Sven Regener Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

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Inhaltsangabe zu „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ von Sven Regener

»Regener ist noch nie so gut gewesen - lakonisch wie immer, aber mit zarter Melancholie. Herzzerreißend schön.« Elke Heidenreich
Als Karl Schmidt, Opfer eines depressiven Nervenzusammenbruchs am Tag der Maueröffnung, nach Jahren der Versenkung von alten Kumpels zufällig in Hamburg als Bewohner einer drogentherapeutischen Einrichtung wiedergefunden wird, ist das der Anfang einer seltsamen Zusammenarbeit: Die alten Freunde, mittlerweile zu Ruhm und Reichtum gelangt, wollen mit ihrem Plattenlabel auf einer Tour durch Deutschland den Rave der Neunzigerjahre mit dem Hippiegeist der Sechziger versöhnen und brauchen dazu einen, der immer nüchtern bleiben muss. Das kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr, sich in einer Parallelwelt aus Drogen-WG, Hilfshausmeisterjob und gruppendynamischen Wochenendausflügen zu verschanzen.
Und so beginnt eine Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch, unternommen von einer Handvoll Techno-Freaks, betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler, für den dies der Weg zurück in ein unabhängiges Leben sein soll.

Charlie Schmidt als Ex-Junkie mit Ravern auf großer Tour durch Deutschland. Amüsant zu lesen aber mit ein paar Längen.

— markus1708

Regener at it's best. Geniale Dia und Monologe. Für Lehmann Fans ein Muss!!

— kattii

http://novelero.de/karl-schmidt-ist-zurueck/

— sandro_abbate

Bei einem Wind, der die Hosenbeine knattern lässt, fährt Karl Schmidt die Macher von BummBumm Records duch die Republik. Macht Spaß!

— Waldspecht

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  • Amüsante Geschichte um einen Ex-Junkie, eine Tour durch Deutschland und zu sich selbst.

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    markus1708

    10. October 2017 um 21:08

    Mitte der 90er Jahre: Karl Schmidt, genannt Charlie, wohnt in Hamburg in einer betreuten WG für Ex-Drogensüchtige.  Er geht in einem Kindergarten arbeiten und lebt in den Tag hinein. Eines Tages trifft er auf einen alten Bekannten aus Berliner Zeiten: Raimund, jetzt Boss eines Plattenlabels in Berlin steht in der selben Eisdiele, man erkennt sich, man tauscht sich aus über die alten Zeiten  als man noch in Berlin gemeinsam um die Häuser gezogen ist. Kurze Zeit später hat Raimund ein interessantes Angebot für Charlie: Das Plattenlabel organisiert eine Magical Mystery -Tour durch Deutschland, man sucht noch einen Fahrer und er wäre doch der ideale Fahrer des Ganzen. Schließlich dürfe er ja weder Alkohol noch Drogen konsumieren und wäre somit der ideale Aufpasser für den bunt zusammengewürfelten Haufen. Es bedarf ein wenig Überredungskunst und die Aussicht auf 4.000 Mark, und schon bricht Charlie alle Zelte hinter sich ab und sitzt am Steuer eines Sprinters,  auf dem Weg zu einem Abenteuer quer durch die Republik und zu sich selbst.Ich mag die Romane von Sven Regener und habe sie bislang alle verschlungen. Aber hier muss ich dann doch konstatieren, das es Längen gibt und die Geschichte nicht durchgehend spannend und flott zu lesen ist. Daher dieses mal nur drei von fünf Sterne von mir.

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  • On the road again

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    Duffy

    05. September 2017 um 10:18

    Nach fünf Jahren Entzug und Reha ruft die Straße. Karl Schmidt wird aus dem Schoß seiner Genesungseinrichtung gerissen und soll mit den Kumpels von damals, die sehr erfolgreich ein Techno-Label auf den Weg gebracht haben, auf die Magical Mystery Tour gehen und zwar genau aus dem Grund, wegen dem er in der Therapie-WG lebt: Weil er nüchtern ist. Kurt (Charlie) sagt zu und steht auf der chaotischen Tour nicht nur seinen Dämonen gegenüber, sondern auch den Veränderungen, die seine ehemaligen Kollegen und der Nachwuchs in der Szene, durchlaufen haben. Die Vergangenheit will ihn so manches Mal einholen, er kämpft gegen die Geister von gestern und stellt dann fest, dass seine Entscheidungen keineswegs nur aus dem Bauch kommen. Viel hat sich geändert seit damals, immerhin ist auch noch ein zweites Deutschland hinzugekommen.Regener hat ein Buch geschrieben , in dem es nur so bummert, blubbert und pulsiert. Den Charlie kann man fühlen, seinen Kampf gegen die Partygeister und das Leben von gestern kämpft man mit. Regener entlarvt aber auch den Massenhype als oberflächliches Phänomen, die Änderung der Bedeutung jugendkultureller Bewegungen und die Motivation, etwas überhaupt zu machen. Seine Figuren sind glaubhaft und so überzeugend, dass der Leser direkt mit im Bus oder Fluxi-Hotel dabei ist. Die Dialoge sind brillant, keinesfalls aufgesetzt und immer mit genau der Prise Humor versehen, die genau in die jeweilige Szene passt. Das ist dankbares Futter für Drehbuchschreiber und natürlich ist der Film längst gedreht.Ein tolles, rasantes, nie langweiliges Buch, von einem, der genau weiß, über was er schreibt.

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  • Regener kann auch BummBumm

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    rkuehne

    Der gute alte Sven Regener. Jedesmal, wenn ein neues Buch aus dem Herr-Lehmann-Universum rausplobbt, denk ich, dass Regener nun aber wirklich die Kuh zu oft gemolken hat. Und jedesmal überzeigt mich Regener vom Gegenteil. „Magical Mystery“, der Roadtrip des aus der Drogen-WG in Hamburg-Altona getürmten Karl Schmidt, steht dem Erstling „Herr  Lehmann“ in nichts nach, ist erneut voll von großartigen Lebensweisheiten, skurrilen Momenten und zwischendurch und eigentlich auch permanent auch einer großen Wahrheit und Ernsthaftigkeit und einer stets spürbaren Liebe von Regener zu seinen Protagonisten. Und ein Buch, bei dem man in der S-Bahn mehrmals laut auflachen muss, kann letztlich ja nur irgendwie großartig sein. Wunderbar, Sven Regener, wunderbar!

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    • 2
  • Geniale Mono - und Dialoge

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    kattii

    24. January 2016 um 08:51

    Lehmann Fans kennen ihn: Karl Schmidt. Aber auch jemand, der diese Reihe noch nicht gelesen hat wird sehr schnell mit dem Charakter warm. Der in der Ich-Form geschriebene Roman, zeigt einen anderen Teil der bisher bekannten Lehmann-Welt. Karl ist nach seinem Drogenabsturz und Nervenzusammenbruch im CleanCut 1 - einer drogentherapeutischen WG in Hamburg. Zufällig trifft er Raimund Schulte wieder und dieser will mit den alten Freunden und seinem Plattenlabel auf Rave-Tour durch Deutschland. Ganz magical Mystery eben. Was passt es sich prima, dass Karl ja immer nüchtern sein muss ... und so beginnt die Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch. Rave der 90iger mit dem Hippiegeist der 60iger...! Sven Regener hat es mal wieder geschafft mich durch absolut geniale Mono und Dialoge mich bei jedem der oft kurzen Kapitel zum Grinsen zu bringen. Wundervolle Wortschöpfungen, und immer mal wieder ein Tuck tiefgründigkeit im Chaos des 90iger Raves und dessen vertreter - herrlich! Dazu Regeners alt bekannte Flapsigkeit kombiniert mit viel Herz .... für mich ein typischer und würdiger Nachfolger der Lehmann Reihe!! 

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  • Kontaktstoned, aber irgendwas bleibt

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:18

    Die Beatles reiten noch auf der Erfolgswelle ihres Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das am 1. Juni 1967 erschienen ist und als eines der ersten Konzeptalben der Popgeschichte gilt, als sie im August des gleichen Jahres in den Südwesten Englands aufbrechen. Hier drehen sie ihren dritten Spielfilm, bei dem sie erstmals nicht nur Darsteller sind, sondern auch als Autoren und Regisseure verantwortlich zeichnen. "Magical Mystery Tour", ein surrealistischer Lobgesang auf die Kultur der nordenglischen Arbeiterklasse, zeichnet sich durch eine relativ zusammenhanglose Handlung, begleitet durch eine Gruppe feierwütiger Briten auf ihrer Busreise in den Urlaub ans Meer, aus. Unterwegs geben diverse Zauberer - dargestellt von den Beatles selbst - immer wieder Anstoß zu vielfältigen exzentrischen, aber auch musikalischen Aktivitäten. Als zeitversetzte Persiflage könnte man Sven Regeners gleichnamigen Roman bezeichnen. Auch hier wird der Leser Teil einer konfusen Truppe unterschiedlichst zusammengewürfelter Raver, die zwar nicht zur Erholung ans Wasser fahren, sondern auf ihrer Tour den Techno unters Volk bringen wollen. Auch sie sind dem Feiern, Trinken und Konsumieren unterschiedlichster, stimmungsaufhellender Substanzen nicht abgeneigt. Und Zauberer sind sie allemal, schon allein wegen ihrer schrägen Charaktere und der damit verbundenen differenzierten Lebenseinstellungen. Einziger "Normalo" unter der chaotischen Horde um Ferdi, Schöpfi, den Hosti Bros, Dubi oder Flapsi scheint Karl Schmidt zu sein. Der fährt das illustre Trüppchen von Bremen nach München, Frankfurt und Hamburg, mit Abstecher über Schrankenhusen-Borstel, um auch dem letzten "Güllebauern und Dreibuchstaben-Ravern" das "BummBumm" in die Gummistiefel zu jagen. Ohne Alkohol und Drogen und auch ohne nächtelanges Feiern, steuert Karl, aus dessen Sicht in der Ich-Form der Roman geschrieben ist und der "auch sonst ein paar Schrauben locker hat" seine mal mehr oder weniger muntere Truppe durch Deutschland. Für ihn wird es allerdings eher Bewährungsprobe als Partykracher. Denn er erlebte beim Fall der Mauer seinen ganz persönlichen Flash, landete dazumal in der "Klapper" und später in einer betreuten Drogen-WG. In dessen Nähe, im Eiscafé "Romantica", spürt ihn nach über fünf Jahren Raimund, ein alter Bandkollege aus vergangenen "Glitterschnitter"-Zeiten, auf und zieht ihn "magical mystery" in das Chaos aus Sex, Drugs und Rock'n'Roll... äh... Tekkno... nein... Techno. Denn, so Raimund: "Wir brauchen einen, der sich um alles kümmert, der uns fährt und auf das Geld aufpasst und auf uns auch und dass wir weiterkommen und was weiß ich alles." "Die alten Sachen waren Vergangenheit und die Zukunft war offen. Keine Richtung, kein Plan. Das gefiel mir ganz gut." Doch wird der alte "Klapsmühlen- und Psychozausel" Karl den ständigen Versuchungen von Hofbräuhaus, Äppelwoi-Kneipe oder Hafenrundfahrt widerstehen und als "Klarsichthüllenfreak" "sauber auf der Kaffeespur bleiben" können oder mutiert er letztendlich doch wieder zum bösen Wolf, der den "kleinen Drogenschweinchen in ihren Häuschen aus Acidpapier, Hanfholz und Crackstein" ans Leder geht? Findet er den richtigen Draht, um diese heillos chaotische "Gruppe von Verstrahlten" zu bündeln? Seine Erfahrungen als Hilfshausmeister und Tiefpfleger im Kinderkurheim Elbauen in Ottmarschen gereichen ihm auf jeden Fall nicht zum Nachteil. Doch wie er selbst feststellt: "Die Zukunft ist eine dumme Sau. Man weiß nie, womit sie als Nächstes um die Ecke kommt!". Aber: Da gibt es unter den ganzen durchgeknallten Typen und Partygranaten ja auch noch Rosa.... Sven Regener hat nach seiner "Herr-Lehmann-Trilogie" erneut ein Buch geschrieben, das auf den ersten Blick den Eindruck macht, zu einem einzigen "Quatschbrei" verschmolzen zu sein. Doch die Hintergründigkeit seines Textes offenbart sich wie immer zwischen den Zeilen. Raver, alte Hippie-Avantgarde, Künstler, Plattenlabelbesitzer und deren Hitparadengaranten sowie jede Menge Dosenbier und ein wenig Paranoia sind tonangebendes Metier. Mit lockerer Souveränität konstruiert der erfolgreiche Autor sowie Sänger und Texter der Folkrock Band "Element of Crime" groteske Situationen, die trotz alledem nicht künstlich, sondern authentisch wirken. I-Tüpfelchen sind seine, den Text beherrschenden, brillanten, zum Teil inneren Dialoge, die sich durch einen kernig-lakonischen Witz auszeichnen. Hier läuft Karl Schmidt, alias Sven Regener, zu Höchstform auf und macht den augenscheinlich trivial wirkenden und leicht zu lesenden Roman zu einem kleinen "Sprachspaßkunstwerk". Fazit: Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt über den Polaroid-Streifen der Beatles: "Witziger, unerhört rhythmischer Film, in dem die Beatles zahlreiche liebe Gewohnheiten der Briten persiflieren, aber auch sich selbst auf die Schippe nehmen. Die Zuneigung der Gesangsgruppe zu den Menschen aus den unteren Schichten, ihrer eigenen Herkunft, ist deutlich spürbar und macht den Film sympathisch." Auch Sven Regeners "Magical Mystery" offenbart eine äußerst unterhaltsame Parodie auf die Raver-Szene Mitte der 90er Jahre, einer Subkultur, die zwischen Dilettantismus und Genialität schwankte.

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  • Wer meckert, fliegt

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    walli007

    21. May 2015 um 21:44

    Seit Karl Schmidt verrückt geworden ist, lebt er in einer Drogen-WG und arbeitet als Hilfshausmeister in einem Kindererholungsheim bei Hamburg. Wir schreiben das Jahr 1995 und Karl hat mit seinem vor WG Leben abgeschlossen. Bis er seinen alten Freund Raimund Schulte im Eiscafé trifft. Genau genommen möchte er ihn nicht einmal wiedersehen, aber es lässt sich nunmal nicht vermeiden. Und Raimunds Idee rumort dann doch in Karls Gedanken, der jetzt wieder Charlie heißt. Als dann auch noch festgestellt wird, dass er ein Jahr lang keinen Urlaub genommen hat und man ihn in Zwangsurlaub schickt, ist die Zeit reif. Karl oder besser Charlie geht mit seinen alten und einigen neuen Kumpels auf die Magical Mystery Tour. Techno pur - nur einer muss nüchtern bleiben. Bei der Betrachtung dieser eigenartig widersinnig auffälligen Covergestaltung fragt man sich zunächst, wieso man diesen Roman lesen wollte. Zum Glück fällt es einem schon nach wenigen Seiten wieder ein. Da sind sie die 90er, die Zeit von Techno und Rave. Die Techno-Parties, zu denen man alleine hinging, weil keiner mit wollte, die total urig waren mit seltsam gewandeten Gestalten und minimalistischer Musik. Laut und schnell war am schönsten, doch chillen war auch okay. Und in diese Zeit des Aufbruchs in die Welt der Techno-Freaks, von denen einige schon begannen Geld zu machen, die Meisten aber noch mit großem Enthusiasmus durch die Discotheken zogen nur, um auflegen zu können, entführt der Autor seine Leser. Welch eine irre Zeit das war, wo alles noch echt war und der Mainstream noch nicht die Oberhand hatte.  Natürlich ist es vorteilhaft, die Welt des Herrn Lehmann und seinen Freunden zu kennen, doch auch viele andere Leser werden sich mit Karls Geschichte wohlfühlen, der seinem behüteten Kokon entwächst und lernt wieder Verantwortung zu übernehmen, der mit zarter Hand die Meerschweinchen umhegt, der seine verrückte Truppe durch die Gegend kutschiert und in dem schließlich die Sehnsucht wächst, wieder ein eigenständiges Leben zu führen. Was für eine coole Socke muss der Autor sein, um so ein cooles Buch zu erfinden. 4,5 Sterne

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  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. 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Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 755
  • Lehmanns bester Freund, Karl Schmidt, ist wieder da

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    Matzbach

    Regeners "Herr Lehmann" endet mit der Einweisung seines besten Freundes Karl Schmidt in die Psychatrie. Fünf Jahre später taucht er wieder auf. Nach geschlossener Anstalt und Drogenentzug lebt er in einer betreuten Wohngruppe ehemaliger Abhängiger, daneben jobbt er als (alleinverantwortlicher) Hilfshausmeister in einem Kinderkurheim. Dort soll ihm aber ein neuer Hausmeister vor die Nase gesetzt werden, außerdem muss er den ihm tariflich zustehenden Jahresurlaub nehmen. Da trifft es sich gut, dass er kurz zuvor einen alten Bekannten aus Berlin getroffen hat, der ihn als eine Art Roadie für die "Magical Mystery"-Tour einer Ravertruppe engagieren möchte. In Anlehnung an die Hippie-Tour der Beatles möchte das Technolabel Love and Peace in die Provinz bringen. Karl, zwangsbeurlaubt und in einem Drogenrehazentrum, das auf Sport setzt, angemeldet, überlegt kurz und fährt nach Berlin, um den Job zu übernehmen. Die Tour entwickelt sich zu einer Aneinanderreihung kleinerer und größerer Katastrophen, ausgerechnet Karl Schmidt, der als einziger drogenfrei leben muss, behält zumindest einigermaßen die Übersicht, so dass das Unterfangen am Ende halbwegs gelingt. Dabei kommt es fast zu einer Begegnung Karls mit Frank Lehmann, aber eben nur fast. Anfangs habe ich mich etwas schwer getan mit Regeners viertem Roman, es brauchte etwas, sich hineinzufinden. Aber mit dem Start der Tour, so ca. ab S. 200, wirds genial. Leerlaufkommunikation en masse, wie schon in den Vorgängern, wer das mag, kommt eindeutig auf seine Kosten. Das auf der Tour ausbrechende Chaos erinnert irgendwie an die WG in der Neuen Vahr. Wenn ich mal eine Rangordnung der Romane aufstellen darf, "Herr Lehmann" eindeutig Platz eins, "Neue Vahr Süd" Platz zwei, "Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt" auf jeden Fall klar vor "Der kleine Bruder", welchen ich etwas enttäuschend fand.

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    • 5
  • Inferno des guten Willens

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    jamal_tuschick

    Wie gesagt, Herr Lehmann ist jener Kreuzberger Kiezkauz und Marottenkönig aus Bremen, den Sven Regener in seinem literarischen Debüt berühmt machte. Da hatte das letzte Jahrtausend gerade die Luken geschlossen, der Autor erklärte lapidar, Lehmann sei ihm „so zugelaufen“. Lehmann wirkt auch wie ein Exponat im Lapidarium in seiner soziophobischen Versteinerung. Sein bester Freund Karl erscheint nicht so reduziert. Am Anfang des Regener’schen Erzähluniversums, gleich nach dem Urknall, bereitet der Skulpturenschweißer eine Ausstellung vor. Schmidt bricht „mit verschmorten Synapsen“ zusammen. An einem neunten November gibt ihn Herr Lehmann im Urban-Krankenhaus ab. Davon geht Regener in seinem vierten Roman aus. „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ – Im ausverkauften Berliner Ensemble liest der Hanseat mit Seemannsgang im Tonfall. Der Vortrag tropft vor Identifikation. Bei Regener haben Hänger die ideale Passform. Von älteren Semestern wird Karl immer noch Charly genannt.   Hic Rhodus, hic salta. Karls Rhodus heißt Hamburg-Altona. Da lebt er nun im Trödel des geschütztes Wohnens und der betreuten Werkstätten. In einem Inferno des guten Willens. Karl darf nur noch Kaffee und Zigaretten und Eisbecher nach Absprache. Die Wohlfahrt hat ihn im Griff mit ihren Weisheiten für den sedierten Schlumpf auf Haloperidol.   Regener resigniert in theatralischer Stellvertretung, die Arme umjubeln den Kopf im Berliner Ensemble. Er stellt Karl dem Publikum aufgeschwemmt, „grau und impotent“ vor. „Charity-Haubitzen“ degradieren Karl in „therapeutischen Bastelstunden“. Ertragen muss er Typen wie Henning, einen „vom Baum des Alkoholismus geschüttelten Apfel“. In dieser trüben Verfassung wird er zur Entdeckung von Raimund Schulte:  „Ich sah ihn lange bevor er mich sah. Ich hatte gerade Paranoia und die Tür fest im Blick, weil Werner nicht wollte, dass wir ins Eiscafé gingen, und ich hatte die Pillen abgesetzt und Angst davor, dass Werner beim nächsten Plenum aus einem Eisbecher ,Monteverdi‘ ein großes Ding machen würde, da hätte ich kaum für mich garantieren können ohne Pillen.“ Werner führt Aufsicht in der „gemischtgeschlechtlichen Drogen-WG“, Raimund stellt sich als ein anderes Fossil aus Berliner Tagen heraus. Raimund kennt „keinen Subtext, keine Metaphern, keine Rücksicht“. So bündig schreibt Regener. Er hört sich auch so an.  Raimund hatte mehr Glück als Karl. Er reüssierte in der 1994 an allen Ecken und Enden der Republik triumphierenden, auch von solchen Vergnügungsfrontveteranen wie Raimund gekaperten Spielart Techno. Dem Kumpel aus Glitterschnitter-Tagen, die Band mutierte zu einem  BummBumm-Label, stellt Raimund Zukunft in Aussicht. Die Begegnung im Eiscafé La Romantica  kriegt eine utopische Dimension in Karls Hoffnung auf Entmündelung. Bald biegt Karl vor Uelzen nach Berlin ab, im Gepäck einen Stadtplan „noch mit Mauer“. Er hält am umbenannten Marx-Engels-Platz: „Ich wollte in das Berlin, das ich nicht kannte.“ Es sieht aber auch nur aus „wie Bielefeld mit anderen Mitteln kurz nach dem Krieg“. Willkommen in Mitte. Es riecht nach „Müll, Kotze, Schimmel, die Mischung, die anzeigt, dass es draußen schon wieder hell ist“. Raimund und noch so ein übriggebliebener Ferdi haben sich als Medizinmänner im Rave-Fieber spät noch einmal neu erfunden. Ihre Abteilungen für „Gummistiefel-Techno“ und "Techno mit Anspruch" expandieren. Sie planen eine „Magical Mystery Tour“, in Anspielung auf „das Hippieding“ ihrer zerschellten Sehnsüchte – die Nostalgie der DJs. Karl soll den Tourbus fahren, da er doch sowieso nüchtern bleiben muss. Er steuert zuerst Bremen an, via McDonald’s. Schon ist er im Besitz eines Taschentelefons. Der seltene Apparat gibt ihm Gelegenheit, an Apparate zu erinnern, die man in Kühlschränke packen musste, da sie nicht aufhörten, zu klingeln. Karl Schmidt teilt mit Frank Lehmann einen Hang zum Nebensachen-Fetischismus.  Sven Regener, „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“, Roman, Galiani Verlag, 512 Seiten, 22,90 Euro

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    • 2
  • Hemmungslose Sinnbefreitheit

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    olli2308

    12. February 2014 um 12:23

    Endlose innere Monologe und absurde Dialoge in Perfektion bietet Sven Regener im ersten Band nach der Lehman-Trilogie, und ich habe mich kein bisschen gelangweilt. Die 500 Seiten lesen sich in einem Stück weg und sind größtenteils hemmungslos sinnbefreit, entbehren aber nicht einer gewissen Komik und sind eine Milieuschilderung der 90iger Jahre Techno-House-Ambient-Rave-Szene vom Feinsten. Eine zentrale Rolle spielen die größtenteils unter Drogenkonsum stehenden Dialoge und die inneren Monologe von Karl Schmidt, dem besten Freund von Frank Lehmann, der nach einem Drogenmissbrauch in der Klapse gelandet war und die Schnauze voll hat von der ganzen Drogen-WG Sozipäd-Laberei. Da kommt das Angebot seiner ehemaligen Freunde gerade Recht, als nüchterner Fahrer eine Horde dauerbekiffter Raver mit einem Tourbus durch Deutschland zu kutschieren. Die Laberflashs haben schon was Absurdes wie bei "Warten auf Godot", oszillieren zwischen Blödsinn auf hohem Niveau und intellektuellem Kauderwelsch, füllen aber die langen Wartezeiten zwischen den Auftritten, die die Raver-Gruppe auf der Magical Mystery Tour in so illustre Orte wie Schrankenhusen-Borstel führt, wo die Absurdität auf den Höhepunkt zusteuert, weil die Raver ihre Techno-Hits "HostiBrosti" und "Ballon, Ballon – der Hit mit der Flöte" in einer behindertengerechten Agrardico vor lauter Rollstuhlfahrern spielen. Unterwegs werden nicht nur jede Menge Kaffee, Bier, Koks, Joints und Zigaretten vernichtet, es stirbt auch ein Meerschweinchen, der Coffee to go wird erfunden und Karl Schmidt hantiert mit einem der ersten funkgesteuerten Handys herum. Im zweiten Teil lebt der Roman von der Spannung, ob Karl Schmidt den Drogenversuchungen widerstehen kann, mit der Raverin Rosa eine Beziehung wagt und ob er seinen ehemaligen Freund Frank Lehmann wieder trifft. Persönlicher literarischer Höhepunkt für mich als Theodor Storm Fan und Schleswig-Holsteiner und Panikattacken-Erfahrenen ist die Szene, wo Karl Schmidt auf Schrankenhusen-Borstel zufährt und mit einer aufkommenden Paranoia zu kämpfen hat: "Die Paranoia schaukelte sich hoch, stieg höher und höher wie das Wasser vor dem Deich beim Schimmelreiter, …ich hatte mich in die Bierfluten geworfen wie einst der Deichgraf sich in die hereinstürzenden Wassermassen…und während der Komabrettwagen bockte und schwankte wie ein besoffenes Pferd, wurde die Paranoia schlimmer und schlimmer, ich traute mir selbst nicht mehr, ich wurde zum Monster meines eigenen Paranoia-Albtraums, ich war nicht mehr nur der Deichgraf, der Scheiße gebaut hatte, …ich war auch zugleich die Bauernmeute, die ihm misstraute…, Paranoia bei gespaltener Persönlichkeit, eine üble Mischung…" Am Schluss bricht Karl Schmidt, der von seinen neuen Freunden jede Menge positives Feedback bekommt und zu einem von allen Ravern respektierten Tourmanager mutiert, in ein neues Leben auf, und so hat das Psychogelaber dann doch etwas von einem Entwicklungsroman und auch etwas von einem Liebesroman.

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  • Themen-Challenge 2014 - Bücher von deutschsprachigen Autoren

    Daniliesing

    Dieses Thema gehört zur Themen-Challenge 2014:

    Hier könnt ihr euch über eure gelesenen Bücher zu Thema 9 austauschen!

    • 61

    Buecherschmaus

    14. January 2014 um 17:08
  • Auf Tour mit Quatschmauken

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    Buecherschmaus

    14. January 2014 um 17:04

    "Magical mystery - War das nicht eigentlich ein Ding von den Beatles? Und ist das damals nicht irgendwie in die Hose gegangen?" ist ein kleiner running gag im Buch. Aber Raimund und Ferdi, die alten Veteranen der legendären Band "Glitterschnitter" und nun unerwartet mit ihrem Techno-Label "Bumm-Bumm-Record" zu Ruhm und Geld gelangt, wollen sich nicht von ihrer Idee abbringen lassen. Es soll so ein "Hippieding" werden, die Rundumerneuerung des Techno, mit Liebe und Gemeinschaft, kurz: eine Raver-Tournee, bei der verschiedene DJs auf unterschiedlichen Events - das reicht von der Rollstuhldisko in Schrankenhusen-Borstel bis zum Mega-Rave in Essen - ihre Platten auflegen. Dazu wird ein Transporter gemietet und ein passender, möglichst abstinenter Fahrer gesucht. Zufällig stößt man auf Karl Schmidt, alter Bekannter aus Glitterschnitter-Zeiten und seit einem akuten psychotischen Schub (nicht nur aufgrund von Drogengenuss) in einer drogen- und alkoholfreien WG in Hamburg-Altona lebend. Auch dem Regener-Leser ist Karl Schmidt aus dem "Herrn Lehmann" bestens bekannt, endet dieser doch mit der Einweisung Karls in die Psychiatrie. Nun macht sich also die Truppe auf Tour und Karl Schmidt erzählt uns davon und von seinem Bemühen, hier in der "realen" Welt, fern von seinem sozialpädagogischen Betreuer Werner und seinen Gesprächsrunden zu bestehen. Um es vorweg zu nehmen: Er besteht gut, es gelingt ihm den Chaotenhaufen durch die Tournee zu bringen, kleinere oder größere Misslichkeiten zu bewältigen, zumindest eins der mitreisenden Meerschweinchen am Leben zu halten und zarte Bande zu knüpfen. Trotz mancher Anflüge von Paranoia und dem "dunklen Gefühl" scheint er meist in sich zu ruhen und beweist sein großes Herz. Überhaupt ist das Buch von einer großen Wärme, einer enormen Menschenfreundlichkeit. Auch der Leser hat diesen Trupp voller drogenverstrahlter "Quatschmauken" am Ende lieb gewonnen. Wie immer bei Regner ist der Roman sehr dialoglastig. Geniale Dialoge, manchmal völlig sinnbefreit, aber immer authentisch, lakonisch, witzig, oft von einer plötzlichen Tiefe, die den Leser überrascht und berührt. Der typische Regner-Sound, wer ihn mag, ist ihm verfallen. Und wer Sven Regner einmal lesen gehört hat, hat ihn bei eigener Lektüre immer im Hinterkopf. Schade, dass Karl Schmidt und Frank Lehmann sich beim Essener Rave knapp verpasst haben, Aber vielleicht ist uns ja irgendwann mal wieder ein Wiedersehen vergönnt.

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  • Regener in Hochform

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    bfhighlander

    25. November 2013 um 22:39

    Großes Lesevergnügen! Wahrscheinlich taugt bei Sven Regener jeder einzelne Charakter zur Hauptfigur. Hie ist es jedenfalls komplett gelungen. Herrlich auch der Technoszene-90er- Hintergrund.

  • Magie der besonderen Art

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    AnnaChi

    Ja, so mag ich den Sven Regener: ausufernde Dialoge im Meer der Sinnlosigkeit, Gestalten von der depressiv-fröhlichen Art und eine musikalische Odyssee durch das Land, die eigentlich niemand versteht. Karl Schmidt, am Tag des Mauerbaus dem Wahnsinn verfallener Künstler, begegnet als nüchtern-lakonischer Hilfshausmeister und Bewohner einer "therapeutischen" WG seiner Vergangenheit in Form eines ehemaligen Kumpels, Musiker und Besitzer eines Techno-Labels. Halb überzeugt, halb überredet, begleitet Karl ihn und eine Truppe Techno-Freaks als Fahrer (weil er der einzige ist, der immer nüchtern ist - bleiben muss) als Fahrer auf ihrer "Magical Mystery Tour" durch Deutschland. Wer Sven Regener mag, wird dieses Buch lieben. Ich hätte es schon wegen wundervoller Wortschöpfungen wie "Sozpädtitan" oder "Charityhaubitze" gekauft. Oder weil trotz aller Flapsigkeit immer wieder ganz viel Anrührendes drinsteckt. Oder weil es Frank Lehmann immer noch gibt. Oder ... selber lesen macht Spaß!  

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    • 2
  • Die Idee ist wirklich...

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    BennieSalazar

    11. October 2013 um 15:38

    ...sehr interessant: Wir sind mitten in den 90ern (Tekkno!). Der Freund von Herr Lehmann - Karl Schmidt - ist seit ca. 5 Jahren in psychiatrischer Behandlung respektive wohnt in einer Anti-Drogen-Wohngemeinschaft inklusive Sozialarbeiter bzw. Betreuer. Einen Nebenjob hat er als Hilfshausmeister in einem Kinderheim. Zufällig trifft er einen alten Party- und Kunst-Kameraden aus Berlin, der mittlerweile ein erfolgreiches Techno-Label betreibt, Dieser fragt Karl, ob er nicht als Aufpasser/Fahrer/Mädchen-für-Alles die Künstler des Labels auf Tour begleiten möchten. DIe Technomusiker wiederum sind natürlich den Drogen ziemlich zugeneigt und generell ziemlich verpeilt....Sehr lustige Ausgangslage. Der Autor beschreibt die damalige Technoszene und insbesondere die Therapiegruppe genau und anschaulich. Teilweise hat man das Gefühl selber an den Gruppensitzungen teilzunehmen. Das liest sich einfach super! Auch ist die Gegenüberstellung der zwei Gruppen Techno und Therapie interessant, Leider ist die darauffolgende Handlung aber etwas dünn. Einige Szenen werden zu langatmig ausgewalzt. Insbesondere die seitenlangen "Selbstreflexionen" von Karl Schmidt hinsichtlich seiner Krankheit/Gesundung fand ich aufgrund der Längen eher langweillig. Insgesamt aber ein gutes, stellenweise lustiges Buch.

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