Die NSDAP

von Sven Felix Kellerhoff 
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Die NSDAP
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Für Geschichtsfreunde ein MUSS!

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Kellerhoffs Überblickswerk zeichnet spannend und quellengesättigt den Auf- und Abstieg der NSDAP nach.

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Inhaltsangabe zu "Die NSDAP"

Die Nazis und ihre Partei: Sven Felix Kellerhoff bietet die erste umfassende Gesamtdarstellung der größten und einflussreichsten Partei, die es jemals in Deutschland gab. Souverän beschreibt er die Karriere jener Bewegung, ohne die Hitler niemals zum mächtigsten Mann Deutschlands geworden wäre.

Die NSDAP war mit bis zu 8,5 Millionen Mitgliedern die größte Partei, die es in der deutschen Geschichte gab. Warum traten so viele Menschen dieser deutschen Bewegung bei? Was machte sie attraktiv? Wer finanzierte die Partei? Welche Rolle spielte sie beim Aufstieg Hitlers zur Macht? All das sind Fragen, auf die es trotz zahlloser Hitler-Biographien und Darstellungen des Dritten Reiches bislang keine Antworten gab.

Gestützt auf umfangreiches Archivmaterial, erläutert Sven Felix Kellerhoff die Funktion der NSDAP auf dem Weg zur Macht und während des Dritten Reiches. Anhand von Zeugnissen ihrer Anhänger und Funktionäre zeichnet der Autor die Entwicklung der Hitlerbewegung nach: die erste umfassende Geschichte der NSDAP von ihren Anfängen über die Machtergreifung bis zu ihrem Ende 1945 und ihrem Nachleben in der frühen Bundesrepublik.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608981032
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:464 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:09.09.2017

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    Manuel_Deinerts avatar
    Manuel_Deinertvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Für Geschichtsfreunde ein MUSS!
    Eine Lücke in den Geschichtsbüchern schließt sich.

    KELLERHOFF schreibt im Vorwort, dass es bisher keine allgemeine Geschichte der Hitler-Partei gebe, obwohl kein Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte intensiver erforscht worden sei. Die NSDAP spielt immer nur eine Randfigur in diversen Hitlerbiographien und Bänden zum Dritten Reich. Diese Lücke versucht KELLERHOFF zu schließen. Und er schafft es, wie ich finde.

    Als Quellen dienen ihm dazu die Fragebögen des Soziologen Abel, der 1933 über ein Preisausschreiben die beste persönliche Lebensgeschichte eines Hitleranhängers gesucht hat und über 600 Berichte erhielt, diverse Polizeiakten der 20er und 30er Jahre, NSDAP-Akten mit dem Schwerpunkt auf München, Berlin, Stuttgart, Gelsenkirchen und Ostpreußen, sowie etliche Hitler-Reden, Goebbels Tagebuch, der Völkische Beobachter und andere Zeitungen.

    Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Zeit bis 1933, behandelt also den Aufbau und Aufstieg der NSDAP. Die Zeit nach der Machtgewinnung wird natürlich auch behandelt, auch die Kriegsjahre mit der Kinderlandverschickung – und schließlich dem Zusammenbruch des Reiches und der Entnazifizierung, oder „Säuberung“, wie die Deutschen es nannten.

    Was KELLERHOFF dabei alles zusammenträgt, ist schier unerschöpflich. Ein teilweise minutiöses Bild entsteht, wie die NSDAP allen Verboten und Auflagen zum Trotz immer wieder versucht, für Aufsehen zu sorgen, ihre Meinung zu verbreiten, kommunistische Treffen aufzuwühlen, andere Politiker und die Polizei zu brüskieren – und schließlich in aller Munde ist.

    Freilich vergingen bis dahin etliche Jahre, wurden Dutzende Partei- und SA-Mitglieder erschossen, verhaftet, kam es zu Redeverboten, zur Auflösung der Partei, etc. Und dennoch hielt Hitler stur an seinem Weltbild fest und schaffte es schließlich, es durchzusetzen.

    Die Anfänge (DAP und Drexler) und Gründe dafür werden dabei ebenso beleuchtet wie die Konsequenzen. Das gemeinsame Feinbild des Juden, Marxisten und der preußischen Demokratie, die Schmach von Versailles – und das gemeinsame Ziel eines neuen großdeutschen Reiches. Das alles unters Volk gebracht durch eigene Zeitung und Propaganda, gemeinsames Auftreten in der Gruppe, regelmäßige Reden, Flyer und Plakate, … bis es zu den ersten Erfolgen bei den Wahlen kommt. Die Konsequenzen: Bevorzugung von NSDAP-Mitgliedern in Behörden und Wirtschaft, Denunziationen, Korruption, … bis zur totalen Überwachung durch die Partei von Kindheit an.

    Goebbels Tagebucheinträge sind dabei sehr aufschlussreich. „Das wird immer einer der besten Witze der Demokratie bleiben, dass sie ihren Todfeinden die Mittel selbst stellte, durch die sie vernichtet wurde.“ Dieser Satz, rückblickend von Goebbels niedergeschrieben, beschreibt die zuletzt taten- und ideenlosen Berliner Politiker, die dem Aufschwung der NSDAP nichts entgegenzusetzen hatten. Niemand stellte sich Hitler in den Weg, niemand hatte einen Plan, wie man die Millionen Menschen wieder für sich, bzw. für die Demokratie begeistern konnte. Und genau da sehe ich das große Potential des Buches. Es beschreibt haargenau, wie es dazu kam, das Hitler Deutschland in die dunkelste Epoche geführt hat. Mit welchen parteilichen Mitteln und Wegen sie die übrigen Parteien und das System an sich schließlich abgeschafft haben. Das ist nicht nur historisch interessant, sondern aktueller denn je. Denn:

    Hitler sagte: „Die Demokratie kann mir den Weg vorschreiben, aber nicht das Ziel.“ Die großen Volksparteien müssen heute zusehen, wie sie Millionen frustrierter und politikverdrossener Menschen wieder für sich gewinnen – sonst bedarf es nur eines „Rattenfängers“, einer charismatischen, dreisten und sturen Persönlichkeit und ihrer Partei, um jene einzufangen.

    Oder wie KELLERHOFF es sagt:

    „Dieses Buch kann gewiss nicht alle Fragen über die NSDAP beantworten. Wenn es jedoch […] verdeutlicht, dass vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme immer in die Irre führen, mitunter sogar in eine Katastrophe, dann erfüllt es seinen Zweck.“

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    seschatvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Kellerhoffs Überblickswerk zeichnet spannend und quellengesättigt den Auf- und Abstieg der NSDAP nach.
    Lesenswerte Entwicklungsgeschichte einer Partei

    Sven Felix Kellerhoff hat mit "Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder" ein längst überfälliges Buch zur Genese der Partei hinter der alles dominierenden und vielfach besprochenen "Führerfigur" Adolf Hitler herausgebracht. 

    Für seine umfangreiche wie faktenreich aufbereitete Studie konnte der Historiker Kellerhoff auf Quellen jeglicher Art (Presse, Tagebücher etc.) zurückgreifen. Hierbei sind m. E. besonders die subjektiven Zeitzeugenberichte von Anhängern der NSDAP - 550 Männer und 36 Frauen - hervorzuheben, die persönliche Einblicke in Struktur und Mechanismen der Partei in 6 verschiedenen Regionen Deutschlands (u. a. München, Stuttgart und Berlin) liefern. Für Kenner als auch den geschichtsinteressierten Laien ist es gleichermaßen spannend, zu erfahren, welche Beweggründe es damals gab, in die NSDAP einzutreten. Darüber hinaus widmet sich das Buch eingehend der Herausbildung der NSDAP, von den Anfängen nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Kanzlerschaft Hitlers im Jahre 1933. Ob interne Kämpfe, Kämpfe mit dem linken Spektrum oder die angespannte wirtschaftliche Lage, die NSDAP musste einige Rückschläge hinnehmen, bevor sie Staatspartei werden konnte. Auch die finanzielle Komponente spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Parteispenden, Korruption, Patronage und Mitgliederbeiträge sicherten der sich stets neu formierenden und eine Zeit lang verbotenen Partei das Überleben. Natürlich wurde auch die starke Bindung und Macht Hitlers innerhalb der Partei im Überblickswerk betrachtet, doch nicht so stark wie man dies von anderen Darstellungen zur Epoche des Nationalsozialismus kennt, denn im Fokus steht nun einmal die Partei und nicht dessen Galionsfigur.

    FAZIT
    Kellerhoffs Überblickswerk zeichnet spannend und quellengesättigt den Auf- und Abstieg der NSDAP nach, wobei selbst der Kenner noch Neues entdecken wird. Eine durchweg detaillierte Arbeit, die man mit Verstand lesen sollte, um all die angeführten Querverbindungen und Zusammenhänge zu erfassen. 

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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Differenziertes Bild einer „Bewegung“ in Partei-Form

    Differenziertes Bild einer „Bewegung“ in Partei-Form

    Vom „Vorbeben“ in Zeiten hoher Fluktuation, von der Konsolidierung bis zur berüchtigten „Rebellion der SA“, von tiefsitzender Korruption hin zur Änderung des „Charakterbildes der Partei“ als „Volksgemeinschaft“, von „(Kriegs-) Liebesgaben für die Front über „Nothilfe für Ausgebombte“, aber auch „Rückgrat“ des „Totalen Krieges“ und Organisationsplattform des „Volkssturmes“. Mit dem Blick auf Karrieristen, Mitläufer, Denunzianten, eindeutigen „Verbrechern“, aber auch auf das „Danach“ der Entnazifizierung und des „Untertauchens“ in der neuen Republik, Kellerhoff bietet einen fundierten, umfassend breiten und, in den einzelnen Strömungen, Fäden und Themen sehr differenzierten Blick auf die „größte Partei“, die Deutschland je kannte und das kollektiv größte Drama, in das eine solche Partei in Deutschland eine ganze Nation je gestürzt hat.

    Wie konnte das sein, dass zu einem gewissen Zeitpunkt fast jeder, der in Deutschland etwas sein oder werden sollte, Mitglied der NSDAP war, dass aber im Frühjahr 1945 die alliierten Truppen „Kein Nazi. Nirgendwo“ vorfanden?

    „Alles Mögliche hatten sie erwartet, nicht aber weiße Fahnen“.

    Was trägt dieses Bild ins ich? Ein „geknechtetes Volk“, dass gegen den Willen „hineingepresst wurde“ und nun dankbar für die Befreiung von der Schreckensherrschaft „Weniger“ war? Eine Masse an Opportunisten, die vielleicht gar während dieser NSDAP Herrschaft gelernt hatten, dass es besser ist, das Fähnlein in jeden Wind zu drehen, der gerade wehte?

    „Es gab keine Nazis. Auch keine Ex-Nazis, und nicht einmal irgendeinen Nazi-Sympathisanten“. Was zwar der Eindruck eines Chronisten der 78. US Division war, aber natürlich in keiner Form der Wahrheit entsprach. Wie Kellerhoff flüssig und fundiert Seite für Seite offenlegt.

    Mit seiner (gut begründeten) These zu Beginn, dass es kein „Verschwinden“ war, sondern ein „kollektives Verdrängen“, was quasi die NSDAP als „nicht-existent“ darstellte.

    „Die weitaus meisten Deutschen wollten instinktiv, dass die zwölf braunen Jahre wirkten, als seien sie aus der Zeit gefallen“. Und man kann tatsächlich konstatieren, dass innerhalb dieser zwölf Jahre ein sehr geschicktes agieren der NSDAP und deren Drahtziehern dem „gemeinen Volk“ vielfache Möglichkeiten einer wahrhaftigen Betrachtung der Realitäten „vernebelten“. Von der Propaganda über die engmaschige Überwachung des alltäglichen Lebens und selbst vielen den eigenen Mitgliedern gegenüber.

    Dennoch aber hatte das ganze System und Rückhalt in vielen Bevölkerungsgruppen und eine hohe Anzahl von „Überzeugungstätern“, die Kellerhoff sorgsam herausarbeitet und vor Augen stellt,

    „Organisationen führen kein Eigenleben, sondern sind Summe ihrer Mitglieder“. Da lohnt es sich, genau hinzuschauen, um zu verstehen, welche Dynamik die NSDAP zu Beginn antrieb und wie daraus im Lauf der Zeit ein effizientes System mit einer hohen Eigendynamik entstanden ist.

    Was Kellerhoff sehr praxisnah und kleinteilig im Übrigen in seiner Methode sich widerspiegeln lässt, hunderte von subjektiven Berichten von Parteimitgliedern zu verarbeiten, die dann eben als „Summe der Mitglieder“ ein Gesamtbild ergeben.

    Diese Quellen, die „Abel-Quellen“ (von 1934) bilden dabei eine wichtige Grundlage des Buches, gemeinsam mit erhaltenen Akten der NSDAP (an denen die „deutsche Gründlichkeit“ bestens abzulesen ist) und Reden, Schriftstücke, Tagebücher, Einlassungen hoher Funktionäre der NSDAP bis hin zu Hitler selbst. Mit einem gewichtigen Schwerpunkt auf die Zeit des „Kampfes und der Konsolidierung“ der NSDAP bis 1934 hin.

    Insgesamt eine hochinteressante Lektüre, die einen, im Nachhinein betrachtet, überaus unwahrscheinlichen „Aufstieg“ hin zu einer „Massenmacht“ schildert, der vielfache Lehren für die Gegenwart und zukunft in sich trägt.

    „In Wirklichkeit kann der Zuschnitt der Partei….gar nicht bescheiden und kleineleutemäßig genug betrachtet werden“. Und weder ein Wunder noch eine einzige Person alleine zeichnen verantwortlich für die Entwicklung, welche die Geschichte von den ersten Tagen der „DAP“ hinnahm, sondern ein Geflecht vielfacher Personen, Intentionen, auch Zufällen zeigt sich im Buch auf, die mit wachsendem Staunen in der Form bestens dargereicht gelesen werden können.

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    »Eine lohnende und nachdenklich stimmende Lektüre. Das Buch weist über sein Thema hinaus und dokumentiert eindrücklich die Verführbarkeit des Bürgers in einer Demokratie, die den Glauben an sich selbst verloren hat.«
    Urs Bitterli, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 27.08.2017

    »Kellerhoffs Darstellung der Nazi-Partei im Alltag von Machtstreben und Machtausübung fehlte bislang – wie sehr, stellt man am Ende mit Verblüffung fest. «
    Der Tagesspiegel, 13.09.2017

    »Sehr lesenswert und erhellend!«
    Mittelbayrische Zeitung, 10.2017

    Die erste Gesamtdarstellung der NSDAP und ihrer Mitglieder

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