Susanne Leonhard Gestohlenes Leben

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Inhaltsangabe zu „Gestohlenes Leben“ von Susanne Leonhard

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  • Rezension zu "Gestohlenes Leben" von Susanne Leonhard

    Gestohlenes Leben

    gra

    05. February 2010 um 20:38

    Normalerweise schaffe ich es gar nicht, so dicke Biographien zu lesen - aber dieses Buch hat mich in seinen Bann geschlagen. Die Autorin wurde 1895 geboren, machte Abitur und studierte (was ich angesichts der Zeit für sehr ungewöhnlich halte). Sie interessierte sich für Politik und begeisterte sich für die kommunistischen Ideen, wobei sie auch versuchte, diese geistig und philosophisch zu durchdringen. 1925 trat sie aus der Kommunistischen Partei aus, weil sie mit deren Linie nicht mehr einverstanden war. Dennoch war sie zu Beginn des Dritten Reiches im Untergrund aktiv und bekämpfte den Faschismus. Dies war der Grund, warum sie von einer Reise nach Schweden, wo sie ihren Sohn besuchte, nicht mehr zurück kommen konnte: In Deutschland drohte das KZ. Was liegt also näher als in das Mutterland des Kommunismus zu ziehen? Doch in Moskau angekommen trifft Leonhard und auch ihren Sohn die bitterste Enttäuschung: dort herrscht tiefe Armut, Wohnungsnot, soziale Ungleichheit und Bespitzelung. Bald beginnen die Schauprozesse und Leonhard wird denunziert und ins Gefängnis gebracht. Nach Monaten in einer völlig überfüllten und verdreckten Zelle geht es hoch in den Norden, wo sie Jahre verbringen soll. Die Lage ist mehr als verzweifelt: Leonhard ist nicht in der körperlichen Verfassung, schwere Arbeit zu tun, weswegen sie nur die Mindestessensration bekommt - weniger als zum Leben nötig ist. Sie wird von Krankheiten geplagt, als politische Gefangene schikaniert, bestohlen, ausgebeutet, von Ungeziefer gepeinigt und leidet schrecklich unter der Trennung von ihrem Sohn. Dank ihrer Ausbildung gelingt es Leonhard jedoch immer wieder, Bürostellen zu bekommen, was ihr wohl das Leben rettet. Als endlich der Tag der Freilassung naht, bricht der Krieg aus und kein Gefangener darf das Lager verlassen. Später wird ihr dann, weil sie Deutsche ist, die Ansiedlung überall außer in Sibirien verwehrt. Im Exil sind - es ist kaum zu glauben - die Lage noch schlimmer als im Lager. Endlich, nach über 10 Jahren, darf Leonhard nach Deutschland ausreisen. Doch das Land, das sie vorfindet ist ihr fremd und auch ihr Sohn, der die kommunistische Ausbildung durchlaufen hat, steht ihr nicht mehr nahe. Leonhard schreibt klar und präzise. Nie klagt sie, sie schildert ihr Leiden objektiv. So objektiv, dass einem die Schrecklichkeit ihrer Erlebnisse oft zunächst gar nicht bewusst wird, sondern man sich alles erst einmal selber vorstellen muss. Zugleich versucht sie stets, die geschichtlichen und politischen Hintergründe zu analysieren. Trotz ihres grausamen Schicksals hält sie weiter an der Grundidee des Kommunismus fest, den sie nach wie vor für die beste aller Staatsformen hält. Allerdings betont sie immer wieder, dass das, was in der Sowjetunion praktiziert ist, kein Kommunismus ist. Ihrer Ansicht nach hat Stalin durch die Perversion der Idee dem Kommunismus mehr geschadet als alles andere. Die Lektüre hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie wenig ich über die jüngere Geschichte Russlands weiß. Während einem die Verbrechen der Nazis sehr präsent sind, scheinen die des Stalinismus dahinter stets zurück zu treten. Zugleich muss ich mir die Frage stellen, ob ich über die ursprüngliche Idee des Kommunismus überhaupt irgendetwas weiß. Mein bescheidenes Wissen beschränkt sich bislang auf den tatsächlich verwirklichten "Kommunismus" unter Stalin, der ja nun nicht so sehr erfolgreich noch human war. Das lastete ich immer der Ideologie an sich an, was aber wohl nicht so ohne weiteres stimmt. Insgesamt ein sehr interessantes, wenn auch kein schönes Buch. Jedem, der die Gelegenheit hat und sich für Geschichte begeistert, kann ich es nur empfehlen!

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