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AusZeit-Mag

vor 5 Jahren

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Inhalt
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Weihnachten steht vor der Tür und Maureen Davenport ist ganz in ihrem Element! Die Bibliothekarin liebt diese Jahreszeit ganz besonders, kann sie sich doch an der Organisation ihres so heiß geliebten Krippenspiels gütlich tun und da mit Leib und Seele ihrem Hobby frönen. Doch die Sache hat einen Haken und zwar in Gestalt von Eddie Haven, den man wie jedes Jahr dazu verdonnert, bei den Weihnachtsvorbereitungen zu helfen. Bloß, wie soll man einen solch zynischen Flegel, der Weihnachten scheinbar so gar nichts abgewinnen kann, für seine gemächlichen Helfersdienste motivieren?
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Einschätzung
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Die „Lakeshore Chronicles“ laden zum Weihnachtsbesuch nach Avalon und Umgebung. Damit wäre das chronologisch gesehen eigentlich der sechste Besuch am Willow Lake bei den Bellamys und Co., aber leider wurde da vom Verlag schon vorgegriffen, denn Daisy Bellamy hat den Vortritt vor Maureen bekommen und durfte schon munter ins Hauptgeschehen eingreifen. Sei es drum! Jahreszeitenmäßig passt der Schmöker jedenfalls perfekt in diese romantische und gefühlvolle Zeit und höchstwahrscheinlich ist das Grund genug für den Verlag, mal kurzerhand die Reihenfolge auszutauschen.
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Susan Wiggs hat auch gleich mal zwei völlig unterschiedliche Romanfiguren an den Start geschickt, die recht wenig gemein haben und sich hier erst einmal zusammenraufen müssen. Die gute Maureen, die aber so was von auf den Punkt dem typischen Klischee einer mustergültigen Bibliothekarin entspricht, dass es einem die Autorin wirklich ganz einfach macht, sich diese visuell vorzustellen: optisch mit Nasenfahrrad, Haare schön in Reih und Glied als Knoten und was natürlich nicht fehlen darf: altmodische Tweed-Kostüme, die die Mode-Polizei umgehend auf den Plan rufen dürfte. Und Susan Wiggs setzt da munter noch einen drauf und gibt Maureen auch die klassischen Charaktereigenschaften einer Bibliothekarin mit auf den Weg: altjüngferlich und spröde, halt ganz die graue Maus, die dem traditionellen Bild einer „Bücherei-Tante“ entspricht. Dazu passt es auch ganz herrlich, dass sie verbal gerne mal zum „Pingelfritzen“ mutiert und auf pedantische Oberzicke macht.
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Als krassen Gegensatz gibt’s den zynischen Eddie, der nach außen den obercoolen und leichtfertigen Kerl gibt. Nichtsdestotrotz hat er die ein oder andere Überraschung in petto und legt hier doch manchmal die Geduld eines Heiligen an den Tag, um die anstrengende Maureen etwas lockerer und entspannter werden zu lassen.
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Eigentlich habe ich mir ja gerade von dieser enormen Gegensätzlichkeit unseres Paares eine Menge an Knistern und Prickeln zwischen den beiden erhofft, aber da hat die Autorin für meinen Geschmack nicht das ganze Potenzial ausgeschöpft. Mir persönlich kam diese aufbauende Leidenschaft einfach einen Tick zu unaufgeregt und „smooth“ rüber, was zugegebenermaßen durchaus zum Schreibstil von Wiggs passt. Da zeigt sie sich ja in der Regel eher etwas von der sanften und ruhigeren Seite, wobei sie speziell bei diesem Duo gerne einen Gang höher hätte schalten können.
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Eingangs habe ich ja schon kurz erwähnt, dass die zeitliche Reihenfolge der Lakeshore Chronicles vom Verlag nicht ganz eingehalten wurde und gerade hier zeigt es ganz deutlich auf, warum das immer mal wieder für ein Ärgernis bei vielen Leserinnen führt. Daisy Bellamy, die ja im bereits erschienen achten Teil „Zerrissenes Herz“ ihre eigene Story samt Happy End bekommt hat, wirkt hier in einem Subplot mit, der aufgrund der unkorrekten Abfolge halt völlig überflüssig und auch unpassend scheint und eben auch so ein bisschen seine Wirkung verliert. Finde ich persönlich immer schade!
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Fazit
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Eine nette und lauschige Lektüre mit kleinen Schwächen, die insgesamt aber nahezu perfekt auf diese Jahreszeit abgestimmt ist. Da kann man sich wunderbar auf die kommende Advents- und Weihnachtszeit „eingrooven“. Von mir gibt’s vorweihnachtliche 4 von 5 Punkten für unsere gestrenge Bibliothekarin samt ihrem gegensätzlichen Kerl! (AK)

Autor: Susan Wiggs
Buch: Weihnachtsengel gibt es doch
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