„Johannifeuer“ von Susanne Betz ist der zweite Band der Reihe „Die Bergbäuerin“. Bereits das wunderschön gestaltete Cover hat mich sofort angesprochen.
Die an die Zeit angepasste Sprache war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Doch schon nach kurzer Zeit entwickelte die Geschichte einen starken Sog, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.
Obwohl Vroni inzwischen mit ihrem zweiten Ehemann Anton verheiratet ist, wird sie von den Dorfbewohnern noch immer Vroni Grasegger genannt, nach ihrem ersten Mann. Dessen Tod durch Erfrieren war für sie letztlich eine Erlösung, denn er war ein gewalttätiger und tyrannischer Mensch. Anton hingegen ist ein guter Mann mit dem Herzen am rechten Fleck, der bereits seit seiner Schulzeit in Vroni verliebt ist. Leider erwidert sie seine Gefühle nicht. Da sie die Arbeit auf dem Hof jedoch nicht allein bewältigen kann, blieb ihr kaum eine andere Wahl als die Heirat.
Das Leben auf dem abgelegenen Bauernhof Ende des 19. Jahrhunderts ist hart und von Entbehrungen geprägt. Vroni kennt kaum etwas anderes als Arbeit und Pflichterfüllung. Sie kümmert sich um den betagten Onkel ihres verstorbenen Mannes und sorgt zudem für ihre Stieftochter Rosl, die das Down-Syndrom hat und im Dorf abwertend nur als „Idiotenkind“ bezeichnet wird. Eines Tages begleitet ihre Schwiegermutter sie zu einem Arztbesuch nach München. Dort macht Vroni eine schicksalhafte Begegnung, die beim Johannifeuer schließlich ihr Leben nachhaltig verändern wird.
Mit diesem Roman entführt Susanne Betz ihre Leserinnen und Leser in die Prinzregentenzeit. Geschickt verwebt sie politische und wirtschaftliche Entwicklungen jener Epoche mit ihrer Erzählung. Dank der lebendig und glaubwürdig gezeichneten Charaktere werden die Lebensumstände der damaligen Zeit greifbar, die harte Arbeit, die zahlreichen Entbehrungen, die Benachteiligung der Frauen, der aufkommende Tourismus durch die Sommerfrischler sowie viele weitere Facetten des ländlichen Alltags.
Wer gut recherchierte historische Romane mit authentischem Zeitkolorit und starken Figuren schätzt, wird an diesem Buch viel Freude haben. Für mich ist „Johannifeuer“ eine klare Leseempfehlung.















