Sven Felix Kellerhoff

 4.7 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Ein ganz normales Pogrom, Die NSDAP und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sven Felix Kellerhoff

Die jüngere Zeitgeschichte Deutschlands und die Folgen für andere Länder: Der deutsche Historiker, Journalist und Sachbuchautor wurde 1971 in Stuttgart geboren. Nach seinem Abitur im Jahre 1990, begann er sein Studium der Zeitgeschichte, Alte Geschichte und Medienrecht an der Freien Univertsität Berlin. Er ist außerdem Absolvent der Berliner Journalisten-Schule. Anschließend arbeitete er viele Jahre als Journalist. Aktuell ist er leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der WELT. Er hat neben seiner journalistischen Karriere mehrere Sachbücher veröffentlicht. Zu den bekanntesten zählen "Ein ganz normales Pogrom. November 1938 in einem deutschen Dorf" (2018), "Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder" (2017), sowie "Hitlers ,Mein Kampf'. Karriere eines deutschen Buches". 2012 wurde ihm der Ehrenpreis der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen verliehen.

Neue Bücher

Lob der Revolution
Neu erschienen am 01.08.2018 als Hardcover bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG).

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Sven Felix KellerhoffEin ganz normales Pogrom
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Ein ganz normales Pogrom
Ein ganz normales Pogrom
 (4)
Erschienen am 23.06.2018
Sven Felix KellerhoffDie NSDAP
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Die NSDAP
Die NSDAP
 (3)
Erschienen am 09.09.2017
Sven Felix KellerhoffHitlers Ende: Der Untergang im Führerbunker
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Hitlers Ende: Der Untergang im Führerbunker
Sven Felix Kellerhoff«Mein Kampf» - Die Karriere eines deutschen Buches
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«Mein Kampf» - Die Karriere eines deutschen Buches
Sven Felix KellerhoffHauptstadt der Spione: Geheimdienste in Berlin im Kalten Krieg
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Sven Felix KellerhoffOrtstermin Mitte
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Ortstermin Mitte
Ortstermin Mitte
 (1)
Erschienen am 29.12.2011
Sven Felix KellerhoffHeimatfront
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Heimatfront
Heimatfront
 (1)
Erschienen am 15.04.2014
Sven Felix KellerhoffAus der Geschichte lernen - Ein Handbuch zur Aufarbeitung von Diktaturen
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Aus der Geschichte lernen - Ein Handbuch zur Aufarbeitung von Diktaturen

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Neue Rezensionen zu Sven Felix Kellerhoff

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ViktoriaScarletts avatar

Rezension zu "Ein ganz normales Pogrom" von Sven Felix Kellerhoff

Schonungslose Fakten, sehr interessant, aber leider etwas trocken
ViktoriaScarlettvor 2 Monaten

Meine Meinung zum Cover:

Auf dem Cover ist eines der seltenen Fotos des Schandmarsches vom 10. November 1938 aus Guntersblum zu sehen. Der Titel steht aussagekräftig in einer leuchtenden Farbe darunter. Für mich zeigt das Cover genau das, was der Autor in seinem Buch beschreibt.

Meine Zusammenfassung des Inhaltes:
Sven Felix Kellerhoff beschreibt in diesem Buch, wie sich der Hass auf die Juden immer mehr steigerte. Er zeigt die Anfänge auf und welche Gründe als Vorwand zu Judenverfolgung verwendet wurden. Weiters erzählt er, wie sich dieser Hass in kleinen Städten und Dörfern entwickelt hat. Guntersblum wird hier als Beispiel verwendet, fand hier doch einer der circa 20 Schandmärsche statt. Der Autor schildert, wie die Juden systematisch ausgegrenzt, enteignet, gedemütigt und deportiert wurden, viele jüdischen Einwohner starben in Folge der schrecklichen Ereignisse. Detailliert erfährt der Leser, wie es zu den Pogromen kam und welche Gesetze erlassen wurden, um die Juden immer mehr als Schuldige darstellen zu können. Nachbarn werden zu Tätern, Freunde leugnen die jüdischen Nachbarn näher zu kennen. Ein grausamer Kreislauf beginnt, der selbst durch Ende Krieges nicht vorbei ist, da die Ereignisse totgeschwiegen wurden und die Aufarbeitung erst spät begann. Auch das schildert der Autor und erzählt, welche strafrechtlichen Folgen es für die Guntersblumer Täter hatte.

Meine Meinung zum Inhalt:
Erstmal möchte ich betonen, dass man für dieses Buch unbedingt Kenntnisse des 2. Weltkrieges haben sollte, außerdem sollte man wissen, was ein Pogrom ist. Ansonsten wird sich der Leser beim Verstehen des Textes schwer tun. Der Autor beschreibt die harten Fakten und erzählt schonungslos, was in den kleineren Städten/Orten passierte. Er beschönigt nichts und erzählt die Ereignisse sehr detailliert. So erfuhr ich extrem viel über die Geschichte der Stadt Guntersblum in der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg bis in die 90er Jahre.

Das Buch zeigte mir auf, dass der Jungenhass viel schneller und plötzlicher anstieg als gedacht. Ein erschreckende Wahrheit, die man niemals vergessen darf, damit sich soetwas nie wiederholen kann. Ich finde es schade, dass man in der Schule nichts von diesen Details erfährt. Am Beispiel der Stadt Guntersblum sah man gut, wie schnell Hass, Machtgier Wut und Egoismus zu schrecklichen Taten führten. In diesem Buch erfuhr ich aber auch, wie Hitler und seine Gefolgsleute, vor allem Goebbels, die Gesetze veränderten, um ihre Politik und Ziele verfolgen zu können. Ich fand es erschreckend und war bestürzt darüber, wie sich plötzlich die Menschen von einem Abwenden und bereit sind schreckliche Dinge zu tun. Es zeigte auf, wie wichtig es ist, dass man die Geschichte nie vergisst und sich die Ereignisse immer wieder ins Gedächtnis ruft.

In diesem Buch erfuhr ich auch, wie die Menschen nach dem Krieg die Ereignisse und Taten verdrängten. Ich las darüber, wie die neue Generation dies nicht mehr tolerierte und endlich nach zu fragen begann. Weiters erfuhr ich, wie die Besatzungsmächte mit ehemaligen Nazis und Tätern um gingen.

Schade finde ich, dass der Text sehr trocken ist. So muss man sich extrem konzentrieren und kann nicht viel an einem Stück lesen, da man die ganzen Informationen erstmal verarbeiten muss. Enttäuschend war für mich ein bisschen, dass 43 % dieses Buches aus einem Anhang mit Anmerkungen (Fußnoten) zu dem vorangegangenen Text bestehen. Das letzte Prozent enthält Karten und ein paar wenige erhaltene Abbildungen aus der Pogromnacht in Guntersblum, sowie eine Autoreninformation. Diese Informationen belegen damit den vorherigen Text.

Mein Fazit:
Sven Felix Kellerhoff beschreibt in diesem Buch, wie sich der Hass auf die Juden und somit der Antisemitismus immer mehr steigerte. Mir wurde schonungslos und ohne Beschönigungen aufgezeigt, welche Auswirkungen dies auf kleinere Städte/Orte hatte. Die Geschichte von Guntersblum wurde sehr detailliert dokumentiert und ich bekam einen tiefen Einblick in diese Zeit, aber auch dem Ende nach dem Krieg und die Aufarbeitung bzw. Verdrängung. Ein Drittel des Buches besteht aus einem Anhang mit Anmerkungen. Ohne Vorkenntnisse sollte man dieses Buch nicht lesen. Mein Wissensschatz wurde durch dieses Buch enorm erweitert, da ich viele Details erfuhr.


Ich vergebe 4 von 5 möglichen Sternen!

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

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Sikals avatar

Rezension zu "Ein ganz normales Pogrom" von Sven Felix Kellerhoff

Es war einmal?
Sikalvor 2 Monaten


 

Das kleine Dorf Guntersblum wird hier stellvertretend für sämtliche Orte des gesamten Deutschen Reiches genannt. Jahrelang wurde gehetzt, Hass gestreut und gegen Juden gewettert, brodelte es unter der Oberfläche – bis es im November 1938 zum Ausbruch kommt. Einer Eruption eines Vulkanes gleich werden Synagogen abgefackelt, Wohnungen von Juden geplündert und demoliert, Juden gedemütigt, misshandelt und unter dem Beifall von Nachbarn oder Freunden vertrieben.

 

Der Autor Sven Felix Kellerhoff zeichnet anhand des Beispiels Gunterblum diese sogenannte Reichskristallnacht nach, erläutert welche Ausschreitungen es in kleinen Dörfern gab (nicht nur in Städten wie Berlin oder München). Er zeigt auf, wie sich Mitbewohner (die sich oftmals sehr gut kannten) herablassen, um ihre Nachbarn zu demütigen, zu denunzieren. Juden werden mit Spott und Hohn durch die Straßen getrieben, während Kinder und Jugendliche menschenverachtend lachen oder zumindest teilnahmslos zuschauen.

 

Der Historiker Kellerhoff schwenkt zurück bis zum Ersten Weltkrieg, den Versailler Vertrag, die Reparationszahlungen und den Wunsch der Menschen nach Vergeltung. Die NSDAP kommt quasi wie gerufen, propagiert Gerechtigkeit für Deutschland, die Schuldigen sind schnell gefunden … Ein System, welches jahrelang funktioniert, das über Menschenrechte und Menschenwürde hinwegsieht – und eine Menschengruppe völlig ausklammert. Der Autor hat hier sehr gute Recherchearbeit geleistet, kann den Verbleib einiger Familien nachvollziehbar machen und gibt noch einen Einblick in die Nachkriegsära, als plötzlich keiner beteiligt war und schon gar nicht davon wusste. Schuld trifft immer nur die anderen, die Vergangenheit soll plötzlich ausgeklammert werden.

 

Wie war all dies möglich? Kellerhoff versucht auch darauf Antworten zu finden, erläutert dies exemplarisch an Guntersblum. Auch die Aufarbeitung nach dem Krieg wird hier beispielhaft dargestellt, Täter, die ungeschoren oder mit geringen Strafen davon kommen. Geschädigte, die um Wiedergutmachung kämpfen und sich mit lächerlichen Schadenersatzzahlungen abfinden müssen.

Man darf nur hoffen, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen …

 

Sehr aufschlussreiches Buch, informativ und interessant zu lesen. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

 

Kommentare: 1
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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Ein ganz normales Pogrom" von Sven Felix Kellerhoff

Ein unrühmliches Stück deutscher Geschichte
Bellis-Perennisvor 4 Monaten

Es war einmal ein ganz normales Dorf, irgendwo in Deutschland. So könnte dieses Buch beginnen, steht das beschriebene Weindorf Guntersblum in Rheinhessen, nämlich für viele Dörfer und Städte in der Weimarer Republik. 

Die seit Jahren subtil gestreute Saat des Judenhasses geht im November 1938 buchstäblich explosionsartig auf. Im gesamten Deutschen Reich (Österreich inklusive) brennen Synagogen, werden Juden misshandelt und deren Wohnungen zerstört und geplündert. Wie es zu den Ausschreitungen, von den Machthabern zynisch und euphemistisch „Reichskristallnacht“ genannt, gekommen ist, versucht der Autor an Hand von Guntersblum nachzuvollziehen. Bislang hat der geneigte Leser ja den Eindruck, dass die Pogrome eine Erscheinung in den großen Städten sind, doch diese (Irr)Meinung wird mit diesem Buch widerlegt. 

Beginnend mit der Urkatastrophe des verlorenen Ersten Weltkriegs und den damit verbundenen Reparationszahlungen erzählt Historiker Kellerhoff, wie sich antisemitische Verschwörungstheorien in den Köpfen der Leute manifestieren und den Nationalsozialisten in die Hände spielen. 

Ab 1933 werden jüdische Mitbürger schikaniert. Viele verlassen Deutschland, doch die Mehrheit bleibt. Wo sollten sie auch hingehen? Geschäfte und Beziehungen im Stich lassen? 

Gerade anhand von Guntersblum zeigt sich, wie perfide das System funktioniert, da hier ja jeder jeden und seine Vermögensverhältnisse kennt. Die Anonymität der Großstadt, die anfangs ein wenig Schutz bieten könnte, fehlt hier natürlich. 

Kellerhoff kann aufgrund von alten Dokumenten und Fotos die systematische Vertreibung (und Ermordung) der jüdischen Familien genau nachvollziehen.  

Sehr interessant ist auch der Mangel an Unrechtsbewusstsein nach dem Krieg. Man schiebt die Schuld hin und her, leidet an kollektivem Gedächtnisverlust. Guntersblum ist einfach Deutschland im Kleinen.  

Wiedergutmachung und Herausgabe des gestohlenen Eigentums? Meistens Fehlanzeige, langwierige Prozesse und nur teilweise Rückerstattung oder Schadenersatz. So manche Familie wird de facto ein zweites Mal betrogen. 

Fazit: 

Ein höchst interessantes Buch, das es wert ist ein zweites Mal gelesen zu werden, um die besonderen Details zu entdecken. Gerne gebe ich 5 Sterne.


Kommentare: 3
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