Susann Pásztor Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

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Inhaltsangabe zu „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ von Susann Pásztor

Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred glaubt es zu wissen. Er ist alleinerziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod und möchte nur etwas menschliche Nähe – zu ihren Bedingungen. Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, grandios scheitert, ist es nur noch Phil, sein 13-jähriger Sohn, der Karla besuchen darf, um ihre Konzertfotos zu archivieren. Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung – und verhilft Fred zu einer zweiten Chance. Susann Pásztor erzählt in ihrem dritten Roman eine berührende Geschichte über die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung – unpathetisch und humorvoll, einfühlsam und mit sicherem Gespür für menschliche Gefühlslagen.

Würde ich nicht zum Lesen empfehlen.

— RichardZT
RichardZT

Welche Rolle hat der Sterbebegleiter? Dies muss der Protagonist Fred erst noch herausfinden.

— Buecherwurm1973
Buecherwurm1973

Ausgezeichnetes Buch

— leserin
leserin

Der Tod gehört zum Leben, zum Alltag. Diese banale Weisheit führt die Autorin mit einer Selbstverständlichkeit zu einem normalen Abschluss.

— Hennie
Hennie

Beeindruckendes Buch übers Sterben, aber auch über das Begleiten von Sterbenden. Toll geschrieben und nicht so traurig wie erwartet.

— hexhex
hexhex

Eine tolle Geschichte, ein faszinierender Charakter, der einem das Sterben in Würde und zu den eigenen Bedingungen näher bringt.

— misery3103
misery3103

Wunderschön und zu Tränen rührend zeigt dieser Roman, wie sich Menschen und Beziehungen entwickeln, wie sie unermesslich wachsen können.

— once-upon-a-time
once-upon-a-time

Mich hat die Geschichte sehr berührt und wird sicher noch lange nachwirken.

— dicketilla
dicketilla

Das Buch lässt sich sehr gut lesen und es ist leicht verständlich. Der Inhalt ist sehr mitfühlend und berührend.

— Ekcnew
Ekcnew

Ein stilles Buch, das ohne spektakulären Handlungen auskommt, das emotional ist, aber nicht rührselig.

— Mira20
Mira20

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

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    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    RichardZT

    RichardZT

    12. July 2017 um 23:29

    Sehe oben.

  • Welche Rolle hat der Sterbebegleiter?

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Buecherwurm1973

    Buecherwurm1973

    07. July 2017 um 11:29

    Fred hat die Ausbildung zum Sterbegleiter gemacht. Karla, im Endstadium Bauchspeicheldrüsen-Krebs, wird er als erstes begleiten. Er ist ein rechtschaffender Beamter und so geht er auch die Sterbebegleitung an. Im Kopf hat er genaue Vorstellungen, wie es ablaufen soll und läuft bei Karla prompt auf. Denn sie ihrerseits weiss genau, was sie will und was nicht. Konflikte sind vorprogrammiert. Zum Glück hat Fred sein Sohn Phil, der freundet sich mit Karla an. Phil hat das nötige Feingefühl, er spürt genau, wann welche Zuwendung nötig ist und wann er sich verdrücken soll. Das Buch ist humorvoller, als man bei diesem Thema annehmen könnte. Es gibt viele groteske Szenen, wo sich vor dem geistige Augen Bilder auftun, dass man nichts anders kann, als lauthals zu lachen. Es gibt auch die andere Seite, die sich mit dem Sterben und dem Leben auseinandersetzen ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Ich hatte zu Beginn riesige Probleme mit Fred. Wie es seinem Naturell entspricht, geht er die Begleitung von Karla etwas zu übereifrig an. Er übergeht die Bedürfnisse von Karla völlig. Zum Glück ist Karla eine Frau, die sich zu wehren weiss und ihm zu verstehen gibt, wie sie sich ihr Ableben vorstellt. Ich mochte Phil, Freds Sohn. Seine Gedanken und sein Umgang mit Karla haben mich sehr berührt. Der Titel verweist auf das Ritual, dass man das Fenster öffnen soll, nachdem jemand gestorben ist, damit die Seele und der Geist in den Himmel steigen können. Im Buch kommt dieser eine Moment für mich etwas kurz. Ich hätte gerne mehr davon gelesen, wie zum Beispiel die Atmosphäre im Raum war oder wie sich Fred gefühlt hat. Ich weiss, dass dieser Augenblick ein sehr intimer Moment ist. Er lässt mich seither nicht mehr los, viele Gedanken kreisen um ihn. Die Autorin weiss wie sich der Sterbebegleiter zu diesem Zeitpunkt fühlt, denn sie hat diese Ausbildung auch gemacht und übt die Tätigkeit ehrenamtlich aus.  

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  • Würdevolles Sterben

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Hennie

    Hennie

    07. May 2017 um 18:30

    Susann Pásztor behandelt hier ein ganz schwieriges Thema mit dem die meisten überfordert sind. Es wird oft verdrängt. Die Autorin baut ihre Geschichte mit Fred Wiener und dessen 13jährigem Sohn Phil auf. Beide sind etwas eigenbrötlerisch, sehr zurückhaltend, fast introvertiert. Sie haben ihre Rituale miteinander, die sie davon abhalten, sich gegenseitig zu nerven. Fred ist um die vierzig, von seiner Frau Sabine geschieden und etwas dicklich. Phil dagegen für sein Alter zu klein, ist ein begabter Junge, ein kleiner Wortakrobat, schreibt Gedichte und sammelt Wörter, die er in sein System ordnet.Fred Wiener also ließ sich als ehrenamtlicher Sterbebegleiter ausbilden. Karla Jenner García, 60 Jahre alt, erkrankt an Bauchspeicheldrüsenkrebs, ist die Erste, die er begleiten möchte. Sie ist eine überaus taffe Frau und macht es ihm nicht gerade leicht. Karla hat sehr genaue Vorstellungen, was sie will und was nicht. Fred jedoch weiß nicht wirklich, wie er sich der Todkranken nähern soll. Er ist total verunsichert. Wiederholt stellt er an sich selbst die Fragen, auf die die sterbenskranke Frau Antworten möchte. Warum wurde er Sterbebegleiter? Wieso möchte er sich so eng mit dem Tabuthema Tod befassen? Er versucht immer wieder das Gelernte zu rekapitulieren und anzuwenden. Doch Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge. In seinem Bestreben der sterbenden Karla noch etwas Gutes zu tun, schießt Fred weit über seine Kompetenzen hinaus. Es geht gründlich schief. Durch einen Zufall und über seinen Sohn Phil, der Karlas Fotoarchiv digitalisiert und dadurch der Nachwelt erhält, findet er wieder Zugang zu ihr.Die Sterbebegleitung, das Befassen mit dem Tod, mit seinen Vorboten, mit der Endlichkeit unseres Seins. Das sind die Themen, die unangenehm sind. Ich selbst habe solche Literatur bisher gemieden.Susann Pásztor erzählt eine Geschichte, die mir sehr ans Herz ging. Genau diese heimtückische Krankheit, an der Karla starb, nahm mir auch meinen Vater vor der Zeit.Ich war sehr erstaunt mit welcher Leichtigkeit das schwere Thema bewältigt wurde. Das eine oder andere Mal musste ich schmunzeln. Zum Beispiel das Gespräch über die Bestattungsmodalitäten, das Karla sehr souverän und nachdrücklich mit dem geschäftstüchtigen Bestatter führt. „Ich kann mich mit dem Tod so intensiv auseinandersetzen, wie ich es möchte und aushalte“. Er mit seinen Vorschlägen: Karla als „Diamant“ oder „Korallenriff“ oder ... Das wirkt ungewollt komisch, makaber, befremdlich auf diejenigen für die das Sterben noch kein Thema ist.Der Tod gehört zum Leben, zu unserem Alltag. Diese banale Weisheit führt die Autorin mit einer Selbstverständlichkeit zu einem normalen Abschluß. Ohne auf die Tränendrüsen zu drücken, ohne Wehleidigkeit, ohne Bitterkeit, unaufdringlich, niemals aufgesetzt. Die handelnden Personen passen hervorragend zusammen, wie bei einem Puzzle. Das Buch wurde behutsam und mit viel Fein- und Taktgefühl geschrieben bis zum Ende.„Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ so der Titel des Buches und so ist es dann auch. Mit einem optimistischen Ausklang schließt die Geschichte ab. Die Protagonisten sind gereift. Phil ist auch körperlich gewachsen, größer geworden und kann mit seiner Mutter Sabine und derem neuen Freund befreit umgehen. Fred wurde selbstsicherer.Ein schönes, ein wichtiges Buch. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung.        

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  • Ein wunderbares Büchlein, das berührt und bereichert

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Federfee

    Federfee

    07. May 2017 um 12:52

    Die Geschichte ist bekannt: die 60-jährige Karla wird bald an ihrem Bauchspeicheldrüsenkrebs sterben. Ein Sterbebegleiter vom Hospiz soll ihr beistehen.Wie, aber vor allem warum wird man Sterbebegleiter? Und dann gerade so ein Typ wie Fred Wiener, dem so wenig im Leben gelingt? Er selbst beantwortet die Frage so, dass er 'einen sinnvollen Beitrag' in dieser Gesellschaft leisten und 'das Tabuthema Tod wieder in die Mitte des Lebens zurückholen' wolle. (15)Er ist ein unbeholfener dicklicher Mann, alleinerziehender Vater eines Dreizehnjährigen, und dies ist sein erster 'Fall'. Mit seinem weichen, nachgiebigen Charakter trifft auf eine selbstbewusste, geradezu störrische Karla, die auch im Angesicht des baldigen Todes ihr Leben selbst bestimmen will und die ihm zuerst ein wenig bissig begegnet. Fred gibt sich alle Mühe, aber er 'wollte sie belehren, bekehren und heilen, auch gegen ihren Willen.' (50) Dabei findet er einfach nicht den richtigen Draht zu ihr. Kein Wunder, wenn er zu wissen glaubt, was für sie gut ist und wenn er ihre Wünsche ignoriert.Ganz anders sein Sohn Phil, der für Karla Negative einscannt, die sie einem Archiv vermachen will. Phil ist ein sensibler, feinfühliger Junge, der Gedichte schreibt und Wörter liebt – oder auch nicht. Diese möchte er am liebsten in ein Wörterkrankenhaus stecken. Er versteht sich mit Karla ohne große Worte.Als Fred Weihnachten einen großen Fehler macht, wenn auch gut gemeint, bricht Karla den Kontakt ab. Lediglich Phil darf weiter zu ihr kommen. Mit seiner Hilfe renkt sich das Verhältnis zwischen Karla und Fred wieder ein und Fred gelingt es, eine echte Beziehung zu Karla aufzubauen. Am Ende gibt es berührende Szenen, für die ich keine angemessenen Worte finde und die man einfach selber lesen muss.Aber auch die anderen Sterbebegleiter möchte ich erwähnen, nicht die vom Hospiz bestellten, sondern die, die sich selbstlos und mit Liebe um Karla kümmern: die junge Rona, die nicht das ist, was sie zu sein scheint und auch der Hausmeister Klaffki, so spießig mit seiner Lichterkette und mit dem, was er sagt.Vielleicht soll auch das vom Roman vermittelt werden, dass man bei allen Menschen hinter die Fassade gucken und ihren menschlichen Wert erkennen muss.

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  • Berührend!

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Igela

    Igela

    01. May 2017 um 12:34

    Karla Jenner-Garcia hat Krebs und wird sterben. Alle Therapien hat sie abgebrochen,in ein Hospiz zu gehen ,lehnt sie ab. Da wird Fred Wiener, der  Sterbende begleitet,zu ihr geschickt. Doch Karla will nicht über ihre Krankheit oder das Sterben sprechen,Karla will am liebsten alleine sein. Familie hat sie keine, mit ihrer Schwester Gudrun ist sie zerstritten. Doch so schnell gibt Fred nicht auf. Er besorgt seinem 13 jährigen Sohn Phil einen Job bei Karla und lädt sie zu einer Weihnachtsfeier ein. Durch den Ueberraschungsgast geht die Feier jedoch gründlich in die Hose. Ohne grosse Einführung in die Personen wird man zu Beginn von dieser Geschichte sofort in Freds Gedankenwelt hineinkatapultiert. Sehr schnell spürt man, die Unsicherheit ,die Zweifel die er für sich und seinen ersten Job als Sterbebegleiter hegt. Erst war ich unsicher, ob Fred mir gefällt. Man denkt ja automatisch, ob man denn selbst in so einer emotionalen Situation jemanden wie Fred als Begleiter haben möchte? Doch Fred hat mich positiv überrascht. Je länger, je sympathischer wurde er mir. Und schlussendlich musste ich mir eingestehen, dass er wohl für Karla die ideale Person als Sterbebegleiter ist. Gerade die Figur „Fred“ empfand ich als hervorragend ausgearbeitet und gezeichnet. Ebenfalls überzeugend und sehr authentisch ist Karla.  Abwechselnd und kapitelweise wurden Fred, Karla, ihre Schwester Gudrun und Phil, der Sohn von Fred, in den Mittelpunkt gerückt. So geht es zwar hauptsächlich um die lebensbedrohende Krankheit, das Sterben und die Begleitung. Doch auch Erinnerungen um die Beziehung der Schwestern und die Vater- Sohn Beziehung werden thematisiert. Etwas, dass dieses Buch sehr abwechslungsreich gemacht hat. Sehr berührt haben mich, die immer wieder eingeschobenen Listen, die Karla anfertigt. Darauf notiert sie Menschen, Situationen, Dinge etc. die sie sehr mag oder ablehnt, und man erkennt als Leser sehr schnell wie sich die Prioritäten verschieben. Den Schreibstil habe ich als ausdruckstark empfunden. Sätze, Wörter ,ganze Passagen haben mich sehr nachdenklich gemacht und auch sehr berührt. Der Autorin ist eine Geschichte gelungen, die sehr authentisch Einblick in die letzten Wochen vor dem Tod, aber auch die Begleitung der Sterbenden ,gibt. Gleichzeitig ist die Story nicht nur schwer und traurig, sondern zeigt auch wie eine Sterbende beim „Sonnenuntergang ihres Lebens „(O-Ton Buch ) versucht ,ihre Würde und vor allem ihre Entscheidungsfreiheit zu behalten.

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    • 3
  • Vom Sterben und Überleben

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    misery3103

    misery3103

    15. April 2017 um 12:38

    Fred Wiener tritt seine erste Stelle als ehrenamtlicher Sterbebegleiter an. Er soll für die 60jährige Karle da sein, die unheilbar an Krebs erkrankt ist. Doch all sein erlerntes Wissen entpuppt sich als unbrauchbar, weil Karla anders ist: stark und nicht schwach, bestimmend und nicht bestimmbar. Fred muss lernen, mit der neuen Situation umzugehen … und lernt viel über sich und das Leben.Ein tolles Buch über eine starke Frau, die ihr Leben selbstbestimmt lebte und auch beenden will. Das Sterben nervt sie und sie duldet keine Schwäche in ihrer Umgebung. Im Umgang mit Fred ist sie konsequent und streng, was ihn zur Verzweiflung bringt, weil er gut sein will in dem, was er tut. Als er seinem verschlossenen Sohn Phil erlaubt für Karla zu arbeiten, kommen sich auch Vater und Sohn wieder näher und Phil wird ein bisschen offener und erwachsener.Ein tolles Buch über das Sterben, über den Umgang mit Sterbenden. Ein faszinierender Charakter, der einem das Sterben in Würde und zu den eigenen Bedingungen näher bringt. Ein schwieriges Thema toll umgesetzt.Ein tolles Buch, das noch lange nachhallt!

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  • So ein schweres, schönes Buch

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    once-upon-a-time

    once-upon-a-time

    14. April 2017 um 21:09

    „Vorlesen darfst du mir erst, wenn ich mich nicht mehr dagegen wehren kann. Ich mochte Vorlesen noch nie, aber wahrscheinlich wird es mir bei dir sogar gefallen.“ (S.168)Zusammenfassung. Fred ist seit Neuestem ehrenamtlicher Sterbebegleiter und will alles tun, um seinen ersten Einsatz nicht zu vermasseln. Karla hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und gerät in ihren letzten Monaten an Fred. Diese Konstellation, so schwierig sie zu Beginn auch zu werden scheint, lässt nicht nur Karla und Fred ein gutes Stück wachsen.Erster Satz. Nur zehn Minuten vor Karlas Hauseingang reichten aus, um Freds Zuversicht in Beklommenheit und dann in mühsam kontrollierte Panik zu verwandeln.Cover. Es gibt schönere Cover und solche, die mich mehr ansprechen. Was mir jedoch gut gefällt, das ist der Titel, obwohl ich ihn zunächst nicht verstanden habe. Aber als mir dann klar war, wann dieses „und dann“ eintritt, da fand ich den Titel wirklich gelungen.Inhalt. So schwer die Geschichte auch ist, die in diesem Roman erzählt wird, so leicht ließ sie sich doch lesen, nicht im Sinne von „leichter Lektüre“, sondern weil sich alles, was geschildert wird, so natürlich und richtig anfühlt, nie gestelzt oder hölzern (außer an den Stellen, an denen die Situation es erfordert). Vieles wird nie ausgesprochen, vieles findet nur am Rande Erwähnung und hätte dem Buch noch ein paar Seiten mehr bescheren können, und viele Stellen finde ich im Nachhinein ein wenig unbefriedigend.Aber dann wieder ist es ganz genau das, was mir an dem Roman so gut gefallen hat: Seine Unvollkommenheit, dass sich im Leben eben nicht immer alles aufklärt und in Wohlgefallen auflöst, dass nicht immer alles einfach ist.Personen. Kaum ein Roman hat es bisher auf die Weise geschafft, mir Figuren an die Hand zu geben, mit denen ich mich identifizieren kann, wie dieser. Das beginnt bei Fred, dessen Gedanken mir zu Beginn teils unangenehm waren, weil ich mich so gut in ihnen wiederfinden konnte; da ist Freds Sohn Phil, der eine solche Begeisterung für Wörter aufbringt, dass ich mich (in dieser Hinsicht) so verstanden wie nie zuvor gefühlt habe; und da ist Karla, für deren Zitat oben ich sie hätte knutschen können, weil ich mich so sehr darin wiederfinde. Allein das fand ich an „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ ziemlich grandios.Und auch in den Figuren ist dieses Buch so wunderbar unperfekt. Sie erklären sich nicht, jedenfalls nicht wirklich in zufriedenstellendem Ausmaß, und unter anderem dadurch entsteht diese Unvollkommenheit, die mir an diesem Roman sehr gut gefallen hat.Zitate. „Sie hatten immer noch schlechten Sex, aber sie heirateten trotzdem, weil es niemanden gab, mit dem sie besseren Sex hätten haben können.“ (S. 91)„Das Konzept der Seele, verstand er plötzlich, war nicht durch religiösen Idealismus entstanden, sondern nur das Ergebnis eines einfachen Subtraktionsprozesses.“ (S. 172)„Wie unangenehm dieser plötzliche Druck war, den er in seinem Brustkorb spürte, es könnte Kotzen oder Weinen oder ein Herzinfarkt werden.“ (S. 250)Fazit. Ein Roman, der mich sehr bewegt hat, den ich mit Vergnügen und häufig mit mindestens einer Träne im Auge gelesen habe. Ein Roman über das Wachsen an Aufgaben und Situationen, über Liebe und Freundschaft und über Familie. Ein Roman, den ich wirklich empfehlen kann.

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  • Kein Mensch braucht mehr als Handgepäck

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Bri

    Bri

    14. April 2017 um 13:17

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster - Ich war plötzlich wieder sechs Jahre alt, den Blick vom Wohnraum in die zu einem Krankenzimmer umfunktionierte Essecke in der Wohnung meiner Patentante gerichtet, direkt auf das geöffnete Fenster und das darunter stehende Bett. Leer war es. Heute. Gestern lag da noch atmend, aber sehr schwach, meine Urgroßmutter, 90 Jahre alt, zerbrechlich wie ein kleiner Vogel. Doch anders erinnerte ich sie in diesem Augenblick nicht, als eine dünne, ja dürre Frau, mit langen zu einem Dutt gerolltem grauem Haar, freundlich und doch etwas fremd. Der Tag an dem jemand das Fenster geöffnet hatte, war der Tag, an dem meine Urgroßmutter gestorben war. Ich sah zwar das geöffnete Fenster, sie selbst jedoch mutete man mir - glücklicherweise ? - nicht zu. Ab diesem Zeitpunkt jedoch sollte ich dieses Bild für immer in meinem Kopf haben, wenn jemand davon sprach, einen Angehörigen, Freund oder Bekannten "verloren" zu haben. "Damit die Seele des Verstorbenen ungehindert nach draußen könne, so hatte man dieses Ritual bei seiner Ausbildung erklärt. Ein Akt des Loslassens. Bon voyage."Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster heißt der großartige neue Roman von Susann Pásztor, der sich tatsächlich mit dem Thema meiner Assoziation beschäftigt: Ein Mensch stirbt, und am Ende dieser Reise wird alles losgelassen. Die Hinterbliebenen geben das frei, was noch von der Person hier verweilt, was vielleicht die Quintessenz dessen ist, was uns im Grunde ausmacht: unsere Seele. Man mag daran glauben oder nicht, dass es sie gibt, doch eines erfährt man, wenn man das tut, was Susann Pásztor schon seit Jahren im Ehrenamt macht - Sterbende begleiten - je weiter sich ein Mensch von uns Lebenden entfernt, desto klarer tritt er selbst in seinem Wesen zu Tage. Aber Susann Pásztor schreibt nicht nur über Sterbebegleitung, sondern viel mehr über das Leben und alles was dazu gehört.Fred ist alleinerziehender Vater des 13 Jahre alten Phil, Angestellter und seit neuestem als Ehrenamtlicher in einem Hospiz tätig. Seinen ersten Einsatz hat er bei Karla, um die 60 Jahre alt, reserviert und an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Bereits ihre erste Begegnung stellt Fred vor Herausforderungen: " "Was ich davon habe? Vielleicht möchte ich lernen, es auszuhalten, dass Menschen sterben." "Sie wollen das erst lernen? Sie können das noch nicht?", fragte Karla. "Das ist ein langer Weg", sagte er vage. Karla runzelte die Stirn, dann hatte sie offenbar eine Eingebung. "Sie machen das noch gar nicht lange, oder" [...] "Es ist mein erstes Mal." Er versuchte seine Stimm fest und selbstbewusst klingen zu lassen. Sie sah ihn verblüfft an. Dann versuchte sie ein Lächeln, was ihr misslang, und sagte: "Was für ein Zufall. Bei mir ist es auch das erste Mal." "Langsam aber sicher erarbeitet sich Fred dank seiner Beharrlichkeit einen Weg zu Karla, die dennoch distanziert und soweit wie nur möglich selbst bestimmt bleibt. Immer schon war sie klar in ihrem Wollen, doch jetzt gibt es Dinge, die sie aus der Bahn werfen. Alleine die körperliche Schwäche durch und nach den Chemotherapien, von denen sie ja weiß, dass sie nicht mehr nutzen, nur eine Verlängerung - der bleibenden Zeit?, des Leidens? - darstellen. Weshalb sie die Chemotherapie ja auch abgebrochen hatte und sich offenen Auges dem stellte, was sie erwartete und das war höchstens noch ein halbes Jahr, mehr oder weniger. Schmerzmittel sind heutzutage kein Problem, doch bei solch schweren Tumoren, wie bei Karla, musste die Dosierung immer wieder höher angesetzt werden. Ein neues Medikament jedoch sollte helfen. "[...] Also mein Palliativarzt hat mir heute vorgeschlagen, ich sollte zusätzlich zu meinen Schmerzmitteln etwas Neues ausprobieren. Etwas, das nicht nur die Schmerzen dämpft, sondern auch gegen Übelkeit und Erbrechen wirkt und dazu noch appetitanregend und stimmungsaufhellend sein soll. Ein Wundermittel sozusagen." "Das klingt doch großartig." "Es ist sogar so großartig, dass es in der Apotheke eigens für mich zusammen gemixt wird, sobald ich mein Spezialrezept vorlege. Spezialrezept, weil: Achtung, Betäubungsmittelgesetz. Frau Garcia, sagt mein Arzt, das hat der Gesetzgeber leider so festgelegt, aber glauben Sie mir, THC ist entgegen der landläufigen Meinung eine sehr gute Sache, ganz besonders in Fällen wir Ihrem. Ich musste sehr lachen." "THC?" "Cannabis, Herr Wiener. Ich habe es mehr als dreißig Jahre lang geraucht und vor zehn Jahren damit aufgehört, und jetzt empfiehlt mir mein Arzt, ich solle es unter dem Namen "Dronabinol" für 400 Euro im Monat in der Apotheke kaufen, um mir den Lebensabend zu versüßen. Ich finde das komisch, Sie nicht?" "Ich weiß nicht." "Herr Wiener, ich wette, Ihr Freund Klaffki könnte mir meine Monatsration für einen Bruchteil dieses Preises organisieren. In weniger als einer Stunde." "Nach und nach lässt Klara neben Fred Wiener auch noch andere Menschen in ihr Leben. Da ist der 13-jährige Phil, der heimlich Gedichte schreibt, seiner Mutter Gram ist, dass sie ihn mit ihrem Eso-Schnick-Schnack auch noch aus der Ferne belästigt und der viel zu klein ist für sein Alter. Ein Außenseiter, wie fast jeder Jugendliche in seinem Alter. Zumindest was das eigene Erleben angeht. Karla verhilft ihm zu einem Job. Er soll ihre vielen Fotofilme digitalisieren. Überall in ihrer Wohnung hängen Fotos von Konzerten, Rockmusikern. Immerhin war sie lange ein Deadhead - so nannten sich die eingefleischten Greatful Dead - Fans. Auch der Quasi-Hausmeister Klaffki mit Hund Kottke, Rona die junge Bedienung in Klaras Stammcafé und schlussendlich auch der betreuende Arzt und eine Pflegerin kümmern sich darum, dass Klara das bekommt, was sie braucht.Doch was genau ist das, was man braucht, wenn man weiß, dass das eigene Leben bald vorbei sein wird? So unterschiedlich wie wir Menschen selbst sind, so unterschiedlich sind die Bedürfnisse Sterbender. Manch einer hat seinen Frieden gemacht mit dem was im Leben nicht ganz so gut gelaufen ist, manch einer kann nicht loslassen, andere müssen unbedingt noch etwas klären, sonst können sie nicht gehen. Will man einen Sterbenden begleiten, muss man sich immer der Grenzüberschreitung gewahr sein, die jederzeit im Raum steht. Die Klarheit, die viele Menschen in solch einer Situation befällt, zeigt Susann Pásztor wunderbar unprätentiös, witzig und warmherzig. In einem Gespräch mit ihrem Lektor auf der Buchmesse Leipzig sagte sie, sie liebe ihre Figuren. Das merkt man ihnen an, was aber gleichzeitig nicht heißt, dass diese Figuren durchweg nur liebenswerte Charakterzüge besitzen oder Dinge tun. Im Gegenteil. Doch sie lernen miteinander zu leben, mit Situationen zurecht zu kommen, die ängstigen und vor allem lernen sie anwesend zu sein. Aufmerksam zu sein. Denn das ist es, was zwar nicht nur Sterbende brauchen, sie aber ganz besonders. Auch wenn sie sich häufig zurückziehen, aus welchen Gründen auch immer.Als meine Mutter ihren letzten Weg ging, war mir klar, dass ich alles stehen und liegen lassen musste, um sie zu begleiten. Glücklicherweise habe ich einen kulanten Chef, der nicht fragte, wann kommst Du wieder, sondern einfach nur nickte, als ich sagte, ich muss da hin, ich weiß nicht für wie lange, aber ich melde mich. Mein Mann fragte nichts, sondern packte nur Taschen. Mein Sohn war fast eineinhalb und konnte sich nicht wehren - ausserdem liebte er Oma und Opa und die Fahrten zu ihnen, auch wenn er sich vielleicht nicht aktiv erinnern konnte. Es waren zwei intensive, anstrengende aber obwohl ich meine Mutter gehen lassen musste, merkwürdigerweise sehr beglückende Wochen. Dieses Glück, diese Bereicherung, die ich durch das ganz nahe Herantreten an das Wesen meiner Mutter, an den Tod und damit an das, was uns alle wohl irgendwann ereilen wird, bis heute empfinde, ist in Susann Pásztors Roman fast physisch spürbar. Trotz aller Schwierigkeiten, trotz Trauer und Tränen, schafft sie es, ein Thema, das aus unserer Gesellschaft an vielen Stellen ausgeklammert wird, wunderbar leicht, unkitschig, ja sogar witzig zu behandeln. Und das ist eine wirkliche Kunst.Sprachlich wunderbar flüssig wird das Thema Tod eines, das eben zum Leben dazu gehört und das wir nicht aussperren können. Der Schmerz, der mit dem Verlust eines geliebten oder zumindest vertrauten Menschen einhergeht, lässt sich nicht verhindern. Die Zeit, die man auf diesem Weg aber gemeinsam gegangen ist, macht ihn leichter erträglich.Danke, Susann Pásztor für diese ehrliche, warmherzige und tröstliche Geschichte, die durchaus der Feuilletons würdig ist.

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    • 5
  • Eine ganz besondere Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Gise

    Gise

    12. April 2017 um 23:51

    Fred ist ganz neu in seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Sterbebegleiter. Als er Karla zugeteilt wird, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, läuft alles ganz anders als er sich das vorgestellt hat. Karla ist eigenwillig, und schon der erste Termin scheint der letzte zu sein. In seinem Übereifer macht Fred einiges falsch, und der Kontakt scheint ganz abzubrechen. Dann aber bleiben nicht nur Freds Besuchstermine, sondern sein 13jähriger Sohn Phil erhält von Karla eine besondere Aufgabe. Karla, Fred und Phil finden einen guten Weg miteinander.Mit dieser Geschichte hat Susann Pásztor eine Erzählung geschrieben über den Weg dieser Menschen, die das Schicksal zueinander geführt hat. Karla und Fred hätten sich sonst nie kennengelernt und nie ein Wort miteinander ausgetauscht. Es entsteht etwas ganz Erstaunliches, eine ganz besondere Beziehung dieser Menschen untereinander, ein Gefühl für den anderen. Und dadurch gerät manches in Bewegung, das scheinbar so eingefahren war in ihrer Lebensgestaltung. Es ist Fred, der das Fenster öffnet, als Karla stirbt, damit ihre Seele sich befreit nach außen schwingen kann.Die Autorin erzählt einfühlsam und sachlich, und damit berührt sie den Leser ganz tief im Herzen. Es sind die leisen Veränderungen, die etwas in Bewegung bringen. Manche Situationskomik bringt dabei ein leises Schmunzeln auf die Lippen. Es ist eine ganz besondere Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben, die ganz selbstverständlich mal im Hintergrund, mal vordergründig die Protagonisten (und den Leser) begleitet – und die nicht einfach nur von lähmender Trauer begleitet wird, sondern eine Entwicklung für alle auf den Weg bringt.Eine ganz besondere Annäherung an ein Thema, das für uns alle nicht einfach ist. Sehr empfehlenswert!

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  • Eine sehr berührende Geschichte

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Insel56

    Insel56

    06. April 2017 um 09:24

              Karla ist 60 Jahre alt und sie ist sterbenskrank. In dieser Situation trifft sie auf Fred, einen sehr zurückgezogenen Menschen, der seit 6 Jahren geschieden ist und alleinerziehender Vater von Phil, einem stillen, in sich gekehrten Teenager ist. Fred hat sich zum Sterbebegleiter ausbilden lassen und möchte nun ehrenamtlich bei Karla "seinen Dienst" antreten. Dies verläuft zunächst gar nicht wie erwartet hat. Das Blatt beginnt sich zu wenden als Phil für Karla alte Dias skannen soll. Dieser Roman schildert eine Geschichte über das Sterben und das Leben, denn durch das Sterben von Karla verändert sich auch das Leben und die Beziehung zwischen Vater und Sohn.Das Buch hat mich tief berührt.Karla, die Sterbende, schafft es den stillen Phil und auch Fred zum Reden zu bringen. Karla ist ruppig und zugleich liebenswert. Zugleich gibt es durchaus komische Momente in diesem Buch, über die ich schmunzeln musste. Karla selbst ist ironisch, sarkastisch und gleichzeitig schwach wie auch stark. Sie hat nicht nur ihr Leben in die Hand genommen sondern auch ihr Sterben. Diese Geschichte lässt mich über mein eigenes Leben nachdenken, sie hallt nach ....       

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  • Vom Leben und vom Tod

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    dicketilla

    dicketilla

    03. April 2017 um 10:42

    Die 60 jährige Klara Jenner, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs, der inoperabel ist, erkrankt ist, hat die Chemotherapie abgebrochen."Weil es mir dabei so schlecht ging, dass die Hoffnung auf ein paar Extrawochen Leben um diesen Preis einfach nur absurd war." (S.50)Das Hopitz kommt für sie nicht in Frage, möchte daheim bleiben.Sie hat das Hospitz um einen Sterbebegleiter gebeten, doch als dieser bei ihr vorspricht, ist sie davon nicht mehr begeistert, und weisst ihn ab, doch das lässt Fred nicht zu.Fred Wiener ist ehenamtlicher Sterbebegleiter. Er wollte etwas bewirken, daher hatte er sich für einen Kurs angemeldet. Es ist seine erste Begleitung, daher möchte er nichts falsch machen, geht behutsam an die Aufgabe heran. Karla hat eine Unnahbarkeit an sich. Sie ist erst vor einem Dreivierteljahr, nach 20 Jahren, aus Ibiza zurück. Führte ein freies, ungezwungenes Leben, zog mit Bands durchs Land, fotografierte.Daher ist diese Ausbremsung durch die Krankhet für sie unerträglich.Phil, Freds Sohn, soll die analogen Negative von Karla einscannen und digitalisieren, für die Nachwelt erhalten. So kommen sich Phil und Klara langsam näher, und der 13 jährige beginnt durch diese Begegnung mehr über Leben und Tod zu erfahren. Er, der sich für Lyrik interessiert, sich in seine Welt zurückzog, cool gab, aber trotzdem die Nähe des Vaters suchte, der selbst in einer verschlossenen Welt lebte.Für mich ist die Geschichte von Susann Pásztor, nicht nur eine Geschichte über den Tod, sondern auch eine über das Leben, und wie wichtig es ist sich auf andere Menschen einzulassen. So treffen völlig unterschiedliche Personen aufeinander. Der Hausmeister Klaffkis mit seinem Hund Kottke, den man anfangs für etwas prollig hält, aber der viel Herz in sich trägt. Roma, lebenslustige Studentin, die nicht aufgibt Karla zum Essen zu bewegen, Vertraute wird. So bilden sie zusammen mit Fred und Phil ein Anker, an dem sie sich selbst halten können, das unabwendbarem Ende Karlas zu ertragen.Besonders gefallen haben mir auch die Notizen, Wortbildungen, die Karla aufschreibt. In ihnen ihre Gefühlswelt zum Ausdruck gebracht wird. Sie, die nur wenig über ihr Leben erzählt.D.Susann Pásztor schreibt Bücher, die etwas über Meschen, Schicksale ihren Gefühlen zu berichten wissen. Das konnte ich bereits bei "Ein fabelhafter Lügner" erfahren. Auch diesmal hat sie mich nicht enttäuscht. Ein Buch, dass über das Sterben eines Menschen erzählt, ihm Menschen zur Seite stellt, am Ende sogar Hoffnung,  Hoffnung auf einen selbstbestimmten Tod stellt. Es brilliert mit einer Sprache, die keinerlei Sentimentalität in sich trägt, sondern voller Achtung und Behutsam durch die Handlung trägt. Auch wenn der Schmerz des Abschiedes noch so schwer fällt, ist es doch immer ein Weg, der dem Sterbenden Erlösung gibt.Das Fenster geöffnet wird, seiner Seele die Freiheit schenkt.

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  • Ein so wichtiges Thema über das man nicht gerne spricht - das Sterben

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Ekcnew

    Ekcnew

    02. April 2017 um 10:39

    Es ist ein so wichtiges und unbeliebtes Thema, mit dem sich Susann Pásztor hier auseinandersetzt: der Tod, der in absehbarer Zeit bevor steht. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, dieses schwierige Thema in eine sehr gute Geschichte zu bringen. Es macht sehr deutlich, wie schwer oder auch wie einfach der Umgang mit jemandem ist, der weiß, dass er nicht mehr lange leben wird. Das Buch lässt sich sehr gut lesen und es ist leicht verständlich. Der Inhalt ist sehr mitfühlend und berührend. Zum Inhalt: Fred ist alleinerziehender Vater vom 13-jährigen Phil. Er hat gerade seine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter beendet. Karla ist die erste Person, die er auf dem Weg zum Tod begleiten wird. Karla hat Krebs und sie weiß, dass sie nur noch ein halbes Jahr oder auch weniger zu leben hat. Allerdings kommen Fred und Karla nicht gut miteinander klar. Fred möchte alles besonders gut machen und tritt dabei auch gerne mal in ein Fettnäpfchen (oder eher ein Fett-Topf). Karla ist in ihrem gesamten Leben immer ihren Weg gegangen und möchte auch zu ihrem Lebensende sich nicht von jemand anderem etwas sagen lassen - sie ist schon recht eigensinnig. Ganz anders als Fred, kommt sein Sohn Phil bestens mit Karla klar und die beiden werden sich gegenseitig sehr wichtig. Letztendlich profitiert davon auch ein sehr viel besseres Verhältnis zwischen Fred und Phil. Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das führt zu einer sehr nachdenklichen aber auch humorvollen Geschichte zu einem sehr schwierigen und unschönen Thema.

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  • Sehr bewegend

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Stadtratte85

    Stadtratte85

    30. March 2017 um 10:43

    In dem Buch "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" setzt sich die Autorin mit der Thematik des Altwerdens und der Sterbebegleitung auseinander. Karla ist sterbenskrank und wird von Fred auf ihrem letzten Weg begleitet, der sich mit dieser neuen "Berufung" anfangs etwas schwer tut. Er erhält aber ausgerechnet von seinem Sohn Phil hierbei Unterstützung und findet hierdurch nicht nur zu Karla einen Draht, sondern auch zu seiner eigenen Familie. Ich finde das Thema sehr interessant, weil es früher oder später für jeden in irgendeiner Form relevant wird und sich dann die Frage stellt, wie man selbst damit umgehen will. Die Autorin schreibt sehr gefühlvoll und zeigt die Perspektiven der verschiedenen Personen. Es fällt leicht sich in diese hineinzufühlen. Besonders die Sicht von Phil hat mich sehr bewegt, weil mir diese ganzen Gedanken sehr bekannt vorkamen. Fazit: Es lohnt sich wirklich das Buch zu lesen.

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  • Ein Buch, das lange nachklingt!

    Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
    Mira20

    Mira20

    28. March 2017 um 21:05

    Es gibt so viele Bücher über Tod, Krankheit und Abschiednehmen. Dieses aber sticht durch seine Einmaligkeit heraus.Eine einsame Frau stirbt, ein alleinerziehender Vater geht zum ersten Mal seinen Weg als Sterbebegleiter und lernt, was kein Kurs vermitteln kann. Karla ist eine sperrige und selbstbestimmte Persönlichkeit. Das Sterben verändert sie nicht. Hat sie sich früher alleine durchs Leben geschlagen, will sie auch jetzt nur ein absolutes Minimum an Hilfe. Trotzdem muss sie lernen, Hilfe zu akzeptieren. Fred dagegen ist unsicher in seiner Rolle. Er muss sich an sein Kurswissen halten, viel hat er sonst nicht zu bieten. Aber der stille und unscheinbare Fred verändert sich. Treu und hartnäckig bleibt er an Karlas Seite. Und lernt, dass auch Nichtstun genau richtig sein kann. Und Phil, der 13jährige Sohn, der nur Karlas Fotos gegen Bezahlung archivieren soll, ist bald in allem eingebunden und macht mehr als man ihm je zugetraut hätte.Feinfühlig erzählt uns die Autorin vom Sterben. Es betrifft uns alle und gehört zu unserem Leben, so gerne wir das auch ausschliessen würden.Ein stilles Buch, das ohne spektakulären Handlungen auskommt, das emotional ist, aber nicht rührselig. Ein Buch, das ich ohne Taschentücher beenden konnte und trotzdem tief berührt war. Ein Buch, das noch lange nachklingen wird. Viele Bücher über Sterben und Krankheit lösen oft eine grosse Welle der Trauer aus. Ich mag das nicht. Deshalb war ich erstaunt, dass die Autorin ein solch intensives Buch schreiben konnte ohne auf diesen Knopf drücken zu müssen. Das bewundere ich. Sie hat ohne Zweifel die perfekte Mischung zwischen Emotionen und Worte gefunden.Der Autorin ist ein unglaublich starkes Buch gelungen. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

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