Susanna Schwager Fleisch und Blut

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Inhaltsangabe zu „Fleisch und Blut“ von Susanna Schwager

Er liebte die Tiere mehr als alles andere. Als die Mutter starb, holte er sich die Wärme beim Hofhund. Sein Traum war es, Tierarzt zu werden. Hans M. wurde Metzger, einer bis ins Mark.
Noch heute hört er den Kanonendonner, den der erste Weltkrieg vom Elsass bis ins Emmental trug. Und er erinnert sich an trommelnde Sozialisten, die kurz vor dem Landesstreik mit roten Fahnen am Miststock vorbeimarschierten. Der Bergbauernbub entging knapp dem Schicksal als Verdingkind. Und knapp entging er der Verzweiflung des Vaters. Das harte Leben im Krachen stählte seinen Willen. Er wollte vor allem eines: weg aus dem Tal. Weg vom Schinden, Hungern und Frieren. Eine Metzgerlehre war seine grosse Chance.
So beginnt ein Leben, das ein steinalter Mann erzählt, mit unheimlicher Präzision und grosser Erzählkraft. 'Fleisch und Blut' bricht das 20. Jahrhundert wie ein Prisma und erzählt es wie ein Roman. Susanna Schwager stieg mit ihrem Grossvater in die Vergangenheit, fragte und stellte in Frage. Aus seinen glasklaren Erinnerungen fügte sie eine handfeste, manchmal drastische Geschichte voller poetischer Details.

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    Fleisch und Blut

    Biografienwerkstatt

    07. March 2014 um 11:43

    Um es gleich vorneweg zu sagen: Ich bin ein großer Fan von Susanna Schwager. Erstmals von ihr gehört habe ich in einem Kurs über biographisches Schreiben, der von Lisbeth Herger in Zürich geleitet wurde. Es ging um den Einsatz von Mundart im Text. Als Beispiel las Lisbeth einen Abschnitt aus einem der biographischen Bücher von Susanna Schwager vor. Die Reaktion der SchweizerInnen unter den TeilnehmerInnen des Kurses überraschte mich. Während ich als Deutsche davon begeistert war, wie Susanna Schwager die Schweizer Mundart in geschriebene Sprache „übersetzte“, fühlten sich die Schweizer davon nicht besonders angesprochen. Sie hatten das Gefühl, dass das kein sehr guter Stil sei, dass die Schweizer Sprache dort nicht hingehöre – „dort“ – also in die Literatur. Ich sehe das anders. Ich empfinde es eher so, dass die Autorin eine neue Form der Literatur erfunden hat. Ihr Grossvater Hans Meister, den sie in Fleisch und Blut portraitiert, war mit Sicherheit ein grossartiger Erzähler. Seine Enkelin Susanna Schwager beherrscht die Kunst des Schreibens – und sie beherrscht vor allem die Kunst des Zuhörens. Wir hören mit ihren Ohren und lauschen gemeinsam mit ihr der berndeutschen Stimme ihres Grossvaters, das ist das Besondere an diesem Buch. Der unmittelbare teilweise etwas schroffe Ton verleiht dem Text neben dem Inhalt – dessen was erzählt wird – eine zusätzliche Dimension und eine Tiefe, die er ohne dieses Stilmittel nicht hätte. Alles ist gut lesbar und verständlich – auch für mich als Deutsche. Und falls sich wirklich einmal ein Wort nicht aus den Zusammenhang erschliesst, gibt es immer noch das Glossar im Anhang. Die Lebensgeschichte des 1913 geborenen Metzgers Hans Meister (gestorben 2005) ist in jedem Fall interessant und erzählenswert. Er verbrachte seine Kindheit mit sieben Geschwistern auf einem Bergbauernhof im Emmental, erlebte den frühen Tod der Mutter und die Verarmung der Familie. Wir erfahren,wie er, der Tierfreund, seine Ausbildung als Metzger macht, wie er seinen Einsatz als Soldat erlebt, später seinen Schritt in die Selbständigkeit wagt und mit 59 Jahren noch einmal den Beruf wechselt – als Notenzähler bei der Bank. Nicht ohne Selbstkritik blickt er auf sein Leben zurück. Insbesondere sein Verhältnis zu seiner Frau Hildi wirft so manche Fragen auf, die unbeantwortet bleiben und gerade dadurch Bände sprechen. Hier noch ein kleiner Ausschnitt aus dem Text:  "Und eben, das Metzgen fängt beim Töten an. Das war ein grosser Kampf für mich, eine grosse Selbstüberwindung. Das war furchtbar. Es gab dieses Schäfchen. Ich spielte oft mit dem Schäfchen, es hatte keine Mutter. Ich flösste ihm Milch ein mit der Flasche. Wir zogen es auf, und ich wusste ja, dass es zum Schlachten war. Aber man vergisst das, wenn man viel mit so einem Tierchen zusammen ist. Ich hockte doch ständig dort. Und ich dachte nicht mehr daran, dass ich es für mich mästete. Eines Tages, es war vor Ostern, kam der Meister und sagte: „So Bub, jetzt holst du mal dein Übungsstück. Die Frau Keller möchte ihren Braten. Jetzt schlacht es, wie es sich gehört.“ Übungsstück, so sagte er das."

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