Wiener Straße

von Sven Regener 
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Wiener Straße
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Literaturwerkstatt-kreativs avatar

Sven Regener - humorvoll und voller Situationskomik - wie immer !!!

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Inhaltsangabe zu "Wiener Straße"

"Wiener Straße" beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstaustellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen.

Außer einen!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783864844492
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:tacheles!
Erscheinungsdatum:07.09.2017
Das aktuelle Buch ist am 09.05.2019 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 8 Monaten
    Regener war schon besser

    1980, Berlin, Hausbesetzerszene, Kunstszene, Kreuzberg, Wiener Straße. Das »Café Einfall« öffnet um 18 Uhr. Doch irgendwer muss die Sauerei der Nacht entfernen, die versifften Klos schrubben. Drum ist heute Morgen die Tür offen, ständig schlappt einer rein und fragt »Ist hier schon offen?«. Nein, es ist geschlossen, Kaffee gibt es auch nicht, nur Bier und Schnaps, was viele Typen nicht abhält, doch hereinzuschlappen. Ein Kontaktbeamter warnt vor Junkies und einige Leute suchen nach einem Job als Bedienung. Erwin Kächele aus dem Schwabenland, der Wirt, ist Morgenmuffel, doch der braucht eine Putze, keine Bedienung. Seine Nichte ist angereist, will aber kellnern, macht den Vorschlag, das Café schon morgens zu öffnen, ist ja ein Café, Kuchen backen kann sie auch, war schließlich auf der Hauswirtschaftsschule. Lehmann braucht nen Job, will aber auch lieber kellnern, als Klos zu putzen. Sven Regeners Romanfamilie ist wieder da: Lehmann, Karl Schmidt, Kächele, der Chauffeur und Ossi Marko, Künstler wie H. R. Ledigt oder P. Immel.

    P. Immerl hat mit einigen Künstlern ein Haus gegenüber vom Café besetzt und betreibt dort die »ArschArt Galerie«. Die wollen groß raus kommen mit Aktionskunst und so. Fürs Fernsehen müssen sich ein paar als Punks verkleiden, weil das TV auf Punks steht. Für Künstler allein kommen die nicht. Und er interessiert sich für den leeren Intimfriseur gegenüber, der dichtgemacht hat, dort könnte man eine Kneipe aufmachen. Die vielen Künstler-Karstens werden durchnummeriert, damit man sie unterscheiden kann. Karsten 1 wird aber Kacki genannt.

    »Die Tür fiel zu und es war zappenduster. Erwin stellte den Werkzeugkasten ab, den er für die Pfeifen mitgebracht hatte, denn das waren sie, Pfeifen, wie bin ich hier nur reingeraten, fragte er sich schon den ganzen Tag immer wieder rhetorisch, meist in Gedanken, manchmal auch laut, aber weder Karl Schmidt noch Frank Lehmann, der offensichtlich Karl Schmidts neuer Lieblingskumpel war, noch H.R. und schon gar nicht Chrissie, seine beknackte Nichte, hatten sich auch nur angesprochen oder sonst wie kompetent gefühlt, mal irgendwas darauf zu antworten….«

    Und dann ist da noch die WG über dem Café, Erwin ist der Vermieter. Die Pfeifen müssen erstmal renovieren, bevor sie ihre Zimmer in Beschlag nehmen können. Und Lehmann bekommt den Putzjob, muss ja irgendwie die Miete bezahlen. Chrissie setzt sich bei Erwin durch. Nun muss auch noch die uralte Kaffeemaschine repariert werden.

    »›Dann nehm ich den, nee, Moment mal, da schauen wir mal, so sieht's aus, könnte aber auch, wenn ich den da, ja nee, da drüben ist nichts, angeschlossen ist das, wenn man hier, dann… ‹, so ging das munter in seinen Bart hinein, der ein kurzer Schnauzer war, und Frank ließ sich davon berieseln, während er in Ruhe den Boden wischte, vielleicht mache ich ihm wirklich einen Kaffee, wenn er fertig ist, dann kann man die Maschine gleich testen, dachte Frank, vielleicht wäre es wirklich mal gut, Kontakt aufzunehmen zu einem, der von ganz woanders kommt und ganz woanders unterwegs ist, rauschte es ihm kirchentagsgleich durch die Birne, während er wischte und wischte, eine Tätigkeit, die ihm, wie er in den letzten Tagen gelernt hatte, umso mehr Spaß machte, je dreckiger der Boden war.«

    Eine Hommage an das alte Berlin-Kreuzberg, das unangepasste Leben. Witzig, wie man die Truppe kennt, aber nichts Neues. Das Buch war lustig und ich habe viel gelacht. Da gibt es nichts. Doch … »Neue Vahr Süd« und »Herr Lehmann« waren um Klassen besser. Viel Wiederholung aus den alten Büchern. Trotzdem ein guter Roman, denn Dialoge hat Sven Regener allemal drauf. Hier wird berlinert, klasse.
    Doch ich hätte mir für das Hörbuch einen anderen Sprecher gewünscht. Bei »Neue Vahr Süd« habe ich Sven Regener als Sprecher geliebt, Bremen, Bremer Dialekt. Nun sind wir in Berlin, Erwin ist Schwabe, erzählt sehr viel. Dieser ständige Bremer-Dialekt im Erzählton (außer bei den Berliner Stellen) als Hintergrund nimmt mir das Berlinfeeling, die Authentizität der Protagonisten. Wer die alten Bücher liebt, sollte sich das hier nicht entgehen lassen, Lachen ist angesagt. 

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    Literaturwerkstatt-kreativs avatar
    Literaturwerkstatt-kreativvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Sven Regener - humorvoll und voller Situationskomik - wie immer !!!
    Cafe Einfall

    Literaturwerkstatt- kreativ“ stellt vor:

    „Wiener Straße“ (Hörbuch) von Sven Regener


    Wir befinden uns wieder in der Hausbesetzerzeit der 80iger in Berlin -Kreuzberg. Die "Wiener Straße" beginnt im November 1980 und schließt zeitlich an den Roman "Der kleine Bruder" von Sven Regener an. Erwin Kächele, Besitzer des „Cafe Einfall“ bekommt Nachwuchs. Aus diesem Grund müssen seine Nichte Chrissie, Frank Lehmann, Karl Schmidt und H. R. Ledigt bei ihm ausziehen. Er quartiert sie in seiner Wohnung über dem Café Einfall ein. Da dem Cafe die Putzfee abhanden gekommen ist, erhält Frank Lehmann nun diesen Job und

    Kächeles Nichte Chrissie hat die tolle Idee, das Cafe doch schon morgens zu öffnen und Kaffee und Kuchen anbieten. Kächele lässt sich auf dieses Experiment ein und gibt ihr den Job in der Hoffnung, das seine Nichte ihm so zumindest die Miete bezahlen kann.


    Gleich nebenan eröffnet zeitgleich P. Immel - Besitzer der Arsch-Art-Galerie - auch ein Cafe, in einem ehemaligen Intim-Friseur-Laden. Die Eröffnung soll mit einer Kunstausstellung zelebriert werden. Dafür legen sich die beiden Künstler Karl Schmidt und H. R. Ledigt mächtig ins Zeug. H.R. läuft dafür mit einer Kettensäge durch Kreuzberg und fällt Bäume. Da kommt nun der neue Kontaktpolizist aus Kreuzberg ins Spiel, der will nämlich unbedingt den Täter stellen. Bei der Eröffnung der Kunstausstellung kommt es dann zum Showdown.



    Fazit:

    Sven Regener hat mich wieder mal begeistert. Er versammelt erneut seine skurrilen Romanhelden um sich und erzählt von einem wunderbaren Lebensgefühl der 80er Jahre in Berlin - Kreuzberg.


    Froh bin ich auch, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe, denn es ist ein absoluter Genuss Sven Regener in seiner eigenen flapsigen Art zu zuhören. Seine herrliche schnodderige Sprache ist einfach temporeich, wortgewaltig und seine Sprachbreite reicht von witzig und humorvoll bis rüde und bizarr. Er springt zwischen den verschiedenen Dialekten und haucht den einzelnen Protagonisten Leben ein. Er schafft es den Spannungsbogen - über 6 Stunden - gekonnt aufrecht zu erhalten und absoluten Hörgenuss herzustellen.


    Die Story ist, wie nicht anders von Sven Regener zu erwarten, skurril, witzig aber auch (in Teilen) nachdenklich. Für alle Frank Lehmann-Fans: Frank Lehmann spielt in dieser Geschichte nur eine Nebenrolle, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut. Die anderen Protagonisten bringen nicht minder Leben in die Geschichte. Vor allem „H. R“, der Kettensägemann hat es mir angetan. Aber auch Erwin (Kächele) ist einfach toll.


    Ich kann nur jedem, der schräge Geschichten und Protagonisten mag, zur „Wiener Straße“ raten, - Sven Regener hat keinen Mainstream bedient und auch wenn so, oder so ähnlich Geschichten von Ihm schon auf dem Markt sind, so kann ich diese seine Art immer wieder hören. Es ist immer wieder neu. Dafür ein großes Danke schön !!!



    https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2018/01/04/cafe-einfall/


    Besten Dank an den  Roof - Music / Tachesles  Verlag für den Hörbuch- Link.

    Kommentare: 2
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    W
    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Zum Weglachen



    Nicht ganz chronologisch entführt Sven Regener in seinem neuen Roman den Leser seiner bisherigen Lehmann-Romane ins das Berlin im Jahr 1980. Frank Lehmann ist noch neu in Berlin, erinnert sich oft an seinen bisherigen Wohnort in der Neuen Vahr Süd. Irgendwie muss er sich durchschlagen und schließt sich einer verrückten Truppe an, die in der Zukunft sein Leben weiter beeinflussen wird.

    Im Cafe Einfall in der Wiener Straße begegnen wir einer Gruppe von eigenwilligen Menschen und Charakteren, die Regener so überzeichnet,  dass sich das Buch liest, wie man eine Sitcom anschaut. Man hört beim Lesen quasi die eingeblendeten Lacher. Die in der Nachbarschaft in einem besetzten Haus lebende Kunsttruppe ArschArt ist da keinen  Deut besser.  Ihr Boss P.Immel und der Aktionskünstler H.R. Ledigt halten, was ihre lustigen Namen versprechen.

    Allesamt sind sie schräge Vögel, die sich in einer schrägen Welt zu behaupten wissen. Die permanent überzeichnete Sprache Regeners ist genauso derb, witzig und bizarr wie seine vielen beschriebenen seltsamen Protagonisten.

    Das Buch stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 und hat es aber nicht auf die Shortlist geschafft. Vielleicht den Kritikern zu schräg ?

    Die hier vom Autor selbst eingespielte ungekürzte Hörbuchfassung besticht durch ihren trockenen Witz. So kann nur der Erfinder all dieser skurrilen Figuren diese in Szene setzen. Besonders die Dialoge sind ein Genuss. Wer sich zwischen dem Buch und dem Hörbuch entscheiden will, sollte auf jeden Fall das Hörbuch wählen.

    Zum Weglachen.






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    Milkalöffeleis avatar
    Milkalöffeleivor 23 Tagen
    misanthropys avatar
    misanthropyvor 9 Monaten
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    *Wölkchen*vor 9 Monaten
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    Kariganvor einem Jahr

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