Suzanne Collins Als Papa im Dschungel war

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Inhaltsangabe zu „Als Papa im Dschungel war“ von Suzanne Collins

Wann kommt Papa wieder? Ein autobiografisches Bilderbuch der "Panem"-Autorin Suzanne Collins. Als Suzy sechs Jahre als ist, wird ihr Vater nach Vietnam einberufen. Warum musste Papa fort? Wann kommt er wieder? Wird er Suzy noch erkennen, wenn er zurückkehrt? Das Bilderbuch mit den farbkräftigen Illustrationen basiert auf Kindheitserinnerungen von Suzanne Collins, deren Vater in Vietnam war, und stellt eine Art autobiografischen Hintergrund zur Kriegsthematik in den berühmten "Panem"-Romanen dar.

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    Als Papa im Dschungel war

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. October 2013 um 12:56

    Nach meinem laienhaften Verständnis sollte ein Bilderbuch in altersgerechten Etappen Themen des vertrauten Kinderalltags aufgreifen, die Kleinen an neue Situationen und die damit verbundenen Gefühle (Angst, Freude, Enttäuschung ...) heranführen und dabei Lösungen oder nachvollziehbare Erklärungen anbieten oder selber entwickeln lassen können. Die Sprache des wenigen Textanteils sollte dabei einfach und gut verständlich sein und die begleitenden Bilder, die namensgebend den Löwenanteil ausmachen, sollten den Text unterstützen. Die Darstellungen sollten frei von zu übertriebener Symbolik sein, da ein Kind von vier oder fünf Jahren diese noch nicht zu entschlüsseln vermögen. Idealerweise entdeckt ein Kind den Inhalt gemeinsam mit einem Erwachsenen, der vorliest und den kleinen Betrachter im sich entwickelnden Gespräch bestärken, anregen, trösten und begleiten kann. Kinder sollten in ihrem Entwicklungsstand "abgeholt" werden, was auch bedeutet, dass ihnen weder Probleme noch Ängste aufgezwungen werden. Bedauerlicherweise gibt es tatsächlich Familien, in denen das Thema Krieg zum Alltag gehört und auch die Problematik, dass ein Elternteil die Familie verlassen muss, um in einem Krisengebiet stationiert zu werden. Ob nun für diese spezifische Situation ein Bilderbuch in deutscher Sprache herausgebracht werden muss, will ich nicht bewerten. Ob es so aufgemacht sein sollte, wie das von Suzanne Collins und James Proimos, dazu erlaube ich mir ein Meinung. Das Buch stellt eine Art autobiografische Episode aus dem Leben der Autorin dar, die im Alter von sechs Jahren ein Jahr lang um ihren Papa bangt, der in Vietnam stationiert war. Auch wenn der Titel noch etwas trügerisches (weil eigentlich von Kindern geliebt) Dschungelflair vermittelt, zeigt das Buch alsbald seine buchstäblichen Schattenseiten! Die sprachlich schwierigen Sätze vermitteln ein US-amerikanischen Alltag von 1968. Welches vierjährige Kind in Deutschland kennt den Lyriker Ogden Nash? Welches St.-Patricks-Day? Welches Kind dieses Alters hat eine Vorstellung davon, wo Vietnam ist (außer unseren Mitbürgern mit Wurzeln dort)? Es werden von der kleinen sechsjährigen Suzy in der Geschichte immer neue Fragen gestellt, jedoch findet sich kein Ansatz für eine Antwort. Manches alltägliches Tun ist vielen Kindern sicher vertraut (Abschied, wie lang ist ein Jahr ...), aber der Tenor bleibt unverständlich. Was bedeutet Krieg und warum muss ausgerechnet Papa dorthin? Warum ist Papa durcheinander, warum hat Papa eine sirupfarbene Haut ...? Auf den Punkt gebracht: In Deutschland braucht kein Kind dieses Buch! Keiner käme auf die Idee, Kindergartenkindern HEUTE vergleichsweise ein Bilderbuch über den Zweiten Weltkrieg in die Hand zu drücken. Ob die Amerikaner es brauchen, müssen sie selber entscheiden, doch sollte man bedenken, dass es schon die Grandpa-Generation ist, die dieses nationale Trauma bewältigen muss. Die Kinder von heute brauchen aktuelle Bezüge. Aber immer mit altersadäquatem Blick, denn mit welcher Thematik müssten wir demnächst rechnen? Mit "Mami kann fliegen, sie ist eine Schnapsdrossel" oder "Als mein Papa schwedische Gardinen bekam"? Gewalt kennt leider viele mögliche Bilder. Die von James Proimos in Grautönen angelegten Doppelseiten zeigen eine, zwar grafisch geschickt illustrierte, aber beängstigende Mutation von sympathischen Dschungeltieren der Fantasiewelt Suzys, hin zur Tötungsmaschinerie des Dschungelkrieges in Vietnam mit Bombern, Panzern, Gewehren, Soldaten und Explosionen, wie sie das kleine Mädchen versehentlich damals im TV sah. Ihre damalige Angst wird nun zu der der Leser! Gerade wenn man bedenkt, wo Kinderliteratur außer im privaten Bereich noch zu finden ist: Kindergärten, Vorschulen, Kinderkliniken, Arztpraxen etc. - vielen Minis fällt so ein Buch auch mal allein in die Hände. Vierjährige sind deutlich zu jung für diesen Stoff! Suzanne Collins ist "schon" sechs, als sie ihr Trauma durch ein reales Bild des Krieges vor dem Fernseher erlebt und NICHT versteht. Mich persönlich haben die cartoonähnlichen, digital colorierten Feder-Zeichnungen von James Proimos auch nicht übermäßig begeistern können, die zwar dicht am Text bleiben, jedoch mit zu simplem künstlerischen Anspruch. Was brachte nun den Oetinger-Verlag dazu, dieses Bilderbuch zu verlegen? Mein Verdacht fällt auf ein rein merkantiles Motiv, was legitim wäre, handelte es sich um eine Publikation für Erwachsene. Ein deutliches Mehr eigenverantwortlichen Abwägens - MUSS man alles tun, was man tun KANN - hätte ich begrüßt. Kinderbuchverlage scheinen mir kaum geeignet, erwachsenen Autoren/Autorinnen therapeutisch bei der Aufarbeitung ihrer persönlichen Traumata behilflich zu sein, sondern sollten primär ihre kleinen Lesern auf dem ohnehin schon beschwerlichen Weg ins Leben gefühlvoll begleiten. Dafür zahlen Kunden gerne. Das literarische Mittel der Wahl für die Autorin sehe ich nur in einer Autobiografie für Erwachsene. Suzanne Collins hat sich schon in ihrem "Gregor"-Quinternio (ebenso "Panem", jedoch war diese Trilogie für die Zielgruppe junger Erwachsener passender) nicht gerade weichgespült präsentiert und man könnte vermuten, dass aus dieser Leserschaft die jüngeren Geschwister rekrutiert werden sollten. Name sells! Sorry für mein zu lang geratenes Plädoyer für gewaltreduzierte Kinderzimmer. Meine Buch-Empfehlung, selbst wenn man mich kielholt: "Als Papa im Dschungel war" nicht mit nach Hause nehmen. Mein Exemplar ging retour - ich kenne KEIN Kind, dem ich DAS vorlesen mag. (T)

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