Sven Enger

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Alt, arm und abgezockt

Alt, arm und abgezockt

 (2)
Erschienen am 12.01.2018

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Rezension zu "Alt, arm und abgezockt" von Sven Enger

Für diese Lektüre braucht es besonders gute Nerven
michael_lehmann-papevor 10 Monaten

Für diese Lektüre braucht es besonders gute Nerven

Man hat es irgendwie geahnt, dass die „Paradieszeiten“ der Versicherer, als Riester und andere private Alterssicherungen eingeführt wurden, einen gewissen Geschmack an „Bereicherung auf Kosten anderer“ hinterließen.

Man liest nebenbei auf den Nachrichtenportalen, dass manche Versicherungen ihre „Altverträge“ verkaufen. An andere Unternehmen oder extra für diesen Zweck gegründete Gesellschaften.

Vor einigen Jahren wurde mit Müh und Not die Insolvenz eines mittelgroßen Versicherers aufgefangen, ein Solidarfonds der Versicherungen gegründet. Der, bei genauerem Hinsehen, genau dann kollabieren wird, wenn eine größere Versicherung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Sven Enger war in Vorständen von Versicherern. Er kennt das Geschäftsmodell, die drastischen Veränderungen dieses Modells seit den 2000er Jahren, die man nur mit „Gier“ bezeichnen kann und er kennt den aktuellen Stand.

Sein Resümee fällt nicht nur ernüchternd, sondern verheerend aus.

„Die Experten haben bei ihren Untersuchungen (der privaten Altersvorsorge) einen enorm wichtigen Faktor nicht bedacht. Sie gehen davon aus, dass die private Altersvorsorge funktioniert“.

Was sie aber nicht kann, folgt man Enger, der in sehr ruhigem Ton, mit sehr plastischen Beispielen und nackten Zahlenwerken Fakten vorlegt, die dem gesunden Menschenverstand Seite für Seite zeigen, dass das so nicht (mehr) gehen kann. Und Enger geht einen Schritt weiter, in seinen Augen ist das System der Lebensversicherungen und privaten Alterssicherungen weder zu reformieren noch zu retten, der „Point of no return“ überschritten. Was er nicht einfach postuliert, sondern detailliert aufzeigt und belegt.

Wobei Enger behauptet, dass dies allgemein in den entsprechenden Kreisen auch bekannt ist. Aber mit Verve verschwiegen wird, um „Panik im Land“ zu vermeiden.

Wobei die eigentliche Brisanz, wie immer in den letzten Jahren und Jahrzehnten, beim Geld liegt. Und den Folgen.

„Der Kapitalbestand der Assekuranz-unternehmen ist derart groß, dass sie den gesamten Finanzmarkt in die Krise reißen können“ Und nicht nur den Finanzmarkt, denn es geht um solche Summen, dass keine der Volkswirtschaften in der Lage wäre, dass in Billionenhöhe abzusichern.

2,2 Billionen Spar- und Tagegeld und 3,5 Billionen in Form von Anleihen, Aktien, Fonds oder Versicherungen, und davon steht bei einer Pleite der Versicherungsbranche kein geringer Teil auf dem Spiel.

Schritt für Schritt erläutert Enger dem Leser zunächst das System als solches, zeigt auf, wo in der jüngeren Vergangenheit Bruchstellen vorlagen, Scheidewege, an denen nicht das Solidarprinzip und kluges Vorrauschauen das Handeln bestimmt haben, sondern die Suche nach dem schnellen Profit das System so geändert hat, das es quasi „vor die Wand fährt“.

Wobei Engers nicht apokalyptisch endet, sondern dem Leser durchaus Alternativen, Möglichkeiten, Wege weist, dass Seine an Geld vernünftig zu sichern. Soweit das möglich ist.

Enger beschränkt sich thematisch konsequent auf den Versicherungssektor und hier konkret auf die kapitalbildende Lebensversicherung. Aber es ist ein leichtes, aus dem Buch heraus die grundlegenden Probleme auf die gesamte Finanzwirtschaft hochzurechnen. Ein erschreckendes und dennoch nicht übertrieben wirkendes Bild, das durch die Lektüre entsteht.

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Rezension zu "Alt, arm und abgezockt" von Sven Enger

Für diese Lektüre braucht es besonders gute Nerven
michael_lehmann-papevor 10 Monaten

Für diese Lektüre braucht es besonders gute Nerven

Man hat es irgendwie geahnt, dass die „Paradieszeiten“ der Versicherer, als Riester und andere private Alterssicherungen eingeführt wurden, einen gewissen Geschmack an „Bereicherung auf Kosten anderer“ hinterließen.

Man liest nebenbei auf den Nachrichtenportalen, dass manche Versicherungen ihre „Altverträge“ verkaufen. An andere Unternehmen oder extra für diesen Zweck gegründete Gesellschaften.

Vor einigen Jahren wurde mit Müh und Not die Insolvenz eines mittelgroßen Versicherers aufgefangen, ein Solidarfonds der Versicherungen gegründet. Der, bei genauerem Hinsehen, genau dann kollabieren wird, wenn eine größere Versicherung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Sven Enger war in Vorständen von Versicherern. Er kennt das Geschäftsmodell, die drastischen Veränderungen dieses Modells seit den 2000er Jahren, die man nur mit „Gier“ bezeichnen kann und er kennt den aktuellen Stand.

Sein Resümee fällt nicht nur ernüchternd, sondern verheerend aus.

„Die Experten haben bei ihren Untersuchungen (der privaten Altersvorsorge) einen enorm wichtigen Faktor nicht bedacht. Sie gehen davon aus, dass die private Altersvorsorge funktioniert“.

Was sie aber nicht kann, folgt man Enger, der in sehr ruhigem Ton, mit sehr plastischen Beispielen und nackten Zahlenwerken Fakten vorlegt, die dem gesunden Menschenverstand Seite für Seite zeigen, dass das so nicht (mehr) gehen kann. Und Enger geht einen Schritt weiter, in seinen Augen ist das System der Lebensversicherungen und privaten Alterssicherungen weder zu reformieren noch zu retten, der „Point of no return“ überschritten. Was er nicht einfach postuliert, sondern detailliert aufzeigt und belegt.

Wobei Enger behauptet, dass dies allgemein in den entsprechenden Kreisen auch bekannt ist. Aber mit Verve verschwiegen wird, um „Panik im Land“ zu vermeiden.

Wobei die eigentliche Brisanz, wie immer in den letzten Jahren und Jahrzehnten, beim Geld liegt. Und den Folgen.

„Der Kapitalbestand der Assekuranz-unternehmen ist derart groß, dass sie den gesamten Finanzmarkt in die Krise reißen können“ Und nicht nur den Finanzmarkt, denn es geht um solche Summen, dass keine der Volkswirtschaften in der Lage wäre, dass in Billionenhöhe abzusichern.

2,2 Billionen Spar- und Tagegeld und 3,5 Billionen in Form von Anleihen, Aktien, Fonds oder Versicherungen, und davon steht bei einer Pleite der Versicherungsbranche kein geringer Teil auf dem Spiel.

Schritt für Schritt erläutert Enger dem Leser zunächst das System als solches, zeigt auf, wo in der jüngeren Vergangenheit Bruchstellen vorlagen, Scheidewege, an denen nicht das Solidarprinzip und kluges Vorrauschauen das Handeln bestimmt haben, sondern die Suche nach dem schnellen Profit das System so geändert hat, das es quasi „vor die Wand fährt“.

Wobei Engers nicht apokalyptisch endet, sondern dem Leser durchaus Alternativen, Möglichkeiten, Wege weist, dass Seine an Geld vernünftig zu sichern. Soweit das möglich ist.

Enger beschränkt sich thematisch konsequent auf den Versicherungssektor und hier konkret auf die kapitalbildende Lebensversicherung. Aber es ist ein leichtes, aus dem Buch heraus die grundlegenden Probleme auf die gesamte Finanzwirtschaft hochzurechnen. Ein erschreckendes und dennoch nicht übertrieben wirkendes Bild, das durch die Lektüre entsteht.

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Rezension zu "Alt, arm und abgezockt" von Sven Enger

Das Vertrauen ist begründet am Ar...
wschvor 10 Monaten

Bei diesem Buch gibt es nur eines: LESEN - und dann entscheiden, was man mit der 'Lebens'versicherung anstellt. 
Der früher selbst in den höheren Etagen der Versicherungs-Industrie tätig gewesene Autor Sven Enger beleuchtet die Vorgehensweisen und die Motivationen der Versicherungsgesellschaften mit seinen Insider-Kenntnissen sehr genau. Und er kommt zu der einzig möglichen Schlussfolgerung: wenn es einer Versicherungsgesellschaft zu teuer wird, Ihren Vertrag zu verwalten und im zukünftigen Fall auch den vereinbarten End-Betrag auszuzahlen, wird versucht, sie mit mehr oder minder geschickt erlogenen und formulierten Schreiben zu einem (natürlich für die Versicherung) günstigeren Vertrag zu überreden. Oder ihr Vertrag wird ohne Ihre Zustimmung an eine Run-Off-Gesellschaft verkauft. Oder, im schlimmsten Fall, Sie können Ihren Ersparnissen nur noch hinter her winken. Weil die Gesellschaft den Vertrag nicht auszahlen kann...
Auch die Gemengelage zwischen Versicherungsbranche mit ihren zahlreichen Lobbyisten und den die entsprechenden Gesetze verabschiedenden Politikern lässt der Autor nicht aus.
Denn eines ist sonnenklar: ein Lebensversicherungsvertrag wird Ihnen nicht aus Menschenfreundlichkeit verkauft. An ihm und an Ihnen soll Geld verdient werden! Erstens der mehr oder weniger windige Versicherungsvertreter, in vielen Fällen besser gesagt der Provisionshai. Und dann will die Versicherungsgesellschaft natürlich ebenfalls ihren Schnitt machen. Was danach noch von Ihren Beiträgen übrig bleibt, das wird 'angespart'. Demnach ist es viel vernünftiger und logischer, im Falle einer erforderlichen Risiko-Absicherung für die Familie, die im neu gebauten Haus lebt, eine ebensolche Risiko-Lebensversicherung abzuschliessen. Die sehr viel günstiger ist. Und den Differenz-Betrag zwischen Risiko-LV und Kapital-LV in einer sicheren Anlage zu investieren.
Tipps, wer wann wie und warum seine Kapital-Lebensversicherung loswerden kann gibt Sven Enger im letzten Kapitel "Wie Sie sich auf den Crash vorbereiten können" zur Genüge.
Zwei 'hausgemachte', selbst erfahrene Beispiele: 
Anno 1999 sind wir einem Provisionshai auf den Leim gekrochen. Nach 18 Jahren regelmässiger Beitragszahlung sollte/musste die Kapital-LV des Schwiegersohnes aufgelöst werden, Der angeblich angesparte Betrag wurde zur Finanzierung eines Eigenheims benötigt. Ergebnis: nach einigem Hin und Her mit der Nürnberger Lebensversicherungs AG wurde der Vertrag tatsächlich aufgelöst. Ausbezahlt wurden 2.000,00 EUR weniger als an Beiträgen einbezahlt worden ist..
Vom selben Provisionshai wurden allen Familienmitgliedern je eine Kapital-LV (Fondsbasiert) bei der Canada Life verkauft. Mit wie stets in solch einem Fall recht ansehnlichen Versprechungen, schönen und schön bunten Diagrammen hinsichtlich der Rendite und des Auszahlungsbetrages. In den Verträgen war die Widerrufsbelehrung allerdings nicht gesetzeskonform formuliert. Also hieß es nach den Erfahrungen mit der Nürnberger Lebensversicherungs AG die Reißleine ziehen und alle vier Canada Life Verträge widerrufen. Erstes Ergebnis: der Widerruf wurde illegaler Weise nicht akzeptiert. Sprich es musste auf unsere Kosten ein Anwalt eingeschaltet werden. Ergebnis: die CL bot an, die ihn 18 Jahren einbezahlten Beiträge ohne jede Verszinsung, geschweige denn zum wenige Wochen von der CL bestätigten Wert der Fondsanteile zu erstatten...Nächster Schritt: Der Ombudsmann für das Versicherungswesen wurde eingeschaltet. Und plötzlich hat die CL ihr hohes Ross verlassen. Es,wurden nicht nur die zum Zeitpunkt des Widerrufs von der CL berechneten angegebenen Fondswerte, sondern auch die Provisonszahlung an den Hai, die Abschlussgebühren, die Verwaltungsgebühren etc. erstattet- Ohne die Mühen des Ombudsmannes hätte uns die Canada Life um insgesamt rund 50.000,00 EUR betrogen!!
Und in solch eine Branche soll man Vertrauen haben...?????

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