Susen Truffel-Reiff

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Autor von Tagwerk.

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Erschienen am 16.05.2018

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Rezension zu "Tagwerk" von Susen Truffel-Reiff

‚Aber ist das wirklich ein Beruf in Ihrem Land?‘ (Seite 10)
sabatayn76vor 5 Monaten

Als ich vor mehr als 17 Jahren für ein paar Wochen im Jemen war, habe ich mich länger mit einem Beduinen aus der Ramlat as-Sabatayn unterhalten. Als er mich fragte, was mein Beruf ist, habe ich ihm erzählt, dass ich Psychologie studiere. Mein Arabisch-Wörterbuch erwähnte ein eindeutiges Wort dafür, aber der Beduine konnte mit dem Begriff nichts anfangen, und auch als ich näher ins Detail ging, was zum Beruf eines Psychologen gehört, hatte er keinen Aha-Effekt. Der Beruf des Psychologen hatte in seiner Welt, in der man starke Familienbeziehungen hat und keinem Fremden das Herz ausschüttet, keinerlei Bedeutung und keine Entsprechung.

So ging es auch den Autoren/Fotografen des Bildbands ‚Tagwerk‘, die bei ihrer Arbeit immer wieder auf Menschen trafen, die nicht recht verstanden, dass Beobachten und Staunen Teil von Gelderwerb sein können.

Umgekehrt ist es so, dass die im Buch erwähnten Berufe durchaus auch in der westlichen Welt bekannt sind, auch wenn man in Mitteleuropa nie oder kaum noch Färber, Wäscher, Weber, Lastenträger oder Münzenmacher trifft bzw. sich Berufe zwischen Europa und der ‚dritten Welt‘ deutlich unterscheiden, z.B. Bäcker, Frisöre, Schneider oder Restaurantbesitzer.

Die Berufe im Buch wurden so in Kapitel aufgeteilt, als wären sie ‚Teile des menschlichen Körpers oder Geisteshaltungen‘ (Seite 17), z.B. ‚Mit dem Kopf‘, ‚Mit den Händen‘ und ‚Mit Kreativität‘. Die einzelnen Kapitel werden durch knappe Texte eingeleitet, die erklären, was der jeweilige Überbegriff beinhaltet und welche Bedeutung bestimmte Körperteile und die Arbeit mit diesen haben. Auch die einzelnen Berufsbilder werden kurz vorstellt, bevor Bilder zu diesen gezeigt werden.

Die oft großformatigen Fotografien sind sowohl dokumentarisch als auch ästhetisch, versiert aufgenommen und hochwertig gedruckt. Sie zeigen nicht nur die Menschen in verschiedenen Gegenden der Erde, wie sie ihrer Arbeit im jeweiligen Umfeld nachgehen, sondern fangen auch perfekt die Persönlichkeit der Abgebildeten und die Stimmung vor Ort ein.

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Rezension zu "Tagwerk" von Susen Truffel-Reiff

Beeindruckender Einblick
michael_lehmann-papevor 5 Monaten

Beeindruckender Einblick

Da, wo andere für eine Weile hinreisen, um Eindrücke zu sammeln, Urlaub zu gestalten oder bestimmten Zielen zu folgen, da ist natürlich auch Alltag. Und Alltag heißt tätig sein, Geld verdienen, Arbeiten.

„Wir haben Menschen bei ihrer Arbeit beobachtet und dabei versucht, ihre Fähigkeiten, ihren Wert und ihre Geheimnisse zu enthüllen, indem wir sie mit unserer Kamera festhielten“.

Wobei hierbei eine Haupt-Faszination der Autoren auf dem Bereich der „Schattenwirtschaft“ gerichtet war. Jene Welt, die aus „Improvisation, Selbstversorgung, Eroberung und „inoffiziellen“ Tätigkeiten heraus entstanden ist“.

Mit hochwertigen, den Moment je bestens festhaltenden Fotografien und erläuternden Texten nehmen die Autoren auf diese Weise den Leser mit auf eine faszinierende Reise „hinter die Kulissen“ manch exotischer Reiseziele und vermitteln einen eindrucksvollen Blick auf den alltäglichen, teilweise als Kampf zu betrachteten, Weg, den „die Arbeit“ an solchen Orten nicht selten nimmt.

Wobei ein der Kapitelüberschriften fast als thematisch roter Faden durch das Werk zu sehen ist. Bilder und Erläuterungen „Vom Leben und Überleben“.

Seien es Lehrer, die mit minimalsten Hilfsmitteln Schüler in dunkler, lehmiger Hütte unterrichten oder in karger Klosterschule ihren Einsatz zeigen. Seien es Mechaniker (beeindruckend ins Bild gefasst in Kuba), die mit eher einfachen Werkzeugen amerikanischen Oldtimern immer wieder zu Leibe rücken, oder ein indischer Uhrmacher, der in einer Art Bretterverschlag auf Kunden warten. I einer Welt und Umgebung, in der von der immer mehr grassierenden „Wegwerfmentalität“ noch nichts angekommen ist und auch eine einfache Uhr ihren Wert für den Besitzer hat.

Unter einer Energielampe, das wirkt modern erst mal, dann aber im fast fensterlosen Raum mit seinen Betonwänden an einer „Antiquität“ arbeitend, die Schneiderin in Benin, daneben der knochenharte Alltag der Fischhändler in Korea.

Bis hin, und das ist in westlichen Ländern tatsächlich nicht mehr vorstellbar, die Färbereien, in denen in Handarbeit harte, schmutzige, gesundheitsgefährdende „Färbungen“ vorgenommen werden.

Sowohl die großformatigen Fotografien bieten dabei, in hoher Qualität, fast dreidimensionale Eindrücke von Arbeitswelten, die keinerlei Romantisierung in sich tragen, wie auch die kleinen, feinen Einblicke in Gesichter und auf Werkzeuge und Arbeitsumstände es verstehen, den Leser emotional mit auf diese sehr spezielle „Reise“ zu nehmen.

Ein hervorragender Bildband, der tatsächlich den Blick auf die Welt ändert und schärft.

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