibt es die Nachricht, dass dieser sich wieder in der Stadt aufhalten soll. Gwendolin zermürbt sich seitdem mit Schuldgefühlen und lässt ihr Leben noch einmal Revue passieren, angefangen bei ihrer Kindheit über den Krieg bis hin zu ihrer Ehe und dem Verlust des Sohnes. Thea dagegen fühlt sich von der Nachricht bedroht und setzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein, ihr erschlichenes Wohnrecht in der Villa zu verteidigen und nach all den Jahren des Zusammenlebens mit Gwendoline ihre Ansprüche auf Pirasol geltend zu machen. Wird Gwendoline die Kraft aufbringen, sich endlich gegen Thea zur Wehr zu setzen?

    Susan Kreller hat mit ihrem Buch „Pirasol“ einen sehr eindrucksvollen und poetischen Roman vorgelegt, der dem Leser noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Der Schreibstil besticht durch eine besondere Sensibilität und eigene wunderbare Wortkreationen, die des Lesers Herz anrühren. Schnell versinkt man in dieser Geschichte voller Traurigkeit und Schmerz, jedoch nicht ohne den unterschwelligen Funken namens Hoffnung, dass am Ende alles gut ausgehen wird. Die Handlung lebt von den ständigen Perspektivwechseln zwischen Gegenwart und Gwendolins Erinnerungen an 80 Jahre Vergangenheit. Die Zeitreise durch ein bereits lange gelebtes Leben ist ebenso bildgewaltig wie die gegenwärtige Lebenssituation der beiden Frauen, die beim Leser ein Auf und Ab auf dem Gefühlsbarometer verursachen.

    Die Charaktere wurden so individuell wie realistisch geformt und geben dem Leser tiefe Einblicke in ihre Gedanken, ihre Gefühlswelt und ihre Intentionen. Gwendolin ist eine sehr zurückhaltende und stille Frau, die sich Zeit ihres Lebens nie aufgelehnt oder Schwierigkeiten entgegen gestellt hat. Sie hasst sich selbst dafür, ihren Sohn gegenüber dem despotischen Ehemann nicht verteidigt zu haben, doch dafür fehlte ihr die Kraft, hat sie sich doch ihrem Schicksal ergeben. Doch gerade das macht ihr ihr Leben zur Hölle, und sie will diesen Zustand partout noch ändern, endlich selbstbestimmen und Frieden mit sich selbst schließen. Thea ist eine berechnende, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Sie kennt keine Skrupel, ihren Willen durchzusetzen, bedient sich der psychologischen Manipulation, um Gwendoline Stück für Stück zu entmündigen.

    „Pirasol“ ist ein literarisches Meisterwerk, das dem Leser auf eindrucksvolle Art deutlich macht, dass jeder sein Leben ändern kann, egal in welchem Alter. Es gilt den Willen dazu aufzubringen und dann den Weg unbeirrt zu gehen, ohne sich beeinflussen oder bevormunden zu lassen. Hierfür kann es nur eine absolute Leseempfehlung geben. Chapeau – alles richtig gemacht! 

     

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sprachlich anspruchsvoll, späte Aufarbeitung eines Familiendramas und der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
    wie lange kann man warten um mit dem Leben anzufangen

    Gwendolin ist 84 Witwe und lebt in der stattlichen Papierfabrikanten Villa Pirasol. Ihre Mitbewohnerin Thea, nur knapp 10 Jahre jünger hat sich an Pirasol festgesaugt wie eine Zecke und nimmt allerhand Veränderungen vor und versucht Pirasol immer mehr zu ihrem eigenen Heim zu machen. Der Leser fragt sich schnell wieso lässt Gwendolin dies zu, wieso begehrt sie nicht auf... was ist diese große Schuld die sie fühlt und sie fast erdrückt. Nach und nach erfährt man in Rückblenden etwas zu Gwendolins Kindheit, der Zeit des zweiten Weltkriegs und ihrer Ehe mit dem Fabrikanten Willem und es entsteht ein erschütterndes Gesamtbild und man hofft mit Gwendolin, dass sie beginnt für sich selbst einzustehen.

    Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten in die Sprache des Buches zu finden. Sie ist außergewöhnlich, verschachtelt und poetisch. Als ich mich daran gewöhnt hatte habe ich jedes Wort und jeden Satz sehr genossen. Der Leser muss aufmerksam sein, weil sich vieles zwischen den Zeilen abspielt und die Autorin wenig erklärt, das macht den zusätzlichen Reiz des Buches aus, macht es zu etwas ganz besonderem. Susann Kreller trägt Schicht für Schicht des Schutzpanzers den Gwendolin sich mühsam aufgebaut hat ab und lässt das Leben der Protagonistin vor unserem Augen ablaufen. Die Rückblenden sind nicht chronologisch und bilden einen Strudel rund um den Kern. Man möchte Gwendolin schütteln, versteht sie nicht in ihrer Ohnmacht, aber jeder Mensch braucht seine Zeit um sich zu finden. Bei Gwendolin hat das leider sehr sehr lange gedauert. Für mich war das Buch eine echte Überraschung, allerdings hat mir die erste Hälfte deutlich besser gefallen. Für mich hat sich die Geschichte gerade im letzten Drittel sehr gezogen, wobei das vielleicht von der Autorin so gwünscht war. Das Ende kam dann wiederum wie ein großer Befreiungsschlag. In jedem Fall sehr lesenswert.



    * Rezensionsexemplar über Lovelybooks / Verlag


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    Ariettas avatar
    Ariettavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein eigensinniger Roman, mit einem speziellen Und fast poesievollem Sprachstil
    Erschütternd und Erschreckend erzählt

    Inhaltsangabe: Quelle Lovely Boox




    Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla »Pirasol«: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst.


    Meine Meinung :

    Zur Autorin

    Es ist mein erstes Buch von Susan Kreller, den ich von ihr gelesen habe. Ein beeindruckender Roman, der sich durch ihren speziellen und eigenen Sprachstil hervorhebt, er ist stellenweise schon Poetisch. Die Worte perlen ihr flüssig aus der Feder, ihr Erzählstil fordert einem beim Lesen heraus und ist gewöhnungsbedürftig. Aber von Seite zu Seite wurde der Spannungsbogen besser. Die Personen und deren Charaktere sind gut heraus gearbeitet. Es geht um Schuldgefühle, Unterdrückung, Sadismus und Vergebung. Eine Geschichte mit sehr viel Tiefgang.


    Zum Inhalt:

    Sehr gut sind die beiden Alten Damen Thea die jünger als die 84 Jährige Witwe Gwendolin ist, die langsam zu erwacht und sich zur Wehr setzt. Willem ihr verstorbener Mann unter dem sie Jahrelang litt, der sie seelisch Misshandelte, genauso wie ihren gemeinsamen Jungen. Er hielt sie klein, allein durch seine frostigen Blicke, die man förmlich spüren konnte. Es fröstelte einem beim Lesen. Thea die sie sich nach dem Tode in ihre Villa Pirasol holte, ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihr verstorbener Ehemann. Ich glaube hätte Gwendolin geahnt, was sie sich mit Thea ins Haus holte, hätte sie es gelassen. Thea ist wie ein Parasit, eine Zecke die sich festgebissen hat, Gwendolin fängt sich an zu wehren, lehnt sich gegen sie auf, möchte sie aus der Villa haben,um sich von ihrem Regiment und Einfluss zu befreien. Wenn man gemeinsam mit Gwendolin in ihre Kinder-und Jugendzeit abtaucht, lernt man zu verstehen. Da ist die Zeit des Naziregimes, der zweite Weltkrieg, der Vater von den Nazis verhaftet und ins Lager verschleppt, die Mutter seit der Bombennacht vermisst, die Zeit nach dem Krieg, Hunger und Elend. Als sie den Papierfabrikanten Willem Suhr kennenlernt, ihn heiratet, da beginnt so richtig die ganze Tragödie. Ihr Mann ein Despot, der sie erniedrigt und seinen Jungen verachtet. Das alles lastet ihr auf der Seele.....





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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Berlin_Verlags avatar

    Liebe LovelyBooker,

    wir laden Euch herzlich ein, bei der Leserunde zu Susan Krellers »Pirasol« dabei zu sein!

    Zwei alte Damen leben in einer Papierfabrikantenvilla: Die scheue und liebenswerte Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des imposanten Hauses, ihre Mitbewohnerin Thea ist 15 Jahre jünger, hat sich vor einigen Jahren listig in die Villa eingenistet und verfolgt seither ohne Skrupel und Rücksicht auf ihre Gastgeberin ihren ganz eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihre Stellung zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin ist das zunehmende Machtstreben ihres tyrannischen Hausgastes jedoch der Auslöser, sich wieder an ihr eigenes langes und hartes Leben zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, die Verhaftung ihrs Vaters aus politischen Gründen, an den frühen Verlust der Eltern und das eigene Überleben in einer ausgebombten Stadt, an einen neuen Anfang in einer westdeutschen Kleinstadt mit ihrem Ehemann, dem despotischen Papierkönig Willen und schließlich an die Verbannung des einzigen gemeinsamen Kindes. Als Gwendolin sich wieder ihre eigene Lebensgeschichte in dieser emotionalen Krise vergegenwärtigt, beschließt sie, fortan nicht mehr alles stoisch zu ertragen, sondern ihr restliches Leben selber in die Hand zu nehmen.

    »Pirasol« ist die berührende Geschichte einer stillen und arbeitsamen Frau, die erst im hohen Alter beginnt, sich zur Wehr zu setzen. Susan Kreller erzählt in ihrem Roman lakonisch knapp und bildstark die Geschichte eines ganzen Lebens und schreibt von Schuld, Vergebung und der Last der deutschen Geschichte.            

    Susan Kreller, geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium, den Hansjörg-Martin-Preis (2013) und 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin und lebt in Bielefeld.

    Wenn Ihr Lust auf diese Leserunde habt, dann schreibt uns doch kurz, welche Gedanken und Assoziationen Euch in den Kopf kommen, wenn Ihr »Pirasol«, den Titel des Buchs, lest. Was stellt Ihr Euch darunter vor? 

    Wir freuen uns und sind gespannt! 

    Euer Berlin Verlag

    abetterways avatar
    Letzter Beitrag von  abetterwayvor einem Jahr
    Hallo, hier ist meine Rezi: https://www.lovelybooks.de/autor/Susan-Kreller/Pirasol-1483620744-w/rezension/1508804382/ Es tut mir leid das es solange gedauert hat. Ein wirklich sehr sehr gutes Buch.
    Zur Leserunde

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