Susanna Clarke

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Jonathan Strange & Mr. Norrell

Jonathan Strange & Mr. Norrell

 (175)
Erschienen am 01.09.2004
Die Damen von Grace Adieu

Die Damen von Grace Adieu

 (28)
Erschienen am 21.02.2008
Jonathan Strange & Mr. Norrell: Roman

Jonathan Strange & Mr. Norrell: Roman

 (6)
Erschienen am 14.01.2016
Jonathan Strange & Mr. Norrell

Jonathan Strange & Mr. Norrell

 (1)
Erschienen am 04.08.2016
Jonathan Strange and MR Norrell

Jonathan Strange and MR Norrell

 (99)
Erschienen am 03.02.2015
The Ladies of Grace Adieu

The Ladies of Grace Adieu

 (13)
Erschienen am 01.09.2007

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Rezension zu "Jonathan Strange & Mr.Norrell" von Susanna Clarke

Der düstere Äther des Märchenlandes
Nymphenbadvor einem Monat

Susanna Clarkes Debütroman Jonathan Strange & Mr. Norrell eroberte im Jahr 2004 mit starker Unterstützung eines selbstbewussten Verlegers die Genrewelt im Sturm und verdrehte sogar einigen Mainstream-Literaten den Kopf. Teils historische Fantasy, teils alternative Geschichte, ein bisschen Schwert und Zauberei mit einem Hauch von Gothic, gewann der Roman mehrere Preise und wurde in seinen ersten Jahren seines Erscheinens mehrfach neuaufgelegt. Bücher von derart gereifter Imagination und mit kulturell relevanten Aussagen innerhalb eines großen historischen Umfangs, geschrieben in einer stilvollen Prosa, gibt es nicht oft zu bestaunen. Es ist die Geschichte der Wiedergeburt der Magie in Großbritannien in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Und sie kehrt nicht in der Form zurück, wie man das hätte erwarten können.

Zu Beginn von Jonathan Strange & Mr. Norrell wird Magie in Großbritannien für tot gehalten - dabei ist es eine Facette der Geschichte, dass nur der legendäre Rabenkönig sie praktizieren kann, und selbst er wird gemeinhin als eine Erscheinung, Alpträumen entsprungen, angesehen. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass ein respektabler Herr, Herr Norrell, sich seit Jahren zurückgezogen hält und magische Bücher hortet. Tatsächlich ist er der einzige bekannte praktizierende Magier (im Gegensatz zur Horde der "theoretischen Magier", die ewig diskutieren, aber ihre Ideen nie anwenden), er wird nach London geladen und der High Society als Retter der Magie vorgestellt.

Während er in der britischen Hauptstadt praktische Magie unterrichtet, wird Norrell einem dynamischen jungen Herrn namens Jonathan Strange vorgestellt. Heißblütig und voller radikaler Ideen, wie Magie angewendet werden könnte, wird schnell eine Grenze zwischen Lehrling und Mentor gezogen. Herr Norrell ist weitaus zurückhaltender und schweigsamer, die Dynamik der Beziehung zwischen den beiden treibt die Geschichte in immer tiefere Implikationen kultureller Gepflogenheiten und historischer Relevanz.

Aber das Buch besitzt zusätzliche Schichten, von denen zwei erwähnenswert sind. Während Norrell sich in London bei den Reichen und Mächtigen beliebt macht, schließt er einen Pakt mit einem Elfen, dem Gentleman mit dem Haar wie Distelwolle, um eine wichtige Persönlichkeit namens Lord Pole zu unterstützen. Poles Verlobte von den Toten auferstehen zu lassen, hat seinen Preis: Das halbe Leben der Frau muss in der Finsternis des Märchenlandes verbracht werden und sie dort endlos bis in die Nacht tanzen. Diese Frau, Emma Pole, und ein schwarzer Diener, den sie eines Abends trifft, Stephen Black, fügen sich nahtlos in das Leben der beiden Magier, der Elfen und der Herren und Adligen von London ein. Noch wichtiger ist, dass ihre gesellschaftliche Relevanz im Laufe der Geschichte immer mehr an Bedeutung gewinnt, was in Clarkes Aussagen zu Themen gipfelt, die ihren eigenen Positionen innewohnen.

Clarkes Kommentare sind brillant subtil, die Positionen der verschiedenen Charaktere finden sich am Ende des Romans sowohl als eine vernichtende und aufmunternde Stimme der britischen Kultur. Keine leichte Aufgabe, die Autorin schließt die eine Hand zu einer Faust und richtet sie auf die "stickigen" und "imperialen" Aspekte der traditionellen "Avalon-Weltanschauung". Die andere Hand streckt sie aus, indem sie Charaktere wie Emma Pole, Stephen Black und andere in ein neues Licht hebt - ein Licht, das hell auf ihre Zukunft scheint, aber auch andere wichtige Charaktere in den Schatten wirft. Der Reichtum dieser Symbolik ist nur ein weiterer Grund für die Größe des Romans.

Clarke füttert die Erzählung mit subtil substantiellen Bögen und bedient sich eines Tons, den man von Charles Dickens kennt (wenn auch gelegentlich augenzwinkernd und ironisch). Ihre Prosa - wie auch ihre beiden Hauptfiguren - sind ein wunderbares Beispiel für zurückhaltende Dynamik. Ihre Beschreibungen sitzen am rechten Fleck. Der düstere Äther des Märchenlandes, die heimgesuchten Wälder in ihrer Merkwürdigkeit und Schwärze und Black, die Machenschaften des Gentleman mit dem Haar wie Distelwolle, die magischen Seltsamkeiten in Spanien und das dunkle Land, in dem einige der Charaktere gefangen werden, sind eine Freude für jeden Phantasten.

Allerdings ist Jonathan Strange & Mr. Norrell kein Buch für jeden Genre-Fan. Die übernatürlichen Elemente sind mehr thematisch als funktional angelegt. Diejenigen, die sich dem Buch nähern und einen Fantasy-Roman mit Zauberern und Zaubersprüchen erwarten, werden völlig enttäuscht sein. Diejenigen jedoch, die sich in der Dämmerung, der Zartheit der Elfen, den Stimmungen eines gestörten Egos und der anspielungsreichen Kultur erfreuen, werden in Clarkes Debüt alles finden, was sie lieben. Stilistisch klar, phantasievoll, tief und gesellschaftlich relevant, erreichen nur wenige Werke der modernen Phantastik diesen Grad an literarischer Qualität.

phantastikon.de

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Rezension zu "Jonathan Strange & Mr. Norrell: Roman" von Susanna Clarke

Einzigartiger Genremix rund um Zauberei, viel zu wenig bekannt!
ElkeMZvor 2 Monaten

„One day magic would be restored to England by two magicians...“ Was soll ich sagen? Ein Wahnsinnsbuch! Zum Schmökern, zum Niederknien! Vor soviel Fantasie, vor Detailreichtum, Geschichten in der Geschichte, wunderlichen Charakteren, und einer - im wahrsten Sinne des Wortes -, „zauberhaften“ Story. Eine Mischung aus altem England, Zauberei und leichtem Grusel, historischer Atmosphäre und Fantasy, die ihresgleichen sucht. Zauberer, die menschlicher sind, als je ein Zauberer war, und Elfen, die ganz anders als gewohnt daherkommen, Ähnlichkeiten zwischen Elfen und Wahnsinnigen, Zauberern und Priestern sind (eben nicht) zufällig, feinster britischer, oft hintersinniger Humor, fast unauffällig eingewoben, ist allgegenwärtig. Blühende Fantasie und eine herrliche Verknüpfung tatsächlicher historischer Ereignisse mit der Zauberei - die Grundidee ist so ungewöhnlich wie das ganze Buch. Nein, es ist kein „Harry Potter“, keine High-Fantasy, und auch kein Tolkien-Abklatsch, genauso wenig wie Jane Austen. Ein bisschen Dickens-Atmosphäre vielleicht. In erster Linie aber ist es kein Schema F, sondern was ganz Eigenes, was logischerweise nicht jedermanns Geschmack sein kann. Aber ein Versuch lohnt sich. 1021 Seiten pures Lese- oder fast 38 Stunden Hörvergnügen. Ein absoluter Schmöker eben. Altmodisch. Schön altmodisch. Definitiv ungewöhnlich. Interessante, differenziert entwickelte Charaktere. Eine genreübergreifende Mischung, mit der es auch Nicht-Fantasy-Fans mal versuchen könnten. Und wer hier keine Story findet, hat das Buch nicht verstanden. Es gibt sogar einige Philosophie - über Menschsein, Freundschaft, Eitelkeit, Kriegsführung und die Abhängigkeit des Menschen von der Geschichte. Und die Liebe und den Wert von Büchern natürlich. Aber wie die Autorin durch einen Protagonisten am Ende durchblicken lässt : „Die Aufgabe des Buches ist es, die Worte zu enthalten...es ist die Aufgabe des Lesers zu wissen, was sie bedeuten“. Aber gerne doch! Also: ein ganz wunderbares Buch für gemütliche Winterstunden auf der Couch, falls man dicke Bücher und altmodisches Gruseln mag...und die Briten und ihren Humor. FAZIT: Unbedingt probieren! Gerne auch im Original, denn das Englisch ist vergleichsweise einfach zu lesen. (Die englische Ausgabe gibt es außerdem in einer herrlich stilgerechten Ausgabe, wo noch die Blätter aufgeschnitten werden müssen.) ...und: unbedingt erst lesen, erst danach das Hörbuch oder die DVD bzw. Amazon Prime-Serie! Sonst nimmt man sich die wunderbaren Möglichkeiten der eigenen Phantasie, die dieses Buch so grenzenlos anregt. Man muss nur dicke Schmöker mögen. Wer vor mehr als 300 Seiten zurückscheut, wird hier keinen Spaß haben. Streckenweise gibt es auch wenig Action, das Buch lebt hauptsächlich von Dialogen (ok, doch ein bisschen Jane Austen) - langweilig war es für mich dennoch nie. Und obwohl es auch nicht gänzlich fehlerfrei ist, mag ich darüber nichts sagen. Ich würde lieber noch weiterlesen, und weiß gar nicht, wie ich nun den Rest des Winters ohne Strange&Norrell und einen ganz besonderen Herren verbringen soll... Um es noch mal mit der Washington Post zu sagen: „Many books are to be read, some are to be studied, and a few are meant to be lived in for weeks. J.S. & Mr.N. is of this last kind...magnificent and original!“

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Rezension zu "Jonathan Strange & Mr. Norrell" von Susanna Clarke

Jonathan Strange & Mr. Norrell - eine Biografie
TamiraSvor 6 Monaten

„Er wünschte, er wäre in Hurtfew Abbey geblieben, um zu seinem eigenen Vergnügen zu lesen und zu zaubern. Nichts, so dachte er, war den Verlust von vierzig Büchern wert.“

 

Die theoretischen Zauberer von York sind außer sich: zum ersten Mal seit unzähligen Jahren scheint ein praktischer – ein richtiger, ein wahrer! – Zauberer in England zu leben, und das schon seit einiger Zeit, ohne dass dieser der Gilde seine Aufwartung gemacht hätte!

Für die theoretischen Zauberer ein Ding der Unmöglichkeit – und zudem überhaupt nichts, was ein Gentleman tun würde -, doch das schlimmste, das aller schlimmste, ist, dass dieser sogenannte praktische Zauberer eine so umfassende Bibliothek mit Büchern über Zauberei (wohlgemerkt, keine Zauberbücher, denn diese würde ein echter Gentleman wohl kaum studieren) besitzt, deren Lektüre er der Zauberergilde von York vorenthält.

Und so kommen sie zu der Überzeugung, dass dieser Zauberer – ein gewisser Gilbert Norrell – kein wirklicher praktischer Zauberer ist und setzen ihn von ihrer Unmut über seine „Fabuliererei“ (oder eben Lügen) in Kenntnis zu setzen, woraufhin sie etwas in Gang bringen, das sie noch lange beschäftigen wird.

Denn Mr. Norrell soll seine Zauberkraft vorführen, andernfalls wird er vor allen, oder fast allen Zauberern von York als Lügern da stehen. Und dieser willigt ein, jedoch nur unter einer Bedingung: Falls er beweist, zaubern zu können, sollen alle Zauberer, die schriftlich etwas gegenteiliges behaupten, aufhören, die Zauberer weiter zu studieren und sollen von da an, keine Zauberer mehr sein.

Als Mr. Norrell, der fortan als der einzige „echte“ Zauberer in England bekannt wird, bereits einige Jahre seinem Broterwerb nachgeht, in dem er hier ein Trugbild herauf beschwört und dort ein kleines Unwetter, betritt Jonathan Strange die Bühne. Und plötzlich gibt es zwei praktische Zauberer in England und alle Londoner sind einhellig der Meinung, dass der eine den anderen als sein Schüler aufnehmen soll.

 

Dieses Buch, das mit seinen knapp über tausend Seiten viele meiner Abende in den letzten Wochen gefüllt hat, ist sprachlich so ausgefeilt, dass man teilweise vergisst, einen Fantasy-Roman in Händen zu halten. Es ist schier unglaublich, dass dies ein Debütroman sein soll, denn Clarke herrscht über ihre Geschichte und Protagonisten wie eine Meisterin. Die Atmosphäre ist großartig, man fühlt sich ähnlich wie während des Lesens von Die Frau in Weiß, American Gods, Sturmhöhe oder Niemalsland – sie ist ständig düster und drückend, doch wird gleichzeitig immer wieder vom so angenehmen britischen Humor aufgelockert.

Doch zeitgleich muss erwähnt werden, dass dieses Buch eindeutig nicht jedermanns Geschmack treffen kann – denn allein die Fußnoten, die wohl ein Sechstel des gesamten Romans ausmachen (vielleicht etwas übertrieben, aber nur etwas), sind etwas, was vielen Lesern sauer aufstoßen wird. Des Weiteren befinden wir uns im England des sehr frühen 19. Jahrhunderts – die Protagonisten haben viele für uns antiquiert wirkende Eigenschaften, sind geckenhaft und manchmal vielleicht ein wenig gefühlsarm, vor allem unser Mr. Norrell ist eine Person, die man nur sehr schwer ins Herz fassen kann: er ist unsicher, zurückgezogen und gleichzeitig von sich selbst ungeheuer überzeugt, während Strange oft ignorant und abwesend ist (auch wenn er der heimliche Held in meinen Augen war, trotz seiner offenkundigen Verrücktheit).

 

 

Dieser Roman ist keine übliche Geschichte – wir folgen unseren Protagonisten über eine sehr lange Zeit (wobei wir Jonathan Strange erst sehr spät im ersten Drittel überhaupt kennen lernen), während der man als Leser häufig das Gefühl hat, keinen wirklichen roten Faden zu sehen -, sondern eher eine romanhafte Biografie der Zauberer Norrell und Strange zu lesen. Mich störte das keineswegs (auch in einem meiner Lieblingsbücher, American Gods, folgen wir bisweilen unzähligen Nebenhandlungen, die nur bedingt etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben und trotzdem habe ich jede Seite genossen), ich denke aber, dass man einen langen Atem und viel Zeit benötigt, um diese Geschichte wirklich genießen zu können – mal eben zehn oder zwanzig Seiten zu lesen ist nahezu unmöglich, um tatsächlich in die Welt abtauchen zu können, sechzig, siebzig Seiten scheinen ein Minimum zu sein, um überhaupt an der Oberfläche zu kratzen.

 

Wer also sollte dieses Buch lesen?

Ich empfehle dieses Buch Lesern, die gerne in den Welten von Urban-Fantasy abtauchen, den oft damit einhergehenden kitschigen Liebesgeschichten jedoch nichts abgewinnen können und nur wenig Action in einem Roman brauchen, um sich daran zu erfreuen und sich eher daran erquicken, interessanten Personen zu folgen.

 

Außerdem empfehle ich es Lesern, die angeödet sind von der alltäglichen Langeweile und sich manchmal fragen, wie es denn wäre, gäbe es in unserer Welt zumindest ein oder zwei praktische Zauberer …


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Susanna Clarke wurde am 01. November 1959 in Nottingham (Großbritannien) geboren.

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