Immer wieder erfreulich, auf Verlage zu stoßen, die Lyrik publizieren und die ich bis dato noch nicht kannte, z. B. die dahlemer Verlagsanstalt.
Dort ist u.a. 2022 der Gedichtband von Susanne Rasser erschienen, ein Buch, dessen zentrale Themen die Bewältigung (Trauer um Freunde/geliebte Menschen, Alter, Krankheit, Rückschläge) und die Momente der Freude, des Durchatmens sind.
Neben diesen beiden Themenkomplexen begibt sich Rasser mit ihren Versen aber auch wiederholt ins Zeitgeschehen, belehrt, mahnt, stellt kritisch dar, lobt Widerstände.
Manche dieser engagierteren Gebilde geraten etwas plakativ, das belehrende Element darin lässt die Zeilen-Umbrüche in ihren Scharnieren quietschen. Auch in anderen Gedichten treten sich Kalauer schon mal selbst auf den Versfuß oder ein inflationäres Spiel mit Redensarten nimmt seinen Selbstlauf.
Dennoch gelingt Rasser dann und wann, wenn sie einen guten Mittelweg zwischen Offenheit und Verspieltheit findet und den Aufrufcharakter, das Weisende eher subtil einbindet, ein Gedicht, das gefällt und im Bezug auf die anderen Texte milde stimmt.
Denn beherzt und mit dem richtigen Spirit kommen die Gedichte auf jeden Fall daher, wählen nur etwas zu oft den gefälligsten Ton, machen es sich leicht mit Behauptungen, sprachlichen Bezügen. Mir fehlt da die Ambivalenz - andere mögen vielleicht gerade diesen direkten Ansatz und schätzen die Gedichte darob.



