Sven Regener Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

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Inhaltsangabe zu „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ von Sven Regener

»Regener ist noch nie so gut gewesen - lakonisch wie immer, aber mit zarter Melancholie. Herzzerreißend schön.« Elke Heidenreich Als Karl Schmidt, Opfer eines depressiven Nervenzusammenbruchs am Tag der Maueröffnung, nach Jahren der Versenkung von alten Kumpels zufällig in Hamburg als Bewohner einer drogentherapeutischen Einrichtung wiedergefunden wird, ist das der Anfang einer seltsamen Zusammenarbeit: Die alten Freunde, mittlerweile zu Ruhm und Reichtum gelangt, wollen mit ihrem Plattenlabel auf einer Tour durch Deutschland den Rave der Neunzigerjahre mit dem Hippiegeist der Sechziger versöhnen und brauchen dazu einen, der immer nüchtern bleiben muss. Das kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr, sich in einer Parallelwelt aus Drogen-WG, Hilfshausmeisterjob und gruppendynamischen Wochenendausflügen zu verschanzen. Und so beginnt eine Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch, unternommen von einer Handvoll Techno-Freaks, betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler, für den dies der Weg zurück in ein unabhängiges Leben sein soll.

Charlie Schmidt als Ex-Junkie mit Ravern auf großer Tour durch Deutschland. Amüsant zu lesen aber mit ein paar Längen.

— markus1708

Regener at it's best. Geniale Dia und Monologe. Für Lehmann Fans ein Muss!!

— kattii

http://novelero.de/karl-schmidt-ist-zurueck/

— sandro_abbate

Bei einem Wind, der die Hosenbeine knattern lässt, fährt Karl Schmidt die Macher von BummBumm Records duch die Republik. Macht Spaß!

— Waldspecht

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  • Amüsante Geschichte um einen Ex-Junkie, eine Tour durch Deutschland und zu sich selbst.

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    markus1708

    10. October 2017 um 21:08

    Mitte der 90er Jahre: Karl Schmidt, genannt Charlie, wohnt in Hamburg in einer betreuten WG für Ex-Drogensüchtige.  Er geht in einem Kindergarten arbeiten und lebt in den Tag hinein. Eines Tages trifft er auf einen alten Bekannten aus Berliner Zeiten: Raimund, jetzt Boss eines Plattenlabels in Berlin steht in der selben Eisdiele, man erkennt sich, man tauscht sich aus über die alten Zeiten  als man noch in Berlin gemeinsam um die Häuser gezogen ist. Kurze Zeit später hat Raimund ein interessantes Angebot für Charlie: Das Plattenlabel organisiert eine Magical Mystery -Tour durch Deutschland, man sucht noch einen Fahrer und er wäre doch der ideale Fahrer des Ganzen. Schließlich dürfe er ja weder Alkohol noch Drogen konsumieren und wäre somit der ideale Aufpasser für den bunt zusammengewürfelten Haufen. Es bedarf ein wenig Überredungskunst und die Aussicht auf 4.000 Mark, und schon bricht Charlie alle Zelte hinter sich ab und sitzt am Steuer eines Sprinters,  auf dem Weg zu einem Abenteuer quer durch die Republik und zu sich selbst.Ich mag die Romane von Sven Regener und habe sie bislang alle verschlungen. Aber hier muss ich dann doch konstatieren, das es Längen gibt und die Geschichte nicht durchgehend spannend und flott zu lesen ist. Daher dieses mal nur drei von fünf Sterne von mir.

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  • On the road again

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    Duffy

    05. September 2017 um 10:18

    Nach fünf Jahren Entzug und Reha ruft die Straße. Karl Schmidt wird aus dem Schoß seiner Genesungseinrichtung gerissen und soll mit den Kumpels von damals, die sehr erfolgreich ein Techno-Label auf den Weg gebracht haben, auf die Magical Mystery Tour gehen und zwar genau aus dem Grund, wegen dem er in der Therapie-WG lebt: Weil er nüchtern ist. Kurt (Charlie) sagt zu und steht auf der chaotischen Tour nicht nur seinen Dämonen gegenüber, sondern auch den Veränderungen, die seine ehemaligen Kollegen und der Nachwuchs in der Szene, durchlaufen haben. Die Vergangenheit will ihn so manches Mal einholen, er kämpft gegen die Geister von gestern und stellt dann fest, dass seine Entscheidungen keineswegs nur aus dem Bauch kommen. Viel hat sich geändert seit damals, immerhin ist auch noch ein zweites Deutschland hinzugekommen.Regener hat ein Buch geschrieben , in dem es nur so bummert, blubbert und pulsiert. Den Charlie kann man fühlen, seinen Kampf gegen die Partygeister und das Leben von gestern kämpft man mit. Regener entlarvt aber auch den Massenhype als oberflächliches Phänomen, die Änderung der Bedeutung jugendkultureller Bewegungen und die Motivation, etwas überhaupt zu machen. Seine Figuren sind glaubhaft und so überzeugend, dass der Leser direkt mit im Bus oder Fluxi-Hotel dabei ist. Die Dialoge sind brillant, keinesfalls aufgesetzt und immer mit genau der Prise Humor versehen, die genau in die jeweilige Szene passt. Das ist dankbares Futter für Drehbuchschreiber und natürlich ist der Film längst gedreht.Ein tolles, rasantes, nie langweiliges Buch, von einem, der genau weiß, über was er schreibt.

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  • Regener kann auch BummBumm

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    rkuehne

    Der gute alte Sven Regener. Jedesmal, wenn ein neues Buch aus dem Herr-Lehmann-Universum rausplobbt, denk ich, dass Regener nun aber wirklich die Kuh zu oft gemolken hat. Und jedesmal überzeigt mich Regener vom Gegenteil. „Magical Mystery“, der Roadtrip des aus der Drogen-WG in Hamburg-Altona getürmten Karl Schmidt, steht dem Erstling „Herr  Lehmann“ in nichts nach, ist erneut voll von großartigen Lebensweisheiten, skurrilen Momenten und zwischendurch und eigentlich auch permanent auch einer großen Wahrheit und Ernsthaftigkeit und einer stets spürbaren Liebe von Regener zu seinen Protagonisten. Und ein Buch, bei dem man in der S-Bahn mehrmals laut auflachen muss, kann letztlich ja nur irgendwie großartig sein. Wunderbar, Sven Regener, wunderbar!

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    • 2
  • Geniale Mono - und Dialoge

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    kattii

    24. January 2016 um 08:51

    Lehmann Fans kennen ihn: Karl Schmidt. Aber auch jemand, der diese Reihe noch nicht gelesen hat wird sehr schnell mit dem Charakter warm. Der in der Ich-Form geschriebene Roman, zeigt einen anderen Teil der bisher bekannten Lehmann-Welt. Karl ist nach seinem Drogenabsturz und Nervenzusammenbruch im CleanCut 1 - einer drogentherapeutischen WG in Hamburg. Zufällig trifft er Raimund Schulte wieder und dieser will mit den alten Freunden und seinem Plattenlabel auf Rave-Tour durch Deutschland. Ganz magical Mystery eben. Was passt es sich prima, dass Karl ja immer nüchtern sein muss ... und so beginnt die Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch. Rave der 90iger mit dem Hippiegeist der 60iger...! Sven Regener hat es mal wieder geschafft mich durch absolut geniale Mono und Dialoge mich bei jedem der oft kurzen Kapitel zum Grinsen zu bringen. Wundervolle Wortschöpfungen, und immer mal wieder ein Tuck tiefgründigkeit im Chaos des 90iger Raves und dessen vertreter - herrlich! Dazu Regeners alt bekannte Flapsigkeit kombiniert mit viel Herz .... für mich ein typischer und würdiger Nachfolger der Lehmann Reihe!! 

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  • Kontaktstoned, aber irgendwas bleibt

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:18

    Die Beatles reiten noch auf der Erfolgswelle ihres Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das am 1. Juni 1967 erschienen ist und als eines der ersten Konzeptalben der Popgeschichte gilt, als sie im August des gleichen Jahres in den Südwesten Englands aufbrechen. Hier drehen sie ihren dritten Spielfilm, bei dem sie erstmals nicht nur Darsteller sind, sondern auch als Autoren und Regisseure verantwortlich zeichnen. "Magical Mystery Tour", ein surrealistischer Lobgesang auf die Kultur der nordenglischen Arbeiterklasse, zeichnet sich durch eine relativ zusammenhanglose Handlung, begleitet durch eine Gruppe feierwütiger Briten auf ihrer Busreise in den Urlaub ans Meer, aus. Unterwegs geben diverse Zauberer - dargestellt von den Beatles selbst - immer wieder Anstoß zu vielfältigen exzentrischen, aber auch musikalischen Aktivitäten. Als zeitversetzte Persiflage könnte man Sven Regeners gleichnamigen Roman bezeichnen. Auch hier wird der Leser Teil einer konfusen Truppe unterschiedlichst zusammengewürfelter Raver, die zwar nicht zur Erholung ans Wasser fahren, sondern auf ihrer Tour den Techno unters Volk bringen wollen. Auch sie sind dem Feiern, Trinken und Konsumieren unterschiedlichster, stimmungsaufhellender Substanzen nicht abgeneigt. Und Zauberer sind sie allemal, schon allein wegen ihrer schrägen Charaktere und der damit verbundenen differenzierten Lebenseinstellungen. Einziger "Normalo" unter der chaotischen Horde um Ferdi, Schöpfi, den Hosti Bros, Dubi oder Flapsi scheint Karl Schmidt zu sein. Der fährt das illustre Trüppchen von Bremen nach München, Frankfurt und Hamburg, mit Abstecher über Schrankenhusen-Borstel, um auch dem letzten "Güllebauern und Dreibuchstaben-Ravern" das "BummBumm" in die Gummistiefel zu jagen. Ohne Alkohol und Drogen und auch ohne nächtelanges Feiern, steuert Karl, aus dessen Sicht in der Ich-Form der Roman geschrieben ist und der "auch sonst ein paar Schrauben locker hat" seine mal mehr oder weniger muntere Truppe durch Deutschland. Für ihn wird es allerdings eher Bewährungsprobe als Partykracher. Denn er erlebte beim Fall der Mauer seinen ganz persönlichen Flash, landete dazumal in der "Klapper" und später in einer betreuten Drogen-WG. In dessen Nähe, im Eiscafé "Romantica", spürt ihn nach über fünf Jahren Raimund, ein alter Bandkollege aus vergangenen "Glitterschnitter"-Zeiten, auf und zieht ihn "magical mystery" in das Chaos aus Sex, Drugs und Rock'n'Roll... äh... Tekkno... nein... Techno. Denn, so Raimund: "Wir brauchen einen, der sich um alles kümmert, der uns fährt und auf das Geld aufpasst und auf uns auch und dass wir weiterkommen und was weiß ich alles." "Die alten Sachen waren Vergangenheit und die Zukunft war offen. Keine Richtung, kein Plan. Das gefiel mir ganz gut." Doch wird der alte "Klapsmühlen- und Psychozausel" Karl den ständigen Versuchungen von Hofbräuhaus, Äppelwoi-Kneipe oder Hafenrundfahrt widerstehen und als "Klarsichthüllenfreak" "sauber auf der Kaffeespur bleiben" können oder mutiert er letztendlich doch wieder zum bösen Wolf, der den "kleinen Drogenschweinchen in ihren Häuschen aus Acidpapier, Hanfholz und Crackstein" ans Leder geht? Findet er den richtigen Draht, um diese heillos chaotische "Gruppe von Verstrahlten" zu bündeln? Seine Erfahrungen als Hilfshausmeister und Tiefpfleger im Kinderkurheim Elbauen in Ottmarschen gereichen ihm auf jeden Fall nicht zum Nachteil. Doch wie er selbst feststellt: "Die Zukunft ist eine dumme Sau. Man weiß nie, womit sie als Nächstes um die Ecke kommt!". Aber: Da gibt es unter den ganzen durchgeknallten Typen und Partygranaten ja auch noch Rosa.... Sven Regener hat nach seiner "Herr-Lehmann-Trilogie" erneut ein Buch geschrieben, das auf den ersten Blick den Eindruck macht, zu einem einzigen "Quatschbrei" verschmolzen zu sein. Doch die Hintergründigkeit seines Textes offenbart sich wie immer zwischen den Zeilen. Raver, alte Hippie-Avantgarde, Künstler, Plattenlabelbesitzer und deren Hitparadengaranten sowie jede Menge Dosenbier und ein wenig Paranoia sind tonangebendes Metier. Mit lockerer Souveränität konstruiert der erfolgreiche Autor sowie Sänger und Texter der Folkrock Band "Element of Crime" groteske Situationen, die trotz alledem nicht künstlich, sondern authentisch wirken. I-Tüpfelchen sind seine, den Text beherrschenden, brillanten, zum Teil inneren Dialoge, die sich durch einen kernig-lakonischen Witz auszeichnen. Hier läuft Karl Schmidt, alias Sven Regener, zu Höchstform auf und macht den augenscheinlich trivial wirkenden und leicht zu lesenden Roman zu einem kleinen "Sprachspaßkunstwerk". Fazit: Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt über den Polaroid-Streifen der Beatles: "Witziger, unerhört rhythmischer Film, in dem die Beatles zahlreiche liebe Gewohnheiten der Briten persiflieren, aber auch sich selbst auf die Schippe nehmen. Die Zuneigung der Gesangsgruppe zu den Menschen aus den unteren Schichten, ihrer eigenen Herkunft, ist deutlich spürbar und macht den Film sympathisch." Auch Sven Regeners "Magical Mystery" offenbart eine äußerst unterhaltsame Parodie auf die Raver-Szene Mitte der 90er Jahre, einer Subkultur, die zwischen Dilettantismus und Genialität schwankte.

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  • Wer meckert, fliegt

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    walli007

    21. May 2015 um 21:44

    Seit Karl Schmidt verrückt geworden ist, lebt er in einer Drogen-WG und arbeitet als Hilfshausmeister in einem Kindererholungsheim bei Hamburg. Wir schreiben das Jahr 1995 und Karl hat mit seinem vor WG Leben abgeschlossen. Bis er seinen alten Freund Raimund Schulte im Eiscafé trifft. Genau genommen möchte er ihn nicht einmal wiedersehen, aber es lässt sich nunmal nicht vermeiden. Und Raimunds Idee rumort dann doch in Karls Gedanken, der jetzt wieder Charlie heißt. Als dann auch noch festgestellt wird, dass er ein Jahr lang keinen Urlaub genommen hat und man ihn in Zwangsurlaub schickt, ist die Zeit reif. Karl oder besser Charlie geht mit seinen alten und einigen neuen Kumpels auf die Magical Mystery Tour. Techno pur - nur einer muss nüchtern bleiben. Bei der Betrachtung dieser eigenartig widersinnig auffälligen Covergestaltung fragt man sich zunächst, wieso man diesen Roman lesen wollte. Zum Glück fällt es einem schon nach wenigen Seiten wieder ein. Da sind sie die 90er, die Zeit von Techno und Rave. Die Techno-Parties, zu denen man alleine hinging, weil keiner mit wollte, die total urig waren mit seltsam gewandeten Gestalten und minimalistischer Musik. Laut und schnell war am schönsten, doch chillen war auch okay. Und in diese Zeit des Aufbruchs in die Welt der Techno-Freaks, von denen einige schon begannen Geld zu machen, die Meisten aber noch mit großem Enthusiasmus durch die Discotheken zogen nur, um auflegen zu können, entführt der Autor seine Leser. Welch eine irre Zeit das war, wo alles noch echt war und der Mainstream noch nicht die Oberhand hatte.  Natürlich ist es vorteilhaft, die Welt des Herrn Lehmann und seinen Freunden zu kennen, doch auch viele andere Leser werden sich mit Karls Geschichte wohlfühlen, der seinem behüteten Kokon entwächst und lernt wieder Verantwortung zu übernehmen, der mit zarter Hand die Meerschweinchen umhegt, der seine verrückte Truppe durch die Gegend kutschiert und in dem schließlich die Sehnsucht wächst, wieder ein eigenständiges Leben zu führen. Was für eine coole Socke muss der Autor sein, um so ein cooles Buch zu erfinden. 4,5 Sterne

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  • Lehmanns bester Freund, Karl Schmidt, ist wieder da

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    Matzbach

    Regeners "Herr Lehmann" endet mit der Einweisung seines besten Freundes Karl Schmidt in die Psychatrie. Fünf Jahre später taucht er wieder auf. Nach geschlossener Anstalt und Drogenentzug lebt er in einer betreuten Wohngruppe ehemaliger Abhängiger, daneben jobbt er als (alleinverantwortlicher) Hilfshausmeister in einem Kinderkurheim. Dort soll ihm aber ein neuer Hausmeister vor die Nase gesetzt werden, außerdem muss er den ihm tariflich zustehenden Jahresurlaub nehmen. Da trifft es sich gut, dass er kurz zuvor einen alten Bekannten aus Berlin getroffen hat, der ihn als eine Art Roadie für die "Magical Mystery"-Tour einer Ravertruppe engagieren möchte. In Anlehnung an die Hippie-Tour der Beatles möchte das Technolabel Love and Peace in die Provinz bringen. Karl, zwangsbeurlaubt und in einem Drogenrehazentrum, das auf Sport setzt, angemeldet, überlegt kurz und fährt nach Berlin, um den Job zu übernehmen. Die Tour entwickelt sich zu einer Aneinanderreihung kleinerer und größerer Katastrophen, ausgerechnet Karl Schmidt, der als einziger drogenfrei leben muss, behält zumindest einigermaßen die Übersicht, so dass das Unterfangen am Ende halbwegs gelingt. Dabei kommt es fast zu einer Begegnung Karls mit Frank Lehmann, aber eben nur fast. Anfangs habe ich mich etwas schwer getan mit Regeners viertem Roman, es brauchte etwas, sich hineinzufinden. Aber mit dem Start der Tour, so ca. ab S. 200, wirds genial. Leerlaufkommunikation en masse, wie schon in den Vorgängern, wer das mag, kommt eindeutig auf seine Kosten. Das auf der Tour ausbrechende Chaos erinnert irgendwie an die WG in der Neuen Vahr. Wenn ich mal eine Rangordnung der Romane aufstellen darf, "Herr Lehmann" eindeutig Platz eins, "Neue Vahr Süd" Platz zwei, "Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt" auf jeden Fall klar vor "Der kleine Bruder", welchen ich etwas enttäuschend fand.

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    • 5
  • Inferno des guten Willens

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    jamal_tuschick

    Wie gesagt, Herr Lehmann ist jener Kreuzberger Kiezkauz und Marottenkönig aus Bremen, den Sven Regener in seinem literarischen Debüt berühmt machte. Da hatte das letzte Jahrtausend gerade die Luken geschlossen, der Autor erklärte lapidar, Lehmann sei ihm „so zugelaufen“. Lehmann wirkt auch wie ein Exponat im Lapidarium in seiner soziophobischen Versteinerung. Sein bester Freund Karl erscheint nicht so reduziert. Am Anfang des Regener’schen Erzähluniversums, gleich nach dem Urknall, bereitet der Skulpturenschweißer eine Ausstellung vor. Schmidt bricht „mit verschmorten Synapsen“ zusammen. An einem neunten November gibt ihn Herr Lehmann im Urban-Krankenhaus ab. Davon geht Regener in seinem vierten Roman aus. „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ – Im ausverkauften Berliner Ensemble liest der Hanseat mit Seemannsgang im Tonfall. Der Vortrag tropft vor Identifikation. Bei Regener haben Hänger die ideale Passform. Von älteren Semestern wird Karl immer noch Charly genannt.   Hic Rhodus, hic salta. Karls Rhodus heißt Hamburg-Altona. Da lebt er nun im Trödel des geschütztes Wohnens und der betreuten Werkstätten. In einem Inferno des guten Willens. Karl darf nur noch Kaffee und Zigaretten und Eisbecher nach Absprache. Die Wohlfahrt hat ihn im Griff mit ihren Weisheiten für den sedierten Schlumpf auf Haloperidol.   Regener resigniert in theatralischer Stellvertretung, die Arme umjubeln den Kopf im Berliner Ensemble. Er stellt Karl dem Publikum aufgeschwemmt, „grau und impotent“ vor. „Charity-Haubitzen“ degradieren Karl in „therapeutischen Bastelstunden“. Ertragen muss er Typen wie Henning, einen „vom Baum des Alkoholismus geschüttelten Apfel“. In dieser trüben Verfassung wird er zur Entdeckung von Raimund Schulte:  „Ich sah ihn lange bevor er mich sah. Ich hatte gerade Paranoia und die Tür fest im Blick, weil Werner nicht wollte, dass wir ins Eiscafé gingen, und ich hatte die Pillen abgesetzt und Angst davor, dass Werner beim nächsten Plenum aus einem Eisbecher ,Monteverdi‘ ein großes Ding machen würde, da hätte ich kaum für mich garantieren können ohne Pillen.“ Werner führt Aufsicht in der „gemischtgeschlechtlichen Drogen-WG“, Raimund stellt sich als ein anderes Fossil aus Berliner Tagen heraus. Raimund kennt „keinen Subtext, keine Metaphern, keine Rücksicht“. So bündig schreibt Regener. Er hört sich auch so an.  Raimund hatte mehr Glück als Karl. Er reüssierte in der 1994 an allen Ecken und Enden der Republik triumphierenden, auch von solchen Vergnügungsfrontveteranen wie Raimund gekaperten Spielart Techno. Dem Kumpel aus Glitterschnitter-Tagen, die Band mutierte zu einem  BummBumm-Label, stellt Raimund Zukunft in Aussicht. Die Begegnung im Eiscafé La Romantica  kriegt eine utopische Dimension in Karls Hoffnung auf Entmündelung. Bald biegt Karl vor Uelzen nach Berlin ab, im Gepäck einen Stadtplan „noch mit Mauer“. Er hält am umbenannten Marx-Engels-Platz: „Ich wollte in das Berlin, das ich nicht kannte.“ Es sieht aber auch nur aus „wie Bielefeld mit anderen Mitteln kurz nach dem Krieg“. Willkommen in Mitte. Es riecht nach „Müll, Kotze, Schimmel, die Mischung, die anzeigt, dass es draußen schon wieder hell ist“. Raimund und noch so ein übriggebliebener Ferdi haben sich als Medizinmänner im Rave-Fieber spät noch einmal neu erfunden. Ihre Abteilungen für „Gummistiefel-Techno“ und "Techno mit Anspruch" expandieren. Sie planen eine „Magical Mystery Tour“, in Anspielung auf „das Hippieding“ ihrer zerschellten Sehnsüchte – die Nostalgie der DJs. Karl soll den Tourbus fahren, da er doch sowieso nüchtern bleiben muss. Er steuert zuerst Bremen an, via McDonald’s. Schon ist er im Besitz eines Taschentelefons. Der seltene Apparat gibt ihm Gelegenheit, an Apparate zu erinnern, die man in Kühlschränke packen musste, da sie nicht aufhörten, zu klingeln. Karl Schmidt teilt mit Frank Lehmann einen Hang zum Nebensachen-Fetischismus.  Sven Regener, „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“, Roman, Galiani Verlag, 512 Seiten, 22,90 Euro

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    • 2
  • Hemmungslose Sinnbefreitheit

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    olli2308

    12. February 2014 um 12:23

    Endlose innere Monologe und absurde Dialoge in Perfektion bietet Sven Regener im ersten Band nach der Lehman-Trilogie, und ich habe mich kein bisschen gelangweilt. Die 500 Seiten lesen sich in einem Stück weg und sind größtenteils hemmungslos sinnbefreit, entbehren aber nicht einer gewissen Komik und sind eine Milieuschilderung der 90iger Jahre Techno-House-Ambient-Rave-Szene vom Feinsten. Eine zentrale Rolle spielen die größtenteils unter Drogenkonsum stehenden Dialoge und die inneren Monologe von Karl Schmidt, dem besten Freund von Frank Lehmann, der nach einem Drogenmissbrauch in der Klapse gelandet war und die Schnauze voll hat von der ganzen Drogen-WG Sozipäd-Laberei. Da kommt das Angebot seiner ehemaligen Freunde gerade Recht, als nüchterner Fahrer eine Horde dauerbekiffter Raver mit einem Tourbus durch Deutschland zu kutschieren. Die Laberflashs haben schon was Absurdes wie bei "Warten auf Godot", oszillieren zwischen Blödsinn auf hohem Niveau und intellektuellem Kauderwelsch, füllen aber die langen Wartezeiten zwischen den Auftritten, die die Raver-Gruppe auf der Magical Mystery Tour in so illustre Orte wie Schrankenhusen-Borstel führt, wo die Absurdität auf den Höhepunkt zusteuert, weil die Raver ihre Techno-Hits "HostiBrosti" und "Ballon, Ballon – der Hit mit der Flöte" in einer behindertengerechten Agrardico vor lauter Rollstuhlfahrern spielen. Unterwegs werden nicht nur jede Menge Kaffee, Bier, Koks, Joints und Zigaretten vernichtet, es stirbt auch ein Meerschweinchen, der Coffee to go wird erfunden und Karl Schmidt hantiert mit einem der ersten funkgesteuerten Handys herum. Im zweiten Teil lebt der Roman von der Spannung, ob Karl Schmidt den Drogenversuchungen widerstehen kann, mit der Raverin Rosa eine Beziehung wagt und ob er seinen ehemaligen Freund Frank Lehmann wieder trifft. Persönlicher literarischer Höhepunkt für mich als Theodor Storm Fan und Schleswig-Holsteiner und Panikattacken-Erfahrenen ist die Szene, wo Karl Schmidt auf Schrankenhusen-Borstel zufährt und mit einer aufkommenden Paranoia zu kämpfen hat: "Die Paranoia schaukelte sich hoch, stieg höher und höher wie das Wasser vor dem Deich beim Schimmelreiter, …ich hatte mich in die Bierfluten geworfen wie einst der Deichgraf sich in die hereinstürzenden Wassermassen…und während der Komabrettwagen bockte und schwankte wie ein besoffenes Pferd, wurde die Paranoia schlimmer und schlimmer, ich traute mir selbst nicht mehr, ich wurde zum Monster meines eigenen Paranoia-Albtraums, ich war nicht mehr nur der Deichgraf, der Scheiße gebaut hatte, …ich war auch zugleich die Bauernmeute, die ihm misstraute…, Paranoia bei gespaltener Persönlichkeit, eine üble Mischung…" Am Schluss bricht Karl Schmidt, der von seinen neuen Freunden jede Menge positives Feedback bekommt und zu einem von allen Ravern respektierten Tourmanager mutiert, in ein neues Leben auf, und so hat das Psychogelaber dann doch etwas von einem Entwicklungsroman und auch etwas von einem Liebesroman.

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  • Auf Tour mit Quatschmauken

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    Buecherschmaus

    14. January 2014 um 17:04

    "Magical mystery - War das nicht eigentlich ein Ding von den Beatles? Und ist das damals nicht irgendwie in die Hose gegangen?" ist ein kleiner running gag im Buch. Aber Raimund und Ferdi, die alten Veteranen der legendären Band "Glitterschnitter" und nun unerwartet mit ihrem Techno-Label "Bumm-Bumm-Record" zu Ruhm und Geld gelangt, wollen sich nicht von ihrer Idee abbringen lassen. Es soll so ein "Hippieding" werden, die Rundumerneuerung des Techno, mit Liebe und Gemeinschaft, kurz: eine Raver-Tournee, bei der verschiedene DJs auf unterschiedlichen Events - das reicht von der Rollstuhldisko in Schrankenhusen-Borstel bis zum Mega-Rave in Essen - ihre Platten auflegen. Dazu wird ein Transporter gemietet und ein passender, möglichst abstinenter Fahrer gesucht. Zufällig stößt man auf Karl Schmidt, alter Bekannter aus Glitterschnitter-Zeiten und seit einem akuten psychotischen Schub (nicht nur aufgrund von Drogengenuss) in einer drogen- und alkoholfreien WG in Hamburg-Altona lebend. Auch dem Regener-Leser ist Karl Schmidt aus dem "Herrn Lehmann" bestens bekannt, endet dieser doch mit der Einweisung Karls in die Psychiatrie. Nun macht sich also die Truppe auf Tour und Karl Schmidt erzählt uns davon und von seinem Bemühen, hier in der "realen" Welt, fern von seinem sozialpädagogischen Betreuer Werner und seinen Gesprächsrunden zu bestehen. Um es vorweg zu nehmen: Er besteht gut, es gelingt ihm den Chaotenhaufen durch die Tournee zu bringen, kleinere oder größere Misslichkeiten zu bewältigen, zumindest eins der mitreisenden Meerschweinchen am Leben zu halten und zarte Bande zu knüpfen. Trotz mancher Anflüge von Paranoia und dem "dunklen Gefühl" scheint er meist in sich zu ruhen und beweist sein großes Herz. Überhaupt ist das Buch von einer großen Wärme, einer enormen Menschenfreundlichkeit. Auch der Leser hat diesen Trupp voller drogenverstrahlter "Quatschmauken" am Ende lieb gewonnen. Wie immer bei Regner ist der Roman sehr dialoglastig. Geniale Dialoge, manchmal völlig sinnbefreit, aber immer authentisch, lakonisch, witzig, oft von einer plötzlichen Tiefe, die den Leser überrascht und berührt. Der typische Regner-Sound, wer ihn mag, ist ihm verfallen. Und wer Sven Regner einmal lesen gehört hat, hat ihn bei eigener Lektüre immer im Hinterkopf. Schade, dass Karl Schmidt und Frank Lehmann sich beim Essener Rave knapp verpasst haben, Aber vielleicht ist uns ja irgendwann mal wieder ein Wiedersehen vergönnt.

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  • Regener in Hochform

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    bfhighlander

    25. November 2013 um 22:39

    Großes Lesevergnügen! Wahrscheinlich taugt bei Sven Regener jeder einzelne Charakter zur Hauptfigur. Hie ist es jedenfalls komplett gelungen. Herrlich auch der Technoszene-90er- Hintergrund.

  • Magie der besonderen Art

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    AnnaChi

    Ja, so mag ich den Sven Regener: ausufernde Dialoge im Meer der Sinnlosigkeit, Gestalten von der depressiv-fröhlichen Art und eine musikalische Odyssee durch das Land, die eigentlich niemand versteht. Karl Schmidt, am Tag des Mauerbaus dem Wahnsinn verfallener Künstler, begegnet als nüchtern-lakonischer Hilfshausmeister und Bewohner einer "therapeutischen" WG seiner Vergangenheit in Form eines ehemaligen Kumpels, Musiker und Besitzer eines Techno-Labels. Halb überzeugt, halb überredet, begleitet Karl ihn und eine Truppe Techno-Freaks als Fahrer (weil er der einzige ist, der immer nüchtern ist - bleiben muss) als Fahrer auf ihrer "Magical Mystery Tour" durch Deutschland. Wer Sven Regener mag, wird dieses Buch lieben. Ich hätte es schon wegen wundervoller Wortschöpfungen wie "Sozpädtitan" oder "Charityhaubitze" gekauft. Oder weil trotz aller Flapsigkeit immer wieder ganz viel Anrührendes drinsteckt. Oder weil es Frank Lehmann immer noch gibt. Oder ... selber lesen macht Spaß!  

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    • 2
  • Die Idee ist wirklich...

    Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

    BennieSalazar

    11. October 2013 um 15:38

    ...sehr interessant: Wir sind mitten in den 90ern (Tekkno!). Der Freund von Herr Lehmann - Karl Schmidt - ist seit ca. 5 Jahren in psychiatrischer Behandlung respektive wohnt in einer Anti-Drogen-Wohngemeinschaft inklusive Sozialarbeiter bzw. Betreuer. Einen Nebenjob hat er als Hilfshausmeister in einem Kinderheim. Zufällig trifft er einen alten Party- und Kunst-Kameraden aus Berlin, der mittlerweile ein erfolgreiches Techno-Label betreibt, Dieser fragt Karl, ob er nicht als Aufpasser/Fahrer/Mädchen-für-Alles die Künstler des Labels auf Tour begleiten möchten. DIe Technomusiker wiederum sind natürlich den Drogen ziemlich zugeneigt und generell ziemlich verpeilt....Sehr lustige Ausgangslage. Der Autor beschreibt die damalige Technoszene und insbesondere die Therapiegruppe genau und anschaulich. Teilweise hat man das Gefühl selber an den Gruppensitzungen teilzunehmen. Das liest sich einfach super! Auch ist die Gegenüberstellung der zwei Gruppen Techno und Therapie interessant, Leider ist die darauffolgende Handlung aber etwas dünn. Einige Szenen werden zu langatmig ausgewalzt. Insbesondere die seitenlangen "Selbstreflexionen" von Karl Schmidt hinsichtlich seiner Krankheit/Gesundung fand ich aufgrund der Längen eher langweillig. Insgesamt aber ein gutes, stellenweise lustiges Buch.

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