Susanne Fischer Meine Frauen-WG im Irak

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Inhaltsangabe zu „Meine Frauen-WG im Irak“ von Susanne Fischer

Sie kamen, um verschleierte Frauen unabhängiges Berichten zu lehren: fünf Journalistinnen aus der westlich-modernen Welt. Männer, Freunde und Familien haben sie zurückgelassen für ein Leben auf Zeit mit Fremden. Im kurdischen Nordirak gründen sie eine ungewöhnliche WG. Susanne Fischer erzählt, wie fünf Frauen in einem Land am Rande der Anarchie für eine freie Presse kämpfen – und wie aus ihnen trotz aller Unterschiede eine verschworene Gemeinschaft von Freundinnen wird.
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  • Rezension zu "Meine Frauen-WG im Irak" von Susanne Fischer

    Meine Frauen-WG im Irak

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. November 2010 um 16:51

    Susanne Fischer erzählt in diesem Buch über ihre Arbeit für das Institute for war and peace reporting IWPR, eine internationale Hilfsorganisation, die durch die Ausbildung unabhängiger Journalisten Demokratie in ehemaligen oder Noch-Diktaturen sowie in Bürgerkriegsregionen fördern will. Für das IWPR ging Fischer im März 2005 nach Suleimania, einer Stadt im kurdischen Teil des Irak, wo sich Ausländer zu diesem Zeitpunkt recht sicher bewegen konnten - im Gegensatz zu Fischers ehemaligem Arbeitsort Bagdad, in dem ein vergleichbarer Arbeitspatz 2005 nicht mehr möglich gewesen wäre. Zunächst wohnen alle Mitarbeiter in einem Hotel, ziehen aber bald zusammen, weil die Wohnräume im Haus oberhalb der Schule leer stehen. Diese so genannte "Villa Zwei" wird zum Dreh- und Angelpunkt für berufliche und private Belange. Neben der deutschen Journalistin kommen die anderen Lehrerinnen aus allen Teilen der Welt; im Lauf der Zeit kommen unter anderem Frauen aus Hawaii, Australien oder den USA ins Haus. Sie arbeiten zusammen mit einheimischen Übersetzern und Studenten aus allen Teilen des Irak. Soviele Kulturen bieten natürlich viel Stoff für Diskussionen. Auch in beruflicher Hinsicht: Während es für die Journalistin Tiare selbstverständlich ist, dem Energieminister wegen nur vier Stunden Strom am Tag auf den Zahn zu fühlen, hadern die Studenten mit sich, wie weit sie den Verantwortlichen in die Pflicht nehmen dürfen. Kritische Fragen an die Staatsmacht sind ungewohntes Terrain; manchmal einfach Neuland, manchmal aber auch gefährlich. Andere Fragen kommen - geprägt von einem anderen Alltag - auch unerwartet. So wie die einer Studentin, die wissen wollte, ob sie die Verletzten bei einem Anschlag erst fotografieren darf oder ob sie zunächst Erste Hilfe leisten soll. "Ist das Foto dann noch authentisch?" will sie wissen, wenn man jemandem als erstes ein Taschentuch reicht, bevor man knipst? Natürlich gibt es auch Diskussionen über Traditionen, Glauben und Kulturen. Fischer geht aus dem Haus und begegnet kaum Frauen, die, wenn auch nicht verschleiert, so doch möglichst unauffällig durch die Straßen huschen. Sie merkt, dass das Ausgehen für die Schar weiblicher IWPR-Mitarbeiter ohne männliche Begleitung kaum denkbar ist und dass die WG an sich von außen argwöhnisch beäugt wird. Über einen reinen Erfahrungsbericht geht Fischers Buch weit hinaus. Sie erzählt wohl, was sie sieht, erlebt, vermisst, erfährt oder sucht. Doch sie bleibt nie auf dem Posten der Europäerin stehen, die das Fremde aufzählt und sich am laufenden Band über irgendwelche Traditionen wundert. Fischer lässt sich auf das Land ein, so gut sie es kann und deshalb gefällt mir ihr Tagebuch besonders gut. Denn fast immer lässt sie sich zum Nachdenken bringen und versucht zu eroieren, wie die Menschen in Suleimania denken und leben. Überhaupt sorgt der Aufenthalt in Suleimania bei ihr dafür, dass sie ziemlich viel hinterfragt und die Messlatten immer wieder neu steckt. Wer bei Erfahrungsberichten immer etwas Bauchgrimmen bekommt, weil manche davon ganz gerne Wunschvorstellungen der Leser bedienen, der darf hier seine Ausnahme machen. Fischer differenziert für meine Begriffe sehr gut. Sie schreibt kritisch, auch selbstkritisch. Sie ist sich der Position bewusst, die sie in Suleimania hat: "Sicher, in erster Linie bin ich gekommen, Journalisten auszubilden [...]. Aber ich bilde nun mal vor allem Frauen aus. Und für die verkörpere ich nicht nur ein Berufsbild, sondern die Ahnung von einem andere Leben." Vom Luxus zum Beispiel, sich um drei Kilo Übergewicht Sorgen machen zu können, während sich die Sorgen woanders gleich um Leben und Tod drehen. Mein Fazit: Ich empfehle das Buch gerne, weil ich mit Susanne Fischer eine gute "Reiseleiterin" für den Nordirak gefunden habe. Ein Blick ins Internet zeigt, dass Fischer derzeit als Country Director für Syrien arbeitet. Immer auf der Suche nach Stories, aber auch nach Menschen und Standpunkten. Auf der Website beschreibt sie ihren Antrieb so: "Wer ist ein Weltbürger oder Kosmopolit? Laut Wikipedia betrachten Kosmopoliten die ganze Welt als ihre Heimat. Für mich ist Kosmopolitismus eine Haltung. Eine Perspektive auf die Welt. Ein lebenslanger Lernprozess. Ich werde nie vergessen, woher ich komme. Aber ich habe entdeckt, dass ich mich an vielen Orten der Welt zuhause fühle." Ich finde, genau das kann sie im Buch vermitteln.

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