Svenja Flaßpöhler, eine hochgescheite, moderne Philosophin (Chefredakteurin des Philosophie Magazins), führt uns in die Problematik der Übersensibilität der heutigen Zeit über einen großen Umweg bis zum Mittelalter. Muss das sein? Nein, muss nicht sein, ist aber unglaublich bereichernd. Wenn sie dann zu Freud und zur Psychoanalyse kommt, zum 1. und 2. Weltkrieg, zu traumatisierten Soldaten, da schließt sich konsequent der Kreis des Verstehens. Warum wir so aufgeregt reagieren, wenn es um sprachliche Ausrutscher oder gender-unsachgemäße Grammatik geht, warum wir sehr achtsam sein müssen, wenn es zu rassistischen Übergriffen kommt, analysiert sie scharf und plausibel. Dass der Strukturalismus, ja, sogar die internationale Pharmaindustrie zu den heutigen Empfindlichkeiten beigetragen haben, muss man erst mal verdauen. Flaßpöhlers Resümee läuft darauf hinaus, weniger übersensibel zu reagieren und stattdessen die eigene Resilienz zu stärken, selbstbewusst verbale Attacken an sich abprallen zu lassen, denn solche Zumutungen gehören zu einer demokratischen, heterogenen, pluralistischen Gesellschaft.
Nicht jede sich neu definierende Gruppe mit geschlechtlicher, sexueller, genetischer, kultureller, ethnischer Distinktion muss sich als traumatisiert stilisieren, um adäquaten Respekt einzufordern.
Man muss Flaßpöhler keineswegs inhaltlich immer beipflichten. Allein das Sternchen-Binnen-Unter/Schrägstrich-Problem so ausdifferenziert diskutiert zu sehen, macht mir persönlich Freude und Mut. Man darf auch immer mal wieder auf das generische Maskulinum zurückgreifen, anstatt die Grammatik mit Sternchen zu behängen.












