Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

von Susann Pásztor 
4,7 Sterne bei90 Bewertungen
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
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Positiv (87):
xknutschixs avatar

Ein Buch über das Sterben und doch eine Hommage an das Leben. Ich fand es sehr gefühlvoll geschrieben.

Kritisch (1):
R

Würde ich nicht zum Lesen empfehlen.

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Inhaltsangabe zu "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster"

'Dieser Roman ist keiner, der Angst vorm Sterben macht. Im Gegenteil. Er macht Lust auf das Leben.' Christine Westermann.
Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred glaubt es zu wissen. Er ist alleinerziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Bei seinem ersten Einsatz möchte er alles richtig machen. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod und möchte nur etwas menschliche Nähe – zu ihren Bedingungen. Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, grandios scheitert, darf nur noch sein 13-jähriger Sohn Phil Karla besuchen, um ihre Konzertfotos zu archivieren. Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung – und verhilft Fred zu einer zweiten Chance. Susann Pásztor erzählt in ihrem dritten Roman eine berührende Geschichte über die Schönheit des Lebens und die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462051865
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:16.08.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.02.2017 bei Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor 4 Monaten
    Das erste Mal Sterbebegleiter sein

    Fred hat es nicht leicht. Er ist ein zertifizierter Sterbebegleiter und soll Karla, die unheilbar an Krebs erkrankt ist, betreuen. Er möchte alles richtig machen und ist sehr bemüht und kommt an seine Grenzen. Karla ist nämlich sehr eigensinnig und möchte nur Hilfe, wenn sie es will. Dies ist für ihn sehr schwierig und er kommt manchmal auch an seine Grenzen. 

    Doch mit der Verbindung von Karla und seinem Sohn, Phil, entsteht etwas neues. Die Beziehung von Fred und Phil verändert sich und auch Karla kann mit der Zeit mehr Nähe zulassen.

    Eigene Meinung:
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die beschriebenen Personen sind nicht immer nur nett und hilfsbereit. Sie haben Macken und sind manchmal auch sehr schwierig und nervig. Darüber hinaus bin ich sehr positiv überrascht, denn es ist keine Betroffenheitsliteratur. Sondern das pralle Leben.
    Die Sprache ist sehr prägnant. Der einzige Kritikpunkt für mich war, dass die einzelnen Personen manchmal überzeichnet waren.

    Das Buch hat mich auf eine Reise genommen. Die Protagonisten haben sich im Laufe der Zeit für mich zum positiven verändert. Karla konnte am Ende sich fallen lassen und gehen und Fred und Phil haben sich durch ihre Begleitung zum positiven verändert.

    Daher klare Leseempfehlung von mit!

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    Botte05s avatar
    Botte05vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Für mich ist „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ ein wunderbares Buch, welches mir etwas mit gibt.
    Das letzte Wegstück

    „Fred, alleinerziehender Vater, Angestellter, seit Neuestem Sterbebegleiter, möchte bei seinem ersten Einsatz alles richtig machen. Karla, reserviert und eigensinnig, hat nur noch wenige Monate zu leben. Phil ist Freds 13-jähriger Sohn und bekommt eine besondere Aufgrabe von Karla. Eine spannungsreiche und spannende Beziehungsdynamik entsteht, als sich diese drei ganz unterschiedlichen Menschen auf einen gemeinsamen Weg machen.“ – Zitat Buchrücken

    Mit ihrem Buch gibt Susann Pásztor mir eine Art „Handbuch zur Sterbebegleitung“ an die Hand, obwohl es sich ja „nur“ um einen Roman handelt. Sehr feinfühlig, realistisch, leise und sachlich darf ich Karla auf dem Weg hin zum Sterben begleiten. Es fühlt sich nicht nach Voyeurismus an, es gibt keine „special effects“, sondern „einfach“ nur ein letztes Wegstück.

    Und dann sind da noch Fred und sein Sohn. Fred, immer bemüht, das Richtige zu tun, leider hin und wieder etwas „unglücklich“ in seiner guten Absicht. Phil, eigentlich noch zu sehr Kind, aber im Umgang mit Karla hervorragend intuitiv und wohltuend; ein kleiner Erwachsener. Genau wie Fred muss auch ich lernen, dass es bei einer Sterbebegleitung nicht um meine Vorstellung vom Tod oder Ableben geht, sondern schlicht und ergreifend um die Wünsche, Ansichten und Pläne des zu Begleitenden.

    So begleite ich die verschiedenen Phasen des Fortgehens, welche in diesem Falle aufgrund einer Krebserkrankung zu einem unabdingbaren Sterben führen werden. Ich erfahre mehr als mir lieb ist über Bestattungsmöglichkeiten im In- und Ausland und kann voll verstehen, dass Karla „das alles“ irgendwie nicht will… Am Ende steht jedoch nicht der Tod, sondern das Weiterleben der Begleiter, welches durch das Kennenlernen von Karla, dieser wunderbaren Frau und ihrem „Sein“ bereichert wurde.

    Für mich ist „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ ein wunderbares Buch, welches mir etwas mit gibt. Aber wem würde ich es empfehlen wollen?!? Es könnte dem einen oder anderen Leser zu viel „Realität“ beinhalten. Es ist kein Unterhaltungsbuch, obwohl es mich in seiner Ernsthaftigkeit durchaus „unterhalten“ hat.

    Rezension: Susann Pásztor, Und dann seht einer auf und öffnet das Fenster, Literatur, Kiepenheuer & Witsch, Gebundene Ausgabe, 288 Seiten, 20,00 €, Erscheinungsdatum: 16.02.2017

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    Phyrias avatar
    Phyriavor 7 Monaten
    Gute Umsetzung eines ernsten Themas

    Der alleinerziehende Fred hat nach einer erfolgreichen Ausbildung zum Sterbebegleiter seinen ersten Einsatz bei Karla, einer 60jährigen unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Frau, die auf ihn nicht ganz so reagiert wie er es sich erhofft hatte. Und auch wenn das erste Aufeinandertreffen nicht so verlaufen ist wie es sollte, ist er stark darauf bedacht alles richtig zu machen um Karla ein paar wunderschöne letzte Wochen zu bescheren Womit er ungewollt eine Grenze überschreitet, die Konsequenzen nach sich zieht. Nur noch sein dreizehnjähriger Sohn Phil ist bei ihr willkommen, zumindest bis ein Anruf Fred die Chance dazu bietet es bei Karla wieder gutzumachen. 


    Meine Meinung: 
    Es ist ein alles in allem ruhiger Roman, bei dem man von vornherein weiß in welche Richtung es sich entwickelt, auch wenn ich versucht habe an ein Wunder zu glauben. Man kann jedoch nichts anderes tun als die Charaktere auf ihrem Weg zu begleiten und sie langsam aber sicher ins Herz zu schließen. 
    Dadurch, dass die Autorin selber als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig ist, wirft die Geschichte ein besonders reales Licht auf die Ereignisse. Susann Pásztor schafft es einem ein sehr deutliches Bild von ihrer Aufgabe und ihren Erfahrungen als Sterbebegleiterin zu vermitteln ohne den Leser den ganzen Roman über emotional herunterzuziehen. Was nicht bedeutet, dass ich gegen Ende nicht in Tränen ausgebrochen bin. Ehrlich gesagt konnte ich gar nicht mehr aufhören. Dieses Thema bewegt einen und dagegen konnte und wollte ich mich auch nicht wehren. 
    Die Charaktere wirken unglaublich real und da wir größtenteils aus der Sicht von Fred und Phil, der was Sprache und Gedichte angeht sehr begabt ist, lesen können, wissen wir stets was sie in den verschiedenen Situationen denken, was praktisch ist da es im Grunde wenige Dialoge gibt. Wobei diese dann umso besonders und aussagekräftig sind. Von Karla kriegen wir nur ihre Listen zu lesen, die sie oft anfertigt und auch wenn mich ihre Lebensgeschichte interessierte, so passt es auch zu ihr als Person, dass man das Meiste nun mal nicht über sie erfährt. Man muss also die kleinen, faszinierenden Einblicke in ihr Leben umso mehr schätzen. 
    Die jeweilige Beziehung zwischen Fred und Phil mit Karla ist wundervoll zu verfolgen. In einer gewissen Weise lernte ich mit den beiden gleichermaßen wie man Karla das Ganze etwas erleichtert. Und auch wenn Fred eine gewisse Distanz zu Karla bewahren muss, ist es bewundernswert wie sehr er sich anstrebt alles richtig zu machen, sich manchmal hütet seine eigene Meinung kundzutun und generell wie sich dieser Mann am Ende von dem am Anfang unterscheidet. Es war eine tolle Idee, dass Phil den Job bei Karla annahm, denn mit seiner noch etwas kindlichen und doch vernünftigen, hinterfragenden Art hat er etwas zur Geschichte und der Harmonie beigetragen, das kein anderer Erwachsener konnte. 
    Es ist erfreulich zu sehen wie das einzigartige Vater-Sohn nicht nur noch näher zusammenrückt sondern auch über sich hinauswächst. Die Entwicklung die von Kapitel zu Kapitel voranschreitet ist großartig und auch die zu Anfang eher kühl wirkende Karla zeigt mit der Zeit eine andere Seite von sich. 
    Susann Pásztor ist ein umwerfender Roman mit immenser Aussagekraft gelungen, der auch durch liebevoll gezeichnete, außergewöhnliche Nebencharaktere überzeugt. Die mit noch mehr Charme, Liebe und Witz die Geschichte bereichern, man kommt nicht umhin jeden Einzelnen der Charaktere zu mögen. 


    Fazit: 
    Es ist nicht nur ein Roman über das Sterben und den Umgang mit dem Tod, es ist auch eine Geschichte über das Leben, das füreinander einstehen und über sich hinauswachsen. 
    Das Buch bietet einen guten Blick auf die ehrenamtliche Arbeit der Sterbebegleiter, denen ein großes Dankeschön gebührt. 
    Es bleibt eine unvergessene Geschichte mit einzigartigen Charakteren. 

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    gsimaks avatar
    gsimakvor einem Jahr
    Keine Angst! Es darf auch gelacht werden!

    Zum Inhalt

    Keine Angst! Es darf auch gelacht werden!

    Einen fremden Menschen begleiten, der an einer schweren Krankheit leidet, ist eine sehr große Herausforderung. Die Hospizbewegung leistet da großartige Arbeit.
    Dieses Buch erzählt von Fred, der eben seine Ausbildung zum ehrenamtlichen Begleiter abgeschlossen hat. Seine erste Klientin ist Karla. Sie leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs. 
    Fred ist ein geschiedener Mann mitte 40. Seinem 13-jährigen Sohn versucht er ein guter Vater zu sein. Mit seiner esoterisch stark angehauchten Exfrau hat er so seine Probleme.

    Karla ist eine einsame Frau. Von Schmerzen stark geplagt regelt sie ihren Nachlass. Eine große Hilfe ist ihr da Freds Sohn. 

    Meine Meinung

    Diese herzerwärmende Geschichte wurde von einer Frau geschrieben, die Ahnung von der Thematik hat. Sie beschreibt die Ängste und Unsicherheiten, die fast jeden Anfänger in der Sterbebegleitung plagen. 
    Fred kommt sehr sympathisch und menschlich rüber. Klasse fand ich, dass er seinen Sohn Phil mit in die Begleitung involviert hatte. Denn, genau dieser Junge tat der schwerkranken Karla gut. Seine authentische und jugendliche Art, hatte die ältere Dame des öfteren aus der Reserve gelockt. Er brachte sie zum Lachen.  Ale er ihr einen Rapp vortrug, war Klara nicht die Einzige, die ein Schmunzeln auf den Lippen hatte. Ich als Leserin habe Tränen gelacht. 
    Besonders gut gefiel mir, dass die Protagonisten nicht weichgezeichnet wurden. Mit allen Ecken und Kanten wurden sie beschrieben. Es handelt sich hier um kein Märchen, indem man jemanden die Hand hält, und die lieben Engelein kommen angeflogen. Vielmehr werden Ängste und Probleme beschrieben, die bei einer Begleitung auftreten können. 
    Fred musste vor allen Dingen lernen, wie weit er sich in privaten Dingen einmischen darf. Musste lernen zu akzeptieren, dass manche Unstimmigkeiten nicht aus dem Weg geräumt werden können. Vor allen Dingen, dass man nicht über den Kopf eines schwerkranken Menschen Entscheidungen treffen kann und darf. Seien sie auch noch so gut gemeint. 


    Mein Fazit

    Selbstbestimmt sterben dürfen ist ein sehr großes Bedürfnis, welches die Menschen am Ende ihres Lebens haben. Frau Páztor ist darauf sehr sensibel eingegangen.
    Mal aus der Sicht von Karla- mal von Fred, erfahren wir von Wünschen und Hoffnungen, in der letzten Lebensphase. 

    Dieses Buch ist eine sehr großer Schatz für Sterbebegleiter oder Menschen, die es werden wollen.
    Es handelt sich hier um eine fiktive Geschichte, die es aber so ähnlich gegeben haben könnte. 

    Diese humorvolle und herzliche Geschichte empfehle ich sehr gerne. Mal ehrlich: Irgendwann öffnet jeder mal ein Fenster. Irgendwann wird es auch für uns geöffnet.

    Danke Susann Pátor. Ich habe jedes Wort genossen.

    Meine Lieblingszitate 

    >>Nichts war hier in Ordnung, nichts war hier normal. Trotzdem war er gern hier.<< (Pos. 1222 auf dem Reader)

    >>Ich fühle mich privilegiert, weil ich mich intensiv mit meinem Tod auseinandersetzen kann.<<(Pos.2513 auf dem Reader) 

    >>Eine Beziehung zum Tod "als" letztes Geschenk des Lebens. Und dann die selbstbestimmte Form der Beisetzung als letztes Geschenk "ans" Leben. (Pos. 2505 auf dem Reader)

    >>Karla starb nicht, weil sie aufhörte zu trinken. Sie hatte aufgehört zu trinken, weil sie starb.<< (Pos. 3116 auf dem Reader)

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    Federchens avatar
    Federchenvor einem Jahr
    Ein Buch, wie du und ich...meine Bibliotherapie...

    Fred ist alleinerziehender Vater des 13-jährigen Phil. Fred ist Angestellter und seit Neuestem ist er Sterbebegleiter. Zu mindestens gibt er sein Bestes. Er möchte alles richtig machen und tritt doch von einem Fettnäpfchen ins Nächste. Karla ist sehr eigensinnig, eine starke Frau, die weiß, was sie will und was nicht. Alle Versuche von Fred ihr Beistand zu leisten, blockt sie ab, schließlich ist sie die ganze Zeit ohne fremde Hilfe zurecht gekommen. In ihrem Leben, schon immer. Karla hat Krebs und sie weiß, dass sie sterben wird. Doch dann bekommt Phil von Karla eine besondere Aufgabe und die völlig kaputte Beziehung zu ihrem Sterbebegleiter Fred beginnt sich zu kitten...

    "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" von Susann Pásztor ist eine Hommage an das Leben, auch wenn es sich vorwiegend mit dem Sterben beschäftigt. Es ist ein Roman voller Wärme, voller Verständnisse und Missverständnisse, voller Energie, einer wunderbaren Vater-Sohn-Beziehung und einer starken Frau, die selbstentscheidend ihrem Tod entgegen tritt. Ich habe dieses Buch in einer Zeit gelesen, in der ich selbst eine liebe Person an den Krebs verloren habe. Susann Pásztor beschreibt ganz wunderbar, wie sich jemand fühlt, der weiß, das sein Ende naht. Durch ihre Zeilen wächst eine gewisse Form von Verständnis für Dinge, die man als Angehöriger nicht zwingend von jemandem hören will, der an einer unheilbaren Krankheit leidet. Immer wieder keimt zwar Hoffnung auf, dass alles gut wird, der Verstand wird aber stärker und man beginnt die Zeit, die der Protagonistin noch bleibt, intensiv mitzuerleben.

    Die Figuren, die die Autorin dabei zeichnet, sind vor allem sehr authentisch, haben nachvollziehbare Höhen und Tiefen, zeigen ihre Trauer, begehen trotz allem noch Fehler. Nichts wird beschönigt, auch nicht der Weg, den Karla einschlägt, mag er auch für einige sehr hart klingen. Die Geschichte ist nicht dramatisch im eigentlichen Sinne, sie ist aber dennoch empathisch. Und trotzdem zeigen die Sätze dabei keine Schwere, was wiederum von einem hervorragenden Schreibstil zeugt. Die Worte wirken wie ein Lüftchen,
    welches die Luft und die Seele des Toten durch das geöffnete Fenster auf Reisen schickt. Es mag etwas unglücklich klingen, aber dieses Buch hätte noch die ein oder andere Seite länger sein dürfen. Für mich war es wie eine Art Bibliotherapie. Für einige Leser mag das Ende abrupt kommen, dennoch ist es genau das, was man in solch einer Situation erleben kann. Der Tod lässt sich nicht immer die Zeit, die wir ihm gern einräumen würden. Manchmal ist er schneller, so schnell, dass uns kaum die Zeit dafür bleibt, richtig Abschied zu nehmen. Auch bei schwerer Krankheit.

    "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" hat mich sehr bewegt, sicherlich nicht nur, weil ich vieles nachvollziehen konnte aus eigener Erfahrung. Es ist ein Buch, welches lange nachklingt und das auch soll. Es ist wichtig das Leben zu genießen, es ist aber auch wichtig Menschen zu begleiten, die dem Tode bereits ins Auge blicken. Ihnen Halt und Wärme zu geben auf ihrem Weg, auch wenn es noch so schwer fällt. Sie sind ein Teil von uns, werden so lange durch uns weiterleben, wie wir es tun. Erinnerungen kann uns niemand nehmen. Schöne Erinnerungen können, auch wenn es schwer zu verstehen ist, auch in Zeiten entstehen, in denen die Hoffnung langsam zu sterben beginnt.

    (c) buchgefieder.blogspot.com

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    S
    Spreelingvor einem Jahr
    Schweres Terrain

    Susann Pásztor hat einen wunderbaren Roman über ein schweres Thema geschrieben. Das Thema Tod und Sterben verdrängen wir gerne alle. Und doch gibt es Menschen, die sich damit auseinander setzen. Da Susann Pásztor selber ausgebildete Sterbebegleiterin ist, konnte sie viel Wissenswertes einbringen. 
    Fred ist ein unscheinbarer, geschiedener Mann. Er kümmert sich um seinen Sohn und doch ist er nicht ganz ausgefüllt. Deshalb hat er eine Ausbildung als ehrenamtlicher Sterbebegleiter abgeschlossen. Jetzt hat er seine erste Begleitung. Aber Karla ist unnahbar und gibt nichts von sich preis. Fred will alles richtig machen und schießt übers Ziel hinaus. Hausmeister Klaffki ist derb und tolterig und hat doch einen besseren Draht zu Karla. Sohn phil ist ruhig, schreibt Gedichte und für sein Alter zu klein. Er übernimmt bei Karla die Archivierung ihrer Fotos. 

    Am besten hat mir Phil gefallen. Er ist anfangs ängstlich im Umgang mit Karla. Aber sie nimmt ihn ernst und geht auf ihn ein. Seine Gedanken sind die typischen eines Kindes. Am Ende wächst er physisch und psychisch. 
    Fred meint es gut und will etwas für die Menschen tun. Aber wie weit darf man gehen? Die Menschen sterben und wollen nicht alleine sein. Deshalb sind sie aber nicht unmündig! 
    Karla hat ihr Leben gut gelebt. Wir erfahren nur Bruchstücke. Auch warum der Kontakt zur Schwester gebrochen ist, erfahren wir nicht wirklich. Das ist aber nicht schlimm. Der Fokus liegt im hier und jetzt. 
    Die Kapitel sind abwechselnd von den Personen geschrieben, wobei von Karla nur einzelne Wörter kommen. 
    Wir erfahren einiges über Sterbebegleitung, Methoden der Begräbnisse und einen würdigen Abgang. 
    Ein wunderbares Buch, welches ich gerne gelesen habe. Ein Taschentuch war dabei. Aber auch schmunzeln musste ich.

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    Babschas avatar
    Babschavor einem Jahr
    Vom Leben und vom Sterben


    Fred Wiener ist ein geschiedener, übergewichtiger Mittvierziger ohne Ecken und Kanten. Er lebt mit seinem cleveren, aber ziemlich speziellen 13-jährigen Sohn Philipp in einer deutschen Stadt und arbeitet sich durch sein gleichförmiges ereignisloses Leben als Rentensachbearbeiter. Um der Eintönigkeit zu entfliehen und zur eigenen Sinnsuche macht er eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter und erhält vom örtlichen Hospizverein dann auch seine erste Begleitung zugewiesen, nämlich Karla Jenner, eine sechzigjährige, von Pankreaskrebs gezeichnete Frau mit einer verbleibenden Lebenserwartung von nur noch wenigen Monaten.



    Dies ist die Ausgangslage eines wunderbaren, Herz und Seele bereichernden Buches, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Autorin schafft es, sich diesem hochkomplexen, schwierigen Thema in einer völlig wertfreien, fast lapidaren Weise zu nähern, indem sie die Dinge einfach laufen lässt, ohne den Leser auch nur unterschwellig mit irgendwelchen eigenen Voreingenommenheiten oder Grundsatzhaltungen beeinflussen zu wollen. In ihrer klaren, gefühlvollen, aber völlig im heutigen Leben verankerten Sprache, verbunden mit im exakt passenden Moment und in genau richtiger Dosierung aufkommenden Emotionalitäten setzt sie ihre Figuren gekonnt aus wechselnden Sichtweisen in Szene und in Wechselwirkung. Und bis zum Schluss bleibt das Ganze absolut realitätsnah, nüchtern, und läuft deshalb vor allem auch nicht auf irgendein konstruiertes großes Gefühlsfinale der Beteiligten hinaus. Ursächlich dürften hier auch die eigenen Erfahrungen der Autorin als Sterbebegleiterin sein. Und selbst der Humor bleibt bei dem Ganzen nicht auf der Strecke.  



    Die Figurenzeichnung der Geschichte ist dabei absolut gelungen. Hier Fred, der unbeholfene, leicht gehemmte  Durchschnittsmann im mittleren Alter ohne jede Höhen und Tiefen, der gerade durch sein Bemühen, es den Menschen generell und jetzt Karla im Besonderen recht zu machen, sich zunächst selbst unter Druck setzt, im Laufe der Geschichte aber an sich selbst wächst und Perspektiven gewinnt. Dann natürlich Karla, Künstlerin und Fotografin, bereits in jungen Jahren Mitte der Siebziger aus einer desolaten Familie ausgebrochen und durch die Welt getingelt, eine Frau, die, soweit es der Leser erfährt, wohl ein ziemlich wildes Leben gelebt hat und jetzt eingeholt wird von einer Krankheit, die ihr von ihrer gleichsam früh verstorbenen Mutter genetisch mitgegeben wurde. Und Phil, Freds eigenwilliger Sohn, der von Karla mit einem speziellen Auftrag betraut wird und -neben weiteren Beteiligten- als Kitt und Bindeglied für die nicht immer einfache Verbindung zwischen Fred und Karla funktioniert.  

    Die Person der sterbenskranken Karla ist in ihrer Eigenart, ihrer Eigenwilligkeit und Abgeklärtheit faszinierend entworfen, gerade weil sie sich nahezu still und unnahbar immer streng kontrolliert und erst zum Ende hin in einer beeindruckenden Passage das emotionale Visier kurzzeitig etwas hebt, Schwäche, Angst und Traurigkeit zeigt.  



    Ein hervorragendes, unbedingt lesenswertes Buch für Menschen, die an Lektüre über die letzten Dinge des Lebens ohne moralische Komponenten interessiert sind. Für mich ein absolutes Lesehighlight 2017!  


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    RichardZTvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Würde ich nicht zum Lesen empfehlen.
    Sehe oben.

    Sehe oben.

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    Buecherwurm1973s avatar
    Buecherwurm1973vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Welche Rolle hat der Sterbebegleiter? Dies muss der Protagonist Fred erst noch herausfinden.
    Welche Rolle hat der Sterbebegleiter?

    Fred hat die Ausbildung zum Sterbegleiter gemacht. Karla, im Endstadium Bauchspeicheldrüsen-Krebs, wird er als erstes begleiten. Er ist ein rechtschaffender Beamter und so geht er auch die Sterbebegleitung an. Im Kopf hat er genaue Vorstellungen, wie es ablaufen soll und läuft bei Karla prompt auf. Denn sie ihrerseits weiss genau, was sie will und was nicht. Konflikte sind vorprogrammiert. Zum Glück hat Fred sein Sohn Phil, der freundet sich mit Karla an. Phil hat das nötige Feingefühl, er spürt genau, wann welche Zuwendung nötig ist und wann er sich verdrücken soll. 



    Das Buch ist humorvoller, als man bei diesem Thema annehmen könnte. Es gibt viele groteske Szenen, wo sich vor dem geistige Augen Bilder auftun, dass man nichts anders kann, als lauthals zu lachen. Es gibt auch die andere Seite, die sich mit dem Sterben und dem Leben auseinandersetzen ohne auf die Tränendrüse zu drücken. 

    Ich hatte zu Beginn riesige Probleme mit Fred. Wie es seinem Naturell entspricht, geht er die Begleitung von Karla etwas zu übereifrig an. Er übergeht die Bedürfnisse von Karla völlig. Zum Glück ist Karla eine Frau, die sich zu wehren weiss und ihm zu verstehen gibt, wie sie sich ihr Ableben vorstellt. Ich mochte Phil, Freds Sohn. Seine Gedanken und sein Umgang mit Karla haben mich sehr berührt. 

    Der Titel verweist auf das Ritual, dass man das Fenster öffnen soll, nachdem jemand gestorben ist, damit die Seele und der Geist in den Himmel steigen können. Im Buch kommt dieser eine Moment für mich etwas kurz. Ich hätte gerne mehr davon gelesen, wie zum Beispiel die Atmosphäre im Raum war oder wie sich Fred gefühlt hat. Ich weiss, dass dieser Augenblick ein sehr intimer Moment ist. Er lässt mich seither nicht mehr los, viele Gedanken kreisen um ihn. Die Autorin weiss wie sich der Sterbebegleiter zu diesem Zeitpunkt fühlt, denn sie hat diese Ausbildung auch gemacht und übt die Tätigkeit ehrenamtlich aus.  

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    Hennies avatar
    Hennievor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der Tod gehört zum Leben, zum Alltag. Diese banale Weisheit führt die Autorin mit einer Selbstverständlichkeit zu einem normalen Abschluss.
    Würdevolles Sterben

    Susann Pásztor behandelt hier ein ganz schwieriges Thema mit dem die meisten überfordert sind. Es wird oft verdrängt. Die Autorin baut ihre Geschichte mit Fred Wiener und dessen 13jährigem Sohn Phil auf. Beide sind etwas eigenbrötlerisch, sehr zurückhaltend, fast introvertiert. Sie haben ihre Rituale miteinander, die sie davon abhalten, sich gegenseitig zu nerven. Fred ist um die vierzig, von seiner Frau Sabine geschieden und etwas dicklich. Phil dagegen für sein Alter zu klein, ist ein begabter Junge, ein kleiner Wortakrobat, schreibt Gedichte und sammelt Wörter, die er in sein System ordnet.
    Fred Wiener also ließ sich als ehrenamtlicher Sterbebegleiter ausbilden. Karla Jenner García, 60 Jahre alt, erkrankt an Bauchspeicheldrüsenkrebs, ist die Erste, die er begleiten möchte. Sie ist eine überaus taffe Frau und macht es ihm nicht gerade leicht. Karla hat sehr genaue Vorstellungen, was sie will und was nicht. Fred jedoch weiß nicht wirklich, wie er sich der Todkranken nähern soll. Er ist total verunsichert. Wiederholt stellt er an sich selbst die Fragen, auf die die sterbenskranke Frau Antworten möchte. Warum wurde er Sterbebegleiter? Wieso möchte er sich so eng mit dem Tabuthema Tod befassen? Er versucht immer wieder das Gelernte zu rekapitulieren und anzuwenden. Doch Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge. In seinem Bestreben der sterbenden Karla noch etwas Gutes zu tun, schießt Fred weit über seine Kompetenzen hinaus. Es geht gründlich schief. Durch einen Zufall und über seinen Sohn Phil, der Karlas Fotoarchiv digitalisiert und dadurch der Nachwelt erhält, findet er wieder Zugang zu ihr.

    Die Sterbebegleitung, das Befassen mit dem Tod, mit seinen Vorboten, mit der Endlichkeit unseres Seins. Das sind die Themen, die unangenehm sind. Ich selbst habe solche Literatur bisher gemieden.
    Susann Pásztor erzählt eine Geschichte, die mir sehr ans Herz ging. Genau diese heimtückische Krankheit, an der Karla starb, nahm mir auch meinen Vater vor der Zeit.
    Ich war sehr erstaunt mit welcher Leichtigkeit das schwere Thema bewältigt wurde. Das eine oder andere Mal musste ich schmunzeln. Zum Beispiel das Gespräch über die Bestattungsmodalitäten, das Karla sehr souverän und nachdrücklich mit dem geschäftstüchtigen Bestatter führt.
    „Ich kann mich mit dem Tod so intensiv auseinandersetzen, wie ich es möchte und aushalte“. Er mit seinen Vorschlägen: Karla als „Diamant“ oder „Korallenriff“ oder ...
    Das wirkt ungewollt komisch, makaber, befremdlich auf diejenigen für die das Sterben noch kein Thema ist.
    Der Tod gehört zum Leben, zu unserem Alltag. Diese banale Weisheit führt die Autorin mit einer Selbstverständlichkeit zu einem normalen Abschluß. Ohne auf die Tränendrüsen zu drücken, ohne Wehleidigkeit, ohne Bitterkeit, unaufdringlich, niemals aufgesetzt. Die handelnden Personen passen hervorragend zusammen, wie bei einem Puzzle. Das Buch wurde behutsam und mit viel Fein- und Taktgefühl geschrieben bis zum Ende.
    „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ so der Titel des Buches und so ist es dann auch. Mit einem optimistischen Ausklang schließt die Geschichte ab. Die Protagonisten sind gereift. Phil ist auch körperlich gewachsen, größer geworden und kann mit seiner Mutter Sabine und derem neuen Freund befreit umgehen. Fred wurde selbstsicherer.

    Ein schönes, ein wichtiges Buch. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung.

           

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