Svealena Kutschke Gefährliche Arten

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 4 Rezensionen
(3)
(3)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Gefährliche Arten“ von Svealena Kutschke

Wir waren die Verlorenen, die Seligen, die Gnadenlosen. Die Liebe konnte ja nicht mehr gut schmecken, da steckte doch schon der Dreck von Generationen drin. Sasha und Jannis sind jung und sie wissen nicht, was sie tun; heilig ist ihnen allein ihre Kunst. Ihr Mobiliar suchen sie danach aus, ob man sich an den Kanten anständig verletzen kann. Dann wird Lizzy geboren. Sashas Art zu lieben ist so hilflos wie gnadenlos. Sieben Jahre führt die Familie ein Leben wie ein Drahtseilakt, bis das Seil schließlich reißt. Sashas Kunst wird radikaler, die Künstlerin gefährlich. Sie weiß noch immer nicht, was sie tut, aber das mit erschreckender Konsequenz. Wir erleben: wie eine Frau, die zu mögen uns sehr leicht fällt, zur Mörderin wird. Svealena Kutschkes neuer Roman ist schrecklich und komisch, cool und elegant, anrührend und grausam zugleich. Und dass dieser aufwühlende Höllenritt den Leser am Ende trotz allem seltsam versöhnt entlässt, ist ihre große Kunst.

Sicher kein Buch für jedermann. Mich hat es zum Nachdenken gebracht. Ein Nachdenken über Liebe, Vertrauen, Freundschaft und Kunst.

— Orisha
Orisha

Stöbern in Romane

Manchmal ist es schön, dass du mich liebst

Wunderschöne Geschichte von zwei Freundinnen, die auch noch sehr lustig ist.

_dieliebezumbuch

Mein dunkles Herz

Keine klassische Liebesgeschichte, sondern die etwas mythisch anmutende Lebensgeschichte einer Frau mit einer besonderen Gabe

schnaeppchenjaegerin

Ein Haus voller Träume

interessante Einblicke in eine Familie, ein Buch mit kleinen Schwächen

Kaffeetasse

Die Tänzerin von Paris

Lucias Geschichte hat mich sehr bewegt. Es war erschreckend mit zu verfolgen, wie aus einer talentierten Frau ein psychisches Wrack wird.

hasirasi2

Und es schmilzt

Eine großartige Geschichte, ohne dabei zu sein doch dabei, und wie sprachgewaltig - wow!

Daniel_Allertseder

Im Herzen der Gewalt

Ein wirklich dramatisches, aber auch faszinierendes Buch über den Mut eines Mannes, der belogen und betrogen wurde - ein Mutmacher!

Daniel_Allertseder

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Kunst und freie Liebe in Berlin

    Gefährliche Arten
    Orisha

    Orisha

    27. March 2015 um 19:37

    "Die Liebe kann doch nicht mehr gut schmecken. Da steckt doch schon der Dreck von Generationen drin. Tränen, gebrauchte Kondome, Judith Butler, Alice Schwarzer, Marquise de Sade und Don Juan." Eine kranke, suizidgefährdete Mutter. Eine verlorene Liebe. Eine Menage a quatre. Stadt und Land. Drogen. Kunst. Berlin. Dies ist die Geschichte von Sasha, Jannis, Tim und Sophia. Nachdem Sashas Freund Mo mit ihr Schluss gemacht hat, nimmt sich Sasha eine Auszeit. Sie fährt aufs Land, um sich ihrer Kunst zu widmen. Dort trifft sie Jannis und schnell beginnt sie Gefühle für ihn zu entwickeln. Doch Jannis ist mit Sophia liiert. Das hält jedoch keinen der Protagonisten davon ab, ein Verhältnis anzufangen: Sophia mit Tim, Jannis mit Sasha. Und zunächst scheint, das auch zu funktionieren. Bis Sasha schwanger wird. Svealena Kutschke hat einen artistischen Roman geschrieben, der vor Kunst, freier Liebe, Unangepasstheit und Drogen nur so überquillt. Als Leser fiel es mir schwer Sympathien für Sasha aufzubringen, schließlich fordert sie ihr Leben ein ums andere Mal heraus und durchstößt dabei immer Mal Grenzen des Moralischen. Ihre Kunst ist zugegeben nichts für jedermann: Wer käme schon auf die Idee ein Projekt mit Obdachlosen zu starten, die fotografisch begleitet mit verschiedensten Dingen ausgestattet werden: ein paar warmen Stiefeln, einer Decke, einem Korb Essen, einem MP3-Player oder einer Eintrittskarte für den Zoo. Zugegeben das mutet merkwürdig an, ist aber im Kern sehr sozialkritisch und das gefiel mir. Sasha gebrochenes Selbst spiegelt sich in ihrer Kunst und vor allem im Interagieren mit denen, die sie vermeintlich liebt: Mo, Jannis oder ihre Tochter Lizzy. Dabei kommt sie nicht als liebende Mutter oder Freundin daher, sondern als jemand, der noch nicht zu sich selbst gefunden hat.  Fazit: Sicher kein Buch für jedermann. Mich hat es zum Nachdenken gebracht. Ein Nachdenken über Liebe, Vertrauen, Freundschaft und Kunst.

    Mehr
  • Gefährliche Menschen.

    Gefährliche Arten
    Iudas

    Iudas

    15. January 2014 um 09:53

    Die junge Sasha ist von Beruf Künstlerin. Eine unkonventionelle Künstlerin, deren Ansinnen es ist, Menschen mit ihrer Kunst zu verwirren, zu erschrecken und zu brüskieren. Daneben führt sie noch zahlreiche problematische Beziehungen mit Jannis, Tim und Mo, wobei sie von ersterem schlussendlich schwanger wird und ein Mädchen bekommt. Ihr ganzer Schatz und Stolz, doch sie wird von ihrer Situation zunehmend immer mehr überfordert. Drogenkonsum und wiederholtes Scheitern ihrer Beziehungen beschleunigen ihren Verfall und zunehmend kann sie nicht mehr unterscheiden, was Realität und was Wahn ist und immer mehr rutscht sie in ein tiefes Loch, aus dem ihr scheinbar niemand mehr helfen kann. Wenn Svealena Kutschke schreibt, dann darf man sich sicher sein, daß die Erzählungen keine Wohlfühlmärchen sind, sondern das raue, harte Leben mit seinen Ecken und Kanten abbilden. Sie studierte Kulturwissenschaft und Ästhetische Praxis in Hildesheim, widmete sich aber auch rasch verschiedenen schriftstellerischen Arbeiten. 2008 gewann sie den 2. Platz beimOpen Mike in Berlin, ein Jahr darauf erschien ihr Debütroman »Etwas Kleines gut versiegeln« (Wallstein), der auch von der Presse gute Kritiken bekam. Nun ist 2013 ihr zweiter Roman bei Eichborn erschienen und trägt den ansprechenden Titel »Gefährliche Arten«. Die Frage ist nur: welche Art ist denn hier so gefährlich? Kutschkes Stärke liegt eindeutig in ihrem spielerischen Umgang mit den Worten, sprachlichen Schöpfungen, klaren Strukturen und eindrücklichen Bildern. Der ganze Verfall wird aus der Sicht Sashas geschildert und schon zu Beginn fällt eine enorme sprachliche Distanz auf, die die Protagonistin zu ihrer Umwelt zu haben scheint. Trotz dieser Entfernung zum Geschehen ist man durch die personale Erzählweise ganz nah an den Gefühlen Sashas. Auch wenn Kutschke in einem derart nüchternen Ton zum Beispiel den Zusammenbruch eines der Freunde Sashas durch einen Drogenüberdosis schildert, ergreift es gerade durch diese abweisende, kühle Art das Herz des Lesers, der von der Dramatik und der Kälte der Protagonisten erschüttert ist.. So wie Sasha die Besucher ihrer Ausstellung mittels toter ausgestopfter Tiere und Verkleidungen ihrer Person erschrecken und verwirren will, so kann man der Autorin ebenjenes Interesse attestieren. Man muß als Leser sehr bei der Sache sein, um nicht den Faden zu verlieren, denn Gedankensprünge und Zeit-, sowie Ortswechsel machen das Verstehen nicht einfacher. Besonders als Sasha von ihrer Depression und ihren Wahnvorstellungen zunehmend aufgefressen wird, vermischen sich verschiedene Wirklichkeits- und Gedankenebenen und man wird in die Lage der Protagonistin versetzt, die nicht weiß, ob sie das, was sie eben tat, auch wirklich tat; ob sie das, was vor einer Sekunde dachte, auch wirklich dachte. Ich war erstaunt, mit welcher Realitätsnähe die Autorin die Depression und die innersten Gedanken Sashas schildern konnte. Sie waren zum Teil so realistisch und in ihren Schilderungen so detailgetreu, daß man glauben möchte, Kutschke hätte selbst schon einmal Erfahrungen damit gemacht. Das einzige, was mir mit der Zeit sauer aufstieß, waren dauernde Wiederholungen. Man bekam mit der Zeit das untrügliche Gefühl, Sasha wäre dauerschwanger und würde sich bei jeder sich nur anbietenden Gelegenheit und an jedem Ort fröhlich übergeben. Daß sie durch den Drogenmißbrauch keinen sonderlich gesunden Körper mehr haben kann, dürfte verständlich sein, aber dieses lakonische »[…] und sie übergab sich auf dem Platz« (oder im Restaurant oder anderswo) wirkten irgendwann doch leicht übertrieben.   Aber ich muß dieses Buch guten Gewissens jedem empfehlen, der nicht nur auf Gute-Laune-Lektüre mit Friede-Freude-Eierkuchen-Ende steht, denn diese Geschichte ist wirklich harter Tobak, schonungslos und rabiat. Kutschkes Schilderungen der Wirklichkeit sind zum Teil so hart und erbarmungslos, daß man von dem Buch eingesogen wird, aber auch gleichzeitig abgestoßen wird. Man erkennt sich teilweise in den Protagonisten wieder, will es aber partout nicht. Gerade das macht »Gefährliche Arten« zu einem lesenswerten Buch, das vielschichtig und fesselnd ist. Einmal lesen reicht nicht – viele der Anspielungen und Wortwitze versteht man erst beim nochmaligen Lesen, wenn schon Vorwissen vorhanden ist. Ich danke dem Eichborn Verlag für die Zusendung des Buches »Gefährliche Arten«, sowiebloggdeinbuch.

    Mehr
  • keine leichte Kost, aber herrlich tiefgreifend ...

    Gefährliche Arten
    Mikki

    Mikki

    01. January 2014 um 15:10

    Ich muss gestehen, ich hatte mit dem Buch so meine Probleme, denn mal eben so lesen ist hier definitiv nicht drin..aber die Mühe lohnt sich! Wir erleben einen Teil des Lebens der jungen Frau Sasha, die teilweise in Berlin, teilweise in China verweilt und ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge hat ... Sasha ist Künstlerin, hat eine Tochter mit einem jungen Mann, den sie liebt aber doch auch nicht. Sie strauchelt zwischen erwachsen sein und jugendlichem Leichtsinn ... ihr Leben ist alles andere als perfekt und schon gar nicht einfach, doch Sasha hat eine Art und Weise, die den Leser schockt und fesselt gleicher Maßen ... man beginnt über sich selbst nachzudenken. Versucht ihre Handlungen zu verstehen und hat doch das Gefühl immer von etwas Abseits zu betrachten und dann wieder mitten drin zu sein. Es fällt mir durchaus schwer, das Buch als eine zusammenhängende Geschichte zu betrachten, denn ich habe die angegeben Zeitpunkte und Orte eher überlesen und irgnoriert, da ich dann wahrscheinlich völlig ins taumeln geraten wäre, andererseits ist es genau das, was diesem Buch etwas ganz besonderes gibt, die Schreibweise passt einfach perfekt zur Protagonistin.  Was das sprachliche angeht, da kommt doch der Deutsch-LK-Besucher in mir wieder ganz stark an die Oberfläche, es steckt so viel mehr in diesem Buch, als man auf den ersten Blick sehen kann. Allein aus dem, was Sasha in ihrer Galerie verkauft könnte man wahrscheinlich noch diverseste Sinnhaftigkeiten filtern und eine Analyse verfassen, die doppelt so dick ist, wie das Buch selbst, so genau habe ich  es mit dann allerdings noch nicht zu Gemüte geführt.  Dieses Buch gehört wohl zu denen, die man erst beim zweiten Lesen so richtig in sich aufnehmen kann ... vll auch möchte, eine dieser Geschichten, die man am besten in einem Stück liest, mit einem Notizblock, Post Its und einem angespitzten Bleistift neben sich ...  Ein Buch für jeden, der eine junge Frau begleiten möchte, die alles andere als üblich ist, die Dinge tut, die viele als verwerflich betrachten würden, die aber doch so sehr unserer Gesellschaft entsprechen und manchmal vll auch das sind, was manche von uns einfach gar nicht wahr haben wollen ... 

    Mehr
  • Die kaputten Geschöpfe der Post-Adoleszenz

    Gefährliche Arten
    NilsMohl

    NilsMohl

    23. October 2013 um 21:23

    Wie genau geht das mit dem richtigen Leben? Sie heißen Sasha und Jannis, sie haben zu kleine und zu große Ansprüche an sich, an ihre Arbeit, an Freundschaften, an die Liebe – und dann haben sie ein Kind. Und sie tragen das Gepäck, das ihnen die Generation ihrer Eltern in ihrer Gestörtheit aufgebürdet hat zu dem eigenen auch noch mit sich herum. Vor der Kulisse eines bieder-ekstatischen Berlins, der Einöde einer ländlichen Künstlerverschickungseinrichtung und des urbanen Chinas von heute führt der Roman so das traurige und aufregende Scheitern junger Menschen beim Erwachsenwerden vor. Traurig, weil es ein Leichtes ist, die Überforderung und Verzweiflung aller beinah körperlich nachzufühlen. Aufregend, weil die Sprache, die dafür gefunden wird, so präzise, so schlicht und zugleich so reich ist, dass es einem immer wieder den Atem verschlägt. Und so schafft der Roman dann das Kunststück, das er dem Leben seiner Figuren verweigert. Er gelingt. Tiefe Verneigung.

    Mehr