Sybille Schnehage

 3.9 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Kunduztochter und Kunduzsohn.

Alle Bücher von Sybille Schnehage

Kunduztochter

Kunduztochter

 (7)
Erschienen am 27.06.2017
Kunduzsohn

Kunduzsohn

 (1)
Erschienen am 01.06.2018

Neue Rezensionen zu Sybille Schnehage

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Rezension zu "Kunduzsohn" von Sybille Schnehage

Erschreckender Roman nach Tatsachen
ulistuttgartvor 2 Monaten

Klappentext: Tela, ein Junge der in der afghanischen Provinz Kunduz geboren wurde, wächst unter ärmlichen Bedingungen in ländlicher Umgebung auf und muss früh zum Familieneinkommen beitragen, indem er bereits im Kindesalter einem reichen Mann als Arbeiter zugeteilt wird. Als er diese Arbeit verliert, findet er nur bei der Talibanbewegung eine Aufgabe, die er in der Überzeugung, etwas Gutes zu tun, auch ausfüllt.

Im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 kommt er nach Deutschland und wird mit einer ihm völlig unbekannten, fremdartigen Lebensweise konfrontiert, welche ihn in schwere seelische Konflikte stürzt. Er ist hin und hergerissen zwischen seiner afghanischen Großfamilie in der Heimat und den Erwartungen, die seine Gastgeber und das neue Umfeld an ihn haben.

 

Das zweite Buch von Sybille Schnehage nach „Kunduztochter“ hat mich wieder emotional sehr ergriffen. Sie beschreibt das Leben des jungen Tela, der ein sehr anständiger und herzlicher junger Mann ist und trotzdem in die Fänge der Taliban gerät, da er keinen anderen Ausweg für sich, seine Familie und seine schon im Kindesalter versprochene Frau sieht. Er will bei den Taliban sein Geld verdienen und mit ihnen gegen die Regierung kämpfen, die nichts für die arme Bevölkerung am Hindukush tut.

Aus seiner Sicht unterstützen die amerikanischen und deutschen Soldaten in Afghanistan nur die Regierung und nicht die einfachen Familien. Tela wird von den Taliban nach Deutschland geschickt, um sich dort nach einer gewissen Eingewöhnungszeit an dem Land zu rächen.

Für ihn ist in Deutschland alles sehr ungewohnt. Er wird von einer liebevollen Familie in Wolfsburg aufgenommen. Doch für Tela ist das neue Leben eine sehr große Umstellung.

 

Die männlichen Flüchtlinge  sind es nicht gewohnt, dass Frauen so freizügig gekleidet sind wie hier in Deutschland. Es kommt ihnen so vor, als seien sie nackt. Undenkbar ist es in Afghanistan, dass fremde Frauen mit Männern an einem Tisch sitzen, ihm zur Begrüßung die Hand geben oder ihn auch nur anschauen.

Männer aus Afghanistan, die in Deutschland leben, wollen eine Frau aus ihrem Land heiraten, weil die deutschen Frauen gehen können, wenn man sie nicht gut behandelt. Muslimische Frauen gehören und gehorchen ihrem Mann.

Die Flüchtlinge bemerken, dass es nicht so ist, wie man sich in Afghanistan erzählt und hier in Deutschland das Geld auf der Straße liegt und man von Frau Merkel alles bekommt was man will. Aus der Heimat wird aber erwartet, dass sofort Geld zur Familie geschickt wird.

 

Genauso erging es Tela. Er hat sich in seiner deutschen Familie sehr gut eingelebt, fühlt sich wohl, will an der Schule Deutsch lernen und dann eine Ausbildung machen.

Aber seine Familie aus Afghanistan wartet nur auf das Geld, das er aber legal nie in dem Umfang wie es von der Heimat erwartet wird beschaffen kann. Er ist in einem großen Zwiespalt. Wenn er kein Geld nach Hause schickt, ist er eine Schande für die Familie.

 

Die Geschichte von Sybille Schnehage ist zwar in einem einfachen Schreibstil verfasst, gewinnt aber durch die interessante Schilderung der Ereignisse vom Leben und Denken der afghanischen Bevölkerung.

Das Buch gibt eine andere Sichtweise auf das Tun der Flüchtlinge. Oft trägt es zum besseren Verständnis der unterschiedlichen Kulturen bei aber manchmal macht es auch einfach nur wütend. Wütend auf die amerikanische und deutsche Politik, aber auch wütend auf Aussagen der Flüchtlinge, die uns als Schweinefleischfresser, als unrein und als ungläubig bezeichnen. Mich persönlich hat auch sehr geärgert, dass sie alle Geld wollen, aber arbeiten … so viele Stunden, mit so wenig Pause und das womöglich ein Leben lang. Für Afghanen unvorstellbar.

 

Die Autorin Sybille Schnehage unterstützt mit ihrem Hilfsprojekt Katachel e.V. bereits seit mehr als 25 Jahren die Menschen in der Provinz Kunduz. In dieser Zeit hat sie viele Menschen und deren jeweiliges Schicksal persönlich kennengelernt.

Eine tolle Idee finde ich auch die afghanischen Rezeptvorschlage und die Bilder und die Zeitleiste am Ende des Buches.

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Rezension zu "Kunduztochter" von Sybille Schnehage

sehr enttäuschend
Aischavor einem Jahr

Der Klappentext versprach eine interessante Geschichte im Spannungsfeld zwischen lockerer westlicher Gesellschaft in Deutschland und traditioneller muslimisch geprägter Kultur in Afghanistan.
Da die Autorin selbst Afghanistan seit über 25 Jahren kennt und dort eine Hilfsorganisation leitet, hatte ich mich auf tiefe Einblicke in die Lebensart der Paschtunen und Tadschiken gefreut und auf Erklärungen so mancher für uns ungewohnten Verhaltensmuster gehofft. 
Stattdessen findet sich zwischen den Buchdeckeln: Platte Schwarz-weiß-Malerei, das durch den Ehrenmord an seinen Eltern schwerst traumatisierte und behinderte Mädchen Masumah fügt sich fast nahtlos in seine deutsche Adoptivfamilie ein, erst mit dem Tod des Adoptivvaters wächst der Wunsch wieder, die eigenen Wurzeln kennenzulernen. In Afghanistan wird Masumah durch ihren eigenen Bruder entführt, es droht die Zwangsheirat an einen reichen Alten. Die Darstellung schürt eher Vorurteile als sie abzubauen, die afghanischen Traditionen werden ohne groß zu hinterfragen als böse und menschenverachtend dargestellt. Nicht falsch verstehen, ich will hier keineswegs Zwangsheirat und ähnliche Menschenrechtsverletzungen beschönigen, aber ich hatte mir von dem Buch etwas mehr Tiefgang erhofft. So aber bleibt die Geschichte oberflächlich wie ein Groschenroman. Alles ist aus westlicher Sicht geschildert, die Protagonistin lehnt ihre afghanische Herkunft selbst ab und verleugnet sie etwa beim Besuch eines afghanischen Restaurants in Deutschland.
Auch die sehr einfache Sprache steht dem Lesegenuss etwas entgegen. Die Dialoge wirken oft gekünstelt, die Gedanken der Protagonistin wirken auch dann noch wie die eines Kindes, als sie längst eine junge Frau ist.
Man merkt an den Landschaftsbeschreibungen, dass Sybille Schnehage sich mit der Geografie am Hindukusch auskennt - mit der Kultur hat sich sich offenbar nie wirklich vertraut gemacht. Schade.

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Rezension zu "Kunduztochter" von Sybille Schnehage

Schicksal am Hindukusch
ulistuttgartvor einem Jahr


Kunduztochter von Sybille Schnehage  
Erschienen 2017 bei Books on Demand


Zum Inhalt:
Masumah verliert durch eine Blutrache ihre Familie. Nur sie und ihr Bruder Said überleben. Die beiden kommen in Afghanistan zu einer Pflegefamilie. Masumih hat von Geburt an ein verdrehtes Bein und einen Klumpfuß. Eli, die in Afghanistan für eine Hilfsorganisation arbeitet,  möchte ihr helfen und organisiert eine operative Behandlung in Deutschland. 
Masumah wird von dem liebenswerten Ehepaar Weber und deren zwei kleinen Töchtern für die Zeit der Behandlung,  die Jahre dauern kann, aufgenommen. 
Die Webers versuchen Masumah zu adoptieren. Dafür müssen sie allerdings an den Hindukusch reisen. Die Adoption gelingt und Masumih wächst in Deutschland auf, geht zur Schule und beginnt ein Studium. 
Nach einem Schicksalsschlag kommen ihre Albträume zurück und sie beschließt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen und ihren Bruder Said in Afghanistan zu suchen. 


Eigene Meinung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.  Die Lebensgeschichte der sympathischen Masumah hat mich sehr berührt. Anfangs war ich vom Schreibstil etwas enttäuscht,  was sich aber im Laufe des Lesens,  vielleicht auch durch die überaus interessante Geschichte, zum positiven verändert hat. 
Noch immer bin ich total schockiert,  welches Schicksal Frauen heute noch in Afghanistan durchleben müssen. Es ist zb Gang und gäbe  dass Männer mit mehreren Frauen gleichzeitig verheiratet sind. Meist allerdings nur bei reichen Männern,  da die Frauen bezahlt werden müssen.  Dh die Familie bekommt für die Heirat der Tochter Geld. „Nach der Hochzeit gehören Frauen den Männern wie eine Kuh,  hauptsächlich für Sex in jeder Art.“  12 bis 18 Kinder zu gebären ist für eine Frau normal.
Die Armut in Afghanistan ist erschreckend.  Um Geld zu verdienen schließen sich viele Männer den Taliban an, um Attentate zu verüben oder entführen Kinder reicher Eltern.  Mit diesem Geld kaufen sie sich dann ihre Frauen oder bezahlen einen Schlepper um nach Deutschland zu flüchten.
Die Familie,  in der Masumah in Afghanistan gelebt hat, sind Jogis. Das sind Menschen,  die nicht in festen Dörfern leben, betteln und mit Schaf- und Hundezucht ihr Geld verdienen. Jogis haben keine Toiletten und deshalb liegen vor den Zelten überall Exkremente. Die Familien leben mit ihren Kindern in extrem unhygienischen  Verhältnissen.  Es ist für mich unvorstellbar welchen Lebenssituationen noch heute Menschen auf der Welt ausgesetzt sind. Und wie Frauen in vielen Regionen weniger oder gar nichts Wert sind.
Das Cover zeigt ein junges afghanisches Mädchen,  das wohl nicht weiß,  was ihr die Zukunft bringt.
Zitate:
S. 60 „…das macht man nicht, zuhause in Afghanistan umarmt kein Mann eine Frau,  auch nicht wenn es seine Ehefrau ist … das macht man nur zuhause im Zimmer allein.“
S. 103 „… der Mann könnte wieder kommen,  mit seinen Männern,  mit den Kalaschnikows, sie dann den Geruch von Schießpulver und Blut in ihrer Nase wiedererkennen.  Den Gestank des Todes der geliebten Familie.“
S. 246 „Man muss hier die Lebensbedingungen verändern,  Fabriken bauen, die Bildung verbessern und Geburtenkontrolle einführen…“
Kunduztochter bekommt von mir 4 Sternen ⭐⭐⭐⭐

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