Sven Regener Wiener Straße

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Inhaltsangabe zu „Wiener Straße“ von Sven Regener

Ein großer Roman voll schräger Vogel in einer schrägen Welt. Derbe, lustig und bizarr wie seine Protagonisten.
Wiener Straße beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstausstellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen.Außer einen!
Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder reibt sich an jedem. Jeder kann ein Held sein. Alles kann das nächste große Ding werden. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland.
Wer könnte böser und zugleich lustiger und liebevoller darüber schreiben als Herr-Lehmann-Erfinder Sven Regener?

Skurrile Typen und Situationen, stellenweise scharfsinnig und amüsant, läuft sich aber irgendwie tot. 2 pointierte Drittel hätten gereicht.

— Wiebke_Schmidt-Reyer

Menschen mit Sinn für alternative Skurillitäten können sich ausschütten vor Lachen.

— Aliknecht

Humorvoll, temporeich, und sprachlich top. Ein Regener, wie man es sich gewohnt ist, fast: Die vielen Perspektivwechsel sind neu.

— mintundmalve

Der neue Roman von Sven Regener – Berlin 1980, skurril und abgedreht

— markus1708

Dieses Buch hat einen ganz großen Nachteil: Es ist viel zu kurz. Das ist aber auch schon mein einziger Kritikpunkt.

— TanyBee

amüsant.

— ju_theTrue

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  • Wiener Strasse

    Wiener Straße

    sar89

    14. November 2017 um 22:25

    Ich habe mich mal ohne Vorkenntnisse von Herr Lehmann und anderen Büchern von Sven Regener ins Abenteuer gestürzt. Leider konnte ich dann nicht so viel mit dem Buch anfangen. Ich hatte vor allem mit der Handlungslosigkeit und dem Geplauder zu kämpfen, dass mich nicht nicht gepackt hat. Das Interview auf dem Dach der Arsch-Art und die Festnahme von H.R. Ledigt (Toller Name : ))  waren meine einsamen Highlights. Chrissie ist einfach nur nervig mit ihrer Antriebslosigkeit und ihrem Gejammere. Kerstin, die Mutter von Chrissie, bringt dagegen wieder etwas Pfeffer in die Sache. Erwin, der einzige im Bunde, der über Geld verfügt, wird von allen belagert, weil sie einen Job in der Kneipe von ihm haben möchten. Dazu kommt noch, dass seine Freundin Helga schwanger ist. Erwin beweist aber Durchhaltevermögen als er mal selbst ein bisschen schwanger spielt.Die Gruppe um Klaus und H.R. versucht durch das ganze Buch hindurch eine Wohnung zu renovieren, womit sie am Ende des Romans immer noch nicht fertig geworden sind. Die Gegengruppe von P. Immel hat andere Sorgen. Sie versuchen mit krampfhafter Überzeugung Hausbesetzer, Punks und Rebellen darzustellen.Die vielen Wiederholungen, die sich in der Kneipe Einfall abspielen, die sich an der Wiener Strasse befindet, sind nicht gerade gut für die ganze Geschichte. Gut finde ich dagegen die vielen sich abwechselnden Perspektivenwechsel.

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  • Alternatives Leben mit Plenums-Demokratie

    Wiener Straße

    Aliknecht

    13. November 2017 um 13:44

    Eine Berliner Wohngemeinschaft beginnt 1980 die Wohnung über  Erwin Kächeles Cafe Einfall zu renovieren. Gegenüber organisiert sich die ArschArt-Galerie unter der Leitung von P. Immel und seinem Assistenten Kacki. Dort verläuft einer der köstlichen Höhepunkte des Buchs: der Ablauf eines Plenums. Man hat ja fast vergessen, wie das damals mit der Plenums-Demokratie gehandhabt wurde. Im Cafe Einfall putzt Frank Lehmann das Klo und währendessen wird an der Theke der gesellschaftliche Diskurs, oder wie Heidegger dazu präziser sagt, das Gerede gepflegt. Die Ausdrucksstärke des Berlinerischen Idioms verblüfft des öfteren und wird gekonnt in vielen Variationen gekonnt vorgeführt. In der Schwangerschaftsgymnastik massiert Erwin mit den Handballen Helga auf dem Pezziball, so dass die Energie an den Rosenpunkten frei durchgeleitet werden kann. Das beste ist, dass Männer dabei auch mal gebraucht werden und etwas leisten können. Anschließend muss Erwin für einen langen Tag einen Mitfühlbauch tragen. Er ist gefüllt mit etwa 30 Liter Wasser. Sven Regener hat wahrlich viel erlebt.

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  • Frank Lehmann in Berlin

    Wiener Straße

    TochterAlice

    05. November 2017 um 17:15

    Wir treffen auf Herrn Lehmann  - inzwischen eher als Frank unterwegs und die bereits bekannten Berliner Konsorten im Jahr 1980. So richtig chronologisch geht sein Autor Sven Regener nicht mit ihm und den anderen Gesellen um - muss ja auch nicht.Was mich vielmehr stört: die Luft ist momentan so ziemlich raus bei den Jungs und Mädels in Berlin, die diesmal in eine neue WG ziehen - rausgeschmissen bei Erwin Kächele, um Freundin und Kind (in naher Zukunft zu erwarten) Platz zu machen, hat dieser immerhin genug Verantwortungsbewusstsein, um ein neues Heim parat zu stellen für die 4er-WG bestehend aus Herrn Frank Lehmann, den Extemkünstlern Karl Schmidt und H.R. Ledigt (ich liebe diesen Namen) sowie der nervigen Chrissie, die ich wirklich nicht brauchen kann in diesen Büchern, auch wenn sie quasi meine Altersgenossin ist. Aber hätte ich sie in echt gekannt, ich hätte sie gehasst, so viel ist klar!Wobei mich das beim Lesen überhaupt nicht stört, ich muss nicht jeden in den Büchern mögen. Aber während ich "Herr Lehmann" überaus unterhaltsam und "Neue Vahr Süd" sogar genial fand, dümpelt es hier gemächlich vor sich hin, vor allem aufgrund der ganzen Wiederholungen in Bezug auf Jobsuche und -verteilung in Erwins Kneipe. Ich weiß selbst noch allzugut, wie realistisch das damals war - Jobs waren wie auch "richtige" Stellen äußerst dünn gesät, aber dennoch: diese ständige Thematisierung nervt ziemlich. Auch wenn ich Herrn Lehmann und Konsorten mag und sie niemals richtig schlecht beurteilen werde, muss ich diesmal ein paar Abstriche machen. Aber soweit, die Lektüre nicht zu empfehlen, gehe ich nicht - niemals! Herr Lehmann ist immer einen Blick (oder auch mehrere) wert.

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  • Das Frank-Lehmann-Universum lebt weiter

    Wiener Straße

    mintundmalve

    04. November 2017 um 22:54

    Ein neuer Roman von Sven Regener weckt in mir hohe Erwartungen. "Wiener Strasse" kann diese zu einem grossen Teil erfüllen, aber nicht ganz.


  • Der neue Roman von Sven Regener – Berlin 1980, skurril und abgedreht

    Wiener Straße

    markus1708

    01. November 2017 um 23:09

    Stammlesern von Regeners Romanen wird einiges vertraut vorkommen: Berlin-Kreuzberg,  1980, das Einfall, Herr Lehmann und noch einige andere Protagonisten sind bereits in anderen Romanen aufgetaucht.  Dieses mal geht es in lockeren Episoden um die ArschArt-Gallerie, die nachmittäglichen Öffnungszeiten im Einfall, Renovierungsarbeiten in einer heruntergekommenen Wohnung, einen illegal geschlagenen Baum der zur Kunst wird und vieles mehr. All das ist manchmal komisch, manchmal langweilig.  Manchmal sprüht die Sprache von Wortwitz und man ergötzt sich an gedrechselten und verschrobenen Sätzen und Satzkonstruktionen die nach noch einem Komma den Satz noch zwei weitere Zeilen weitertreiben.  Das hat mich bei den ersten drei Romanen noch gefesselt und sehr gut unterhalten. Beim aktuellen Buch habe ich mich dabei ertappt, Zeilen zu überschlagen weil es mich gelangweilt hat. Wenn ein Buch nur zu maximal 40 Prozent gut und unterhaltend ist,  dann sind das bei mir nur drei von fünf Sternen. Und das ist schon wohlwollend und der Sympathien Herrn Regener gegenüber geschuldet.

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  • Gute Unterhaltung mit lakonischem Sprachwitz

    Wiener Straße

    Entdecker

    01. November 2017 um 13:08

    Wiener Strasse ist typisch Regener und einfach gute und teilweise sehr witzige Unterhaltung. Die aus den Vorgängern bekannten Figuren Erich, H.B. und Karl Schmidt mäandern sich wieder gekonnt durch die Handlung. Diese spielt im Berlin Ende der achtziger Jahre, noch bevor Herr Lehmann in dem gleichnamigen Buch zur Hauptfigur wird. Aus eigentlich alltäglichen Begebenheiten werden durch Regeners lakonische Sprache wieder skurril-komische Situationen. Lesenswert.

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  • Wiener Straße

    Wiener Straße

    twentytwo

    13. October 2017 um 12:36

    Westberlin 80er-Jahre, Stadtteil Kreuzberg. – In einer überwiegend surreal wirkenden Welt, geben sich eine Handvoll schräger Vögel alle Mühe ihr Leben zu meistern. Während sich Erwin, Betreiber des Cafés Einschlag, mit seiner Nichte, Möchtegernkünstlern und einer schwangeren Freundin abplagt, versucht P. Immel seine, als Hausbesetzung getarnte Galerie ArschKunst in Schwung zu bringen. Man liefert sich jede Menge absurde Dialoge, die zu grotesken Szenen führen. Während ein Teil von ihnen auf Kreativität und Individualismus setzt, gehen die anderen lieber pragmatisch zu Werk, um zu einem unverwechselbaren Teil eines großen Ganzen zu werden.FazitLeben und leben lassen, mit- und gegeneinander, in einem ständigen Auf und Ab spiegelt ‚Wiener Straße‘, ein kleines Stück typisch Berliner Zeitgeschichte, die in ihrer Überzeichnung fast schon wieder real wirkt.

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  • Ein durchgängig pures Vergnügen

    Wiener Straße

    michael_lehmann-pape

    06. October 2017 um 14:11

    Ein durchgängig pures Vergnügen„IST DAS DIE ART, WIE HIER KUNDEN BEHANDELT WERDEN? IST DAS DIE DIENSTLEISTUNGSGESELLSCHAFT, VON DER ALLE REDEN“?Wehe wenn „H.R.“, Künstler, im Baumarkt eine Kettensägte zu erstehen gedenkt, zugleich eine „Grabgabel“ sein Wohlgefallen findet, aber der Verkäufer ebenso zu wenig diensteifrig den Mann bedient, wie auch die Kassiererin scheinbar anders in alleR Ruhe vorher noch erledigen will, bevor die „H.R.“ abkassiert.Ein cholerisches Temperament, das hat der Künstler (und ist dabei nicht der einzige, betrachtet man das „Plenum“ einer „Künstler WG“ (mit nur einem Künstler. Mit Hammer. Den er am Tapetentisch erproben will wird und wird).„ICH DACHTE, SIE WOLLTEN HELFEN!! DAS HABEN SIE DOCH GESAGT: KANNICK HELFEN! DAS HABEN SIE DOCH GESAGT: KANNICK HELFEN! GENAUSO………ODER NICHT“?Wie dann aber im Baumarkt „H.R.“ dem Fachverkäufer Nachhilfe in „Berlinerisch gibt“, wie die Kassiererin in gegenläufiger Bewegung knochentrocken angesichts der Bedrohung durch die Grabgabel reagiert und, am Ende, fließend ins Hochdeutsche wechselt, das hat schon in dieser Szene einfach jene Klasse, die Regener das gesamte Buch hinweg durchhält.Sei es Erwin, Gastronom der langsam, aber sicher dem Nervenzusammenbruch entgegenreitet. Gejagt von der Schwangerschaft seiner „Lebensliebe“ Helga, von seiner aufsässigen Nichte, die ständig einen Job in seinem Café in der Wiener Straße beansprucht, vom einsamen Anwohner, Taxifahrer und in der Lage, durchweg ohne Punkt und Komma zu reden, ohne sich auch nur im Geringsten stören zu lassen (im Übrigen aber der einzige, der handwerklich so einiges drauf hat).Ob die alte Kaffeemaschine nicht will, wie Erwin. Ob, 8der „Running Gag“ des ersten Teils des Buches9, ständig jemand fragt „Ist schon offen“ (nein, erst ab 18 Uhr!!!!), oder ob die bisher bei Erwin mitwohnenden „Individuen“ nun echt auf eigene Beine sich zu stellen haben (wohnmäßig! Und gegen Miete!!!!), das Chaos bricht sich an allen Ecken Bahn (bis hinunter in den WC Bereich der Kneipe und hinüber zu den jungen Jugendlichen, die ihre „Kiezgrenze“ effektiv bewachen und hohes Interesse an der Kettensäge entfalten, die „H.R.“ nach Hause trägt).Nach Hause trägt im Übrigen, weil er beim Einkauf für die Renovierung der neuen Wohnung schlichtweg im Baumarkt vergessen wurde.Dass dabei, in der Form, der erste Satz des Buches nur wenige Worte ins ich trägt, der zweite aber locker über knapp drei Seiten sich erstreckt, auch das zeigt, dass Regener gewillt ist, seinem höchst „ver-rückten“ Personal assoziativ, mäandernd und doch immer auf der Höhe der Figuren zu folgen.Der Ritt auf der Grenze zur Groteske jedenfalls gelingt perfekt. Was auch an Frank Lehmann liegt, der „normale“, ruhende Pol in all den Aufgeregtheiten, den Regener ebenso perfekt und differenziert auf den Punkt schreibt, wie alle anderen Personen im Roman im Gefühl des Lesers gar nicht anders sein können, als sie eben sind.Personen, die hinter all den „Vordergründigkeiten“, hinter dem „Slang“ und der (leichten bis schweren) Verzweiflung an der Welt und „den anderen“ auch Tiefe in sich tragen. Erwins Liebe. Wie Markos Einsamkeit. Wie H.R.´s Kunstverständnis. Wie selbst der alte Juwelier auf der Straße mehr mitschwingen lässt, als eben nur „aus der Zeit gefallen“ zu sein.Eine Tiefe, die sich, wie ein Aufblitzen, immer wieder in der Not zeigt, sich mit profanen Dingen wie Finanzen, Miete, Krankenversicherung und anderen Dingen der „Gesellschaft“ beschäftigen zu müssen, die das freie Spiel der Kräfte einfach immens stören. Trotz allen Humors hat es auch einen bitteren Beigeschmack, zu lesen, wer da alles und warum um einen unterbezahlten Job in der Kneipe nachfragt.Das Ganze setzt Regener sprachlich überragend in Szene, setzt dabei eine Situationskomik neben die andere und, auch wenn das erst gar nicht auffällt (und noch weniger stört), bietet sogar einen roten Faden im Hintergrund, der ein ganz konkretes Lebensgefühl und den Versuch der Bewahrung desselben als Thema setzt.

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  • Vielleicht den Kritikern zu schräg ?

    Wiener Straße

    WinfriedStanzick

    25. September 2017 um 12:48

    Nicht ganz chronologisch entführt Sven Regener in seinem neuen Roman den Leser seiner bisherigen Lehmann-Romane ins das Berlin im Jahr 1980. Frank Lehmann ist noch neu in Berlin, erinnert sich oft an seinen bisherigen Wohnort in der Neuen Vahr Süd. Irgendwie muss er sich durchschlagen und schließt sich einer verrückten Truppe an, die in der Zukunft sein Leben weiter beeinflussen wird.Im Cafe Einfall in der Wiener Straße begegnen wir einer Gruppe von eigenwilligen Menschen und Charakteren, die Regener so überzeichnet,  dass sich das Buch liest, wie man eine Sitcom anschaut. Man hört beim Lesen quasi die eingeblendeten Lacher. Die in der Nachbarschaft in einem besetzten Haus lebende Kunsttruppe ArschArt ist da keinen  Deut besser.  Ihr Boss P.Immel und der Aktionskünstler H.R. Ledigt halten, was ihre lustigen Namen versprechen.Allesamt sind sie schräge Vögel, die sich in einer schrägen Welt zu behaupten wissen. Die permanent überzeichnete Sprache Regeners ist genauso derb, witzig und bizarr wie seine vielen beschriebenen seltsamen Protagonisten.Das Buch stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 und hat es aber nicht auf die Shortlist geschafft. Vielleicht den Kritikern zu schräg ?

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  • Die Rückkehr des Herrn Lehmann

    Wiener Straße

    Buecherschmaus

    10. September 2017 um 18:07

    Hier sind sie endlich alle wieder, die „Pfeifen“: Kneipenbesitzer Erwin Kächele und seine Frau Helga, Schwester Kerstin und deren Tochter Chrissie, die Künstler Karl Schmidt, H.R.Ledigt und natürlich P.Immel von der ArschArt, die „Instandbesetzer“ Kacki, Jürgen1,2,3 und Kollegen und natürlich Frank Lehmann, den es nach seiner Bundeswehrzeit in Neue Vahr Süd nach Berlin verschlagen hat. Es ist ein Wiedersehen mit lang  vermissten Freunden, die irgendwie auch ziemlich nervig sind, die man aber im Herzen trägt. Schwierig zu sagen, ob dieser Roman auch bei Erstlesern funktioniert. Zeitlich einzuordnen ist er unmittelbar nach „Der kleine Bruder“. Frank Lehmann ist gerade in Berlin angekommen, es ist immer noch 1980. Erwin Kächele hat gerade mit Mühe und Not die bei ihm untergekrochenen „Pfeifen“ Karl Schmidt, H.R.Ledigt, Chrissie und Herr Lehmann in eine seiner Wohnungen umgesiedelt. Bei seiner schwangeren Frau steht die Geburt bald bevor, man will die Fabriketage endlich mal für sich alleine haben. So vergeht ein großer Teil des Romans beim Renovieren der neuen WG-Wohnung, bei der auch Nachbar Marko kräftig mit anpackt. Noch mehr Zeit allerdings verbringt man im „Einfall“, jener legendären Kneipe Erwin Kächeles, die wir bereits aus „Herr Lehmann“ kennen und die das Herzstück des Buches ist. Hier tummeln sich bald Chrissie, Karl und Frank Lehmann hinter der Theke, kämpfen mit der vorsintflutlichen Gastrokaffeemaschine und hier zieht Kerstin erfolgreich ein Tagescafé auf. Eine der schönsten Szenen dieses an schönen Szenen wirklich vollen Romans ist die, in der an sämtlichen Tischen irgendwelche Gestalten sitzen und selbstgebackenen Kuchen futtern. Dritter Schauplatz ist eine Kunstausstellung in der ArschArt-Galerie, bei der Erwin die Gastro macht (mit Original Chateau Strunzinger mit Schraubverschluss) und unsere Künstler ausstellen.Mehr an Handlung ist nicht. Deshalb wird es der Roman bei Lesern, die die Vorgängerbücher oder zumindest Herrn Lehmann nicht kennen (aber gibt es die überhaupt?) schwer haben. Wie wenn man auf eine fremde Familienfeier gerät oder in eine eingeschworene Freundesclique und die Witze nicht versteht und die Leute alle merkwürdig findet. Denn reichlich merkwürdig sind sie schon, die Typen in der Wiener Straße. Aber gerade darum lieben wir sie ja so. Die Dialoge, die wie gewohnt reichlich vorkommen, sind ebenso gewohnt skurril, absurd und brillant. Dass sie voller versteckter Lebensweisheiten stecken, weiß jeder Regener Fan. Ihr Sound ist unverkennbar – lässig, schnodderig, direkt, sehr klug und immer auch ein bisschen melancholisch, bei allem Witz. Und dieser Witz ist wirklich erstaunlich. Es gibt kein Buch, bei dem ich auch nur annähernd so viel lachen musste wie bei den Regener Büchern. Dabei entfaltet die „Wiener Straße“ wieder sehr viel von jenem Berlin-Gefühl, das wir auch bereits aus den Vorgängerbänden kennen. Jenes leicht morbide, dabei aber voll im Aufbruch steckende „Inselgefühl“, das man, hat man es damals nicht erlebt, heute kaum nachvollziehen kann und dem mancher nachtrauert. Besonderes Augenmerk legt Sven Regener dabei neben den Ausflügen in die Hausbesetzerszene und die Kneipenkultur auf die alternative Kunstszene. In einem Interview sagte Sven Regener dazu, dass ihn sehr fasziniert, wie „sich die bildende Kunst durch die Punkszene entakademisiert hat.“ Und so stürzen sich die Künstler der ArschArt voller Tatendrang und Idealismus, mit einem herrlich naiven Optimismus ins Kunstgeschäft. Da wird ein verbrannter Kuchen in der Vitrine schlicht zu Kunst erklärt, verschlossene Kisten, die ein „Kunstwerk“ enthalten, aber halt nicht geöffnet werden dürfen, verkauft und eine umgesägte Straßenlinde unter dem Titel „Mein Freund der Baum“ ausgestellt. Das ist natürlich ein wenig albern, aber Regeners Protagonisten agieren alle mit einer solchen Inbrunst, dass man ihnen bei allem darüber Lachen immer gerne folgt. Allerdings weiß ich, wie gesagt, nicht, ob das Buch auch bei Lesern funktioniert, denen der Lehmann-Kosmos unvertraut ist. Denn weniger als alle anderen Bände der Trilogie (Neue Vahr Süd, Der kleine Bruder, Herr Lehmann), zu denen Wiener Straße streng genommen nicht gehört (sein Fokus liegt weniger auf Frank Lehmann, mehr auf dem gesamten Figuren-Kollektiv), steht das Buch meiner Meinung nach für sich allein. Es ist ein wunderbarer zusätzlicher Einblick, gewohnt witzig, atmosphärisch und hintergründig. Herrlich für die Leserin, ein paar Stunden im „Einfall“ oder mit Frank Lehmann beim Tapezieren der WG-Küche zu verbringen. Wer die „Pfeifen“ noch nicht kennt, sollte besser mit einem der anderen Bücher beginnen. Das wäre zum Beispiel auch mit dem etwas abseits stehenden (da Karl Schmidt als Hauptprotagonisten aufweisenden) „Magical Mystery“ möglich, der gerade verfilmt wurde und seit 31.8. in den deutschen Kinos zu sehen ist. Die Schlussszene der „Wiener Straße“, in der Lehmann und Schmidt nach der geplatzten, da von einer Polizeirazzia gesprengten ArschArt-Ausstellung am Bordstein sitzen, trinken und ein wenig philosophieren, kann ich mir jedenfalls wieder wunderbar auf der Filmleinwand vorstellen. 

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    29. December 2016 um 13:40

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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