Susanne Jung , Nataly Bleuel Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen

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Inhaltsangabe zu „Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen“ von Susanne Jung

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  • Ein Buch, das ich gerne weiterempfehle

    Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen

    Ati

    12. May 2013 um 14:42

    Obwohl er unabdingbar zum Leben dazugehört, befassen sich die Wenigsten von uns ernsthaft mit dem Tod. Er wird tabuisiert und verdrängt, obwohl er uns ohne Ausnahme bevorsteht. Vermutlich einer der Gründe, warum er die Hinterbliebenen immer wieder besonders schmerzhaft trifft und so manchen aus der Bahn wirft. Susanne Jung schreibt über den Tod und das Thema Abschied nehmen. Der Schutzumschlag des Buches ist schlicht gehalten. Er zeigt ein weißes Kissen auf weißem Grund, eine einzelne rote Rose. Friedlich und liebevoll wirkt dieses bescheidene Motiv und steht damit eigentlich im krassen Kontrast zum Thema an sich. Immerhin wird durch den Tod eine Person aus unserem Leben gerissen; für so manchen bricht dadurch eine Welt zusammen. Andere sind erleichtert, weil eventuell ein langer Leidensweg beendet wurde. Doch egal ob so oder so, ohne einen adäquaten Abschied fällt die eigentliche Trauerarbeit schwer. Ohne Akzeptanz ist sie unmöglich. Ebenso schlicht wie das Umschlagmotiv ist der Schreibstil der Autorin. Das allerdings nur im Sinne von sehr gut nachvollziehbar, denn tatsächlich vermittelt Susanne Jung den Inhalt ihres Buches auf niveauvolle Art. Sie gestaltet ihn sehr praxisbezogen. Nicht unbedingt philosophisch-anspruchsvoll, dafür aber ebenso anrührend wie achtungsvoll, verständnisvoll wie kritisch. Denn die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Nicht nur, weil sie selbst mehr als einen schmerzhaften Verlust erlitt. Auch weil sie einen Beruf ausübt, der nicht ganz gewöhnlich ist. Ursprünglich lernte sie, wie man Bilderrahmen vergoldet. Über eine ehrenamtliche Sterbebegleitung kam sie im Laufe der Jahre jedoch in ein Bestattungsinstitut. Was sie dort erlebte, war nicht das, was sie sich unter einem würdigen Abschied vorstellte. Und so machte sie sich einige Jahre danach als Bestatterin selbstständig. Von ihren eigenen Erfahrungen mit den Themen Sterben und Abschied, über ihren Umgang damit, erfahren LeserInnen eingangs des Buches. Offen erzählt Jung von Erlebnissen und Verlusten, jahrelanger Verdrängung und Trauerbewältigung. Nach ihren Ausführungen dazu, wie sie Bestatterin wurde, widmet sie sich dann Todesfällen, die andere erlebt haben. Sie schreibt vom Abschied von einem Kind, das nie leben durfte. Von einem Jugendlichen, der sich das Leben nahm. Von einem Mann, der durch seinen letzten Willen seiner Witwe fast die Möglichkeit zum Abschiednehmen nahm. Von einem Witwer, der innerlich mit seiner Frau starb. Von einer Organspenderin. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Jungs Erfahrungsschatz, der mittlerweile über 800 Bestattungen umfasst, die aber natürlich nicht alle in dem Buch erwähnt werden. Was jedoch erwähnt wird, sind bürokratische Hürden, die es nicht nur im Rahmen individuell gestalteter Bestattungen zu nehmen gilt. Unaussprechliches, das ausgesprochen werden sollte. Gefühle, die zugelassen werden sollten. Und Jungs Wünsche für Veränderungen der hierzulande geläufigen Sterbe- und Bestattungskultur. Einfühlsam geht sie auf den Unterschied zwischen Verstorbenen und Toten ein. Das mag für den einen oder anderen seltsam klingen. Dass es ihn tatsächlich gibt, weiß ich jedoch aus eigener Erfahrung und kann nur bejahen, was die Autorin dazu schreibt. Ihre Überlegungen, warum der Tod in den letzten Jahrzehnten dermaßen distanziert in Angriff genommen und zunehmend tabuisiert wurde, sind nachvollziehbar logisch. Jung hebt hervor, wie wichtig es ist, die Möglichkeit für einen bewussten Abschied anzubieten, unterstreicht aber auch die Bedeutsamkeit, diese Möglichkeiten als Betroffener zu nutzen. Ihre Anschauung des Lebens und (untrennbar damit verbunden) des Lebensendes vermittelt sie, trotz der Omnipräsenz des Todes, ebenso sensibel wie sachlich und durch alle kurzen Kapitel hindurch durchweg lebendig. Empathisch und unaufgeregt offenbart sich so Stück für Stück eine versöhnliche Fürsprache für ihn, mehr jedoch noch für das bewusste Leben. Fazit: Besser leben mit dem Tod oder Wie ich lernte Abschied zu nehmen ist ein sehr persönliches Buch, das ich gerne weiterempfehle und für das ich die volle Punktzahl vergebe. Es wirkt tröstlich und informativ. Nicht nur für diejenigen, die gerade selbst einen Todesfall beklagen, sondern auch für jene, die sich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen. Dass Susanne Jung tatsächlich mehr als eine konventionelle Bestatterin ist, durfte ich beim Abschied eines Freundes erleben. So sensibel, wie sie dabei die Hinterbliebenen begleitete und tröstete, so vermittelt sie in ihrem Buch tatsächlich, dass Abschied nehmen gelernt sein will und man besser lebt, wenn man den Tod nicht verdrängt - einfach weil er zu unserem Leben gehört.   Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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  • Ein sehr persönliches Buch

    Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen

    WinfriedStanzick

    23. April 2013 um 10:31

      Dieses Buch der hauptberuflichen Bestatterin Susanne Jung darf man vom Titel her nicht mit einer philosophisch- theologischen Abhandlung verwechseln. Darum geht es ihr nicht.  Sie will in einer einfachen, sehr verständlichen und den Leser einladenden persönlichen Sprache erzählen von ihrem Lebensweg und ihrer Weggemeinschaft mit dem Tod.   Neben der interessanten Lebensgeschichte (ich habe in meinem Berufsleben viele unterschiedliche Bestatter kennen gelernt, keinen aber wirklich gekannt) kann der für die Fragestellung offene Leser eine Fülle von Gedanken und Anregungen mitnehmen bei der Lektüre dieses Buches, die ihn bei der eigenen Beschäftigung mit dem Tod (dem anderer und vor allem dem eigenen) weiterbringen  können.   Susanne Jung ist der Tod, damals noch in fremder, bedrohlicher Gestalt, zum ersten Mal begegnet, als sie 19 Jahre alt war und ihre Muter starb. Ihr sich daran anschließendes rastloses Reisen um die Welt interpretiert sie heute als ein Weglaufen vor einer Auseinandersetzung, der sie sich dann teilweise stellte, als sie begann, ehrenamtlich als Sterbegleiterin zu arbeiten. Über diese Arbeit bekam sie Kontakt zu einem Bestattungsinstitut, gab schließlich ihren früheren Beruf auf und hat seitdem über 800 Tote bestattet und mit deren Angehörigen geredet, mit ihnen gelernt, Abschied zu nehmen.   Ein persönliches Buch, das dem Leser und der Leserin helfen kann, die inneren Barrieren bei diesem Thema löchriger zu machen und zu einer eigenen Annäherung an ein verdrängtes Thema beitragen kann. Es ist eine alte spirituelle Weisheit, dass man erst richtig leben kann, wenn man mit dem eigenen Tod Frieden gemacht hat.

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  • Rezension zu "Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen" von Susanne Jung

    Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen

    Clari

    12. March 2013 um 11:34

    Todesnähe als Erfahrung und Wegbestimmung. Nach schweren eigenen Erfahrungen mit sterbenden Angehörigen macht sich Susanne Jung auf den Weg, ihre eigenen Vorstellungen von Tod und Sterben zu erforschen. In einem sehr einfachen Ton mit schlichten Gedanken beschreibt Susanne Jung ihren Weg zur Einkehr und Reflexion über den Tod. Doch im Verlauf der Lektüre ersteht auch das Bild einer zur Reifung gelangten teilnehmenden und hilfsbereiten Sterbebegleiterin und zuletzt sogar Bestatterin. Wie ist sie dazu gekommen? Der Tod des sehr geliebten Großvaters, der frühe Tod ihrer Mutter und ihrer Stiefmutter und zuletzt des Bruders führen sie auf einen Weg zur inneren Einkehr und Überdenken des Sterbens. Jeder Tod erschien ihr auf andere Weise. War sie beim Tod des Großvaters noch jung und ganz unerfahren, hat sie den Tod der Mutter schon bewusst wahrnehmen aber nicht realistisch darauf reagieren können. Zunächst flieht sie aus dem Dunstkreis der Todesfälle und begibt sich auf eine lange Reise. Man könnte auch sagen: sie lebt zunächst ein freies und ungebundenes Leben, der den Tod weitgehend ausklammert. Erst mit 34 Jahren erlebt sie einen Zusammenbruch, nach dem sie sich dem Gedanken an den Tod intensiver widmen kann. Anhand zahlreicher Beispiele erfahren wir, wie sie der Wunsch umtreibt, ihr Leben eng mit dem Tod zu verbinden. Sie wird Bestatterin! Susanne Jung erhebt keinen hohen literarischen Anspruch. Es geht ihr einzig und alleine um ihren Weg, der sie zu einer positiveren Haltung dem Tod gegenüber gebracht hat. Ähnlich wie im Buddhismus findet man nach ihrer Meinung in der Askese und der Selbstbesinnung die wahre Erfüllung. Die Autorin vertritt ihre Ansichten spontan und lebensnah. In der direkten Rede, mit der sie von der „Mutti“ spricht, zeigt sich eine noch unreflektierte Denkweise. Sie enthält sich ganz offensichtlich einer etwa missionarischen Haltung. Um mit dem Tod leben zu lernen, hat sie sich mit dem Verlust ihr nahe stehender Menschen auseinander gesetzt. Was kann man tun und wie begegnet man Sterbenden? Auf dem Weg zu ihrer Berufung als Bestatterin arbeitete sie zeitweise als Hospizhelferin. Die Hospizbewegung ist die sehr ehrenwerte Arbeit und Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen. Ein einfaches, lesenswertes Erfahrungsbuch ist Susanne Jung gelungen, mit dem sie anhand ihres eigenen Lebensweges anderen zu mehr Offenheit und Freiheit bei der Wahrnehmung eigener Gefühle und Gedanken im Zusammenhang mit dem Tod verhelfen möchte. Man sollte keine anspruchvolle philosophische Abhandlung erwarten. Hier geht es um den praktischen Alltag und das tägliche Erleben, mit dem man lernt, sich auf die eigene Reise in den Tod vertraut zu machen.

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