„Wie immer unverhofft“ hat mich leider mit recht gemischten Gefühlen zurückgelassen. Die Anthologie versammelt 19 höchst verschiedene Geschichten, die zwar alle etwas mit Weihnachten zu tun haben, das Thema jedoch stilistisch wie auch inhaltlich auf sehr unterschiedliche Weise aufgreifen. Unter den Autor*innen finden sich bekannte Namen wie Maxim Biller oder Annett Gröschner, was meine Erwartungen zunächst eher beflügelt hat.
Der Einstieg ist auch wirklich vielversprechend: Gleich die erste Geschichte hat mich bestens unterhalten. Hier wird von einer Familie erzählt, die ein ausgesprochen originelles Geschäftsmodell entwickelt – Menschen, die an Weihnachten nicht allein sein wollen, können sich bei ihnen die „ideale Familie“ mieten. Das Ganze ist witzig-skurril beschrieben, wird auf die Spitze getrieben und hat mich sofort neugierig auf den Rest der Sammlung gemacht.
Und tatsächlich präsentieren einige der weiteren Texte interessante Perspektiven: Manche schildern Menschen am Rande der Gesellschaft, auf der Suche nach einem kleinen Funken Glück oder bereits in verzweifelten Lebenssituationen. Ich dachte zunächst: eine gute, abwechslungsreiche Mischung, auch literarisch durchaus anspruchsvoll.
Doch etwa ab der zweiten Hälfte verlor mich das Buch zunehmend. Der Schreibstil einiger Geschichten sagte mir schlicht nicht zu, oder ich hatte gar das Gefühl, überhaupt nicht zu verstehen, was mir der/die jeweilige Autor*in eigentlich sagen wollte. Die letzte Geschichte war für mich schließlich die „Krönung“ – leider im negativen Sinn: eine Art Mischung aus Splatter-Movie und drogeninduziertem Horrortrip, die für mich so gar nicht in eine Sammlung von Weihnachtsgeschichten passt.
Insgesamt hinterlässt „Wie immer unverhofft“ bei mir ein zwiespältiges Gefühl: ein starker Beginn und einige überzeugende Beiträge, aber auch einiges, das für meinen Geschmack zu belanglos, zu düster oder schlicht unzugänglich geraten ist.












