Wiener Straße

von Sven Regener 
4,1 Sterne bei37 Bewertungen
Wiener Straße
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Neue Kurzmeinungen

Ulf_Borkowskis avatar

Keine wirkliche Story, aber geniale Situationskomik und einmaliger Wortwitz.

sarah_elises avatar

Ein echter Regener mit tollen und tiefen Charakteren, einer hinreißende Story und so viel Wahrheit!

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Inhaltsangabe zu "Wiener Straße"

Ein großer Roman voll schräger Vogel in einer schrägen Welt. Derbe, lustig und bizarr wie seine Protagonisten.
Wiener Straße beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstausstellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen.Außer einen!
Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder reibt sich an jedem. Jeder kann ein Held sein. Alles kann das nächste große Ding werden. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland.
Wer könnte böser und zugleich lustiger und liebevoller darüber schreiben als Herr-Lehmann-Erfinder Sven Regener?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783869711362
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:07.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 07.09.2017 bei tacheles! erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Matzbachs avatar
    Matzbachvor 4 Monaten
    Leerlaufkommunikation at it's best

    Wie soll man ein Buch vorstellen, das kaum Handlung enthält? Schwer, aber nicht unmöglich. "Wiener Straße" setzt da an, wo "Der kleine Bruder" aufgehört hat. Frank Lehmann ist frisch in Berlin angekommen und muss erst einmal sehen, wie er dort klar kommt.

    Doch ist der Roman keineswegs die Fortsetzung der Lehmann-Trilogie, denn dieses Mal geht es zwar auch um, aber nicht nur um ihn. Regner erzählt multiperspektivisch die Geschichten einzelner bereits bekannter Figuren wie Lehmanns bestem Freund Karl (der es hier aber noch nicht ist) oder dem Kneipenbesitzer und Exilschwaben Erwin, und einiger neuer Figuren in der selbsternannten Künstlerszene Kreuzbergs. Dabei gelingt ihm der Spagat zwischen witziger und spritziger Unterhaltung (zahlreiche Leerlaufdialoge und verschrobene Gedanken der Protagonisten sind einfach nur zum wegömmeln) und dem Wecken nostalgischer Gefühle. Für Berlinbesucher aus der ehemaligen Bundesrepublik, so wie ich es damals war, war gerade Kreuzberg mit seiner Mauernähe, seinem heruntergekommenen Charme und seinen zahlreichen Szenekneipen ein Muss und der Kiez, in dem der Frontstadtmythos am deutlichsten zu spüren war. Allein das Schwelgen in den Erinnerungen daran macht das Buch für mich zu einem Lesegenuss, den heutige Berlinbesucher wahrscheinlich gar nicht mehr nachvollziehen können. Früher war nicht unbedingt alles besser, aber irgendwie heimeliger.

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    walli007s avatar
    walli007vor 7 Monaten
    Einfall

    Über dem Café Einfall ist eine Wohnung frei. Frank Lehmann zieht mit Chrissie, der Nichte des Café-Besitzers, und den beiden Künstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in diese WG-Wohnung. Man schreibt das Jahr 1980 zur Zeit der Aktionskünstler und Hausbesetzungen in Westberlin. Im Café übernimmt Frank das Putzen. Und Chrissie quengelt solange nach einen Job, bis sie die Frühschicht übernehmen darf. Derweil übernimmt ein neugieriger Nachbar das Renovieren der Wohnung. Und die Künstler erstellen Kunstwerke. 


    Vielleicht muss man die 1980er inklusive einer Fahrt nach Westberlin erlebt haben, um sich in dieser schrägen Romankomödie wohl zu fühlen. Beim Lesen der Dialoge fühlt man sich in die alten Zeiten zurückversetzt. Mit großen Augen bestaunte man die große Stadt mit ihrer Subkultur, die wie eine Insel in einem ganz fremden Land lag. Keine Wehrpflicht, Berlinförderung und tosendes Leben in urigen Biergärten und auf den Straßen. Mit jedem „Ist schon offen?“ schmunzelt man erneut, mit jedem frech-aggressiven Spruch von Chrissie grinst man über die Berliner Schnauze, die nicht nur von Berlinern gesprochen wird. Auch die urigen Kunstwerke oder Kunstaktionen vermögen zu überzeugen. Würde da nicht immer mal der neue Kontaktbeamte des Kiez dazwischenfunken.


    Wie eine Momentaufnahme wirkt die Erzählung. Für ein paar Handlungstage kann man ins Westberlin des Jahres 1980 eintauchen und den Witz des Autors genießen. Wenn man die Welt des Frank Lehmann mag und aus den früheren Romanen kennt, wird man sich über die Wiederbegegnung mit den bekannten komischen Helden freuen und an diesem Ausschnitt aus ihrem Leben gerne teilhaben. Fast wie eine Milieustudie in nicht ganz so ferne Zeiten schlägt Sven Regener eine Brücke in die Erinnerung. Im Geiste hört man den Tonfall, sieht man sie agieren und amüsiert sich über die skurrilen Ideen. Es lebe der Punk, es lebe Berlin und es lebe Frank Lehmann.


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    dominonas avatar
    dominonavor 8 Monaten
    Berlin 1980 mal anders: speziell, bekloppt und herzlich

    Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht beim Lesen. Hier findet bestimmt jeder einen Charakter, der zu einem passt und doofe Sprüche gibt es jede Menge. Ich hätte es mir vielleicht etwas länger gewünscht, aber vom Unterhaltungsfaktor her, definitiv ein Highlight. Man sollte Herr Lehmann vorher gelesen haben, damit man in etwa weiß, was auf einen zukommt.

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    Tanja_Radis avatar
    Tanja_Radivor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Wenn es nicht so schnell ausgelesen wäre, wäre es perfekt!
    Endlich geht Herr Lehmanns Geschichte weiter...

    ...dachte ich, als ich von der Neuerscheinung hörte. Knackiger Preis für ein eher kurzes Buch, aber Weihnachten stand ja vor der Tür und so kam ich doch schnell dazu.
    Man muss um das buch zu mögen, sicher ein Herz für die schrägen Charaktere haben, die immer wieder auftauchen. An diesem Teil gefällt mir besonders, das man sie besser kennenlernt. Dieses Buch gibt ihnen allen Platz und verfolgt ihre kleinen Episoden und führt sie immer wieder zusammen. Die aus Herrn Lehmanns Gedanken bekannten Bandwurmsätze fehlen natürlich auch hier nicht. Und das alles trifft wieder meinen Humor.

    So kann ich nur hoffen, dass es weiter geht und die Geschichte noch bis zur Wende gefüllt wird.

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    Sikals avatar
    Sikalvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: War mir zu schräg, konnte mich nicht überzeugen.
    Etwas schräg …

    Ich ließ mich überzeugen, endlich mal etwas von Sven Regener zu lesen und so landete ich bei dem Buch – und nun? Ich hätte wohl nicht viel versäumt, wäre das Buch im Regal geblieben…

     

    Nachdem ich Frank Lehmann und die Trilogie nur vom Erzählen her kannte, ging ich ansonsten völlig unbedarft in die Wiener Straße und wollte mal sehen, was da so auf mich zukommt. Der Anfang gefiel mir auch ausgesprochen gut, vor allem die Szene als H.R. Ledigt im Baumarkt einen Dialog anzettelt, mit dem Ergebnis, dass er mit einer Kettensäge heimwärts marschiert weil ihn seine Freunde im Baumarkt einfach vergaßen – herrlich! Als er damit auch noch einen Alleebaum erlegt, um diesen als Kunstobjekt auszustellen, setzt er das Tüpfelchen drauf.

     

    Des Weiteren trifft man auf Charaktere, wie den geschäftstüchtigen Erwin, der mit Babybauch herumläuft, um sich in seine schwangere Freundin einzufühlen oder auf die zickige Chrissie, die sich mit allen anlegt und trotzdem ein weiches Herz hat. Die weiteren Figuren sind eher blass geblieben und haben mich nun auch nicht sonderlich beeindruckt. Auch Frank Lehmann wird nur eine Nebenrolle zugestanden.

     

    Der mir versprochene Humor blieb mir mehrfach im Hals stecken, zu brachial waren diverse Aussagen. Witz und Humor? Mag sein, doch hier konnte mich Regener nur bedingt überzeugen. Auch die Location – die Kneipe „Einfall“ - kommt nur schmuddelig und versifft rüber, genau diesen Eindruck vermitteln auch die Charaktere. Vermutlich wollte der Autor genau das auch vermitteln – wenn ja, dann ist ihm dies perfekt gelungen. Mich hat er damit nicht erreicht, belanglose Klischees teilweise verfeinert mit etwas Situationskomik – da muss man vermutlich ein wahrer Fan sein, um hier gut unterhalten zu sein.


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    Simi159s avatar
    Simi159vor 9 Monaten
    Nett bis unterhaltsam

    „Wiener Strasse“ ist der erste Roman von Sven Regener, den ich komplett gelesen habe. Mit seinen Büchern davor, bin ich nie warm geworden, kam nicht in die Geschichte hinein, hängte mich beim Lesen immer wieder auf, und brach so „Neue Var Süd“ und „Herr Lehmann“ ab.

    Von daher kann ich nicht beurteilen, ob dieses Buch anders oder ähnlich wie seine Vorgänger ist. Sven Regener sah ich vor kurzem in einer Talkrunde und ich fand ihn so amüsant und unterhaltsam, dass ich seiner „Wiener Strasse“ eine Chance gab und das Buch laß.


    In der Wiener Strasse in Berlin leben Anfang der 80er Jahre eine Reihe Aussteiger, Künstler, Menschen auf der Suche. Ob nach dem eigenen Ich, dem Sinn des Lebens oder einfach nur einer Aufgabe, das schließt sich einem nicht so recht, denn als Leser begleitet man diesen Haufen, bei allen möglichen und unmöglichen Tätigkeiten und wird Zeuge von Situationen und Dialogen, die banal bis komisch sind.

    Ob es bei Regener normal ist, dass seine Charaktere, dann noch Namen wie, P.Immel, H.R. Ledigt und   Kacki heißen, oder er hier mit Zeit und Ort spielt, ich weiß es nicht. Die Dialoge sind witzig, bis vorhersehbar, das handeln der Charaktere kopflos bis wahnsinnig. Mal kurz mit einer Kettensäge, deren Kauf schon ein längere Akt war, einen Tapeziertisch und ein Paar Rollen Raufasertapete klein zu machen, um es dann Kunst zu nennen, ist für mich kindisch und hat auch die Geschichte nicht vorangebracht. 

    Denn irgendwie ist es eine Momentaufnahme, die der Autor da in seinem Buch darstellt, von ein paar Bewohnern dieser Wiener Straße,  was für mich als Leser teilweise zwar unterhaltsam ist, aber mich auch am Ende etwas ratlos zurück läßt, da sich weder die Figuren entwickelt, noch die Geschichte ein richtiges Ende findet.


    Von mir gibt es 3 Sterne. 

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 10 Monaten
    Berliner Milieustudie

    Berliner Milieustudie 

    Sven Regener hat mit seiner Lehmann-Trilogie einen eigenen kleinen Kosmos geschaffen und eine Zeit wieder aufleben lassen. Von „Neue Vahr Süd“ einmal abgesehen, denn dieser Roman erzählt die Vorschichte zu den späteren Geschehnissen und spielt in Bremen, entführte er uns seinerzeit in das Berlin der 80er Jahre: in die Zeit vor und vor allem zum Mauerfall. Damals war Frank Lehmann derjenige, um den sich alles drehte. In „Wiener Straße“ nun ist es eine Gruppe von Menschen, teilweise bekannt, teilweise nicht, aus deren ganz normalen Leben Regener uns erzählt.

    Viele der Szenen spielen im bereits bekannten Café Einfall, das Erwin führt und in dem seine Nichte Chrissie und Frank Lehmann arbeiten, was nicht ohne Diskussionen vonstatten geht. Erwins Freundin Helga ist schwanger, worauf zu Beginn des Romans die Wohnverhältnisse neu geordnet werden. Die Künstler H. R. Ledigt und der bereits aus vorherigen Romanen bekannte Karl Schmidt treten auf. Und ein weiterer Schwerpunkt der Geschichte dreht sich um das Künstlerkollektiv der ArschArt Galerie um P.Immel.

    Allein diese Namen sprühen vor Originalität und Absurdität und verweisen so auf den Charakter der ganzen Geschichte. Diese lebt vor allen von ihren Dialogen – und Dialoge kann Regener schreiben wie kein anderer. Sie sind schnell, komisch, kommen immer auf den Punkt und man merkt ihnen an, dass es dem Autor Spaß macht, mit der Sprache zu spielen. Meine Lieblingsszene ist die, in der H. R. gleich zu Beginn des Romans in den Baumarkt geht, um dort eine Kettensäge zu kaufen, dort die Angestellten stets beim Wort nimmt, endlose Diskussionen um nichts führt und sich auf jeden Fall gegen sie durchsetzen will. Und vor allem darauf beharrt, man möge doch entweder komplett hochdeutsch sprechen oder auf der ganzen Linie berlinern.

    „Wattn ditte? Spinnick? Bin ich hier die gute Fee oder was?“
    „Oder wat!“ sagte H. R.
    „Wie oder wat?“
    „Entweder berlinern oder nicht berlinern, aber nicht das dauernde Durcheinander“, sagte H. R. Entweder >Wattn dicke< und >spinnick< und dann auch >binnick< und >oder wat< oder gar nicht. Sonst nervt das!“
    S. 14

    Auch die typischen Bandwurmsätze sind in „Wiener Straße“ wieder zu finden, wenn ich sie auch in den Lehmann-Büchern noch länger und verwinkelter in Erinnerung habe. Viel, fast alles läuft hier über die Sprache und ihren Witz. Regener hat das Talent, seine Charaktere allein durch ihr Reden und ihre Sprache zum Leben zu erwecken, durch Kleinigkeiten in der Wortwahl, durch Dialekt und Soziolekt. Und sie sparen nicht mit Lebensweisheiten. Sie mögen kleine Leute sein, dumm sind sie nicht; was sie sagen, hat Hand, Fuß und bestechende Logik. Der Ton ist manchmal rau, aber es besteht kein Zweifel, dass man sich schätzt und mag. Regener gelingt in seinem Buch so etwas wie eine Studie über das Leben in den 80er Jahren in Kreuzberg, über die „Pfeifen“, wie Erwin seine Kumpels liebevoll nennt, und über die Künstlerszene.

    Viel Handlung hat „Wiener Straße“ nicht zu bieten. Es wird geredet, geredet und noch mal geredet, es wird wiederholt darüber diskutiert, ob die Kneipe schon offen ist, was der Kaffee kostet und wer ihn umsonst bekommt. Es wird erörtert, was Kunst ist (wenn jemand sagt, dass es Kunst ist! Zur Not tut es auch ein verbrannter Kuchen, entsprechend beschildert). Der Roman ist teils absurd, abstrus und sehr lustig. So sehr ich Regeners Sprachwitz und die nicht zu leugnende Intelligenz und bestechende Logik seiner Protagonisten mag und schätze, in meinen Augen kommt „Wiener Straße“ aufgrund des etwas schwachen Spannungsbogens dennoch nicht ganz an meine beiden Lieblingsbücher aus der Lehmann-Trilogie, „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“ heran. Fans werden am neuen Buch ihre Freude haben, Einsteigern würde ich die früheren Bücher empfehlen. Ich bleibe einer. Ein Fan.

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    sar89vor einem Jahr
    Wiener Strasse

    Ich habe mich mal ohne Vorkenntnisse von Herr Lehmann und anderen Büchern von Sven Regener ins Abenteuer gestürzt. Leider konnte ich dann nicht so viel mit dem Buch anfangen. Ich hatte vor allem mit der Handlungslosigkeit und dem Geplauder zu kämpfen, dass mich nicht nicht gepackt hat. Das Interview auf dem Dach der Arsch-Art und die Festnahme von H.R. Ledigt (Toller Name : ))  waren meine einsamen Highlights. Chrissie ist einfach nur nervig mit ihrer Antriebslosigkeit und ihrem Gejammere. Kerstin, die Mutter von Chrissie, bringt dagegen wieder etwas Pfeffer in die Sache. 


    Erwin, der einzige im Bunde, der über Geld verfügt, wird von allen belagert, weil sie einen Job in der Kneipe von ihm haben möchten. Dazu kommt noch, dass seine Freundin Helga schwanger ist. Erwin beweist aber Durchhaltevermögen als er mal selbst ein bisschen schwanger spielt.


    Die Gruppe um Klaus und H.R. versucht durch das ganze Buch hindurch eine Wohnung zu renovieren, womit sie am Ende des Romans immer noch nicht fertig geworden sind. Die Gegengruppe von P. Immel hat andere Sorgen. Sie versuchen mit krampfhafter Überzeugung Hausbesetzer, Punks und Rebellen darzustellen.


    Die vielen Wiederholungen, die sich in der Kneipe Einfall abspielen, die sich an der Wiener Strasse befindet, sind nicht gerade gut für die ganze Geschichte. Gut finde ich dagegen die vielen sich abwechselnden Perspektivenwechsel.

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    Aliknechtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Menschen mit Sinn für alternative Skurillitäten können sich ausschütten vor Lachen.
    Alternatives Leben mit Plenums-Demokratie

    Eine Berliner Wohngemeinschaft beginnt 1980 die Wohnung über  Erwin Kächeles Cafe Einfall zu renovieren. Gegenüber organisiert sich die ArschArt-Galerie unter der Leitung von P. Immel und seinem Assistenten Kacki. Dort verläuft einer der köstlichen Höhepunkte des Buchs: der Ablauf eines Plenums. Man hat ja fast vergessen, wie das damals mit der Plenums-Demokratie gehandhabt wurde. 

    Im Cafe Einfall putzt Frank Lehmann das Klo und währendessen wird an der Theke der gesellschaftliche Diskurs, oder wie Heidegger dazu präziser sagt, das Gerede gepflegt. Die Ausdrucksstärke des Berlinerischen Idioms verblüfft des öfteren und wird gekonnt in vielen Variationen gekonnt vorgeführt. 

    In der Schwangerschaftsgymnastik massiert Erwin mit den Handballen Helga auf dem Pezziball, so dass die Energie an den Rosenpunkten frei durchgeleitet werden kann. Das beste ist, dass Männer dabei auch mal gebraucht werden und etwas leisten können. Anschließend muss Erwin für einen langen Tag einen Mitfühlbauch tragen. Er ist gefüllt mit etwa 30 Liter Wasser. Sven Regener hat wahrlich viel erlebt.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Frank Lehmann in Berlin

    Wir treffen auf Herrn Lehmann  - inzwischen eher als Frank unterwegs und die bereits bekannten Berliner Konsorten im Jahr 1980. So richtig chronologisch geht sein Autor Sven Regener nicht mit ihm und den anderen Gesellen um - muss ja auch nicht.

    Was mich vielmehr stört: die Luft ist momentan so ziemlich raus bei den Jungs und Mädels in Berlin, die diesmal in eine neue WG ziehen - rausgeschmissen bei Erwin Kächele, um Freundin und Kind (in naher Zukunft zu erwarten) Platz zu machen, hat dieser immerhin genug Verantwortungsbewusstsein, um ein neues Heim parat zu stellen für die 4er-WG bestehend aus Herrn Frank Lehmann, den Extemkünstlern Karl Schmidt und H.R. Ledigt (ich liebe diesen Namen) sowie der nervigen Chrissie, die ich wirklich nicht brauchen kann in diesen Büchern, auch wenn sie quasi meine Altersgenossin ist. Aber hätte ich sie in echt gekannt, ich hätte sie gehasst, so viel ist klar!

    Wobei mich das beim Lesen überhaupt nicht stört, ich muss nicht jeden in den Büchern mögen. Aber während ich "Herr Lehmann" überaus unterhaltsam und "Neue Vahr Süd" sogar genial fand, dümpelt es hier gemächlich vor sich hin, vor allem aufgrund der ganzen Wiederholungen in Bezug auf Jobsuche und -verteilung in Erwins Kneipe. Ich weiß selbst noch allzugut, wie realistisch das damals war - Jobs waren wie auch "richtige" Stellen äußerst dünn gesät, aber dennoch: diese ständige Thematisierung nervt ziemlich.

    Auch wenn ich Herrn Lehmann und Konsorten mag und sie niemals richtig schlecht beurteilen werde, muss ich diesmal ein paar Abstriche machen. Aber soweit, die Lektüre nicht zu empfehlen, gehe ich nicht - niemals! Herr Lehmann ist immer einen Blick (oder auch mehrere) wert.

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