Nachts am Askanischen Platz

von Susanne Goga 
4,4 Sterne bei16 Bewertungen
Nachts am Askanischen Platz
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

L

ich mag diese Reihe sehr!

SalanderLisbeths avatar

Gut recherchierter, historischer und fesselnder Kriminalroman der goldenen 20er Jahre in Berlin

Alle 16 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Nachts am Askanischen Platz"

Das Cabaret des Bösen
Berlin im Januar 1928: Ein Toter wird in einem Schuppen im Hinterhof des Askanischen Gymnasiums gefunden. Direkt daneben befindet sich das Varieté- und Sensationstheater »Das Cabaret des Bösen«, dessen Besitzer seine aus dem Krieg stammenden Gesichtsverletzungen offensiv zur Schau stellt. Vor dem Fund der Leiche wurde eine verstörte junge Russin am Theater gesehen, auf der Suche nach einem gewissen »Fjodor«. Liegt der Schlüssel zu den mysteriösen Vorkommnissen um das Cabaret im Scheunenviertel, wo russische Emigranten in beengten Verhältnissen leben? Einmal mehr lernt Leo Wechsler bei seinen Ermittlungen unbekannte Gesichter seiner Stadt kennen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423217132
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:09.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,4 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne9
  • 4 Sterne5
  • 3 Sterne2
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    SalanderLisbeths avatar
    SalanderLisbethvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Gut recherchierter, historischer und fesselnder Kriminalroman der goldenen 20er Jahre in Berlin
    Der Tote auf dem Schulgelände

    Man hatte den Toten auf den Schulhof getragen, auf eine Plane gelegt und bis zum Kinn zugedeckt. Leo war bewusst, dass der eine oder andere schockiert sein würde – die Sekretärin wurde als Erste gerufen, damit sie es rasch hinter sich bringen würde. Ein Schupo stand bereit, um ihr im Falle einer Ohnmacht beizustehen. (Auszug Seite 46)

     

    Der Tote auf dem Schulgelände

    Das Berlin der goldenen 1920er Jahre bildet die Kulisse für Susanne Gogas Serie um den Kriminalkommissar Leo Wechsler. In dem sechsten Teil der Reihe ermittelt die Polizei im Falle eines unbekannten Toten, der auf einem Schulgelände entdeckt wird. Der schäbig gekleidete Mann, der im Geräteschuppen des Berliner Gymnasiums im Januar 1928 erwürgt aufgefunden wird, kann erst mal nicht identifiziert werden. Bei der Obduktion wird festgestellt, dass der Leichnam diverse Narben, Brüche und eine verheilte Schusswunde aufweist. Diese Merkmale sowie der unterernährte Zustand deuten auf Kriegsverletzungen hin. Viele ehemalige Soldaten waren nach dem 1. Weltkrieg in Gefangenschaft geraten und danach traumatisiert nicht mehr auf die Beine gekommen.

    Für Leo Wechsler und seine Kollegen Robert Walther und Jacob Sonnenschein gestalten sich die Recherchen mühsam. Einziger Hinweis ist eine russisch sprechende, hilflos wirkende Frau. Diese hatte einige Tage zuvor verzweifelt in dem neben der Schule befindlichen Theater nach ihrem Verlobten, einem Mann namens Fjodor, gesucht.


    Das Cabaret des Bösen

    Der Fokus der Ermittlungen richtet sich nun auf das Varieté-Theater, in dem Schauerstücke aufgeführt werden. Das „Cabaret des Bösen“ ist ein Grusel- und Horrortheater, zurückgehend auf ein Pariser Vorbild und bietet ein besonders makabres Unterhaltungsprogramm. Den leicht anrüchigen Ruf verstärkt das Aussehen des Theaterdirektor Louis Lemasque noch. Dieser charismatische wie zwielichtige Mann versteckt sein durch eine Kriegsverletzung grausam entstelltes Gesicht nicht durch eine Maske oder einen Bart.

    Die Suche nach der mysteriösen Russin führt unter anderem in eine Barackensiedlung am Tempelhofer Feld, wo russische Flüchtlinge unter einfachen Verhältnissen untergebracht sind und zum Schlesischen Bahnhof, wo sich eine Anlaufstelle für jüdische Flüchtlinge aus dem Osten befindet.

    Wechsler will einer Spur nach Stuttgart nachgehen und lässt sich von Kriminalkommissar Ernst Gennat die für die damalige Zeit nicht alltägliche Dienstreise per Zug genehmigen. Der engagierte Oberkommissar ist sehr eingespannt und hat wenig Zeit für sein Privatleben. Trotzdem spürt er, dass sein halbwüchsiger Sohn Georg sich von ihm entfernt. Aber erst durch die Beobachtungen seiner Frau Clara kommt raus, dass Georg seit einiger Zeit heimlich und hinter dem Rücken seiner Familie mit der Hitlerjugend sympathisiert.

    Mit der Figur des Oberkommissars Leo Wechsler ist der Autorin ein sympathischer, integrer sowie feinfühliger Charakter gelungen. Der intelligente Leo ist bei seinen Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen beliebt und angesehen. Er handelt überlegt und behält auch in Problemsituationen, wie die mit seinem Sohn, die Nerven und reagiert meistens souverän. Der ehemalige Witwer mit zwei Kindern ist wieder sehr glücklich in zweiter Ehe mit der Buchhändlerin Clara verheiratet. Abgründe sucht man hier vergeblich. Mir ist er ein bisschen zu glatt gelungen, aber trotzdem hat er das Zeug zum beliebten Serienermittler, von dem ich gerne in weiteren Fällen lesen würde.

    Susanne Goga hat in einem angenehmen, emphatischen und sehr flüssigen Schreibstil einen vielschichtigen Krimiplot mit viel klassischer Detektivarbeit erschaffen, der durchaus zu unterhalten und zu fesseln vermag. Aus dem Thema des gruseligen Horrortheaters hätte man vielleicht mehr machen können. Nach einem ziemlich makabren Prolog ist davon nicht mehr viel zu spüren. Der Krimi endet in einem spannenden Showdown und hätte vielleicht noch die eine oder andere Wendung vertragen.


    Nasenjoseph

    Susanne Goga hat akribisch recherchiert und die Atmosphäre im Berlin der 1920er Jahre hervorragend und präzise dargestellt. Noch geht es einigermaßen friedlich zu, doch die ersten Anzeichen der Nationalsozialisten tauchen am Horizont auf. Goga thematisiert unter anderem die Schicksale der Kriegsversehrten und arbeitet auch einige historisch belegte Charaktere ein, wie den Schönheitschirurg Professor Jacques Joseph. Der als Nasenjoseph bekannt gewordene plastische Chirurg war äußerst erfolgreich auf dem Gebiet der Gesichtsrekonstruktionen an oft grausam entstellten Kriegsverletzten. Auch der schon zu Lebzeiten zur Legende gewordene Kriminalrat Ernst Gennat darf hier nicht fehlen. Der schwergewichtige Buddha vom Alexanderplatz gilt als Wegbereiter der modernen Polizeiarbeit. Informativ fand ich den im Anhang gegebenen Überblick über die im Roman auftauchenden real existierenden, historischen Persönlichkeiten.


    Fazit

    Es wundert nicht, dass es mittlerweile eine ganze Anzahl von Krimis gibt, die in Berlin in dieser brisanten Zeit spielen. Berlin war damals eine der bedeutendsten Metropolen Europas mit einer immensen Anziehungskraft. Ich kann „Nachts am Askanischen Platz“ nur jedem empfehlen, der Interesse an dieser vielfältigen Epoche hat. Die Einbindung des historischen Kontextes gelingt der Autorin perfekt ohne zu plakativ zu wirken. Die Darstellung der damaligen Lebensverhältnissen fügt sich homogen in den Krimiplot ein, ohne dass historische Fakten aufgedrängt werden. Goga versteht es, Zeitgeschichte geschickt mit einem Kriminalfall zu verknüpfen, auch wenn ich das an anderer Stelle schon mal schillernder gelesen habe.


    Susanne Goga

    Benedict Cumberbatch wäre ihre Traumbesetzung für die Figur des Leo Wechsler. Das verriet die in Mönchengladbach lebende Autorin und freie literarische Übersetzerin. Für ihre historischen Romane wurde sie mit diversen Preisen ausgezeichnet. Am Berlin der Weimarer Zeit fasziniert sie, dass sich dort alle guten und schlechten Entwicklungen dieser Jahre potenzierten. Für das nötige Lokalkolorit ihrer Milieuschilderungen wälzte sie Fotobände, alte Telefonbücher und Stadtpläne und erkundigte sich bei Polizeiexperten sowie Historikern.

    Kommentieren0
    22
    Teilen
    twentytwos avatar
    twentytwovor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein beeindruckender historischer Roman – nicht nur für Krimifans.
    Nachts am Askanischen Platz

    Für Oberkommissar Leo Wechsler wird der zufällige Leichenfund im Geräteschuppen eines Berliner Gymnasiums sehr schnell zu einem Fall, der ihm und seinem Team unter die Haut geht. Obwohl sie kaum einen Anhaltspunkt haben, scheint es ihnen gelungen zu sei,n die Identität des Mannes zu klären. Aber dann lassen kurz darauf weitere Ermittlungsergebnisse vermuten, dass sie sich schwer getäuscht haben und sie wieder am Anfang stehen.

    Fazit
    Eine einfühlsame Geschichte, die sehr beeindruckend, ein zeitgeschichtlich interessantes Bild Berlins am Ende der zwanziger Jahre nachzeichnet.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    S
    Streifivor 7 Monaten
    Leo Wechsler ermittelt wieder

    Berlin 1928. In einem Schuppen am Askanischen Gymnasium wird ein Toter gefunden. Nichts deutet auf seine Identität hin, aber wurde ermordet. So beginnen Leo Wechsler und seine Kollegen mit den Ermittlungen. Diese führen sie unter anderem auch zu einem Theater, das direkt neben dem Gymnasium liegt, das Cabaret des Bösen.
    Stück für Stück hangeln sich die Kollegen von Hinweis zu Hinweis und machen dabei die Lebensgefährtin des Ermordeten ausfindig. Allerdings führt dies zu noch mehr Verwirrung, stammt sie doch aus der Ukraine und kennt den Nachnamen ihres Gefährten nicht. Nach und nach enthüllt sich eine Geschichte, deren Anfänge im ersten Weltkrieg nahmen.

    Dabei verschafft uns Susanne Goga Einblicke in die russische Gesellschaft Berlins in den Zwanzigern, in die Anfänge der plastischen Chirurgie und nicht zuletzt in das Leiden deutscher Kriegsgefangener im ersten Weltkrieg in Russland.
    Und auch die Zeitgeschichte kommt nicht zu kurz. Georg, Leos Sohn ist heimlich der HJ beigetreten. Dies und vieles andere erinnert uns daran, was am Horizont dräut. Aber noch kann Jakob Sonnenschein seine freien Nachmittage mit Frau und Kind im Park geniessen und auf eine Beförderung hoffen.

    In diesem Fall statt die Fußarbeit des Ermittelns stark im Vordergrund. Hier wird noch viel befragt, Amtshilfe aus Stuttgart kann zwar telefonisch angefordert werden, aber das Reisen dauert noch sehr lange und das andere Ende von Deutschland muss noch persönlich aufgesucht werden. Forensische Beweise spielen in diesem Fall so gut wie gar keine Bedeutung. Mir hat diese "altmodische" Art zu ermitteln viel Spass gemacht, fordert es doch auch den Leser heraus, sich seine Gedanken zum Geschehenen zu machen.
    Mir hat dieses Buch wieder sehr gut gefallen und ich hoffe doch auf weitere Fälle für Leo und seine Kollegen. Auch wenn die Zeiten sicher immer unangenehmer für sie werden wird.

    Für mich war dieses Buch wieder einmal eines meiner Jahreshighlights!

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    odenwaldcolliess avatar
    odenwaldcolliesvor 8 Monaten
    Sechster Fall für den sympathischen Berliner Kommissar Leo Wechsler

    Berlin 1928: auf dem Gelände des Askanischen Gymnasiums wird ein unbekannter Toter gefunden. Die Mordkommission Berlin sucht unter der Führung von Leo Wechsler nach der Identität des Toten und den Hintergründen für die Tat. Hat es etwas zu bedeuten, dass es in der Nähe des Fundorts eine Verbindungstür zum Nachbargelände gibt, auf dem sich das Cabaret des Bösen befindet, ein Theater mit einem skurrilen Unterhaltungsangebot? Während Leo voll in seiner Arbeit eingespannt ist, sympathisiert sein Sohn Georg zunehmend mit der Hitlerjugend und der erstarkenden SA.


    Auch der sechste Band um Leo Wechsler hat nichts von dem Charme der von mir lieb gewonnenen Krimireihe aus den 1920er Jahren verloren. Der Prolog beginnt direkt ziemlich gruslig und schockierend, aber nach den ersten Seiten der Haupthandlung machte sich bei mir diesbezüglich etwas Erleichterung breit – aber ist diese Erleichterung berechtigt?


    Die Suche nach der Identität des Ermordeten war knifflig und es war interessant zu erfahren, welche Mittel in der damaligen Zeit zur Verfügung standen, um unbekannten Toten einen Namen zu geben. Gespannt war ich auch auf die Vergangenheit des Toten, die zwischen den Zeilen immer wieder anklang. Nachdem seine Identität gelüftet werden konnte, hatte ich zwar eine Ahnung, aber Motiv und Hintergründe lagen für mich lange Zeit im Dunkeln.


    Genauso interessant wie die Ermittlungen empfinde ich jedoch auch das familiäre Geschehen von Leo. Es ist einfach immer wieder schön, wie gut er mit seiner Frau Clara harmoniert, die – selber berufstätig – vollstes Verständnis dafür hat, wenn die Arbeit ihres Mannes mal wieder viel Raum und Zeit einnimmt.

    Jedoch entfremdet sich Georg zunehmend von der Familie, da er durch seinen Freund Wolfgang zunehmend Kontakt zur SA und HJ bekommt. Da er weiß, wie sein Vater darüber denkt, versucht er es, vor ihm zu verheimlichen. Leo spürt, dass etwas mit seinem Sohn nicht stimmt, schiebt aber ein Gespräch auf die lange Bank, dabei wäre es allerhöchste Zeit, dass die beiden miteinander reden, aber kann Leo seinen Sohn überhaupt noch erreichen?


    Eine historische Nebenfigur hat mich in dem Roman am meisten beeindruckt: Dr. Jacques Joseph, auch Nasenjoseph genannt, der ein wahrer Künstler und Meister der Wiederherstellungschirurgie war und zu seiner Zeit Meilensteine gesetzt hat. Das, was wir im Buch über ihn erfahren, hat mich neugierig gemacht und so bin ich gerne der Aufforderung der Autorin gefolgt, im Internet auf weitere Spurensuche zu gehen – es lohnt sich.


    Susanne Goga gelingt es auch diesmal wieder, die Atmosphäre der damaligen Zeit durch ihre gründlichen Recherchen einzufangen und sie in einen unterhaltsamen Kriminalroman zu verpacken. Ich freue mich jetzt schon sehr auf den siebten Fall des Leo Wechsler.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Matzbachs avatar
    Matzbachvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Erneut ein überzeugender Leo Wechsler-Roman
    Der Krieg ist für die davon Betroffenen nie vorbei

    In seinem neuen Fall bekommt es Kommissar Leo Wechsler mit einem unbekannten Toten zu tun, der im Geräteschuppen eines Gymnasiums gefunden wird. Zunächst gilt es, die Identität zu klären, was sich als nicht ganz einfach erweist, doch Zeugen können zumindest darauf verweisen, dass der Tote auf der Such nach dem "Cabaret des Bösen" war, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule befindet. Dieses Cabaret stellt sich als Theater allerhand denkbarer Scheußlichkeiten heraus, dass dem wohlhabenden Publikum einen wohligen Schauer verschaffen soll, auf neudeutsch würde man sagen, eine Freakshow. Der Inhaber ist ein durch den Krieg im Gesicht gezeichneter Veteran, der aus der Not eine Tugend macht und sich selbst ebenfalls "ausstellt". Doch was hat das Cabaret mit dem Toten zu tun. Erst das Auffinden von dessen Lebensgefährtin verhilft Leo Wechsler zum Durchbruch in dem Fall, der seine weit zurückliegenden Wurzeln an der Ostfront im Ersten Weltkrieg hat.

    Neben dem Fall fasziniert die Darstellung der Schrecken/der Folgen des Krieges. Abertausende von Menschen verloren durch den Krieg ihr Gesicht und waren für den Rest ihres Lebens gezeichnet. Wer es mag und aushält, sollte sich deshalb mal die in Ernst Friedrichs Fotobuch "Krieg dem Kriege" aus dem Jahr 1924 Portraits sogenannter "Kriegskrüppel" ansehen.

    Weiterhin wird die im Vorgängerroman bereits angedeutete Nebenhandlung, dass Leo seinen Sohn an die erstarkenden Nationalsozialisten verliert, weiter fortgesponnen und schein zu einem versöhnlichem Ende zu kommen, was mir aber ein wenig zu harmonisch vorkommt.


    Kommentieren0
    13
    Teilen
    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor 8 Monaten
    Das Cabaret des Bösen

    1928 wird in Berlin ein Toter in einem Schuppen im Hinterhof des Askanischen Gymnasiums gefunden. Dort befindet sich auch „Das Cabaret des Bösen“, ein Ort, der den Menschen ein besonderes, wenn auch sehr schauriges Vergnügen bereitet. Dieses Theater wird von Louis Lamasque betrieben, der durch den Krieg eine Gesichtsverletzung erlitten hat, die er aber offen zur Schau stellt. Bevor die Leiche entdeckt wurde, suchte eine junge Russin einen Fjodor. Es ist keine leichte Ermittlung für Leo Wechsler und seine Kollegen, denn erst einmal müssen sie die Identität des Toten feststellen.

    „Nachts am Askanischen Platz“ ist bereits der sechste Fall für Leo Wechsler. Man kann das Buch aber problemlos lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen.

    Leo Wechsler ist ein sympathischer Kommissar mit einem guten Gespür für Menschen und Situationen. Auch wenn es schwierig wird, gibt er nicht auf, und er verlässt sich gerne auch mal auf sein Bauchgefühl. Bei diesen Ermittlungen gibt es auch eine Reihe von Indizien, aber keine Beweise, doch Wechsler hat eine Ahnung. Zum Glück weiß Gennat den Kommissar zu schätzen und ermöglich ihm, bei einer Reise neue Spuren zu suchen.

    Da Leo durch den Fall so sehr eingespannt ist, bemerkt er nicht, was in seinem Sohn Georg vorgeht. Immer wieder verschiebt er das Gespräch mit seinem Sohn und Georg fühlt sich auch nicht so recht wohl in seiner Haut. Doch nachdem Leos Frau Clara etwas beobachtet, gibt es keinen Aufschub mehr. Es ist toll, wie Leo auf seinen Sohn zugeht, aber es ist auch nicht ungefährlich.

    Es gibt eine ganze Reihe interessanter Charaktere, die zum Teil historische belegt sind. Besonders interessant finde ich den Chirurgen Jacques Joseph, der als „Nasenjoseph“ bekannt war, da er sehr vielen Kriegsverletzten zu einem neuen Gesicht verholfen hat. Aber auch Leos Kollegen möchte ich nicht unerwähnt lassen, die mit Mitteln, die wir uns heute nicht mehr vorstellen wollen, beachtliche Ermittlungsergebnisse erzielen. Besonders mochte ich Jakob Sonnenschein, der in zwei so unterschiedlichen Welten lebt und daher Dinge herausfindet, die anderen verborgen geblieben wären.

    Die Atmosphäre im Berlin der Zwanziger Jahre ist sehr gut dargestellt. Noch geht es einigermaßen friedlich zu, doch man spürt schon, was da auf die Menschen in Deutschland zukommt.

    Der Schreibstil von Susanne Goga gefällt mir sehr. Sie hat ein Stück Zeitgeschichte geschickt mit einem Kriminalfall verknüpft. Ich kann dieses spannende Buch nur empfehlen.

     

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor 8 Monaten
    Leo Wechsler ermittelt

    Im Berlin der 1920er Jahre tickten die Uhren ein wenig anders, als sie dies heute tun. Es war die Blütezeit der Weimarer Republik, falls es eine solche überhaupt gab: denn es herrschten schwierige Zeiten: viele politische Strömungen liefen parallel, gerade die Extreme: die Nationalsozialisten und die Kommunisten bekriegten sich regelmäßig, doch auch in der Regierung gab es keine Partei, die sich längerfristig durchsetzen konnte.


    In dieser Zeit treffen wir auf Kommissar Leo Wechsler und seine Familie, die sich mit den Sorgen des Alltags herumzuschlagen haben. Inzwischen ist es eher die politische Instabilität, die der Familie zu schaffen macht - die Wirtschaftskrise macht zumindest den Hauptstädtern nicht mehr ganz so schwer zu schaffen, wie zu Beginn der 1920er Jahre. Doch man genießt auch eine gewisse Freiheit bspw. in Bezug auf das kulturelle Leben in der Stadt, das in Berlin um Längen fortschrittlicher war als in jeder anderen deutschen Stadt - auch wenn man sich allerorts Mühe gab. Gerade auch im kulturellen Bereich boten sich Vergnügungen der eher ungewöhnlichen Art wie bspw das "Kabarett des Bösen", dass schaurige Vergnügungen für Mann und Frau bietet, in der Nähe des Askanischen Platzes. Und des anliegenden Gymnasiums. Beide Einrichtungen werden alsbald in Zusammenhang mit einem Mordfall gebracht, dessen Opfer jedoch nicht identifiziert werden kann. Doch alsbald können Verbindungen zur Sowjetunion hergestellt werden. Kommissar Wechsler und sein Team ermitteln unter russischen Exilanten ebenso wie unter Schülern und Mitarbeitern des Askanischen Gymnasiums.


    Susanne Goga entführt ihre Leser tief ins Berlin der 1920er: Sie hat wie immer akribisch recherchiert und wartet neben ihrem mitreißenden Schreibstil auch mit interessanten Fakten auf, die diesmal weit über die Grenzen Berlins hinaus reichen. Ein wirklich tolles Buch, das ich - wie alle vorherigen dieser Reihe - mit großem Genuss gelesen habe. Eine der besten deutschen historischen Krimireihen, wenn nicht gar die beste - ich empfehle sie von ganzem Herzen und zwar nicht nur Freunden historischer Romane und auch nicht nur Krimifreunden: diese Reihe ist etwas für jeden Leser, der gern mal etwas Spannendes, Unterhaltsames und Hochwertiges liest!

    Kommentare: 1
    6
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein unbedingt lesenswerter Krimi, toll recherchiert und genial konstruiert.
    Ein genial konstruierter Kriminalfall

    Inhalt: Januar 1928: In einem Schuppen auf dem Gelände des Askanischen Gymnasiums in Berlin wird eine Leiche gefunden. Es ist ein Mann, der erwürgt worden ist. Nebenan ist ein Sensationstheater, „Das Cabaret des Bösen“, in dem ein gruseliges Programm dargeboten wird. Dort werden Hinrichtungen und chirurgische Eingriffe täuschend echt dargestellt. Der Betreiber des Theaters nennt sich Louis Lamasque und passt durch eine entstellende Kriegsverletzung sehr gut zu seinem Programm. Eine junge Frau, die kein deutsch spricht, fragt gerade bei diesem Theater nach ihrem vermissten Verlobten. Ein verzwickter Fall für Leo Wechsler und sein Kollegen, den sie mit Bravour lösen. Meine Meinung: „Nachts am Askanischen Platz“ ist der sechste Fall für Leo Wechsler. Man kann ihn aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist. Für mich war es der das erste Buch der Autorin und ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert. Der aktuelle Mordfall hat seinen Ursprung in der Zeit des ersten Weltkriegs. Der Roman spielt im Berlin der 20er Jahre und ist äußerst gut recherchiert. Es treten historische Persönlichkeiten auf, z.B. der plastische Chirurg Jacques Joseph, der als „Nasenjoseph“ in die Geschichte einging, da er unzähligen Kriegsversehrten zu einem neuen Gesicht verholfen hat. Auch das Leben vieler Flüchtlinge wird beleuchtet und der Leser erfährt einiges über die jüdischen Bewohner Berlins, zu denen auch Leos Kollege Jakob Sonnenschein gehört. Die Nationalsozialisten werfen allmählich ihre Schatten voraus, wir kommen leider auch mit der Hitlerjugend in Berührung. Die Ermittlungen in diesem Mordfall sind äußerst kompliziert. Der Tote ist nicht identifiziert und die einzige Person, die ihn vermisst, ist eine Frau, die kein deutsch spricht. Die Recherchearbeit ist mühsam, da man ja Ende der 20er Jahre weit entfernt ist von Google, Smartphone und eigenem Dienstwagen. Die Personen sind allesamt authentisch und sehr detailliert gezeichnet. Besonders gefallen hat mir das Ehepaar Leo und Clara Wechsler, die liebevoll und einfühlsam miteinander umgehen. Probleme mit dem Sohn lösen sie ohne Gewalt und Geschrei. Aber auch die Kollegen haben mich überzeugt. Jakob Sonnenschein macht seinem Namen alle Ehre, er ist ein Sympathieträger. Das Team arbeitet perfekt zusammen und so können sie letztendlich den verzwickten Fall lösen. Fazit Ein genial konstruierter, sehr gut recherchierter Kriminalfall, auch für Leser ohne Vorkenntnisse der Reihe uneingeschränkt empfehlenswert!

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Katjuschkas avatar
    Katjuschkavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein neuer, spannender Fall für Leo Wechsler!
    Historischer Berlin-Krimi

    Kommissar Leo Wechsler ermittelt wieder im historischen Berlin in den 1920er Jahren.
    Diesmal geht es um einen unbekannten Toten auf einem Schulgelände, und um das in unmittelbarer Nähe angesiedelte Theater "Das Cabaret des Bösen".
    Der Fall erweist sich als schwierig - wer ist das Opfer? Was geht im Theater vor sich? Und was wissen und verschweigen die Schüler?
    Der sympathische Kommissar wird auch hier wieder tatkräftig von seinem Team unterstützt, allen voran der ruhige und besonnene Jude Jakob Sonnenschein!
    Hinweise zu Opfer und Motiv scheinen in der Vergangenheit zu liegen und als sich die Lösung anbahnt wird es plötzlich gefährlich!
    Aber auch in der Familie Wechsler geht es turbulent zu, denn Sohn Georg scheint mit der HJ zu sympathisieren. 

    Auch wenn "Nachts am Askanischen Platz" der mittlerweile sechste Roman der Reihe ist, kann er aber trotzdem sehr gut allein gelesen werden.

    Die Protagonisten sind allesamt sehr realistisch dargestellt.
    Ihre Handlungen und Äußerungen sind dem zeitlichen Rahmen perfekt angepasst. Auch die Beschreibung der Polizeiarbeit zeugt von einer akribischen historischen Recherche und erzeugt ein wunderbares s/w-Kopfkino im Stil alter Kriminalfilme.
    Das Miträtseln ist für den Leser wieder sehr spannend. Und auch wenn man einen Verdächtigen ausgemacht hat, ist die finale Auflösung eine kleine Überraschung.
    Sehr gut gefallen hat mir, dass auch die vermeintlichen "Nebenfiguren" ein wichtiger Teil des Buches sind und zum  stimmigen Gesamteindruck beitragen.

    Es handelt sich hier um einen Krimi und der Mord steht natürlich im Vordergrund der Handlung. Aber eingebettet in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, liest sich der Roman auch ein klein wenig wie ein Stück Zeitgeschichte.

    Da ich die Vorgänger alle mit Freude gelesen hatte, war es wieder wie ein Treffen mit guten alten Freunden.
    Ich freue mich auf hoffentlich noch viele weitere Leo Wechsler - Bücher der sympathischen Autorin Susanne Goga.

    Kommentieren0
    69
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Monaten
    absolut lesenwert

    Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler hat sie mehrere historische Romane veröffentlicht und wurde mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet.​ Quelle Amazon


    Berlin im Januar 1928: Ein Toter wird in einem Schuppen im Hinterhof des Askanischen Gymnasiums gefunden. Direkt daneben befindet sich das Varieté- und Sensationstheater »Das Cabaret des Bösen«, dessen Besitzer seine aus dem Krieg stammenden Gesichtsverletzungen offensiv zur Schau stellt. Vor dem Fund der Leiche wurde eine verstörte junge Russin am Theater gesehen, auf der Suche nach einem gewissen »Fjodor«. Liegt der Schlüssel zu den mysteriösen Vorkommnissen um das Cabaret im Scheunenviertel, wo russische Emigranten in beengten Verhältnissen leben? Einmal mehr lernt Leo Wechsler bei seinen Ermittlungen unbekannte Gesichter seiner Stadt kennen.


    Meine Meinung:


    Dies ist bereits der sechste Band der Reihe um Leo Wechsler, man muss aber meiner Meinung nach die Vorgänger nicht zwangsläufig gelesen habe. Man kommt auch so super rein in die Geschichte. Der Krimi spielt  nicht in unserer Zeit sondern um das Jahr 1920 herum. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben, das Buch auf die damalige Zeit zuzuschneiden. Es geht auch nicht nur um diesen Mordfall, sondern auch um die Familie von Leo. Und um das Thema Nationalsozialismus, denn auch der Sohn des Kommissars wird dazu verleitet, der Hitlerjugend beizutreten. Und auch ein Kollege von Leo ist ja Jude und befindet sich damit auch immer in Gefahr.Der Mord an sich ist rätselhaft und spannend verarbeitet, bis ganz zum Schluss erwarten einen hier immer wieder Überraschungen.Besonders interessant fand ich die damalige Ermittlungsarbeit,es gab keinen Computer und kein Internet, Recherche war nur mühsam vor Ort zu erledigen und man musste extrem viel Zeit in irgendwelchen Archiven von Zeitungen z.B verbringen.

    Der Krimi beschreibt toll diese Recherchen und wie wichtig es ist im Team zu arbeiten, es ist aber kein blutiger Thriller, wo es ums Abschlachten oder Serienmord geht.

    Trotzdem wird man tief in das Buch eingesaugt und kann es kaum aus der Hand legen. 


    Ein absolut empfehlenswertes Buch !!

    Kommentieren0
    1
    Teilen

    Ähnliche Bücher für noch mehr Lesestunden

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks