Susanne Kuhlendahl

 5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Der Tod in Venedig, Die Geigerin und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Susanne Kuhlendahl

Susanne Kuhlendahl ist Illustratorin. Vor allem das Erzählen von komplexen Geschichten in Bildern, das Mitfühlen- und Miterlebenlassen des Lesers ist ihre Leidenschaft. Die Diplom-Designerin arbeitet für namhafte Schulbuch-, Kinderbuch-, Bastel- und Kalenderverlage. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Quelle: Verlag / vlb

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Rezension zu "Der Tod in Venedig" von Susanne Kuhlendahl

Feine Graphic Novel zu einem Literaturklassiker
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

«Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelle eine breite und tiefe Wirkung zu üben vermöge, muß eine geheime Verwandtschaft, ja Übereinstimmung zwischen dem persönlichen Schicksal seines Urhebers und dem allgemeinen des mitlebenden Geschlechtes bestehen.» (Tod in Venedig – Thomas Mann)


Susanne Kuhlendahl hat die Novelle «Der Tod in Venedig» von Thomas Mann als Graphik Novel umgesetzt. Wo Thomas Mann Worte sprechen lässt, benutzt sie das Bild. Natürlich ist auch Text enthalten – und der ist originalgetreu. Es ist alles enthalten, was diesen Fünfakter ausmacht: die Symbolkraft und die Sinnhaftigkeit: Schönheit, Begierde, Abgrund.


Thomas Manns schreibt über den erfolgreichen, alternden Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in Venedig beim Anblick des fast vierzehnjährigen Knaben Tadzio seiner Schönheit verfällt. Ein Klassiker der deutschen Literatur. In Tadzio erkennt der Künstler die Essenz der Schönheit, zitiert griechische Klassiker immer wieder. Seine Begierde wächst, der verfolgt den Jüngling auf Schritt und Tritt. Eine unmögliche Liebe mit tragischem Ausgang. In seine pädophile Neigung verstrickt, verliert von Aschenbach dabei zunächst seine Würde und um Schluss sich selbst. Der Leser ahnt von Anfang an, dass dem Schriftsteller der Tod bevorsteht, figürlich treten immer wieder Personen und Symbole auf, die das Ende ankündigen. Susanne Kuhlendahl hat diese Symbolkraft, sowie die Zerrissenheit und Gier des Protagonisten fein umgesetzt, seinen Verlust der Würde. Auf seiner Fahrt nach Venedig beobachtet der Schriftsteller einen alten Mann, der sich zwischen jungen Leuten herumtreibt, sich ihnen anbiedert, sich kleidet, als wäre er einer von ihnen. Von Aschenbach ist angewidert. Beim Verlassen des Schiffs spricht der Mann den Schriftsteller an, verliert dabei sein Gebiss. In Szenen wie diesen geht Susanne Kuhlendahl in die Tiefe, zoomt mit ihren Zeichnungen die Details heraus.


«Sein Mund wässert, er drückt die Augen ein, er leckt die Mundwinkel, und die gefärbte Bartfliege an seiner Greisenlippe sträubt sich empor. ‹Unsere Komplimente›, lallt er, zwei Fingerspitzen am Munde, ‹unsere Komplimente dem Liebchen, dem allerliebsten, dem schönsten Liebchen ...› Und plötzlich fällt ihm das falsche Obergebiss vom Kiefer auf die Unterlippe. Aschenbach konnte entweichen. ‹Dem Liebchen, dem feinen Liebchen›, hörte er in girrenden, hohlen und behinderten Lauten in seinem Rücken, während er, am Strickgeländer sich haltend, die Fallreepstreppe hinabklomm.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



Thomas Mann lässt seinen auktorialen Erzähler Gustav von Aschenbach beobachten, kritisiert das Verhalten des Schriftstellers voller Ironie. Dann wieder wechselt die Perspektive zum Icherzähler von Aschenbach. Für ihn ist Schönheit eng mit Jugend verbunden. Als er Tadzio am Strand beobachtet, beschreibt er ihn so:


«Sein honigfarbenes Haar schmiegte sich in Ringeln an die Schläfen und in den Nacken, die Sonne erleuchtete den Flaum des oberen Rückgrats, die feine Zeichnung der Rippen, das Gleichmaß der Brust traten durch die knappe Umhüllung des Rumpfs hervor, seine Achselhöhlen waren noch glatt wie bei einer Statue, seine Kniekehlen glänzten, und ihr bläuliches Geäder ließ seine Körper wie aus klarerem Stoff.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)


Diese zeichnerische Umsetzung des Stoffs ist Susanne Kuhlendahl sehr gut gelungen. Aquarelle, Zeichenstift mit Aquarelltechnik in Farbe gesetzt, großflächig, oder ins Detail gezoomt, ist jedes Bild für sich ein Genuss. Jede Doppelseite ist eine Einheit, ein Szenenausschnitt. Figurentiefe und Emonationalität entsteht durch die Ausdruckskraft der Gesichtszüge und Körperhaltung – hier haben mich die Details beeindruckt. Auch die Symbolhaftigkeit des Todes ist schauerlich gut gelungen: ein Passant in München, der Gondoliere in Venedig, Träume, Visionen, die vergammelten roten Erdbeeren. Von Aschenbach, streng, diszipliniert, unzufrieden und arrogant, löst sich immer weiter auf in Entsetzen und Verzweiflung. Thomas Mann sagte über seine Novelle, sie sei die «Tragödie einer Entwürdigung» – und es ist der Autorin wunderbar gelungen, dies zeichnerisch umzusetzen. 




«Er liebte das Meer aus tiefen Gründen: aus dem Ruheverlangen des schwer arbeitenden Künstlers, der vor der anspruchsvollen Vielgestalt der Erscheinungen an der Brust des Einfachen, Ungeheueren sich zu bergen begehrt; aus einem verbotenen, seiner Aufgabe gerade entgegengesetzten und ebendarum verführerischen Hange zum Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, zum Nichts.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



Das optische Bild der Jugend als Ideal, faltenfrei, grauhaarfrei, feste, rosige Haut, schlanke, elastische Körper, die strotzende Kraft des jungen Menschen, jung sein, gesund sein, Hochleistung erbringen – Schönheit. Ein noch heute aktuelles Thema. Verliebt, Gier. Was ist Liebe? Von Aschenbach wechselt in der Novelle nicht ein Wort mit dem schönen Knaben, weiß nichts über ihn, er liebt den jungen, anziehenden Körper. Er beobachtet Tadzio, verfolgt ihn – heute ein klares Stalking. Er schert sich auch einen Kehricht darum, dass Tadzio das verunsichert, es ihn stört. Die Novelle ist noch heute als Schullektüre gelistet – und diese Graphic Novel kann ich empfehlen. Vielleicht ein Einstieg zu Thomas Mann.


Familie Mann wohnte in München und hat sich 1911 länger in Venedig aufgehalten. Und den polnischen Jungen Tadzio gab es dort wirklich. Insofern trägt die Geschichte einige autobiografische Züge.


Susanne Kuhlendahl ist Illustratorin. Vor allem das Erzählen von komplexen Geschichten in Bildern, das Mitfühlen- und Miterlebenlassen des Lesers ist ihre Leidenschaft. Die Diplom-Designerin arbeitet für namhafte Schulbuch-, Kinderbuch-, Bastel- und Kalenderverlage. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.


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Rezension zu "Der Tod in Venedig" von Susanne Kuhlendahl

Susanne Kuhlendahl gibt dem Klassiker ein neues Gewand!
Literaturwerkstatt-kreativvor einem Jahr

"Literaturwerkstatt- kreativ / Blog"  stellt vor:

Graphic Novel „Der Tod in Venedig“ Thomas Mann / Susanne Kuhlendahl

Der berühmte, alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach ist schon lange verwitwet und sein Leben unterliegt einer geregelten Ordnung und eiserner Disziplin. Eine Schaffenskrise und eine unbestimmte innere Unruhe machen ihm jedoch deutlich, das Reisen wohl gut für ihn sei. So reist er mit einem Schiff nach Venedig.

„Es war Reiselust, nichts weiter. Aber gesteigert bis zur Vision.“

In Venedig begegnet er dann dem kränklichen Knaben Tadzio und verfällt seiner Schönheit. Wie ein Besessener verfolgt er ihn und seine Familie durch die ganze Stadt. Das in der Stadt die Cholera grassiert, ignoriert Aschenbach und so stirbt er letztendlich an der Seuche und an seiner Sehnsucht……


Fazit:

Wie allgemein bekannt, ist Thomas Mann einer der bekanntesten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts und wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. 1911 schrieb er seine Novelle „Der Tod in Venedig“, die er selber die „Tragödie einer Entwürdigung“ nannte. Und wer kennt diesen Weltklassiker nicht – musste/durfte ihn vielleicht sogar in der Schule lesen oder interpretieren?

Hier nun eine Adaption als Graphic Novel. Diese sind in letzter Zeit sehr beliebt und zeigen Literatur noch einmal aus einer anderen Perspektive und sprechen neben Erwachsenen gerade auch Jugendliche sehr an.

Susanne Kuhlendahl gibt diesem Klassiker nun ein neues Gewand. Die sprachliche Überarbeitung der Novelle ist ihr sehr gut gelungen. Vor allem beweist sie ein gutes Gespür bei der Auswahl der dargestellten Szenen und verbindet diese hervorragend mit den adaptieren Texten und Dialogen der Ursprungsnovelle. Die Geschichte ließ sich leicht und sehr verständlich lesen und wurde durch die Zeichnungen noch um einiges lebendiger und anschaulicher.

Kuhlendahl zeichnet im aquarelliertem und malerischen Stil, sehr detailliert und mit klarem Strich. Die einzelnen Zeichnungen sind sehr ansprechend, Positionen werden bei einzelnen Bildern durch ihre gute Farbwahl hervorgehoben. Ihr gelingt es die Atmosphäre der Geschichte wunderbar einfangen; etwa den Zerfall Aschenbachs durch seine Mimik. Dies hat sie hervorragend dargestellt.

Thomas Mann hat einen Klassiker geschaffen, der gerade in der heutigen Zeiten des Jugendwahns immer noch hoch aktuell ist und daher seine Botschaft wohl nicht verfehlt. Mit der hervorragenden Umsetzung von Susanne Kuhlendahl als Graphic Novel, finden Jugendliche vielleicht eher den Zugang zu dieser – im Original – nicht ganz leichten Kost.

Auch als Klassenlektüre sehr empfehlenswert !!!



https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2019/11/06/graphic-novel-der-tod-in-venedig/

Besten Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar.  

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