Svenja Bunt

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Lebenslauf von Svenja Bunt

Dr. Svenja Bunt war promovierte Philosophin, Klinische Sozialarbeiterin und engagierte Betroffene. Sie arbeitete für einen psychosozialen Träger, schrieb einen Blog und war als Referentin und Dozentin aktiv. Sie verstarb im Juni 2020.

Quelle: Verlag / vlb

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Cover des Buches Ein gutes Leben und andere Probleme (ISBN: 9783867391399)sabatayn76s avatar

Rezension zu "Ein gutes Leben und andere Probleme" von Svenja Bunt

'Welche Elemente braucht ein Leben, um ein gutes zu sein?‘
sabatayn76vor einem Jahr

‚Es gibt viele Beispiele von Psychiatrie-Erfahrenen, die ein erfüllendes und gutes Leben führen. Oft hat dies bedeutet, dass sie ihren ursprünglichen Lebensentwurf verändert und umgeschrieben haben aufgrund der Krisenerfahrung und dass der neue Lebensentwurf glücklich macht. Und genau darüber wollen wir nachdenken: Welche Elemente braucht ein Leben, um ein gutes zu sein?‘ (Seite 147)


‚Ein gutes Leben und andere Probleme‘ war bei seinem Erscheinen 2018 im deutschsprachigen Raum der erste Ratgeber von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene und behandelt Themen, von denen die Autorinnen wissen, dass sie für viele Psychiatrie-Erfahrene relevant, interessant und wichtig sind, die in Gesprächen mit ihren Freunden und in Seminaren immer wieder aufgetaucht sind.


Angesprochen wird z.B., wie man Stress abbauen, sparsam leben, mit Krisen umgehen, Arbeit finden, Freundschaften aufbauen und der Einsamkeit entrinnen sowie sich selbst bei schlechter Laune, bei psychotischen Ängsten und bei Trauer helfen kann.


Ich empfand das Buch als sehr flüssig, verständlich und sehr unterhaltsam lesbar sowie als relevant, auch wenn ich die Thematik als Professionelle statt als Betroffene betrachtet habe.


Svenja Bunt (Pseudonym) und Sibylle Prins bieten in ihrem Buch elementare Tipps, die bisweilen sehr basal sind, deshalb aber jeden Leser genau da abholen, wo er gerade steht. Da beide Autorinnen selbst Betroffene sind, wissen sie genau, wo oft der Schuh drückt, wo Probleme auftreten und welchen Schwierigkeiten man sich als Betroffener stellen muss.


Bunt und Prins beleuchten verschiedene Aspekte des Alltags, drängen sich dabei nicht auf und belehren nicht, sondern erwähnen immer wieder, dass es verschiedene Bedürfnisse und damit unterschiedliche Herangehensweisen und Interpretationen gibt. So zeigen sie Kompromisse und Alternativen auf, die man eingehen kann, um nicht am ursprünglichen Plan festhalten zu müssen, den man gerade nicht erfüllen kann, sondern wie man dennoch zufrieden mit sich und seinem Leben sein bzw. werden kann.


Bunt und Prins übergeben das Wort auch an andere Personen, die von ihren Eindrücken und Erfahrungen berichten, so dass die Thematik sehr heterogen betrachtet und komplex angegangen wird.


Die Autorinnen geben nicht nur Empfehlungen und zeigen Alternativen, sondern spenden auch Trost und bieten Anleitungen zur (Selbst-) Hilfe. So fördern sie vorhandene Ressourcen, zeigen den Weg zu mehr Selbstständigkeit, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit, wodurch der Recovery-Prozess positiv beeinflusst wird.


Sehr schön fand ich auch die vielen Tipps zum Weiterlesen, von denen ich direkt einiges Bücher auf meine Wunschliste gesetzt habe.


‚Keine der psychiatrischen Diagnosen bedeutet das Ende der Welt. Es gibt mit jeder Diagnose auch gute Verläufe. Es ist auch mit einer schweren Erkrankung ein gutes Leben möglich. Ihre Energien sind besser investiert in den Kampf für eine gute Lebensqualität als in den Kampf gegen eine Diagnose.‘ (Seite 69)

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Cover des Buches Ein gutes Leben und andere Probleme (ISBN: 9783867391399)himbeerbels avatar

Rezension zu "Ein gutes Leben und andere Probleme" von Svenja Bunt

Eine hilfreiche Schatzkiste voller Möglichkeiten
himbeerbelvor 2 Jahren

In den vergangenen 10 Jahren meiner Krankheitsgeschichte habe ich viel ausprobiert, einiges erfolgreich umgesetzt und verinnerlicht und bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem die Symptome meiner Erkrankung zur Ruhe gekommen sind oder ich gelernt habe mit ihnen umzugehen. Meine Lebensqualität ist enorm gestiegen, die Krankheit in den Hintergrund gerückt und mein Leben in den Vordergrund. Doch weil ich weiß, dass mein Leben aus vielen kleinen Stellschrauben besteht, deren Feinjustierung dafür verantwortlich sein kann, ob es mir gut oder schlecht geht, war ich neugierig, ob dieses Buch neue Impulse für mich bereithalten würde.

Die Texte in dem Buch wurden etwa je zur Hälfte von Sibylle Prins und Svenja Bunt geschrieben. Sie behandeln Themen, die viele Psychiatrie-Erfahrene beschäftigen: Alltagsgestaltung, mit wenig Geld auskommen, Arbeit, Krisen, Genesung, Beziehung, Selbstbild, Sinnsuche. Sie gehen beim Schreiben von ihren eigenen Erfahrungen und von denen der Psychiatrie-Erfahrenen aus , die sie im Laufe ihres Lebens kennengelernt haben. Und das spürt man beim Lesen auch. Es fühlt sich ein wenig so an, als träfe man auf geschätzte Mitpatientinnen, die auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können und mit Herz und Verstand das Beste aus ihrem Leben zu machen bereit sind, auch wenn dies manchmal unbequem sein kann.

Beide Autorinnen haben Psychose-Erfahrung und ihr Blick auf psychische Erkrankungen ist davon geprägt, aber sie berücksichtigen auch andere psychische Erkrankungen, da es im Alltag tatsächlich viele ähnliche Probleme zu meistern gilt. Und in der Tat fühlte ich mich beim Lesen gleich verstanden und konnte mich in vielem wiederfinden. Auch kommen hier andere Betroffene in kurzen sehr authentischen Abschnitten zu Wort, die das Lesen dieses Buches zu etwas sehr persönlichem machen.

Die Autorinnen geben Anregungen, wie man trotz gesundheitlicher Probleme „ein gutes Leben“ führen kann. Wie kann ich mich so verhalten, dass es mir langfristig gut geht? Wie kann ich gut für mich sorgen? Oft stimmte ich beim Lesen innerlich zu, weil ich die Strategien, Verhaltens- und Denkweisen auch für mich in den vergangenen Jahren geändert habe und für mich als richtig empfinde. Die meisten Dinge brauchen Zeit. Sie müssen erst als Gewohnheiten verankert werden, und erst langsam verändert sich etwas im Körper, im Gehirn, in der Seele. Tief in meinem Inneren weiß ich das und doch frage ich mich, ob ich meine jetzige Lebensqualität vielleicht eher hätte erreichen können, wenn mir dieser Ratgeber vor 10 Jahren, gleich zu Beginn meiner Behandlung in die Hände gefallen wäre.

Doch wie viel Psychiatrie-Erfahrung für das Lesen und Verstehen des Buches notwendig ist, ist schwer auszumachen. Wichtig ist, dass die psychische Gesundheit so weit wiederhergestellt ist, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, sein Leben auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls ändern zu wollen. Da kann das Buch sicherlich neben der Behandlung eine wertvolle Ergänzung sein. Gerne hätte ich zu einigen Themen gleich im Buch mehr erfahren, aber stattdessen gibt es Links und Buchtipps zum Weiterlesen, wo auch für mich einiges Interessantes zu finden war. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Ratgeber bewusst knapp gehalten ist, um für seine psychiatrieerfahrenen Leser besser zugänglich zu sein, da sie oft auch gerade in den Zeiten, in denen sie fieberhaft nach Hilfe suchen, unter Konzentrationsstörungen leiden. Ich denke, hier wurde eine gute Lösung gefunden.

Dieser Ratgeber erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Er belehrt nicht und er verspricht auch keine Wunder. Aber er bietet Möglichkeiten, denn wenn im Laufe einer psychischen Erkrankung so mancher Lebenstraum begraben wird, gehen doch manchmal neue Türen auf, wenn man gut für sich sorgt. Dabei kann das Buch meines Erachtens nach helfen, weshalb ich es empfehle. Mein Buch werde ich übrigens an einen lieben Menschen weiter verschenken, für den ich mir nichts sehnlicher wünsche, als dass es ihm bei seinem Lebensweg ein hilfreicher Begleiter sein möge.

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