Susanne Kuhlendahl

 4,7 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf von Susanne Kuhlendahl

Susanne Kuhlendahl ist Illustratorin. Vor allem das Erzählen von komplexen Geschichten in Bildern, das Mitfühlen- und Miterlebenlassen des Lesers ist ihre Leidenschaft. Die Diplom-Designerin arbeitet für namhafte Schulbuch-, Kinderbuch-, Bastel- und Kalenderverlage. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Bei Knesebeck erschien bereits ihre Adaption von Thomas Manns Der Tod in Venedig.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Susanne Kuhlendahl

Cover des Buches Der Tod in Venedig (ISBN: 9783957282682)

Der Tod in Venedig

 (5)
Erschienen am 18.09.2019
Cover des Buches Virginia Woolf (ISBN: 9783957284884)

Virginia Woolf

 (2)
Erschienen am 22.09.2021

Neue Rezensionen zu Susanne Kuhlendahl

Cover des Buches Virginia Woolf (ISBN: 9783957284884)A

Rezension zu "Virginia Woolf" von Susanne Kuhlendahl

Detailreich und emotional
Aksivor einem Monat

Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (*25.01.1882, †28.03.1941) war nicht nur zu Lebzeiten eine bedeutende Persönlichkeit und Vorreiterin auf den Gebieten Feminismus, Geschlechteridentität und Emanzipation, sondern sie ist es immer noch. Ihre Werke wie »Mrs Dalloway«, »Ein Zimmer für sich alleine« und »Orlando« sind immer noch gefragt und werden höchstwahrscheinlich nie an Bedeutung verlieren. Doch wie viel weiß man eigentlich über Virginia selbst? Wie ist sie aufgewachsen? Welchen Einfluss hatte ihr Leben auf ihre Werke? Und wie war ihr Leben überhaupt? Auf diese und viele andere Fragen geht die Illustratorin Susanne Kuhlendahl (»Die Geigerin«, »Der Tod in Venedig«) in ihrer Comic-Biografie »Virginia Woolf« ein.

Die Comic-Biografie ist chronologisch aufgebaut und geht sehr detailliert auf Virginias Leben ein, was dafür sorgt, dass man die berühmte Schriftstellerin wirklich gut kennenlernt. So erfährt man, dass sie nicht nur fröhliche und schöne Momente hatte, sondern auch solche, die von Angst und Selbstzweifel gefüllt waren. Von den Letzteren gab es leider eine Menge, denn Woolf war depressiv, litt an einer bipolaren Störung und wurde missbraucht. Gleichzeitig war sie jemand, der seine Meinung durchsetzte und keine Anerkennung in Form von Preisen brauchte. Virginia Woolf war sowohl stark als auch sehr zerbrechlich.

Susanne Kuhlendahl belässt es nicht dabei, uns nur über Virginias Leben zu erzählen. Sie geht einen Schritt weiter, indem sie zeigt, welchen Einfluss Woolfs Leben auf ihre eigenen Werke hatte. Kuhlendahl macht dies, indem sie Auszüge aus Virginias Werken einfügt und sie so mit bestimmten Ereignissen verknüpft. Diejenigen, die sich mit Woolfs Arbeiten bereits auskennen, werden an solchen Stellen einige Aha-Momente erleben. Diejenigen, die noch nicht mit Woolfs Werken vertraut sind, werden vielleicht ab und zu etwas durcheinanderkommen, aber sie werden auch neugierig auf Woolfs Arbeiten gemacht. Zumindest war es bei mir der Fall.

Die Comic-Biografie »Virginia Woolf« ist eine Lektüre, für die man sich Zeit nehmen sollte. Zum einen liegt es daran, dass es einiges gedanklich zu verarbeiten gibt, da Woolfs Leben alles andere als einfach war. Zum anderen ist der Comic sowohl bild- als auch textlastig und die Art, wie das Ganze miteinander verwoben ist, kann an einigen Stellen etwas verwirren, besonders, wenn man Virginia Woolf und ihre Werke nicht kennt. Hinzu kommt, dass es keine Panels gibt. Die Autorin tut jedoch alles, um es der Leserschaft so übersichtlich zu machen, wie es geht. Sprechblasen und Zitate aus Woolfs Arbeiten werden in Großschrift dargestellt und der Erzähltext in Normalschrift. Außerdem gibt es im Vorsatz eine Übersicht aller Figuren, da Woolf eine große Familie und viele Bekannte hatte. Darüber hinaus gibt es am Ende des Comics eine Art Lebenslauf von Virginia.

Während Susanne Kuhlendahl urteilsfrei und beinahe sachlich erzählt, sind ihre Illustrationen voller Emotionen und Gefühle. Besonders ergreifend sind die Darstellungen von Schatten, die Virginia zu verschlingen drohen. Diese symbolisieren all das, was Virginia immer wieder zu schaffen machte und sie bis zum Lebensende verfolgte. Es sind Momente, in denen Virginias Zerbrechlichkeit besonders deutlich und eindringlich wird. Die mit Bleistift gezeichneten und mit Aquarellfarben kolorierten Illustrationen sind farbenfroh und hell, was dem Comic ein bisschen Leichtigkeit verleiht.

Fazit

»Virginia Woolf« von Susanne Kuhlendahl ist eine detailreiche und emotionale Comic-Biografie. Ich kann mir vorstellen, dass sie sowohl für Woolf-Kenner als auch -Nicht-Kenner interessant sein könnte. Der Comic hat mich nicht nur sehr berührt, sondern auch auf Woolfs Werke neugierig gemacht.

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Cover des Buches Virginia Woolf (ISBN: 9783957284884)D

Rezension zu "Virginia Woolf" von Susanne Kuhlendahl

"Liebster, ich spüre mit Sicherheit, dass ich wieder verrückt werde"
Dr_Mvor 6 Monaten

Virginia Woolf nahm sich bald nach diesen Zeilen an ihrem Mann das Leben, weil sie wieder einen ihrer gefürchteten Schübe erwartete, die sie schon seit ihrer Jugend begleiteten. Bereits in jungen Jahren suchte sie den Freitod, wurde aber gerettet. Mit ihren experimentellen Romanen schaffte sie es zu Lebzeiten in den Olymp der modernen englischen Erzähler.

In ihrem 1927 vollendeten Roman "Die Fahrt zum Leuchtturm" analysiert sie die Psychologie ihrer recht großen und komplizierten Familie. Aus diesem und anderen ihrer Bücher wird in Susanne Kuhlendahls Graphic Novel oft zitiert. Ob allerdings ein mit der Materie nicht vertrauter Leser die Zusammenhänge wirklich versteht, kann man getrost bezweifeln. Graphic Novels bieten die Möglichkeit, Geschichten bildhaft zu erzählen. Unser Gehirn mag das, woraus sich ihre Beliebtheit erklärt. Allerdings bleibt einer vorrangige Bildsprache nur das Offensichtliche, während tiefere Zusammenhänge so nicht erklärt werden können. Bei komplizierten Persönlichkeiten wie Virginia Woolf scheint mir das ein echter Nachteil zu sein.

Diese Graphic Novel erzählt ihr Leben. Und das macht sie überraschend gut und in einer annehmbaren Bildsprache. Niemand weiß wirklich, was in Virginia Woolfs Psyche passierte, mit welchen Dämonen sie zu kämpfen hatte. So etwas kann man kaum nachvollziehen und schon gar nicht in einem solchen Buch erzählen. Immerhin aber bringt dieses Buch seinen Lesern die Schriftstellerin näher. Vermutlich hat die Autorin dieser Graphic Novel sogar alle Möglichkeiten dieses Genres ausgereizt um Virginia Woolf gerecht zu werden. Aber diese Möglichkeiten sind eben nicht nur andersartig, sondern auch begrenzt.

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Cover des Buches Der Tod in Venedig (ISBN: 9783957282682)G

Rezension zu "Der Tod in Venedig" von Susanne Kuhlendahl

Feine Graphic Novel zu einem Literaturklassiker
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

«Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelle eine breite und tiefe Wirkung zu üben vermöge, muß eine geheime Verwandtschaft, ja Übereinstimmung zwischen dem persönlichen Schicksal seines Urhebers und dem allgemeinen des mitlebenden Geschlechtes bestehen.» (Tod in Venedig – Thomas Mann)


Susanne Kuhlendahl hat die Novelle «Der Tod in Venedig» von Thomas Mann als Graphik Novel umgesetzt. Wo Thomas Mann Worte sprechen lässt, benutzt sie das Bild. Natürlich ist auch Text enthalten – und der ist originalgetreu. Es ist alles enthalten, was diesen Fünfakter ausmacht: die Symbolkraft und die Sinnhaftigkeit: Schönheit, Begierde, Abgrund.


Thomas Manns schreibt über den erfolgreichen, alternden Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in Venedig beim Anblick des fast vierzehnjährigen Knaben Tadzio seiner Schönheit verfällt. Ein Klassiker der deutschen Literatur. In Tadzio erkennt der Künstler die Essenz der Schönheit, zitiert griechische Klassiker immer wieder. Seine Begierde wächst, der verfolgt den Jüngling auf Schritt und Tritt. Eine unmögliche Liebe mit tragischem Ausgang. In seine pädophile Neigung verstrickt, verliert von Aschenbach dabei zunächst seine Würde und um Schluss sich selbst. Der Leser ahnt von Anfang an, dass dem Schriftsteller der Tod bevorsteht, figürlich treten immer wieder Personen und Symbole auf, die das Ende ankündigen. Susanne Kuhlendahl hat diese Symbolkraft, sowie die Zerrissenheit und Gier des Protagonisten fein umgesetzt, seinen Verlust der Würde. Auf seiner Fahrt nach Venedig beobachtet der Schriftsteller einen alten Mann, der sich zwischen jungen Leuten herumtreibt, sich ihnen anbiedert, sich kleidet, als wäre er einer von ihnen. Von Aschenbach ist angewidert. Beim Verlassen des Schiffs spricht der Mann den Schriftsteller an, verliert dabei sein Gebiss. In Szenen wie diesen geht Susanne Kuhlendahl in die Tiefe, zoomt mit ihren Zeichnungen die Details heraus.


«Sein Mund wässert, er drückt die Augen ein, er leckt die Mundwinkel, und die gefärbte Bartfliege an seiner Greisenlippe sträubt sich empor. ‹Unsere Komplimente›, lallt er, zwei Fingerspitzen am Munde, ‹unsere Komplimente dem Liebchen, dem allerliebsten, dem schönsten Liebchen ...› Und plötzlich fällt ihm das falsche Obergebiss vom Kiefer auf die Unterlippe. Aschenbach konnte entweichen. ‹Dem Liebchen, dem feinen Liebchen›, hörte er in girrenden, hohlen und behinderten Lauten in seinem Rücken, während er, am Strickgeländer sich haltend, die Fallreepstreppe hinabklomm.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



Thomas Mann lässt seinen auktorialen Erzähler Gustav von Aschenbach beobachten, kritisiert das Verhalten des Schriftstellers voller Ironie. Dann wieder wechselt die Perspektive zum Icherzähler von Aschenbach. Für ihn ist Schönheit eng mit Jugend verbunden. Als er Tadzio am Strand beobachtet, beschreibt er ihn so:


«Sein honigfarbenes Haar schmiegte sich in Ringeln an die Schläfen und in den Nacken, die Sonne erleuchtete den Flaum des oberen Rückgrats, die feine Zeichnung der Rippen, das Gleichmaß der Brust traten durch die knappe Umhüllung des Rumpfs hervor, seine Achselhöhlen waren noch glatt wie bei einer Statue, seine Kniekehlen glänzten, und ihr bläuliches Geäder ließ seine Körper wie aus klarerem Stoff.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)


Diese zeichnerische Umsetzung des Stoffs ist Susanne Kuhlendahl sehr gut gelungen. Aquarelle, Zeichenstift mit Aquarelltechnik in Farbe gesetzt, großflächig, oder ins Detail gezoomt, ist jedes Bild für sich ein Genuss. Jede Doppelseite ist eine Einheit, ein Szenenausschnitt. Figurentiefe und Emonationalität entsteht durch die Ausdruckskraft der Gesichtszüge und Körperhaltung – hier haben mich die Details beeindruckt. Auch die Symbolhaftigkeit des Todes ist schauerlich gut gelungen: ein Passant in München, der Gondoliere in Venedig, Träume, Visionen, die vergammelten roten Erdbeeren. Von Aschenbach, streng, diszipliniert, unzufrieden und arrogant, löst sich immer weiter auf in Entsetzen und Verzweiflung. Thomas Mann sagte über seine Novelle, sie sei die «Tragödie einer Entwürdigung» – und es ist der Autorin wunderbar gelungen, dies zeichnerisch umzusetzen. 




«Er liebte das Meer aus tiefen Gründen: aus dem Ruheverlangen des schwer arbeitenden Künstlers, der vor der anspruchsvollen Vielgestalt der Erscheinungen an der Brust des Einfachen, Ungeheueren sich zu bergen begehrt; aus einem verbotenen, seiner Aufgabe gerade entgegengesetzten und ebendarum verführerischen Hange zum Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, zum Nichts.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



Das optische Bild der Jugend als Ideal, faltenfrei, grauhaarfrei, feste, rosige Haut, schlanke, elastische Körper, die strotzende Kraft des jungen Menschen, jung sein, gesund sein, Hochleistung erbringen – Schönheit. Ein noch heute aktuelles Thema. Verliebt, Gier. Was ist Liebe? Von Aschenbach wechselt in der Novelle nicht ein Wort mit dem schönen Knaben, weiß nichts über ihn, er liebt den jungen, anziehenden Körper. Er beobachtet Tadzio, verfolgt ihn – heute ein klares Stalking. Er schert sich auch einen Kehricht darum, dass Tadzio das verunsichert, es ihn stört. Die Novelle ist noch heute als Schullektüre gelistet – und diese Graphic Novel kann ich empfehlen. Vielleicht ein Einstieg zu Thomas Mann.


Familie Mann wohnte in München und hat sich 1911 länger in Venedig aufgehalten. Und den polnischen Jungen Tadzio gab es dort wirklich. Insofern trägt die Geschichte einige autobiografische Züge.


Susanne Kuhlendahl ist Illustratorin. Vor allem das Erzählen von komplexen Geschichten in Bildern, das Mitfühlen- und Miterlebenlassen des Lesers ist ihre Leidenschaft. Die Diplom-Designerin arbeitet für namhafte Schulbuch-, Kinderbuch-, Bastel- und Kalenderverlage. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.


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