Susannah Walker

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Was bleibt.

Lebenslauf von Susannah Walker

SUSANNAH WALKER studierte Englische Literatur in Cambridge und Design History am Royal College of Art and Victoria & Albert Museum. Sie arbeitet als Kuratorin, hat mehrere Bücher über Design verfasst und ist als Beraterin und Produzentin für Fernsehsendungen über Kunst, Architektur und Lifestyle tätig.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Susannah Walker

Cover des Buches Was bleibt9783036957869

Was bleibt

 (3)
Erschienen am 08.10.2018

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Rezension zu "Was bleibt" von Susannah Walker

Die Magie der Besitztümer
YukBookvor einem Jahr

Ich wundere mich oft, wieviel Besitz ein Mensch im Laufe seines Lebens anhäufen kann. Deshalb weckte auch diese biografische Geschichte von Susannah Walker meine Neugier. Die Autorin erzählt, wie sie sich durch den Nachlass ihrer Mutter, einer Horterin, kämpfte. Jedes Kapitel ist einem Objekt wie einem roten Glasvogel, einem Serviettenring oder Kochbüchern gewidmet. Anhand dieser Gegenstände versucht sie, ihre Mutter besser kennenzulernen und sie zu verstehen. Keine leichte Aufgabe, denn sie war liebesunfähig, verließ die Familie, als die Tochter acht Jahre alt war, litt unter Depressionen und zunehmender Alkoholsucht. 

Tag für Tag fährt Susannah Walker nach Worcester, säubert die Wohnung, mistet aus und sortiert die hinterlassenen Besitztümer. Es ist fast unheimlich, wie man dabei die Präsenz der verstorbenen Mutter spürt. Ganz gleich, ob sie Fotoalben oder Geschirr beschreibt, werden entweder einige wenige glückliche Momente aus ihrer Kindheit oder auch schmerzvolle Erfahrungen wieder lebendig. Immerhin teilten Mutter und Tochter die Leidenschaft für Gegenstände und begeisterten sich für Kunst und Flohmärkte. Doch während die Mutter wahllos hortete und ihre Wohnung zumüllte, lebt die Tochter ihr Interesse beruflich aus. Sie hat in Museen gearbeitet und schreibt über die Geschichte und die verborgene Bedeutung von Häusern und Gegenständen. 

Die Magie des Ausmistens und Aufräumens liegt ja voll im Trend. Auch Susannah Walker verfolgte mit großem Interesse Fernsehreportagen über das Thema, ahnte aber sicher nicht, welche starken Emotionen dabei ausgelöst werden. Sie schwankt zwischen der Erleichterung, nicht mehr für das Glück ihrer Mutter verantwortlich zu sein, Schuldgefühlen, dass sie so empfindet, Wut und Enttäuschung. Sie trägt Schicht für Schicht ab, in der Hoffnung, nicht nur die Wohnung, sondern auch das verkorkste Leben der Mutter nachträglich wieder in Ordnung bringen zu können, was natürlich ein Trugschluss ist.

Besonders gut gefiel mir, wie sie die Beziehung zwischen Menschen und ihren Besitztümern aus verschiedensten Blickwinkeln analysiert. Sie beschreibt mögliche Gründe, warum bestimmte Objekte mit Bedeutung aufgeladen werden, welche Ausmaße dies beispielsweise auf Auktionen annehmen kann und warum manche von ihnen in Museen enden. Ein sehr persönliches Buch, das emotional aufwühlt und zum Nachdenken anregt. 

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Rezension zu "Was bleibt" von Susannah Walker

Verloren zwischen Dingen
Eva-Maria_Obermannvor einem Jahr

Was bleibt ist kein Roman, sondern ein Erfahrungsbericht, eine persönliche Erzählung. Die Autorin wird zur Ich-Erzählerin. Ihre Mutter ist gestorben und hat ein verwahrlostes Haus voller Dinge hinterlassen. Zwischen Müll und zerstörten Möbeln entdeckt sie Dinge, die Erinnerungen wach rufen. Was bleibt ist eine Annäherung an diese Mutter, die Zeit ihres Lebens fremd blieb. Die Kapitel, in denen Susanna von ihrem Kampf gegen den Müll und die Suche nach ihrer Mutter erzählt, sind angeordnet an Gegenständen, die sie im Haus gefunden hat. Eine Vogelfigur, Besteck, Papiere.

Dazwischen erzählt sie die Geschichte ihrer Mutter, eine Frau, deren Leben von Verlusten geprägt war. Oft geht es im Buch auch um gesellschaftliche Vorstellungen. Die Parallelen zwischen Tochter und Mutter kommen immer wieder ans Licht, auch wenn Susanna von gerade den Dingen, die ihrer Mutter das Leben schwer gemacht haben, nicht lassen kann.

Der Stil ist mir persönlich manchmal zu redundant. Auf den Spuren ihrer Mutter kommt Susanna immer wieder auf die gleichen Themen zurück. Dazwischen springt sie in Erinnerungen und versucht geradezu verzweifelt, zu Ergebnissen zu kommen und Erkenntnisse zu finden. 

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W

Rezension zu "Was bleibt" von Susannah Walker

Ein sehr persönliches Buch über das, was von uns übrig bleibt
WinfriedStanzickvor einem Jahr


Irgendwann im Leben eines jeden Menschen, besonders dann, wenn er selbst das 50. Lebensjahr überschritten hat, wird er oder sie damit konfrontiert, dass ein Elternteil oder ein naher älterer Verwandter gestorben ist. Für wenige, und dann umso härter, schlägt dieses Schicksal schon früher zu, und der Tod trennt sie von geliebten Menschen.

 

In jedem Fall stehen die Trauernden zunächst vor der Aufgabe, die Bestattung zu organisieren und allerlei Bürokratisches zu erledigen. Doch je länger ein Leben gedauert hat, desto mehr an Dingen und Erinnerungen bleibt zurück. Manche lassen erst einmal alles so, wie der oder der Verstorbene es zurückgelassen hat, aber früher(insbesondere wenn eine Wohnung aufgelöst werden muss) oder später muss alles, was zurückgeblieben ist, geordnet, aufgehoben oder aber weggeworfen und entsorgt werden.

 

Der Autorin des hier vorliegenden von Yasmin von Rauch ins Deutsche übersetzten Buches, die Engländerin Susannah Walker, hat dies erlebt. Als ihre Mutter gestorben ist, findet sie in deren Haus im englischen Worcester ein Sammelsurium an Nippes, alten Fotos und Gebrauchsgegenständen, die jeweils eine Geschichte zu erzählen scheinen.  Was zunächst wie eine kurze notwendige Arbeit aussah, ein Haus auszuräumen, erweist sich als eine lange alltagsarchäologische Reise in die Vergangenheit einer Mutter und Familie.  Dabei kommt Susannah Walker der eigene Beruf zu Hilfe: Sie ist es als Kuratorin gewohnt, sich mit Dingen und deren Bedeutung zu beschäftigen, sie als Objekte zu betrachten und zu interpretieren.

 

Und doch ist dies etwas ganz anderes. Denn es ist mit starken und lange teilweise unterdrückten Gefühlen verbunden. Stück für Stück kommt sie einer ihr zeitlebens fremden Frau näher, ihrer eigenen liebesunfähigen Mutter. Mit großer Selbstfürsorge rekonstruiert sie lange verdrängte und vergessene zum Teil sehr schmerzhafte Erinnerungen. Auf eine beeindruckende und mich als Leser sehr bewegende Weise legt sie so vorsichtig und achtsam die Geschichte ihrer Herkunft frei, setzt sich mit den Folgen der Liebesunfähigkeit ihrer Mutter auseinander, stößt auf einen verstorbenen Bruder und bringt weitere Familiengeheimnisse ans Licht.

 

Ein sehr persönliches Buch über das, was von uns übrig bleibt.

 

 

 

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