Svenja Falk

 5 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf

Prof. Dr. Svenja Falk, Jg. 1964, ist Politologin und Autorin zahlreicher Fachbücher. Dies ist ihr erstes Buch dieses Genres, entstanden aus der Neugier der gebürtigen Flensburgerin für jene eigentümliche dreiwöchige Phase im Jahre 1945, während der ausgerechnet in der Kleinstadt Flensburg Kräfte des alten Regimes und der siegreichen Alliierten ihr eigenes Schicksal sowie das Nachkriegsdeutschlands zu bestimmen suchen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Svenja Falk

Cover des Buches Die letzten Tage der Diktatur (ISBN: 9783608966947)

Die letzten Tage der Diktatur

(6)
Erschienen am 14.03.2026
Cover des Buches Digitaler Doppelpass (ISBN: 9783868818727)

Digitaler Doppelpass

(0)
Erschienen am 19.07.2022

Neue Rezensionen zu Svenja Falk

Cover des Buches Die letzten Tage der Diktatur (ISBN: 9783608966947)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Die letzten Tage der Diktatur" von Svenja Falk

Bellis-Perennis
„Das Alte hatte seine Ordnungskraft verloren, das Neue war noch nicht gefestigt.“ (S. 13)

Die Flensburger Historikerin Svenja Falk nimmt ihre Leserinnen und Leser, ähnlich wie Volker Ullrich, auf eine fesselnde Zeitreise in die letzten Tage der NS-Diktatur mit. Während Ullrich in seinem Buch (Acht Tage im Mai) die Tage zwischen 30. April und dem 8. Mai 1945 beleuchtet, erstreckt Svenja Falk ihren Beobachtungszeitraum bis zum 23. Mai 1945. In beiden Büchern werden unzählige zeitgleich stattfindende, dabei aber oft gegenläufige Ereignisse,  die auf Grund ihrer Absurdität fast schon zum Schmunzeln verleiten, zu einer Gesamtdarstellung zusammengeführt. 

„Das Alte hatte seine Ordnungskraft verloren, das Neue war noch nicht gefestigt.“ (S. 13)

Svenja Falk hat in zahlreichen deutschen und britischen Archiven nach offiziellen und privaten Dokumenten gegraben. Dabei hat sie einige interessante, der Öffentlichkeit noch nicht so geläufige Ereignisse entdeckt.  

Flensburg ist die Drehscheibe von zahlreichen Personen, die unterschiedlichsten Interessen nachgehen. Da sind vor allem jene abertausenden Flüchtlinge aus dem Osten, die vor den russischen Truppen fliehen, die Nazis, die versuchen, sich über die nördliche Rattenlinie abzusetzen, Wehrmachtsangehörige und Soldaten von Sondereinheiten, gestrandete Fremd- und Zwangsarbeiter, die noch nicht wissen, ob und wie sie in ihre Heimatländer zurückkehren werden können, sowie Spione und Namen, die nur wenig später wichtige Funktionen im neuen Deutschland inne haben werden (z.B. Reinhard Gehlen (1902-1979) als Chef des Bundesnachrichtendienstes).  

Kopfschütteln musste ich über Großadmiral Karl Dönitz, der - gemäß des letzten Willens Hitlers und trotz der bedingungslosen Kapitulation - sich als legitimer Regierungschef der letzten NS-Regierung inszeniert. Es scheint, als hätte er noch nicht mitbekommen, dass für Seinesgleichen im Deutschland ab 1945 außer auf der Anklagebank kein Platz mehr sein wird. Staunen ist auch den Alliierten gegenüber angebracht, die diese eigenartige Inszenierung von Dönitz & Co zunächst einmal dulden und zugleich die wissenschaftliche Elite herausfiltern, um ihr Knowhow für eigene Zwecke einzusetzen, obwohl einige den Ideen des NS-Unrechts-Regime mehr als nahe gestanden haben. Dazu hat Svenja Falk erstaunliche Zahlen zu Tage gefördert. 

Das Buch ist sehr gut strukturiert, was auf das chronologisch angeführte Kalendarium zurückzuführen ist. Als Beispiel sei der 30. April 1945 angeführt: 

  • Hitlers Erbe
  • Warum Dönitz?
  • Die Verschlüsselungsmaschine Enigma im Einsatz
  • Von der „schwarzen Propaganda“ zu ersten deutschen Nachrichtendienst
  • „Rattenlinie Nord“ 
  • Spione, die zu spät kommen
  • Berlin fällt
  • Flucht im letzten Moment
  • Heinrich Himmlers Führungsanspruch 

Wie die Autorin schon in der Einleitung schreibt, soll hier die Geschichte nicht neu geschrieben werden, sondern die Ereignisse zwischen dem 30. April und 23. Mai 1945 mit den Augen der Flensburgerinnen und Flensburger, deren Stadt relativ unbeschadet aus dem Krieg hervorgegangen ist, erzählt werden. Zudem dient das Buch allen jenen, die, so wie sie, über sich selbst schreibt, bislang wenig über die Geschichte ihrer Heimatstadt während des NS-Regimes erfahren haben, als Einstieg in weitergehende Literatur.   

Fazit:

Gerne gebe ich diesem sehr gut strukturierten Buch, das sich sehr gut lesen lässt, zahlreiche Abbildungen sowie eine gute Auswahl an Quellen bietet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

 

Cover des Buches Die letzten Tage der Diktatur (ISBN: 9783608966947)
lielo99s avatar

Rezension zu "Die letzten Tage der Diktatur" von Svenja Falk

lielo99
So spannend kann ein Sachbuch sein

Sie ist gebürtige Flensburgerin und als sie sich näher mit der Geschichte ihrer Heimatstadt beschäftigte, war sie dann doch erstaunt. Denn es gab etliche Ereignisse, die wohl nur wenigen Menschen bekannt sein dürften. Flensburg war nämlich für wenige Tage Regierungssitz Deutschlands. Hitler schrieb vor seinem Selbstmord eine Anordnung, dass Großadmiral Karl Dönitz sein Nachfolger wird. Der nahm seine Aufgabe sehr ernst und agierte so, als sei die Kapitulation nie eingetreten. Er wollte, dass die Pläne Hitlers in die Tat umgesetzt werden. Also der utopische Wunsch eines großdeutschen Reiches stand auch für Dönitz an erster Stelle.


Flensburg war nicht nur Sitz der Interimsregierung Deutschlands. Es war gleichzeitig Sammelbecken von geflüchteten Nazigrößen und Wehrmachtssoldaten. Aber auch Menschen kamen hier an, die aus den Konzentrationslagern gerettet wurden. Fast verhungert und nur noch Haut und Knochen, so wankten sie durch die Straßen Flensburgs. Gleichzeitig suchten die vielen Vertriebenen aus den Ostgebieten hier Unterschlupf. Dass es nie genug Nahrung für alle gab und die Flensburger nicht jedem Ankömmling wohl gesonnen waren, ist verständlich.


#DieletztenTagederDiktatur zählt zwar zu den Sachbüchern, ist aber so unterhaltsam geschrieben, dass ich es kaum aus der Hand legen wollte. So vielen bekannten Persönlichkeiten begegnete ich, zum Beispiel Beate Uhse oder Siegfried Unseld, deren Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs ich bisher noch nicht kannte. Die Autorin muss unglaublich viele Archive durchforstet haben, um dieses Werk schreiben zu können. Das Buch wird mit Biographien der Hauptfiguren sowie einer lange Liste an weiterführender Literatur beendet. #NetGalleyDE

Cover des Buches Die letzten Tage der Diktatur (ISBN: 9783608966947)
Alriks avatar

Rezension zu "Die letzten Tage der Diktatur" von Svenja Falk

Alrik
Zwischen Zusammenbruch und Neuanfang

Man denkt ja, nach dem Ende vom Dritten Reich ist einfach Schluss. Zack vorbei. Licht aus. Aber genau da fängt dieses Buch erst richtig an und das hat mich komplett gepackt.


In Die letzten Tage der Diktatur von Svenja Falk geht es nicht um die großen Schlachten, sondern um diese seltsame Zwischenzeit, in der plötzlich alles gleichzeitig passiert. Macht zerfällt, Leute retten sich, andere erfinden sich neu und mittendrin Figuren, bei denen man sich denkt, das kann doch kein Zufall sein.


Da sitzt ein Karl Dönitz und spielt noch Regierung, während im Hintergrund schon alles bröckelt. Gleichzeitig bastelt sich Albert Speer sein sauberes Image zusammen, während Ian Fleming vermutlich schon Inspiration für James Bond sammelt. Und dann taucht auch noch Beate Uhse auf. Da sitzt man wirklich da und denkt sich, was für ein absurdes, aber faszinierendes Stück Geschichte.


Was mir richtig gefallen hat, ist dieses Gefühl von Chaos und Aufbruch gleichzeitig. Keine trockene Jahreszahlenparade, sondern echtes Kopfkino. Man merkt, wie dünn die Grenze zwischen Täter, Mitläufer und Neubeginn ist. Und genau das macht es so intensiv.


Klar, man braucht ein bisschen Konzentration, weil viele Namen fallen. Aber ganz ehrlich, genau das macht den Reiz aus. Das ist Geschichte, die sich nicht geschniegelt und gebügelt präsentiert, sondern roh und manchmal auch unbequem.

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