Suzanna Jansen

 4.5 Sterne bei 8 Bewertungen

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Suzanna JansenDas Paradies der Armen
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Das Paradies der Armen
Das Paradies der Armen
 (8)
Erschienen am 01.03.2016

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Rezension zu "Das Paradies der Armen" von Suzanna Jansen

Sozialgeschichte und Familiengeschichte in Einem
Antonellavor 3 Jahren

Das Totenbildchen ihrer Urgroßmutter Helena hat die Journalistin Suzanna Jansen bewegt, weit in die Vergangenheit ihrer Familie einzutauchen und schließlich ein Stück Niederländische Sozialgeschichte im  Buch festzuhalten. Sie sichtet Dokumente, folgt den belegten Spuren ihrer Ahnen, und verknüpft dabei die Geschichte der Umerziehungsanstalt Veenhuizen mit  ihrer eigenen Familiengeschichte. Dabei treten Fakten zutage, die für die noch lebenden Familienmitglieder überraschend und auch schmerzhaft sind.

Es beginnt mit ihrem Urahn Tobias, einem Soldaten, der über viele Stationen  1828 schließlich als Wächter mit seiner Familie in der neugegründeten und für die damaligen Verhältnisse geradezu revolutionären Umerziehungsanstalt Veenhuizen landet. Deren Gründer Johannes van den Bosch wollte tatsächlich die Lebensbedingungen der Armen verbessern und glaubte, das geeignete Mittel gefunden zu haben. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte belegt die Autorin sehr eindrücklich, wie Reformen und Veränderungen durchaus im Sinne der dort zwangsweise untergebrachten Menschen gedacht waren. Allerdings gab es eine deutliche Diskrepanz zwischen den Ideen der meist weit entfernt Planenden und Einweisenden und den Wächtern vor Ort, die den Inhaftierten meist mit wenig Mitgefühl und Menschlichkeit begegneten. Vereinzelte Zeugnisse von Opfern dieser katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen belegen dies.

Interessant ist es auch, über die Rolle der Kirchen in der Geschichte der Armenfürsorge und der Familie der Autorin zu lesen. Denn die Zugehörigkeit zur falschen Kirche bedeutete soziale Ächtung und Verweigerung von Unterstützung. Einen Anspruch auf staatliche Armenfürsorge gab es erst spät. Die Entwicklung des Hilfesystems und die demütigenden Hürden, die es zu nehmen galt, werden sehr eindrücklich anhand Rozas Geschichte vermittelt. Abgeschlossen wird die Familiengeschichte dann mit der Mutter der Autorin.

Besonders beeindruckt hat mich die Gegenüberstellung der Lebensläufe von Tobias und Johannes van den Bosch. Es wird sehr deutlich, dass die unterschiedliche Herkunft der beiden Männer ihr komplettes weiteres Leben bestimmen und ihr Handeln wenig Einfluss auf ihre Stellung hat. Ebenso beindruckt haben mich die Frauen in der Geschichte, die trotz aller Widrigkeiten, Benachteiligungen und Unzulänglichkeiten ihrer Ehemänner für ihre Familien gekämpft haben und schließlich mit Roza den Armutskreislauf für ihre Kinder durchbrechen konnten.

Sehr gelungen finde ich die hochwertige und ansprechende Aufmachung des Buches. Das Coverfoto mit dem Sepiabild von zwei ernst dreinblickenden Kindern passt perfekt  zum Inhalt. Zum besseren Verständnis der Familiengeschichte ist ein Stammbaum vorangestellt. Der Text wird durch viele Fotos von Familienmitgliedern, der Anstalt und von Dokumenten ergänzt.

Nach leichten Startschwierigkeiten hat mich dieses Buch dann doch sehr beeindruckt. Suzanna Jansen ist eine gelungene Verknüfung ihrer Familiengeschichte mit der Geschichte von Veenhuizen gelungen.

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siebenundsiebzigs avatar

Rezension zu "Das Paradies der Armen" von Suzanna Jansen

Familiengeschichte und Zeitdokument
siebenundsiebzigvor 3 Jahren

Familiengeschichte und Zeitdokument
Bewegend und teilweise erschütternd zu lesen. Eine Familiengeschichte und zugleich ein Zeitdokument von über zweihundert Jahren, hervorragend recherchiert und ausgezeichnet geschrieben.
Ausgelöst durch den Fund eines Totenbildes ihrer Urgroßmutter aus dem Jahre 1934 veranlaßt die Autorin sich mit der Lebensgeschichte ihrer Vorfahren mütterlicher Seite zu befassen. Diese beginnt laut Stammbaum, der im Buch abgedruckt ist, im Jahre 1785/1789.
Veenhuizen, eines der größten Umerziehungslager im damaligen Europa, gelegen in den Niederlanden, spielt dabei eine grosse Rolle. Beim Lesen dieses Buches erfährt man, was es heißt ein Leben in Armut welches geprägt ist von Hunger, Wohnungsnot, Kindersterblichkeit, Landstreicherei und dergleichen zu meistern. Dabei aber nicht aufzugeben und gegen die Not und das Elend anzukämpfen. In der Hauptsache waren es dabei die Frauen und Mütter in der Ahnenreihe, die diese Aufgaben bewältigten und das Leben an die nächste Generation weitergaben.
Die geschichtlichen Ereignisse dieser Zeit, gut recherchiert und interessant beschrieben, begleiten wie ein roter Faden diese schicksalhafte Familiengeschichte.
Mir hat das ganze Werk, das dazu noch mit Fotos aus dieser Zeit ergänzt ist unwahrscheinlich gut gefallen. Die hervorragende Schreibweise der Autorin und die gute Übersetzung in die deutsche Sprache (Andrea Prins), ließen für mich das Buch zu einem Leseabenteuer ersten Ranges werden.
Nur zu empfehlen und fünf Sterne dafür.

Kommentare: 1
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SaniHachidoris avatar

Rezension zu "Das Paradies der Armen" von Suzanna Jansen

Spannend geschrieben!
SaniHachidorivor 3 Jahren

Am Anfang des Buches befindet sich ein Stammbaum in der Einleitung, der sich als roter Faden für das Werk von Jansen entpuppt.
Angefangen bei ihrem ältesten Vorfahren Tobias Braxhoofden bis hin zu Elisabeth wird über jede Generation ihre ganz eigene und persönliche Geschichte erzählt. Jansen schreibt nicht trocken, sondern persönlich. Die starke Aufgliederung des Buches zu den einzelnen Personen schafft Übersichtlichkeit. Viele Bilder veranschaulichen die Beschreibungen der Autorin. Auch wenn die meisten Ereignisse in der Familiengeschichte negativer Natur sind, hat das Buch am Ende einen positiven Nachhall. Es ist nicht nur interessant, einer Familiengeschichte zu folgen, sondern regt auch zum Nachdenken an.

Das Buch “Paradies der Armen” ist etwas besonderes. Die Autorin schafft es, geschichtliche Fakten und persönliche Schilderungen miteinander zu verknüpfen. Man taucht ein in eine Familiengeschichte, begleitet die Mitglieder durch die Wirren des Lebens und bekommt selbst Lust, sich im Bereich der Ahnenforschung zu betätigen.
Sprachlich ist das Buch unanstrengend geschrieben, was für einen guten Lesefluss sorgt. Die Autorin versteht es diese Geschichte nicht trocken, sondern erlebbar zu schreiben. Die Schicksale machen betroffen, lehren aber auf eine eigene bestimmte Weise fürs Leben.

Dieses Buch ist nicht nur für Geschichtsinteressierte geeignet! Da ich selbst ein totaler Geschichtsmuffel bin, kann ich bestätigen, dass es durch die Schilderung persönlicher Schicksale so gar nicht trocken daherkommt. Wer sich für Ahnenforschung interessiert, findet hier ein Buch, das Lust auf eigene Nachforschungen macht!

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Gespräche aus der Community

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TheissVerlags avatar

 „Als ich meiner Mutter davon erzählte, war sie gerührt und mindestens so erstaunt wie ich: Sie hatte zwar schon von Veenhuizen gehört, das war ein berüchtigter Ort, hatte jedoch keine Ahnung, dass er mit ihrer Großmutter etwas zu tun hatte. Ihrer Ansicht nach schickte man früher alle Leute, die sich nicht anpassen wollten, nach Veenhuizen. Den ganzen Abschaum, der anderswo unerwünscht war. Sie wurden zur Strafe weggesperrt, da sie in der Gesellschaft nur Ärger verursachten.“

Suzanna Jansen hat sich auf Spurensuche nach den Wurzeln ihrer Familie begeben. Völlig unerwartet stößt sie dabei auch auf den kleinen Ort Veenhuizen, in dem sich vor 200 Jahren das größte Umerziehungslager Europas befand. Tausende Niederländer wurden damals dorthin gebracht, auch Suzannas Familie. Ihre Urgroßmutter Helena kam in diesem Lager zur Welt. Was als gute Idee begann, entwickelte sich rasch zu einer regelrechten Strafkolonie. Begleitet Suzanna auf dem Weg, die Geschichte ihrer Familie zu ergründen! Erfahrt, welchen Qualen Suzannas Familie in dem Lager ausgesetzt waren, wie sich Suzannas Großmutter alleine mit ihren fünf Kindern durchs Leben schlug und wie sich ihre Eltern während des Krieges kennen lernten und warum sie um ein Haar nicht hätten heiraten können.

Leseprobe

Neugierig geworden? Wir möchten nun mit euch eine Leserunde starten! Wenn ja, dann bewerbt Euch bis zum 03. März 2016 und erzählt uns, warum ihr das Buch „Das Paradies der Armen“ lesen möchtet! Zu gewinnen gibt es 10 Leseexemplare – wir sind gespannt auf Eure Antworten!

Wir freuen uns auf eine spannende Leserunde! Wie immer sind natürlich auch alle Leser und Leserinnen mit eigenem Exemplar herzlich eingeladen!

Liebe Grüße

Euer Team vom Theiss Verlag

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Letzter Beitrag von  Aspasiavor 2 Jahren
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