Cover des Buches Stille zwischen den Sternen (ISBN: 9783946348290)
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Rezension zu Stille zwischen den Sternen von Sven Haupt

Sven Haupt - Stille zwischen den Sternen

von einz1975 vor einem Jahr

Renzension

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einz1975vor einem Jahr

Wo fängt man an, wenn man einen Roman gelesen hat, in dem Zeit ein mehr als dehnbarer Begriff ist? Als Hien Otis auf die Welt kam, war ihr körperlich nie das gegeben, was man einen gesunden Körper nennt. Klein, zierlich, zerbrechlich und doch mit einer Intelligenz, weit über dem Durchschnitt. Als Jane, eine künstliche Intelligenz, ihren ersten wahrhaften Moment zur Selbstfindung hatte, war sie selbst noch ein Kind, doch dem jetzt längst erwachsen. Beide treffen nun aufeinander. Jane als Gouvernante, die sich mit Hien als Pilotin eines experimentellen Raumschiffes herumschlagen muss. Die KI selbst stellt sich in einem viktorianischen Gewand dar, trinkt Tee und hat einen virtuellen Raum eines Cafés aus dieser Zeit als Treffpunkt erschaffen.

Hien Otis Körper hingegen liegt in einem Tank. Verbunden mit dem Schiff, übernimmt sie die komplette Kontrolle und kann frei vom körperlichen unterwegs im All ihre Aufgaben lösen. Jane achtet wie ein Kindermädchen, dass sich Hien nicht überanstrengt und natürlich will auch der Geheimdienst wissen, wie es der Pilotin geht. Sven Haupt nimmt sich Zeit für seine Figuren. Er lässt den Leser sehr tief in die Gedanken- und Gefühlswelt dieser beiden Wesen eintauchen. Im letzten Drittel gesellt sich noch ein weiterer Charakter hinzu, welcher gleichfalls besonders, ist und doch im Schatten dieser beiden Hauptfiguren steht.

Ein Ereignis, weit draußen, irgendwo im All, führt sie nun zum entscheidenden Moment der Geschichte. Es wird oft sehr technisch über Subraum, Raumzeit und der physikalischen Gesetzlichkeit gesprochen, was erst einmal abschreckend wirkt, aber dank sehr anschaulicher einfacher Bilder, bekommt man als Leser einen kurzen Moment die Chance, in die Welt dieser Wissenschaft einzutauchen. Mit weit offenen Augen sieht man regelrecht, was sich der Autor hier vorstellt. Ob virtuelle Räume, unerklärbare Existenzen oder ein Raumschiff mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, hier ist an sich alles vorhanden, bis auf überflüssige Kampfeinlagen, die sich dankender weise Sven Haupt erspart hat. Es bedarf nicht immer vieler Figuren, um einen Roman zu füllen.

Oft reicht die grundlegende Idee, um schon mit den ersten Seiten den Leser beim Schopf zu packen. Eine KI wird angeklagt? Schon dieser Gedanke reizt und man will wissen warum. Die kurzen Sprünge in manch Kapitel, zwischen den Zeiten, sind wichtig, um die Tiefe der Figuren auch gerecht zu werden. Die Faszination der Geschichte spielt oft nur in theoretischen und unmöglichen Momenten statt. Man wird automatisch auf eine Reise geschickt, in der man selbst über sich und seine Existenz nachdenkt. Man leidet und fühlt sehr mit Hien Otis mit. Ihre Suche nach Stille, nach sich selbst, nach Entwicklung und Erkenntnis. Jane als KI, die mehr ist als nur paar geschriebene Code-Zeilen und die mehr Menschlichkeit aufweist, als viele führende Köpfe.

Fazit:
Am Anfang war das Licht... Ganz ehrlich, egal wie viele Worte ich für mein Fazit finde, Sven Haupt hat mit diesem Roman bewiesen, dass Science Fiction und Philosophie vereint werden können. Kunstvoll und mit einer sehr gefühlvollen Art beschreibt er die Erlebnisse der Pilotin Hien Otis und der KI Jane. Die technischen Details des Buches werden versucht auf einfache Weise herunterzubrechen und die Spannung entsteht nicht durch Action, sondern durch das Wissen über das Unbekannte. Die beschriebenen virtuellen oder realen Bilder formen sich wunderbar zusammen und lassen den Geist des Lesers tief in die Geschichte eintauchen. Man verweilt sehr gern an der Seite der Figuren, bis zum Schluss und hier garantiere ich euch Gänsehautfeeling. Ohne Zweifel, eines der absoluten Highlights 2021 für mich!

Matthias Göbel

Autor: Sven Haupt
Taschenbuch: 361 Seiten
Verlag: Eridanus Verlag
Veröffentlichung: 01.12.2021
ISBN: 9783946348290

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