SUPERBUHEI

von Sven Amtsberg 
3,0 Sterne bei5 Bewertungen
SUPERBUHEI
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (1):
Sassenach123s avatar

Ein Roman der viele Genre abdeckt, wirklich überragend

Kritisch (2):
LitteraeArtesques avatar

Bei dem Versuch, sich aus der Gewöhnlichkeit zu kämpfen, verliert sich das Geschehen im Surrealen - sprach mich einfach nicht an...

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Inhaltsangabe zu "SUPERBUHEI"

Dass Langenhagen der Platz sein würde, den das Leben ihm zugedacht hat, hätte Jesse Bronske nicht geglaubt. Auch nicht, dass die Sitzschönheit Mona die Frau an seiner Seite sein würde. Mona ist Supermarktkassiererin im SUPERBUHEI, wo Jesse die Kneipe »Klaus Meine« betreibt. Tag für Tag schenkt er trostlosen Gestalten Drinks aus, die er nach Scorpions-Songs »Gin of Change« oder »Grog you like a hurricane« genannt hat.
Mit seinem alten Leben hat er abgeschlossen, vor allem mit seinem Zwillingsbruder Aaron, der ihm so sehr gleicht, dass noch nicht einmal ihr Vater, Imbissbudenbesitzer und Elvis-Imitator in Hamburg-Rahlstedt, sie auseinanderhalten kann. Doch als Jesse eines Nachts vor seinem Haus eine Gestalt im Maisfeld sieht, ist er sich plötzlich sicher: Aaron ist zurückgekehrt und verfolgt den teuflischen Plan, ihn zu ersetzen...
Sven Amtsbergs furioses Romandebüt ist Komödie und Vorstadtroman, am Ende ein Thriller. Amtsbergs unverwechselbarer Sound, hanseatisch-lakonisch, ein »Unernst mit Tiefenwirkung« (Hamburger Abendblatt) und sein schräger, unschlagbar charmanter Witz machen SUPERBUHEI zu einem unendlichen Spaß.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783627002343
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Frankfurter Verlagsanstalt
Erscheinungsdatum:07.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    pardens avatar
    pardenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Hier wird Tristesse groß geschrieben, und der Blick auf das Leben ist ein resignierter. Ein trostloses Spiel um Realität und Wahn und Kafka.
    Tristesse in Langenhagen

    TRISTESSE IN LANGENHAGEN...

    Als Sohn eines Elvis-Imitators wächst Jesse, benannt nach dem totgeboren Bruder des King, im Schatten seines Zwilligsbruders Aaron in Hamburg-Rahlstedt auf. Jesse flieht nach Langenhagen, betreibt dort die trostloseste aller Kneipen, das 'Klaus Meine', und wähnt sich in Sicherheit - bis ihn die furchtbare Ahnung beschleicht: Aaron ist in sein Leben zurückgekehrt, mit dem teuflischen Plan, ihn zu ersetzen.

    Jesse und Mona. Jesse und Klaus Meine und seine Scorpions. Jesse und seine Kneipe und der Alkohol. Jesse und Kafka. Das fasst das Buch im Wesentlichen zusammen, auch wenn deswegen sicher noch niemand versteht, worum es hier eigentlich geht. Aber es deutet meine Unlust an bei dem Gedanken, zu diesem Buch noch allzu viele Worte zu verschwenden.

    Selten habe ich mich nämlich derart durch ein Buch gequält. Beschreibe den Roman in drei Worten? Tristesse, Paranoia, Kafka. Und Jesse? Mittelmäßigkeit, Selbstmitleid, Alkoholsucht. Eine Mischung, die mir jedenfalls nicht sonderlich zusagte und in der ich nicht wie manch anderer Leser etwas Erfrischendes entdecken konnte. Aber nun gut. Ein paar Worte mehr sollen es noch sein...

    Erzählt wird aus der Ich-Perspektive Jesses, wodurch der Leser 1:1 an den Gedanken des Hauptcharakters teilhaben und dadurch knietief die beklagenswerte Gewöhnlichkeit seines Lebens durchwaten kann.

    Jesse lebt mit Mona zusammen, einer Verkäuferin im Superbuhei, in einem kleinen schmuddeligen Haus am Rande eines Maisfeldes. Jesse betreibt außerdem eine kleine schmierige Kneipe, die an das Superbuhei nachträglich rangeklatscht wurde und trinkt dort mit seinen Stammkunden um die Wette, immer auf der Suche nach dem hilfreichen Pegel, der das Leben irgendwie erträglicher macht - bis zum nächsten Morgen. Jesse ist zudem ein großer Fan der Scorpions, vor allem von Klaus Meine. Und so führt er mit dem Frontman der Hardrock-Band nicht nur einen regen Briefwechsel, sondern sorgt auch dafür, dass in seiner Kneipe ausschließlich Lieder der Scorpions laufen.

    Jesse ist das Kind zweier gewöhnlicher Eltern, die immer etwas Besonderes sein wollten - vor allem sein Vater. Der lief schließlich in Hamburg-Rahlstedt in seinem glitzernden Elviskostüm herum, die spärlichen Haare mit Haarspray zu einer gewagten Tolle betoniert. Die Mutter ertrug die Gewöhnlichkeit irgendwann nicht länger und verließ die Familie - genau am 16. Geburtstag der Zwillinge. Nach dem Tod des Vaters flüchtete Jesse schließlich aus dem Ort seiner Kindheit, zumal sein Bruder Aaron ihm unheimlich zu werden begann.

    Doch nun scheint es, dass die Vergangenheit Jesse wieder einzuholen beginnt. Er glaubt, Aaron gesehen und Spuren seines Daseins entdeckt zu haben. Doch Alkohol und Paranoia lassen ihn und den Leser zweifeln: was ist hier eigentlich wahr? Kafkaeske Sequenzen am Rande des Maisfeldes, in dem sich so viel verstecken kann...

    Es mag Leser geben, die das Verwirrspiel in trüber, alkohollastiger Stimmung mögen, wo Tristesse groß geschrieben wird und der Blick auf das Leben ein resignierter ist. Ich gehöre leider nicht dazu, und auch nicht zu denjenigen, die es reizvoll finden, wenn ausschließlich negative Aspekte präsentiert werden, egal wer oder was da gerade geschildert wird. Das offene Ende passt hervorragend, doch dieser Aspekt sowie einige Ansätze von Humor reichten letztlich nicht aus, um mich von dem Buch überzeugen zu können.

    Mich konnte das Buch letztlich weder begeistern noch in den Bann ziehen, so dass ich schließlich froh war, als ich es endlich zuklappen konnte... Schade.


    © Parden

    Kommentare: 6
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    walli007s avatar
    walli007vor einem Jahr
    Kleine Maus

    Kleine Maus musste Jesse die Kneipe im Eingangsbereich des Supermarktes nennen, weil Klaus Meine sich über die ursprüngliche Namensgebung beschwert hat. Die Songs von den Scorpions spielt er trotzdem rauf und runter. Wie seine Freundin Mona aussah, wenn sie glücklich war, daran erinnert er sich noch. Auch seine Jugend in Hamburg Rahlstedt ist ihm immer gegenwärtig. Seine Eltern hatten sich getrennt, genauer gesagt, die Mutter hat den Vater verlassen. Seine Elvis-Imitationen waren auch irgendwann nicht mehr attraktiv. Vielleicht waren sie es nie. Jesse war jedenfalls froh, nach Langenhagen abhauen zu können. So wurde er auch seinen Zwillingsbruder Aaron los.


    Ist er ihn tatsächlich los? Nach vier Jahren als Kneipenwirt in der Einöde in der Nähe Hannovers sind Jesses Gedanken von Angst bestimmt. Will Aaron ihm sein Leben wegnehmen, seine Freundin? Oder entspringt vieles doch seinen alkoholbestimmten Phantasien. An manche Ereignisse erinnert er sich nicht so genau, etliches verschwimmt im Ungewissen. Mona war schon lange nicht mehr glücklich. Und die dauernde Berieselung mit den Liedern der Scorpions ist auch nicht immer leicht zu ertragen, auch wenn er sich diesen Teil selbst ausgesucht hat.


    Etwas düster und klaustrophobisch ist die Stimmung, die beim Lesen dieses Romans entsteht. Neben einigen witzigen Nebenideen, die trotz der trüben Grundstimmung, zu einem Lächeln einladen, ist dieser Roman doch von der Unsicherheit und dem Alkoholismus seines Protagonisten geprägt. Seine traurige und einsame Kindheit, die Jugend mit der Trennung der Eltern. Und auch die Loslösung von dieser Vergangenheit wirkt schwierig. Man möchte ihm helfen, ihm sagen, befreie dich von deinem Ballast. Doch so recht will es nicht gelingen. Eher schafft es Jesse, den Leser mit seinen trüben Gedanken zu beschäftigen und sich der Frage zu widmen, inwieweit er vielleicht krank ist und professioneller Hilfe bedarf. Je weiter die Lektüre voranschreitet, desto mehr sperrt man sich gegen die vorgestellten Personen. Mit Mut lässt der Autor einiges offen, so dass es dem Leser überlassen bleibt, sich vorzustellen welches weitere Schicksal Jesse beschieden ist. 


    3,5 Sterne

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    Sassenach123s avatar
    Sassenach123vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Roman der viele Genre abdeckt, wirklich überragend
    Anders als erwartet

    Anders als erwartet

    Nach beenden dieses Romans musste ich zwar feststellen, dass ich eigentlich etwas anderes erwartet habe, aber dass, was ich stattdessen bekommen habe, hat mir sehr gut gefallen. Meine Vorstellung driftete mehr in den humorvollen Bereich ab, aber dieser Roman brachte unterschwellig viel mehr zum klingen.

    Jesse Bronske arbeitet in seiner Kneipe, welche er nach seinem Idol Klaus Meine benannt hat, die dem Supermarkt Superbuhei angegliedert ist.
    Er ist mit seiner Arbeit überhaupt nicht zufrieden, auch privat plätschert es mit Mona, die im Superbuhei arbeitet, auch nur so dahin. Kurz um.....die Luft ist raus. Zu allem Überfluss trinkt er auch gern mal ein Gläschen zu viel. Seine schon krankhafte Vorstellung von Sicherheit, scheint auf einem Wahn zu basieren den man als Leser nur schwer nachvollziehen kann. Er fühlt sich von seinem Zwillingsbruder Aaron verfolgt, doch niemand außer Jesse selbst scheint dies zu bemerken.

    Sven Amtsberg schafft eine enorme Stimmung allein schon durch die Erzählperspektive. Der Leser erlebt alles durch Jesses Eindrücke, so wie dieser es wahrnimmt. Dies erlaubt einem dann eine große Bandbreite an Spekulationen, denn was von dem was Jesse erzählt kann man glauben, was entspringt nur seinem depressiven Denken?

    Einiges im Roman wird durchaus salopp und witzig geschildert, aber stellenweise offenbarte sich eine enorme Tiefgründigkeit. Ein Beispiel wäre die Beschreibung der Normalität. Jesse jongliert mit seinen Gedanken, und das was dabei herauskommt, haute mich vom Hocker. Eindrucksvoll und sehr nachvollziehbar beschrieben.

    Während des Lesens war mir nie ganz klar, ob es den Zwillingsbruder Aaron wirklich gibt. Der gesamte Roman lebt von dieser Zerrissenheit, diesem Zweifel. Jesse erzählt viel von seiner Kindheit und Jugend, aber auch dort ist es oft schwer zu erkennen, ob es sich um Einbildungen oder reale Erinnerungen handelt. Irgendwann war ich soweit, dass ich alles und nichts in Frage stellte. Und genau dies machte diesen Roman für mich so besonders.

    Dieser Roman ist erfrischend anders und hat mich wirklich positiv überrascht. Das Ende ist überraschend und verleiht dem Buch dann noch einmal eine ganz andere Richtung. Eine Richtung die mich sprachlos zurücklässt. Ohne Worte, das muss man selbst gelesen haben.

    Sven Amtsberg ist ein Autor, denn man sich merken sollte, er scheint immer für eine Überraschung gut.

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    J
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Imbisswagen als Sinnbild einer verfehlten Existenz - Amtsberg bindet den ganz normalen Wahnsinn zu einem Bouquet wermütiger Heiterkeit.
    Bronske Beat

    Wieder einmal geht es um das Scheitern in seinen Spielarten. Ein Elvisimitator namens Bronske, der nicht singen kann und dem Original über die Korpulenz hinaus auch nicht ähnlich sieht, verliert seine Frau am 17. August 1993. Das Datum merkt er sich ohne Eselsbrücke und Gedächtnisstütze, da es den sechzehnten Geburtstag seiner Zwillinge Aaron und Jesse beziffert. Angeblich bricht an diesem Tag eine rührend desinteressierte Mutter nach Amerika auf, doch wer weiß, vielleicht siedelt die Missschlemmerstuben-Wettbewerbsteilnehmerin von 1972 auch nur von Hamburg-Rahlstedt nach Sonstwo in Österreich über. Jesse findet einen passenden Taucheranzug und folgt den Eltern “in das brackige Becken der Gewöhnlichkeit”. Wahlweise in das “Ermüdungsbecken der Bedeutungslosigkeit”.
    Aaron bleibt alldieweil wie ein Kampftaucher unsichtbar in Schussweite. Will er den Zwilling ersetzen und Jesses studiobraune, mit heimlichen Schlafmittelgaben zum Träumen gebrachte Freundin Mona als falscher Bruder dämonisch erobern?
    Sven Amtsbergs Erzählmanier erinnert an Jakob Arjounis B-Film-Melancholakonie mit dieser verschwitzten Vorliebe für Audrey Totter in der abgerockten Daseinswüste des seelisch verkarstenden Vinylfetischisten. Jede Säuferampel wirkt wie ein Analeptikum und alle Tristesse zitiert Edward Hopper.
    Amtsberg macht in seinem Debüt zuerst HH-Rahlstedt zur Chiffre verunglückten Lebens. Er erweitert das Programm bis zu einem Meilenstein des Schönerwohnens vor Hannover, ich rede von Langenhagen, “dem Tokio Niedersachsens”, wo Mona von jeher daheim ist: in einem “atmenden Haus”, das ein “landkranker” Seemann einst direkt einem Maismeer als knatternden Strandbau vorgesetzt hat. Mona “füllt den Büstenhalter mit dem Bauch”, Klaus Meine meinte, man müsse Mona schon sehr lieben, um ein Foto von ihr in der Brieftasche zu haben.
    Ja, Klaus Meine ist ein wichtiger Mann im Buch. Wikipedia sagt, “Klaus Meine ist der Sänger der Hard-Rock-Formation Scorpions und maßgeblich am Verfassen der Liedtexte und seit Ende der ... “. Jesse bewirtschaftet die Abfüllstation gleichen Namens im Anbau des Supermarktes Buhei, zu dem sich die Kaschemme Klaus verhält wie der Pickel zum guten Arsch. Mona arbeitet an der Marktkasse, sie wacht über Jesses Suff. Jesse steckt lange schon im Suchtkerker, sein Unbehagen schiebt er den Gästen in die Schuhe, die unbefangen durchhängen. Er denunziert die Leute, reibt sich an ihren Schwächen, als gäbe es da was zu holen oder auch nur zu begreifen. Das wird zur Schwäche des Romans, dieses Motzen wegen irgendwelcher Mumien in längst trockengefallenen Brunnen. Die Todgeweihten erwarten den Herrn der Hähne jeden Vormittag mit der speichelnden Vorfreude unserer vierbeinigen Freunde. Um über die Runden zu kommen, mussten sie vortrinken, das Büchsenbier aus dem Supermarkt in Ehren kann einem keiner verwehren. Es folgt die Druckbetankung, ab Nachmittag beamt sich Lord Jim ins Geschehen und gibt die Schlagzahl an. Wann Nachmittag ist, hängt vom Empfinden ab. Die phonetische Nähe von Eichstrich und “Eichelstrich” auch, so weit es die Lustigkeit betrifft. Der Diminutiv ist Chef im Ring. Jesse macht sich Gedanken über das Innere eines Säufers, er stellt sich die beschleunigte Gärung in ihrer Prozesshaftigkeit vor. Er schläft mit einem Gewehr im Bett, wähnt sich aber ständig selbst im Fadenkreuz. Sein Sein leuchtet im Strahlenkranz der Paranoia.

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    LitteraeArtesques avatar
    LitteraeArtesquevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Bei dem Versuch, sich aus der Gewöhnlichkeit zu kämpfen, verliert sich das Geschehen im Surrealen - sprach mich einfach nicht an...
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