Svealena Kutschke

 3,9 Sterne bei 34 Bewertungen
Autor*in von Stadt aus Rauch, Etwas Kleines gut versiegeln und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Svealena Kutschke ist in Lübeck geboren und studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim. Sie ist Preisträgerin des Open Mike der Berliner Literaturwerkstatt 2008. Ein Jahr später erschien ihr Debüt Etwas Kleines gut versiegeln. Sie erhielt das Berliner Senatsstipendium, das Arbeitsstipendium der Stiftung Schleswig-Holstein und Aufenthaltsstipendien in China, Polen und Kroatien; ihre Beiträge erscheinen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. 2013 erschien ihr zweiter Roman Gefährliche Arten im Eichborn Verlag.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Svealena Kutschke

Cover des Buches Stadt aus Rauch (ISBN: 9783847900269)

Stadt aus Rauch

 (14)
Erschienen am 25.08.2017
Cover des Buches Etwas Kleines gut versiegeln (ISBN: 9783835323988)

Etwas Kleines gut versiegeln

 (10)
Erschienen am 11.12.2012
Cover des Buches Gefährliche Arten (ISBN: 9783847905370)

Gefährliche Arten

 (6)
Erschienen am 16.08.2013
Cover des Buches Gewittertiere (ISBN: 9783546100199)

Gewittertiere

 (4)
Erschienen am 02.08.2021
Cover des Buches Stadt aus Rauch (ISBN: 9783785755808)

Stadt aus Rauch

 (0)
Erschienen am 25.08.2017

Neue Rezensionen zu Svealena Kutschke

Cover des Buches Gefährliche Arten (ISBN: 9783847905370)
Jorokas avatar

Rezension zu "Gefährliche Arten" von Svealena Kutschke

koksen - kotzen - künsteln
Jorokavor 7 Monaten

Sasha hatte keine einfache Kindheit und sie reagiert darauf mit großer Wut, die auch selbstzerstörerische Tendenzen aufweist, sich aber vor allem am Gegenüber auslässt und im Besonderen Haustiere nicht verschont. In ihren Beziehungen spielt das gemeinsame Konsumieren von Kokain eine zentrale Rolle. Man gibt sich abgebrüht anti-monogam und macht sich dabei jedoch immer wieder selbst einen Strich durch die Rechnung und etwas vor. In den überkreuzten Beziehungen geht es letztendlich um einen Wettstreit und verletzte Eitelkeiten. Als sie Mutter wird, redet sie sich ihre entsprechenden Fähigkeiten schön. Ein Trip nach China soll sie retten, doch keiner möchte sie so wirklich zurück haben ..


Die Handlung spielt ansonsten in Berlin und weißt einen revolutionären Stil auf, der ein wenig aus der Zeit entrückt erscheint. Die zahlreichen Provokationen locken nicht mehr so wirklich hinterm Ofen hervor; und es war vor allem eines, was ich für die Protagonistin empfand: Mitleid. 

Ihre Unfähigkeit als Mutter und dem Leben als solchem gegenüber; ihre unterdrückten Gewaltimpulse, die dann doch ein Ventil finden. 

Die sprachliche Ausdrucksweise des Romans hat mir nicht sonderlich gefallen, vor allem die vielen Wiederholungen fand ich eher ermüdend. Hat jemand gezählt, wie oft sie sich übergeben hat im gesamten Verlauf?

Einzig die Ideen zum 'Kunstmarkt' fand ich originell.


Fazit: Ich wage mal als Erster, eine schlechte Bewertung abzugeben. Doch für mich war der Roman nicht cool, nicht innovativ, nicht besonders..... Den 2. Stern gibt es für das offensichtliche Bemühen. 



Cover des Buches Gewittertiere (ISBN: 9783546100199)
GAIAs avatar

Rezension zu "Gewittertiere" von Svealena Kutschke

Das Psychogramm einer Familie
GAIAvor 2 Jahren

Was sind eigentlich Gewittertiere/Gewittertierchen? Das sind diese klitzekleinen, schwarzen Insekten von 1 bis 3 mm Größe nur, die bei Gewitter aufgrund der Luftdruckveränderung in niedere Luftschichten sinken und sich dadurch in unseren Häusern und auf unserer Haut niederlassen. Nicht weiter bedrohlich, nur nervig. Fast könnte dies auch für die Familienmitglieder gelten, die Svealena Kutschke in ihrem gleichnamigen Roman porträtiert. Nur hat sich der Verlag nicht ohne Grund dafür entschieden, auf dem Cover statt den kleinen Tierchen bedrohliche Boa constrictor Schlangen abzudrucken. Was in dieser gewöhnlichen bundesrepublikanischen Familie, die wir beginnend ab den 1980er Jahren bis in die Gegenwart hinein begleiten, zunächst nur wie nervige Angewohnheiten und Mechanismen innerhalb dieser Familie daherkommt, wirkt zunehmend bedrohlich.

Die Familie Becker besteht – ganz prototypisch – aus Mutter, Vater, Tochter und Sohn. Könnte alles ganz normal und unkompliziert sein, aber wie wir wissen, ist es das beim Thema Familie nur selten. Mit dem Mauerfall steigen die Ängste des Vaters vor Zuwanderungen aus dem Osten, später von überall her. Er beginnt im kleinen Garten der Reihenhaussiedlung eigenhändig das Loch für einen Bunker auszuheben und wird einige Jahre mit diesem Lebensprojekt beschäftigt sein. Während in der Realität die Übergriffe auf sog. Ausländer(-heime) zunehmen, nehmen auch die Ressentiments des Vaters zu. Er sieht die Gefahr von außen, obwohl sie in dieser Familie von innen kommt. Die Mutter ertränkt ihre Sorgen im Alkohol. Und beide Eltern vernachlässigen dabei mit langfristig erschreckenden Folgen ihre beiden Kinder. So heißt es an einer Stelle des Romans treffend „Nichts, was ihnen [den Kindern] geschah, schienen die Eltern zu sehen.“ Die Geschwister sind Außenseiter und werden bis in ihr belastetes Erwachsenenleben nur schwer aus dieser Rolle herauskommen. Kein Wunder, geplagt durch ständige Selbstzweifel, gesät von dem Neglect der Eltern.

Kuschkes Roman folgt zwar über weite Strecken Colin (Cornelia), die Tochter der Familie, wirft jedoch mit seiner auktorialen Erzählperspektive immer wieder auch kritische Blicke auf die Lebensverläufe der anderen Familienmitglieder. So bekommt die Leserschaft einen intensiven Einblick in die Mechanismen einer dysfunktionalen Familie. Man könnte diesen Roman das Psychogramm des Systems Familie nennen. Hervorragend stellt die Autorin psychologische und soziologische Zusammenhänge innerhalb des Romangeschehens dar. Fast seziert sie dieses familiäre System bis ins kleinste Detail. 

Dies hatte für mich zur Folge, dass ich zunächst tatsächlich über die ersten 100 Seiten hinweg gar nicht richtig in den Roman hineingefunden habe. Man muss sich auf diesen langsamen, alles ausleuchtenden Stil einstellen, danach eröffnet sich das volle Potential des Buches erst so richtig. Beinahe hätte ich sogar innerhalb dieses ersten Drittels das Buch sogar abgebrochen, da ich nicht einschätzen konnte, wohin die Autorin mit ihrer Geschichte eigentlich will. Zum Glück bin ich dabeigeblieben, denn diese Fallvignette zur Familie Becker entwickelt einen starken Sog. Allein der Schluss konnte mich dann nicht mehr so recht überzeugen. Man könnte dem Roman zu viel Psychologisierung vorwerfen, zunächst kam mir dies auch so vor, im Gesamteindruck des Buches ist dieses vollständige Auserzählen für mich allerdings zu einer Stärke avanciert.

Es heißt im Roman „Colin wusste natürlich, dass Erzählungen normalerweise eine gewisse Dramaturgie brauchten, jede Form von Konflikt brauchte eine Lösung, jedes Narrativ ein Ende.“ Das ist in dieser Geschichte meines Erachtens nicht so. Lange Zeit vermisst man eine gewisse Dramaturgie, nicht jeder Konflikt kann gelöst werden und auch das Narrativ dieser familiären Prägung wird mit dem Ende des Romans noch kein Ende im Leben der beiden Geschwister finden. Und genau das macht diesem Roman so lesenswert. Hier werden Zusammenhänge dargestellt, dysfunktionale Mechanismen offengelegt, aber nichts einfach mal so nebenher gelöst. So funktioniert unsere Psyche nicht.

„Denn letztendlich hatte auch Colin sich die Absurdität des Bunkers nie in vollem Umfang klargemacht. Das war es, was ein Familiengewebe von jedem anderen unterschied: die Fähigkeit, vollkommen eigene Realitätsbezüge zu schaffen.“

Für mich handelt es sich hierbei um einen äußerst lesenswerten Roman, der zwar kleine Schwächen hat, über die man aber ob der über lange Strecken hinweg intensiven Leseerfahrung getrost hinwegsehen kann.

Cover des Buches Gewittertiere (ISBN: 9783546100199)
Buchstabenliebhaberins avatar

Rezension zu "Gewittertiere" von Svealena Kutschke

Anspannung und Familie
Buchstabenliebhaberinvor 2 Jahren

Eine Familie ohne Harmonie. Der Sohn bei jedem Mittag- und Abendessen dem Spott und Hohn des Vaters ausgesetzt, dem er es nie recht machen kann, eine Mutter, die nie Mutter sein wollte und dementsprechend ambivalent und unberechenbar reagiert und eine Tochter, die verzweifelt versucht, das Ganze auszugleichen.

Diese Szene zu Beginn des Buches (S.30-36) hat mich sehr berührt, weil sie fast genau so bei uns Zuhause statt gefunden hat. Ich bin baff, wie gut Svealena Kutschke diese Familie beschreibt. Wie sich eine solche Kindheit anfühlt, und was diese Disharmonie für das spätere Leben bedeutet.

Ich mag diese Geschichte. Der unsichere Vater Martin mit seinem Atomschutzbunker im Garten, der völlig dilettantisch gebaut, ständig absackt, und den er irgendwann nur noch dazu nutzt, nicht bei seiner Familie sein zu müssen. Die Mutter, die der Tochter ihr Leid klagt, völlig unempfindlich gegenüber den Sorgen ihrer eigenen Kinder, nur mit sich selbst beschäftigt, um dann Trost im Alkohol zu finden.

Der Sohn. Hannes. Schon früh der Depp von allen, in der Schule gemobbt, vom Vater gemaßregelt, hat außer der Schwester niemanden, der ihm Zuneigung zeigt. Cornelia, Colin genannt, seine Schwester, hat aber ihr eigenes Päckchen zu tragen, wie sollte die kleine Schwester den Bruder retten können. 

Bei der Vorgeschichte wundert es nicht, dass beide vom Pech verfolgt sind, mit enormer Anspannung und wenig bis gar keinem Selbstbewusstsein durchs Leben gehen.

Hannes hat als Erwachsener endlich ein kleines bisschen Macht in seiner Rolle als Gerichtsvollzieher. Als er endlich eine Freundin findet, eine alleinerziehende Schuldnerin, schlüpft er in die Schuhe seines Vaters, ohnmächtig seiner Geschichte ausgeliefert.

Colin, nicht unintelligent, fühlt sich in der Welt der studierten Menschen nicht wohl und findet ihren Platz in einem Job in einem Kiosk. Nach langer Suche findet sie eine Partnerin, die zu ihr passt. Sie hätte so viel mehr erreichen können, aber sie ist zufrieden mit dem was sie hat, und das ist doch das Wichtigste.

Mein Fazit:

Für mich ist das Buch eines meiner Lesehighlights des Jahres. 

Die Geschichte ist intensiv und schmerzhaft. Sehr realistisch. In einer sehr angenehmen Sprache geschrieben. Sie hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Sie weckt Emotionen. Sie zeigt auf, wie unglücklich diese Eltern immer auch waren, und wie dieses Unglück dadurch auf die nächste Generation überschwappt. Wie tragisch das ist.

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Community-Statistik

in 85 Bibliotheken

auf 21 Merkzettel

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