Svealena Kutschke

 3,9 Sterne bei 43 Bewertungen
Autor*in von Stadt aus Rauch, Gespensterfische und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Svealena Kutschke ist in Lübeck geboren und studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim. Sie ist Preisträgerin des Open Mike der Berliner Literaturwerkstatt 2008. Ein Jahr später erschien ihr Debüt Etwas Kleines gut versiegeln. Sie erhielt das Berliner Senatsstipendium, das Arbeitsstipendium der Stiftung Schleswig-Holstein und Aufenthaltsstipendien in China, Polen und Kroatien; ihre Beiträge erscheinen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. 2013 erschien ihr zweiter Roman Gefährliche Arten im Eichborn Verlag.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Svealena Kutschke

Cover des Buches Stadt aus Rauch (ISBN: 9783847900269)

Stadt aus Rauch

(14)
Erschienen am 25.08.2017
Cover des Buches Gespensterfische (ISBN: 9783895613630)

Gespensterfische

(10)
Erschienen am 27.02.2025
Cover des Buches Etwas Kleines gut versiegeln (ISBN: 9783835323988)

Etwas Kleines gut versiegeln

(10)
Erschienen am 12.12.2012
Cover des Buches Gefährliche Arten (ISBN: 9783847905370)

Gefährliche Arten

(5)
Erschienen am 16.08.2013
Cover des Buches Gewittertiere (ISBN: 9783546100199)

Gewittertiere

(4)
Erschienen am 02.08.2021
Cover des Buches Stadt aus Rauch (ISBN: 9783785755808)

Stadt aus Rauch

(0)
Erschienen am 25.08.2017

Neue Rezensionen zu Svealena Kutschke

Cover des Buches Gespensterfische (ISBN: 9783895613630)
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Rezension zu "Gespensterfische" von Svealena Kutschke

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Dringliche Empfehlung - Psychiatrie von 1920 bis in die 2020er

Im Mittelpunkt der Romans steht die Lübecker Jannsen Klinik. Laura Schmidt, die selbst Patientin der psychiatrischen Klinik war, lernt dort die Patientin Olga Rehfeld kennen. Olga wollte einst Schriftstellerin werden, doch sie lebt schon seit Jahren in der Psychiatrie.

 

Laura Schmidt möchte Olga Rehfelds Geschichte dokumentieren, die fast ihr gesamtes Erwachsenenleben in der Psychiatrie verbrachte. Sie besorgt sich ein Diktiergerät und es ergibt sich, dass sie mit vielen Menschen, die unmittelbar mit der Klinik zu tun haben spricht – mit Patient*innen, Ärzt*innen, Psycholog*innen und Pflegepersonal spricht. Daraus generiert sich eine hundert Jahre umspannende Geschichte, von 1920 bis in die 2020er. Es geht um den Klinikalltag und die Beziehungen zueinander, die zeigen, wie sich die Gesellschaft geändert hat, gerade auch in Bezug auf psychische Erkrankungen. Vom Nichtwissen in der Nazi-Zeit über Behandlungsmethoden bis in die Gegenwart wird der Bogen gespannt.

 

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven, jedoch nicht chronologisch erzählt. Das macht das Besondere in dieser romanhaften Erzählung aus. Insgesamt entsteht so ein Gesamteindruck der Psychiatrie der letzten hundert Jahre.

 

Ein kluges, anspruchsvolles Buch, zwischen Fakten in und Berichten aus der Psychiatrie, das genau meinen Geschmack getroffen hat. Daher empfehle ich es sehr gerne.

Cover des Buches Gespensterfische (ISBN: 9783895613630)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Gespensterfische" von Svealena Kutschke

Hyperikum
Eine überaus versierte Geschichte

Die Neunzigerjahre

Laura hatte die Gesichter in der Uni nicht mehr ausgehalten, wenn sie plötzlich im Mittelpunkt stand. Sie interpretierte die Mimik immer falsch. Erst in der Klinik verstand sie, dass ein Blick, der sie trifft, sie nicht zwangsläufig sieht. Sie besorgte sich ein Diktiergerät und nahm fortan alle Gespräche heimlich auf. Nicht der Inhalt interessierte sie, sondern die Diskrepanz zwischen ihrer Wahrnehmung und der Wirklichkeit. Lukas, gerade einmal zwanzig, war Pfleger in der Janssen-Klinik. Laura sprach gern mit ihm und wenn sie sich nachts unter der Bettdecke ihre aufgenommenen Gespräche mit ihm anhörte, war da kein Unterschied. Es war genauso, wie sie ihn wahrgenommen hatte. 

Die Nullerjahre

Lukas wollte Meeresbiologie studieren und hatte eine Zusage aus Husum. Dann war seine Mutter gestürzt, ausgerechnet über seine Schuhe. Sie lag den ganzen Nachmittag im Flur, bis er wieder heimkam. Der Arzt, der sie untesuchte sagte es sei bloß gut, dass nichts passiert war, die Rettung würde die Mutter wohl kaum durch die Türe transportiert bekommen. Lukas war nicht bewusst gewesen, dass seine Mutter nicht mehr durch die Tür passte, ihr schon. Eigentlich wollte er aus dem Sozialbau Hudekamp, den er mit ihr bewohnte, aussteigen, doch dann zerriss er die Zusage aus Husum in kleine Fetzen.

Die Achtzigerjahre

Als der neue Arzt das Haldol bei Olga Rehfeld absetzte, das ihre Nerven jahrzehntelang torpediert hatte, begannen die Zuckungen, das Schmatzen und Züngeln. Noll hatte ihr die Literatur zurückgebracht, als Olga wieder denken konnte. Wenn die Neuzugänge kamen, sortierte sie ihr Besteck sechsunddreißig Mal hin und her. Sie musste hierbleiben. Mit dieser Situation hatte sie sich arrangiert, im betreuten Wohnen würde sie untergehen, das wusste sie.

Fazit: Svealena Kutschke hat überaus versiert eine Geschichte zusammengetragen, die am Ende das Bild einer Psychiatrie im Laufe von hundert Jahren zeigt. Mit großer Beobachtungsgabe hat sie Ärzte, eine Psychologin, Pflegekräfte, Patientinnen und deren Angehörige porträtiert. Ihre Kapitel sind unterteilt in die Jahrzehnte und die Person, die gezeigt wird. Die Kapitel springen scheinbar unwillkürlich hin und her und das, was ich erfahre, macht die Geschichte am Ende rund. Alle Mitwirkenden sind emotional versehrt. An jeder Ecke lauert der Tod (Thanatos lässt grüßen) und dann fällt die Tatsache, dass ein Leben tatsächlich endet vom Himmel wie die Klinge der Guillotine und trifft mich wie ein Schlag. Die Autorin zeigt sehr genau, wie ein psychisch kranker Mensch sich in seinem Zustand fühlt, wie er es erlebt. Aber nicht nur das, sie bindet auch ganz leicht, wie zufällig die Geschichte der Psychiatrie ein. Von der Euthanasie und „Wir wussten nicht, wohin die Menschen deportiert wurden“ über heute umstrittene Behandlungsmethoden und Medikamententestungen noch nicht zugelassener Arzneimittel. Und dann hat Svealena Kutschke auch noch Platz gelassen für viele unglaublich kluge Lebensweisheiten: „Empathie als Überlebensstrategie“ oder auch „Die Wirklichkeit ist nur eine Vereinbarung“. Das liest sich spannend und macht nachdenklich. Sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen.

Cover des Buches Gespensterfische (ISBN: 9783895613630)
dunis-lesefutters avatar

Rezension zu "Gespensterfische" von Svealena Kutschke

dunis-lesefutter
Anspruchsvoll und intensiv

Kein Bereich in der Medizin hat so einen großen Wandel durchgemacht wie die Fachrichtung Psychologie. Wenn man sich die Verhältnisse von vor 100 Jahren anschaut, in denen Patienten oft ein Dasein fristeten, welches mehr dem von eingesperrten Tieren glich,  als dem von menschlichen Wesen, so kann man nur froh sein, dass diese Zeiten vorbei sind. In „Gespensterfische“ hat die Autorin die Entwicklung psychiatrischer Einrichtungen und Behandlungsmethoden in Deutschland, sowie die gesellschaftliche Sicht darauf in einen fragmentarischen Roman eingebettet. Dabei wirft sie einen geschärften Blick auf Schicksale von Patienten, und die daraus resultierenden Reaktionen von pflegenden, behandelnden und angehörigen Personen, die je nach Jahrzehnt unterschiedlich ausfallen.


Im Zentrum steht die Lübecker Jannsen Klinik. Von den 1920er Jahren  bis hinein in unsere 20er des neuen Jahrtausends begegnen wir dort immer gleichen Personen in wechselnden Lebensphasen. Eine über das ganze Buch sehr präsenter Figur ist Laura Schmidt, die selber Patientin dort war und intensiveren Kontakt zu einer anderen Erkrankten geknüpft hat. Das wiederum gewährt ihr Zugang zu Olga Rehfeld, die sich in einer nahezu lebenslangen Beziehung zum Klinikum auf ganz besondere Art literarisch damit auseinandersetzt. Laura möchte diese Texte bewahren und wählt eine gestalterische Form der Dokumentation und Verbreitung. Es tauchen weitere Figuren auf, die oft in direkter Linie zueinander stehen oder als Angehörige Querverbindungen herstellen. 


Kutschkes intelligenter Roman gibt Fakten, der Historie wieder, und verwebt, diese 

geschickt zu einem Bilderbogen, der nicht nur Schicksale einzelner Menschen wiedergibt, sondern im Subtext die Geschichte unseres Landes, mit der gesellschaftlichen Sicht auf seelische und geistige Krankheiten transportiert. Die Veränderungen gehen oft mit der Haltung und ideologischen Strömungen der Bevölkerung einher. Das schlägt sich besonders in der Zeit des Nationalsozialismus und der Weimarer Republik nieder. Und häufig ist es so, dass Aktion und Reaktion nicht trennscharf sind und man sich fragt, welcher gesellschaftliche Wandel bedingt psychische Erkrankungen.


Das Buch hat einen hohen Anspruch an uns, Leser*innen. Es erzählt, fragmentarisch und nicht chronologisch. Wir springen in den Zeiten zwischen Ereignissen und Personen hin und her. Der reflektive Blick einiger Protagonisten auf sich selbst oder Ereignisse, die mit anderen zu tun haben erfordern große Aufmerksamkeit, sind aber immer schlüssig und gut verständlich geschrieben. Mir ist es trotzdem des Öfteren schwer gefallen, die Protagonisten mit schon Erzähltem in Verbindung zu bringen. Wer mit wem enger verbunden ist oder was mit welcher Person zusammenhing war mir nicht immer sofort präsent, und so musste ich manchmal zurückblättern und nachschauen, um mir schon Gelesenes in Erinnerung zu rufen. Deshalb habe ich für diesen Roman sehr lange gebraucht.

Ich hatte beim Lesen schon das Gefühl, mir den Text nach und nach erarbeiten zu müssen. Am Ende hat sich das aber gelohnt, denn ich habe einen besonderen Weg entdeckt, mich mit der Thematik auseinander zu setzen. Und als Bonus bekomme ich die Message welch heilende Kraft Literatur hat.


Eine literarische Empfehlung für alle, die ein besonderes Interesse an Psychologie haben, und nicht davor scheuen Zeit und Konzentration in einen anspruchsvollen Text zu investieren. 

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