Susanne Garsoffky

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Die Alles ist möglich-Lüge, Der tiefe Riss und weiteren Büchern.

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Die Alles ist möglich-Lüge

Die Alles ist möglich-Lüge

 (3)
Erschienen am 08.09.2014
Der tiefe Riss

Der tiefe Riss

 (0)
Erschienen am 04.09.2017

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Rezension zu "Die Alles ist möglich-Lüge" von Susanne Garsoffky

Es geht darum von den stromlinienförmigen Lebensentwürfen wegzukommen
WinfriedStanzickvor 4 Jahren




Die Vereinbarkeit von Familie mit Kindern und einem Ganztagsjob vielleicht noch mit Karrieregarantie ist eine Illusion, die auf dem Rücken der betroffenen Frauen und Männer, aber erst recht der Kinder von einer sich fortschrittlich gebenden Politik und den Interessen der Wirtschaft an Arbeitskräften permanent genährt wird.

Wie die beiden Autorinnen, die als berufstätige Mütter von Kindern wissen, von was sie reden, überzeugend zeigen,  ist diese behauptete Vereinbarkeit etwas, an der die betroffenen Frauen vor allem zerbrechen.

Selbst in einer Partnerschaft oder Ehe, in der die gleichberechtigte Verteilung von Hausarbeit und der Zeit für die Kinder gleichmäßig verteilt ist (kommt nur in Einzelfällen vor), ist die Doppelbelastung von Beruf und Familie unter den gegenwärtigen Bedingungen vor allem für die Frauen nicht auszuhalten. Und die Kinder nehmen Schaden. Denn es kann mir keiner erzählen, dass eine außerfamiliäre Betreuung der Kinder schon ab dem ersten Lebensjahr bis weit in Sekundarstufe I von sieben Uhr bis in den späten Nachmittag für deren Entwicklung förderlich sein kann.

Wenn das alles so bleibt, dann, so die beiden engagierten Journalistinnen, haben Frauen in der Zukunft entweder keine Kinder oder keine Karriere. Wo die Reise hingeht, sehen wir an der Geburtenrate. Vor allem gebildete und ausgebildete Frauen entscheiden sich, oft mit großem inneren Schmerz, gegen die Gründung einer Familie und das Leben mit Kindern. Zumal es offenbar immer schwieriger für sie wird, die entsprechenden Männer für ein solches Lebensprojekt zu finden.

Es geht darum von den stromlinienförmigen Lebensentwürfen wegzukommen. Die Entscheidung, sich um andere zu kümmern (etwa später im  Leben auch um pflegebedürftige Eltern), darf nicht zu einem lebenslangen Stigma werden. Frauen (und natürlich auch die immer noch viel zu wenigen Männer) müssen nach solchen „Pausen“ von der Arbeitswelt freundlich und mit Respekt vor ihrer Leistung wieder aufgenommen werden in die Welt der „Teambesprechungen und Teeküchengespräche“.

Durchaus selbstkritisch fassen sie zusammen: „Wir müssen begreifen, dass Familie keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Männer und Frauen haben heute die Wahl zwischen mehreren Lebensmodellen. Und sie entscheiden sich immer öfter gegen die Familie. Weil sie die Verantwortung für andere als einschränkend und die Gründung einer Familie als zu großes Risiko empfinden. Vor allem Männer scheuen davor zurück. Denn sie spüren, dass Fürsorge in unserer Gesellschaft keinen Stellenwert mehr hat. Und so stehen immer mehr junge Frauen mit ihrem Kinderwunsch allein da. Nur wenn Familie als Wert an sich wieder wahrgenommen wird und unterstützt wird, hat sie überhaupt eine Chance. Wer Familien wirklich will, muss die Gefühle von Kindern, Vätern und Müttern ernst nehmen. Wir haben das eine Zeit lange selber nicht getan. Wir haben im Gegenteil unseren mütterlichen fürsorglichen Gefühlen nicht getraut. Kann doch nicht sein, dass uns ein gemeinsames Mittagessen mit einem Habwüchsigen genauso wichtig ist wie die Vorbereitung einer Konferenz.“

Doch.

Es geht um die Veränderung der eigenen Haltung schon im Kleinen und  um die Reformen der Sozialsysteme und des Steuer- und Arbeitsrechts.
Auch wenn Hausarbeit, Erziehung, Fürsorge für Kinder und Alte immer weniger wertgeschätzt wird, wir müssen selbst damit anfangen, diesen Tätigkeiten und diesen Lebensabschnitten mehr Anerkennung zu geben. Wenn ich mit meinem Kind spreche oder spiele, kann ich nicht gleichzeitig mit meiner Freundin telefonieren.  Viele weitere Beispiele ließen sich finden. Mehr Aufmerksamkeit und Zeit für das, was ich gerade tue, eine gute Organisation, die sich nicht dauernd ablenken lässt von Larifari, Präsenz im ganzheitlichen Sinne – das ist die Aufgabe von Vätern und Müttern.

Mit gutem Beispiel vorangehen und die politisch und gesellschaftlich nötigen Reformen nicht aus den Augen verlieren – so kann Familie vielleicht, verändert zwar und den neuen Rollenverständnissen angepasst, wieder zu dem Ort einer menschlichen Entwicklung werden, wie ihn  die Evolution offenbar vorgesehen hat. 



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