Swetlana Alexijewitsch Der Krieg hat kein weibliches Gesicht

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Inhaltsangabe zu „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ von Swetlana Alexijewitsch

„Ganze Züge voller Frauen gingen an die Front“, erinnert sich eine ehemalige Rotarmistin im Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch. „Es waren nicht mehr genug Männer da. Sie waren gefallen. Lagen unter der Erde oder waren in Gefangenschaft.“ Die Frauen waren „bereit, für die Heimat zu sterben. So waren wir erzogen.“ Sie waren nicht nur Ärztinnen und Krankenschwestern, sondern auch Fliegerinnen, weibliche Scharfschützen und Panzersoldaten. Und sie waren jung: „Ich war noch so klein, als ich an die Front ging“, erzählt eine ehemalige Scharfschützin, „dass ich im Krieg noch gewachsen bin.“ Und sie waren für ihr Leben traumatisiert. Sie erzählen der Autorin vom Tod und vom Töten, von Blut, Dreck und Läusen, von Kriegsverbrechen, von Verwundungen, Schmerzen, Hunger und miserabler Ausrüstung – und wie man sie vergessen hat, als es nach dem Krieg darum ging, die „Helden“ zu feiern. Das erschütternde Dokument einer ausgeblendeten Seite des Zweiten Weltkriegs: Rund eine Million Frauen haben in der Roten Armee gekämpft. Swetlana Alexijewitsch lässt sie zu Wort kommen.
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  • Frauen im Krieg

    Der Krieg hat kein weibliches Gesicht

    michael_lehmann-pape

    06. December 2013 um 13:53

      „Das Tonbandgerät zeichnet die Worte auf. Hält Intonationen fest. Pausen. Weinen und Verwirrung. Aber wie ihre Augen festhalten, ihre Hände“?   Dazu bedarf es der klaren, bildkräftigen Sprache, die Alexijwitsch empathisch zu nutzen versteht, um dem Leser je die Gesamtperson jener Frauen, die sie interviewt hat, deren teils erschütternde Berichte sie im Buch festhält, vor Augen zu führen.   „Ich habe es nicht vergessen. Ich habe immer Angst, davon zu erzählen ... Am Abend ging ich hinaus und auf dem Kanal schwammen Matrosenmützen. Die ganze Zeit, während ich da stand, schwammen Mützen vorbei. Erst habe ich sie gezählt, dann gab ich auf“.   Rund eine Million Frauen waren Teil der Roten Armee im zweiten Weltkrieg. Wobei, kühl zu Anfang beobachtet, sich hinter einem sprachlichen Problem diese Schicksale mit verbergen.   „Es gab keine weibliche Form .... weil diese Arbeit nie Frauen gemacht hatten. Die weiblichen Formen entstanden erst im Krieg“. „Schütze“, „Panzerfahrer“, „Infanterist“. Nein, der Krieg hatte über lange Zeit, auch wenn Frauen hier und da Teil der Kriege waren, kein weibliches Gesicht. Und bekam dich es im zweiten Weltkrieg in einer Art und Weise, die den Leser nicht loslässt in dieser ruhigen Schilderung vieler Frauen in diesem Buch.   Frauen, für die der Krieg nichts mit Ehre, Glorie, Kampfeslust zu tun hat, sondern immer nur eins ist: Mord. In vielfältiger Form und mit vielfältig verschiedener innerer Haltung, wie „an den Männern“ zu sehen ist. Ein Erleben, dass selbst die Autorin teils fassungslos macht. Soweit, dass sie selbst einiges von dem, was sie gehört hat, in der ersten Fassung des Buches nicht aufgenommen hat. Vorweg nun stellt sie in dieser Neuausgabe Auszüge aus dem, was sie damals ausgelassen hatte. Zeugnisse der umfassenden Angst vor Feind und Freund.   „Wir hatten Angst vor den Deutschen und den Polizisten, nachts vor den Partisanen“, „... ein Menschenleben war nichts wert“.   „Wenn man einen Menschen im Nahkampf tötet, schaut man ihm in die Augen. Das ist etwas anderes als Bomben werfen“. Aber es gilt auch für dieses Buch: „Wenn man einem Menschen zuhört, wie er tötete und fast starb, dann ist es genauso – man schaut ihm in die Augen“.   Das ist, was dieses Buch vollzieht. Es stellt den Leser Auge in Auge mit der Erfahrung der Rotarmistinnen im Krieg. Lässt die Kolonnen vorbeiziehen, den Güterwaggon und das Bombardement, die Leichen, Gefallenen und das eigene Töten fast nüchtern erzählen. Bis dahin, wieweit der Anblick von Feigheit dazu führt, auch als Frau das eigene MP zu heben.   „Wir durften ihnen nicht verzeihen. Ihretwegen waren so großartige Jungs umgekommen. Wir vollstreckten das Urteil.“   Es sind keine Zeugnisse von „Entmenschlichung“, die im Buch vorliegen, wohl aber eindrückliche Erzählungen, Berichte, Beichten über das, was der Krieg an Grauen mit sich bringt, wie sehr dort all das, was im „normalen“ Leben als schrecklich und unvorstellbar angesehen wird, im Krieg „normal“ wird. Und nicht mehr loslässt, solange man lebt.   So dass man am Ende des Buches vollständig verstehen kann, warum für Alexijwitsch nur noch eines ins Frage kommt: Der Frieden.

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