Susanne Saygin

 4.2 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Feinde, Crash und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Susanne Saygin

Susanne Saygin, geboren 1967, aufgewachsen im Rheinland, Geschichtsstudium in Köln und Cambridge, Promotion in Oxford. Danach Tätigkeit im akademischen Projektmanagement und in der freien Wirtschaft. Die Autorin mit deutsch-türkischen Wurzeln hatte ihren Lebensmittelpunkt knapp zwanzig Jahre lang in Köln. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Berlin. Für ihren von der Presse hochgelobten Debütroman »Feinde« hat die Autorin über fünf Jahre lang recherchiert. »Crash« ist ihr zweiter Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Susanne Saygin

Cover des Buches Feinde (ISBN: 9783453438897)

Feinde

 (24)
Erschienen am 10.09.2018
Cover des Buches Crash (ISBN: 9783453439900)

Crash

 (0)
Erscheint am 09.08.2021
Cover des Buches Feinde (ISBN: 9783837141542)

Feinde

 (0)
Erschienen am 10.09.2018

Neue Rezensionen zu Susanne Saygin

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Rezension zu "Feinde" von Susanne Saygin

Moderne Sklaverei.
Gulanvor 2 Jahren

Der Kölner Kommissar Can Arat und seine Chefin Simone Kerkmann ermitteln in einem brutalen Doppelmord an zwei bulgarischen Roma, die offenbar auf dem Schrottstrich gearbeitet haben. Die Kommissare stellen eine Verbindung zum Bauunternehmer und Mäzen Nolden fest. Doch der einzige Zeuge, der sich bereit erklärt zu reden, landet vor einer U-Bahn. Der Staatsanwalt ist außerdem ein Karnevalskumpel von Nolden. Der Fall droht im Sande zu verlaufen, doch Can ist nicht bereit, dies zu akzeptieren und ermittelt weiter – auf Teufel komm raus.

Autorin Susanne Saygin wohnte in Köln selbst in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem „Bulgarenhaus“, einer völlig überfüllten, heruntergekommenen Immobilie voller Arbeitssklaven. Dies inspirierte sie zu diesem packenden Krimi über Menschenhandel, Korruption und Ausbeutung, der auch sprachlich keine Kompromisse macht und die Dinge beim Namen nennt. Interessant fand ich die Wandlung des Romans, der erst als typischer Ermittlungskrimi beginnt und dann sich immer mehr auf den von Migräne geplagten und persönlich betroffenen Can fokussiert, bis hin zu seinem Road Trip nach Bulgarien auf der Suche nach der Wahrheit. Dabei beinhaltet die Story auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte. Nur das Ende kam mir etwas zu kunstvoll oder märchenhaft vor in dieser sonst so knallharten Geschichte. Doch insgesamt ein richtig starkes, intensives Krimidebüt.

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Rezension zu "Feinde" von Susanne Saygin

Deine Feinde sitzen überall....
Buecherseele79vor 2 Jahren

Can und seine Chefin Simone werden zu einem Doppelmord gerufen - 2 Roma-Männer in sehr eindeutiger Pose werden aufgefunden.
Wer die Opfer sind, woher sie kommen, warum ihnen das widerfahren ist - das herauszufinden ist nun die Aufgabe von Can und Simone und sie tappen im Dunkeln.
Zeugen gibt es, aber die haben zu große Angst und wollen nichts verraten...
Im Laufe ihrer Ermittlungen bemerken Can und Simone sehr schnell, dass es hier um mehr als Mord geht ... um Menschenhandel, billige Arbeitskräfte, Subventionen der EU abschöpfen, Leben zu zerstören ... und diese Machenschaften ziehen ihre Kreise bis ganz nach oben ...

Ich möchte mich beim Heyne Verlag sowie dem Bloggerportal und Random House für das Rezensionsexemplar bedanken.
(Dies hat keine Auswirkungen auf meine Rezension!)
Zu Beginn ist es etwas holprig, man weiß nicht so genau, wohin die Geschichte führen wird, auch muss man sich an Can und Simone etwas gewöhnen, da sie als Team sehr eigen miteinander umgehen - aber genau hier liegt auch der Charme der Ermittler - sie reden wie ihnen der Mund gewachsen ist, haben Ecken und Kanten und ihre privaten Probleme, die sie eben auch belasten.

Der Schreibstil an sich ist flüssig, sehr gut verständlich, und von Seite zu Seite packt er einen auch immer mehr, bis man das Buch nur sehr ungern aus der Hand legt.

Ein besonderes Augenmerkt legt die Autorin gekonnt auf die offenen Grenzen, auf den Rechtsdruck, der nicht nur in Deutschland wieder zunimmt, auf die Möglichkeiten, die EU zu "bescheißen" und welche dunklen Geschäfte möglich sind.
Und gerade hier, wie auch in der Realität - man kommt sehr schwer an die "ganz dort oben"  heran.

Die jahrelangen Recherchen der Autorin haben sich auf jeden Fall ausgezahlt, was man diesem Thriller auch deutlich anmerkt.
Man sollte sich vielleicht auch für den "Blick über den Tellerrand" interessieren, sich mit Politik und Gesellschaft etwas auskennen, damit man diesen Thriller auch gerne liest.

Ein Thriller, der einem den eigenen Spiegel vorhält, der zeigt dass Rechts ebenso Mist ist wie zuviel Links, dass man einen gehobenen Lebensstandard meist auf Kosten von anderen Menschen lebt, die für Dumpinglöhne und kaum überleben jede Arbeit annehmen und dabei ausgebeutet werden.

Mich konnte dieser Thriller auf ganzer Linie überzeugen, packen und auch schockieren und ich kann ihn daher nur empfehlen!

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Rezension zu "Feinde" von Susanne Saygin

Ungeschönt und schonungslos
Kerstin_KeJasBlogvor 2 Jahren

Ein Mann und eine Frau, die sich eine fast leere Wohnung teilten und eine unaufgeräumte Geschichte, an die sie nicht mehr rührten.
(S. 276)

Can Arat, Kriminalhauptkommissar bei der Kölner Kripo, ist einer der untypischen Typen. Türkischstämmig, mit festen Wurzel in dieser Stadt, einem guten Freundes- und Bekanntenkreis und Kollegen und Kolleginnen, auf die er sich verlassen kann. Er wohnt zusammen mit dieser Isa und doch sind sie kein Liebespaar. Seine Liebe war Marie, wegen der er noch immer Alpträume hat. Kopfschmerzen sind sein täglich schlechtes Gewissen und nur dank Schmerzmittel kann er es unterdrücken. Was ihn aber so richtig ausmacht, ist sein Wirken inmitten der täglichen Dienste.
Es ist in einem grausamem Doppelmord zu ermitteln und das bitte schnellstmöglich, sonst kommt der Fall zu den Akten. Die Opfer waren zu “uninteressant”, ohne Lobby und nach Meinung so manchem eh nur Abschaum und Ballast. Can ist das, ganz salopp gesagt, scheißegal. Er will diese Morde aufklären, doch dafür muss er und seine direkte Vorgesetzte Simone erst einmal viel recherchieren. Das Milieu, aus dem die Ermordeten stammen ist deutlich sichtbar und doch will keiner hinschauen. Roma und Sinti, billige Arbeitskräfte, angelockt um dann auf dem Arbeiterstrich zu landen und in heruntergekommenen Mietskasernen – eine effiziente Geldmaschinerie, nur eben nicht für diese Menschen.

Das macht keinen Unterschied für euch, richtig? Deutsche Sinti, bulgarische Roma – alles eine Zigeunersoße. Ein hoch auf die Sippenhaft!
(S. 83)

Dieser Thriller ist eine ungeschönte und schonungslose Darstellung des Milieus um die Untersten der Gesellschaft. Ganze Familien am Abgrund des täglichen Überlebenskampfes. Durchs Cans und Simones Recherchen begegnet man all diesen Schicksalen, die zwischen Apathie, Resignation und dem alltäglichen Wahnsinn aus Gewalt und Gegengewalt in ihren eigenen Welten hausen. Es ist das betreten dieser heruntergekommenen Häusern, genau wie so mancher Villa. Die Türen die geöffnet werden, lassen doch niemanden herein – eine eingeschworene Gemeinschaft, die nur aus einem einzigen Grund zusammenhalten – Angst.

Can ist der Typ Ermittler, der genau hinschaut. Seine Ermittlungsmethoden sind geprägt von dem Wunsch mehr zu Hintergründen zu erfahren und der eigenen Erfahrung, wie mit wem umzugehen ist. Vieles was er sieht und hört schockiert ihn mindestens genauso sehr wie die Leserschaft. Die Vergangenheit der Roma und Sinti. Ihre Schicksale vor und während des 2. Weltkrieges und das damit, nach Friedenschluss, dennoch kein Ende war. Vorurteile en masse!
Es geht um üble Machenschaften, bei denen ein Menschenleben nichts zählt und Geld über allem steht.

Can beginnt Dinge aufzudecken, die ihn in große Gefahr bringen und auch diese Sache mit seiner ehemaligen Freundin Marie beschäftigt ihn immer mehr. In Rückblicken erfährt man Stück für Stück was das für eine Freundschaft war, wie und warum sie endete und welch Schicksal Marie widerfuhr.
Harter Toback und eine entsprechend derbe Sprache. Was im Buch geschieht und dargestellt wird ist kein Zuckerschlecken, sondern harte Fakten. Die Autorin Susanne Saygin hat trotz der grausamen Detail doch viel Liebe zwischen die Zeilen geschrieben. Can wirkt einsam und verlassen, bekommt aber durch Isa eine ungewöhnliche Frau an seine Seite. Beide leben aneinander vorbei und doch haben sie etwas, das sich im Buch offenbart, gemein. Eine tolle Freundschaft, die allerdings auf eine harte Probe gestellt wird.
Man sollte durch diese Aussage allerdings nicht meinen, dass es eine kitschige Romanze im Buch gibt.

Das ist Mafia, Herr Kriminalhauptkommissar! Hausgemachte, deutsche Mafia! Glaubst du wirklich, du kommst da allein gegen an?
(S. 339)

Die Sprache im Buch hat mich komplett abgeholt. Kein Schickimicki oder friedfertiges Umschreiben von Personen, Orten oder Begebenheiten. Die Autorin ist gnadenlos mit allem und lässt durch Can und andere Charaktere viel Authentizität einfließen. Das kommt in Sachen Umgangssprache genauso ehrlich rüber wie in Slang oder Dialekten. Es wirkte nie billig oder vulgär, derb und hart dagegen auf jeden Fall, aber es passt immer ins Bild. Das Thema Rassismus kommt in seinen Facetten genauso zur Sprache wie Korruption und Ausbeutung. Ein Thriller, in dem es nicht um einen irren Serienkiller geht oder übertrieben zelebrierte Gewalttaten geht – wobei Gewalt und deren Folgen im Buch deutlich zu finden ist.

Die Ware Mensch ist Dreh- und Angelpunkt im Buch. Billige Arbeitskräfte, ausgebeutet um noch mehr Profit rauszuschlagen. Frauen, die als Prostituierte nur noch ihrem Zuhälter, oder der dahinter stehenden Organisation gehören. Selbst vor Kindern wird in beiden Fällen kein Halt gemacht.
Es war schon klar, dass Can da einer großen Sache auf die Spur kommen wird, dieses Ausmaß habe ich aber nicht erwartet.

Das Cover empfinde ist als sehr passend. “FEINDE” als Aussage, die man sehr vielfältig interpretieren kann und dieses eine, sehr entschlossen wirkende und präsente Auge, haben mich magisch angezogen.

Ein starker menschlicher Charakter, der doch mit seinen Schwächen dargestellt wird, was ihm etwas besonderes gab.
Definitiv ein spannender Thriller. 22 Kapitel auf 351 Seiten verteilt, spornen einen geradezu an, immer tiefer und weiter in diese Geschichte abzutauchen.

Rezension verfasst von © Kerstin


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