Susana Fortes

 3 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Im Zeichen der Madonna, Warten auf Robert Capa und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Susana Fortes

Im Zeichen der Madonna

Im Zeichen der Madonna

 (3)
Erschienen am 10.12.2010
Warten auf Robert Capa

Warten auf Robert Capa

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Erschienen am 15.02.2016
Waiting for Robert Capa

Waiting for Robert Capa

 (1)
Erschienen am 27.09.2011
Esperando A Robert Capa

Esperando A Robert Capa

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Erschienen am 17.09.2012
Quattrocento

Quattrocento

 (0)
Erschienen am 25.05.2010

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Rezension zu "Warten auf Robert Capa" von Susana Fortes

Zeitzeugin hinter der Kamera: Das bewegte Leben der ersten Kriegsfotografin Gerda Taro
RosaEmmavor einem Jahr

Sie war die erste weibliche Kriegsfotografin, die ihren Platz in einer bis dato unangefochtenen Männerdomäne behauptete: Die 1910 in Stuttgart geborene Jüdin Gerta Pohorylle, die ihren Namen später in Gerda Taro – klanglich nach ihrem Idol Greta Garbo – änderte, war für viele Frauen eine unerschrockene Wegbereiterin in einem höchst risikoreichen Job, in dem Gefahr und Tod allgegenwärtig sind. Mit ihrem brillanten Roman Warten auf Robert Capa stellt die spanische Schriftstellerin Susana Fortes das bewegte Leben und tragische Schicksal dieser außergewöhnlich mutigen Frau in den Fokus und setzt ihr somit ein ihr gebührendes, eindrucksvolles Denkmal. Den Schwerpunkt legt die Autorin dabei auf die Liebesbeziehung zwischen Gerda Taro und Robert Capa, einem der weltweit renommiertesten Kriegsreporter, dessen Stern in den 30er Jahren, als die beiden sich in Paris kennenlernten und ein Paar wurden, gerade erst im Aufgehen begriffen war.

Die Idee zu ihrem o.g. Roman kam Fortes, als sie von einem Sensationsfund in Mexiko hörte: Dort man fand 3.000 unveröffentlichte Fotos von Robert Capa, Gerda Taro und David Seymour, die während des Spanischen Bürgerkriegs geschossen wurden. Darunter waren auch Fotos, die Capa von seiner Partnerin Taro gemacht hatte. Fortes begann über die Beziehung der beiden starken Persönlichkeiten zu recherchieren – insbesondere interessierte sie dabei die unkonventionelle Frau und scheinbar furchtlose Fotografin und Kriegsreporterin Taro, die trotz ihres augenscheinlichen Talents stets im Schatten des charismatischen Künstlers stand. Aus diesen Recherchen ging diese ganz besondere Geschichte hervor, die die Autorin so erstklassig konzipiert hat1.

Flucht nach Paris

Gerta wächst als Tochter eines aus Galizien eingewanderten jüdischen Kaufmanns gemeinsam mit ihren Brüdern Karl und Oskar in Stuttgart und Leipzig sehr behütet auf. Als die Nazis jedoch an die Macht kommen und ihre Schreckensherrschaft immer weiter ausbauen, wird die Lebenssituation für Gerta und ihre Familie jeden Tag gefährlicher. Als Gerta für kurze Zeit inhaftiert wird und nur dank ihrer perfekt gespielten Naivität wieder frei kommt, beschließt sie im Alter von 24 Jahren schweren Herzens, nach Paris zu flüchten und dort eine Zukunft für sich aufzubauen. Gemeinsam mit Freundin Ruth teilt sie sich eine zweckmäßige Dachwohnung im Quartier Latin und hält sich mit Teilzeitjobs (z. B. als Arztsekretärin) über Wasser. Obwohl Gerta die pulsierende Metropole schnell ans Herz wächst, vermisst sie ihre Familie und ihr Zuhause. Sie hadert mit ihrem Status als Flüchtling, fühlt sich als nicht willkommener Gast und sieht ihr Jüdisch sein als Bürde – ganz zu schweigen von ihrem Glauben, den sie angesichts der schlimmen Erfahrungen, die sie schon in ihren jungen Jahren machen musste, mehr und mehr verliert.

Eine schicksalhafte Begegnung

Über Ruth lernt sie eines Tages den ungarischen Fotografen André Friedman kennen, der als Linker verfolgt wurde und von Budapest über Berlin nach Paris geflüchtet war. Gemeinsam mit seinem besten Freund David Seymour, genannt Chim, hält er sich mit Fotojobs mehr schlecht als recht über Wasser. Gerta gefällt seine extrovertierte Art, seine Selbstsicherheit und seine zeitweilige Melancholie, die seine Verletzlichkeit offenbart. Obwohl eine Beziehung das letzte ist, was Gerta in ihrer Situation möchte, kommen sich die beiden näher und werden schließlich ein Paar. André bringt ihr alles bei, was er über das Fotografieren weiß, und Gerta lernt schnell. Sie gewinnt an Selbstvertrauen und macht ihre ersten zaghaften Versuche als Fotografin. Ihr ist zwar klar, dass sie niemals so gut sein wird wie Friedman, der einfach das Gespür für das richtige Momentum eines Fotos hat, doch sie ist entschlossen, ihren eigenen Stil zu finden.

Mit neuen Namen zum Erfolg

Als das Geld immer öfter zu knapp zum Überleben wird, nimmt Gerta die Dinge selbst in die Hand: Sie erklärt sich kurzerhand zur Managerin von André, dem jeglicher Geschäftssinn fehlt, ändert seinen Namen in Robert Capa und attribuiert ihm die erfundene Vita eines international erfolgreichen amerikanischen Fotografen. Sie tauscht seine heißgeliebte Lederjacke gegen einen weltmännischen Anzug und versucht so, ihm gewinnbringende Aufträge bei namhaften Agenturen zu verschaffen. Und ihr Plan geht auf: André gewinnt an Renommee und wird bald ein allseits gefragter Fotograf. Auch sich erfindet Gerta neu: Sie nennt sich fortan Gerda Taro und erhält ebenfalls erste Aufträge.

Capa und Taro an der Front: Die Gräuel des Spanischen Bürgerkriegs im medialen Fokus

Als General Franco 1936 einen Putsch gegen die linke spanische Regierung verübt, fahren Capa und Taro kurze Zeit später nach Spanien, um die Situation vor Ort mit der Kamera zu dokumentieren. Doch nichts kann sie darauf vorbereiten, was sie dort erwartet. Der Spanische Bürgerkrieg wird zum ersten medialen Krieg der Geschichte – die von den europäischen Zeitungen in Auftrag gegebenen Fotos spiegeln das ganze Ausmaß der Grausamkeit und Menschenverachtung der sinnlosen Gewaltakte wider. Capa und Taro, die das Geschehen hautnah an der Front mit erleben, sind erschüttert. Ihre Momentaufnahmen zeigen die Menschen in ihrer ganzen Verzweiflung und Einsamkeit – völlig verloren in einem Krieg, der ihnen nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern auch ihre Seele raubt.

„Im Augenblick des Todes“

Dann wird Capa mit einem einzigen Foto weltberühmt: „Tod eines Milizionärs“ bzw. „Loyalistischer Soldat im Augenblick des Todes“ geht um die Welt und macht ihn auf einen Schlag zu einer Ikone unter den Kriegsreportern. Aber wie kann er sich über den Erfolg freuen? Das Foto des Sterbenden, das er unter Lebensgefahr schoss, lässt ihn nicht mehr los. Und auch Gerda hat der Krieg verändert: An einen gerechten Gott kann sie angesichts der Toten, die sie jeden Tag umgeben, nicht mehr glauben. Immer öfter hat sie Schuldgefühle, noch am Leben zu sein. Und doch stürzt sie sich wie Robert mit der Kamera jeden Tag aufs Neue wagemutig in die nächste Schlacht.

Gegen jede Warnung

Langsam und schleichend bekommt die Beziehung der beiden erste Risse. Gerda hat genug davon, die Frau in seinem Schatten zu sein und wagt immer öfter Alleingänge, die Robert nicht gut heißt. Sie fährt wieder und wieder an die Front nahe Madrid, während Robert in Paris bleibt, und hält das Grauen des Krieges auf ihre ganz besondere Art fest. Als sie eines Tages – gegen jede Warnung – an der Front bleibt, um einen Bombenangriff der Deutschen fotografisch zu dokumentieren, kommt es zur Katastrophe, die sie im Alter von nur 27 Jahren das Leben kostet…

Brillanter Roman über das Lebensdrama einer mutigen Frau

Mit Warten auf Robert Capa ist Susana Fortes ein sehr berührender Roman über das bewegte Leben Gerda Taros gelungen. Die Autorin hat exzellent recherchiert und die politische, soziale und kulturelle Atmosphäre der damaligen Zeit mit großer Lebendigkeit eingefangen. Neben den zentralen Charakteren treffen wir auch auf viele interessante Persönlichkeiten dieser Epoche: Henri Cartier-Bresson, französischer Fotograf und – neben Capa – Mitbegründer der Fotoagentur Magnum, Man Ray, amerikanischer Fotograf und Objektkünstler, Ernest Hemingway, der legendäre Schriftsteller, der ebenfalls vom Spanischen Bürgerkrieg berichtete u.v.m.

Fortes lässt die Protagonisten Gerda und Robert vor unseren Augen lebendig werden und gewährt einen aufschlussreichen Blick in die Psyche der beiden Hauptfiguren, so dass man am Ende des Buches das Gefühl hat, sie persönlich gekannt zu haben. Vor allem aber vergisst man als Leser angesichts der fesselnd geschriebenen und sehr zu Herzen gehenden Story sehr schnell, dass es sich hierbei um Fiktion handelt, auch wenn die geschichtlichen Fakten allesamt stimmig sind. Und es ist genau diese Realitätsnähe, die durchdringende und klangvolle Sprache sowie die ergreifenden Einsichten in die Conditio Humana, die diesen ausgezeichneten Roman zu einem ganz besonderen Leseerlebnis machen. Daher mein Fazit: Ein Must Read!

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