Sybille Schnehage

 3.9 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Kunduztochter und Kunduzsohn.

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Sybille SchnehageKunduztochter
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Kunduztochter
Kunduztochter
 (7)
Erschienen am 27.06.2017
Sybille SchnehageKunduzsohn
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Kunduzsohn
Kunduzsohn
 (0)
Erschienen am 01.06.2018

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Rezension zu "Kunduztochter" von Sybille Schnehage

sehr enttäuschend
Aischavor 9 Monaten

Der Klappentext versprach eine interessante Geschichte im Spannungsfeld zwischen lockerer westlicher Gesellschaft in Deutschland und traditioneller muslimisch geprägter Kultur in Afghanistan.
Da die Autorin selbst Afghanistan seit über 25 Jahren kennt und dort eine Hilfsorganisation leitet, hatte ich mich auf tiefe Einblicke in die Lebensart der Paschtunen und Tadschiken gefreut und auf Erklärungen so mancher für uns ungewohnten Verhaltensmuster gehofft. 
Stattdessen findet sich zwischen den Buchdeckeln: Platte Schwarz-weiß-Malerei, das durch den Ehrenmord an seinen Eltern schwerst traumatisierte und behinderte Mädchen Masumah fügt sich fast nahtlos in seine deutsche Adoptivfamilie ein, erst mit dem Tod des Adoptivvaters wächst der Wunsch wieder, die eigenen Wurzeln kennenzulernen. In Afghanistan wird Masumah durch ihren eigenen Bruder entführt, es droht die Zwangsheirat an einen reichen Alten. Die Darstellung schürt eher Vorurteile als sie abzubauen, die afghanischen Traditionen werden ohne groß zu hinterfragen als böse und menschenverachtend dargestellt. Nicht falsch verstehen, ich will hier keineswegs Zwangsheirat und ähnliche Menschenrechtsverletzungen beschönigen, aber ich hatte mir von dem Buch etwas mehr Tiefgang erhofft. So aber bleibt die Geschichte oberflächlich wie ein Groschenroman. Alles ist aus westlicher Sicht geschildert, die Protagonistin lehnt ihre afghanische Herkunft selbst ab und verleugnet sie etwa beim Besuch eines afghanischen Restaurants in Deutschland.
Auch die sehr einfache Sprache steht dem Lesegenuss etwas entgegen. Die Dialoge wirken oft gekünstelt, die Gedanken der Protagonistin wirken auch dann noch wie die eines Kindes, als sie längst eine junge Frau ist.
Man merkt an den Landschaftsbeschreibungen, dass Sybille Schnehage sich mit der Geografie am Hindukusch auskennt - mit der Kultur hat sich sich offenbar nie wirklich vertraut gemacht. Schade.

Kommentare: 1
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ulistuttgarts avatar

Rezension zu "Kunduztochter" von Sybille Schnehage

Schicksal am Hindukusch
ulistuttgartvor einem Jahr


Kunduztochter von Sybille Schnehage  
Erschienen 2017 bei Books on Demand


Zum Inhalt:
Masumah verliert durch eine Blutrache ihre Familie. Nur sie und ihr Bruder Said überleben. Die beiden kommen in Afghanistan zu einer Pflegefamilie. Masumih hat von Geburt an ein verdrehtes Bein und einen Klumpfuß. Eli, die in Afghanistan für eine Hilfsorganisation arbeitet,  möchte ihr helfen und organisiert eine operative Behandlung in Deutschland. 
Masumah wird von dem liebenswerten Ehepaar Weber und deren zwei kleinen Töchtern für die Zeit der Behandlung,  die Jahre dauern kann, aufgenommen. 
Die Webers versuchen Masumah zu adoptieren. Dafür müssen sie allerdings an den Hindukusch reisen. Die Adoption gelingt und Masumih wächst in Deutschland auf, geht zur Schule und beginnt ein Studium. 
Nach einem Schicksalsschlag kommen ihre Albträume zurück und sie beschließt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen und ihren Bruder Said in Afghanistan zu suchen. 


Eigene Meinung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.  Die Lebensgeschichte der sympathischen Masumah hat mich sehr berührt. Anfangs war ich vom Schreibstil etwas enttäuscht,  was sich aber im Laufe des Lesens,  vielleicht auch durch die überaus interessante Geschichte, zum positiven verändert hat. 
Noch immer bin ich total schockiert,  welches Schicksal Frauen heute noch in Afghanistan durchleben müssen. Es ist zb Gang und gäbe  dass Männer mit mehreren Frauen gleichzeitig verheiratet sind. Meist allerdings nur bei reichen Männern,  da die Frauen bezahlt werden müssen.  Dh die Familie bekommt für die Heirat der Tochter Geld. „Nach der Hochzeit gehören Frauen den Männern wie eine Kuh,  hauptsächlich für Sex in jeder Art.“  12 bis 18 Kinder zu gebären ist für eine Frau normal.
Die Armut in Afghanistan ist erschreckend.  Um Geld zu verdienen schließen sich viele Männer den Taliban an, um Attentate zu verüben oder entführen Kinder reicher Eltern.  Mit diesem Geld kaufen sie sich dann ihre Frauen oder bezahlen einen Schlepper um nach Deutschland zu flüchten.
Die Familie,  in der Masumah in Afghanistan gelebt hat, sind Jogis. Das sind Menschen,  die nicht in festen Dörfern leben, betteln und mit Schaf- und Hundezucht ihr Geld verdienen. Jogis haben keine Toiletten und deshalb liegen vor den Zelten überall Exkremente. Die Familien leben mit ihren Kindern in extrem unhygienischen  Verhältnissen.  Es ist für mich unvorstellbar welchen Lebenssituationen noch heute Menschen auf der Welt ausgesetzt sind. Und wie Frauen in vielen Regionen weniger oder gar nichts Wert sind.
Das Cover zeigt ein junges afghanisches Mädchen,  das wohl nicht weiß,  was ihr die Zukunft bringt.
Zitate:
S. 60 „…das macht man nicht, zuhause in Afghanistan umarmt kein Mann eine Frau,  auch nicht wenn es seine Ehefrau ist … das macht man nur zuhause im Zimmer allein.“
S. 103 „… der Mann könnte wieder kommen,  mit seinen Männern,  mit den Kalaschnikows, sie dann den Geruch von Schießpulver und Blut in ihrer Nase wiedererkennen.  Den Gestank des Todes der geliebten Familie.“
S. 246 „Man muss hier die Lebensbedingungen verändern,  Fabriken bauen, die Bildung verbessern und Geburtenkontrolle einführen…“
Kunduztochter bekommt von mir 4 Sternen ⭐⭐⭐⭐

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Gelindes avatar

Rezension zu "Kunduztochter" von Sybille Schnehage

Kunduztochter
Gelindevor einem Jahr

Kunduztochter,
Die Geschichte einer jungen Pashtunin, von Sybille Schnehage

Cover:
Ein nachdenkliches Frauengesicht, dem man ansieht, dass sie aus einem anderen Land kommt.

Inhalt:
Durch die immer noch praktizierte Blutrache (auch nach Jahrzehnten) wird die kleine Masumah (die durch einen verdrehten Klumpfuß behindert ist) und ihr kleiner Bruder Said Waisen. Durch glückliche Umstände wird sie von einer Helferin einer humanitären Hilfsaktion bemerkt und sie kommt nach Deutschland, wird operiert und schließlich auch von einer liebevollen Familie adoptiert.
Doch nach vielen Jahren kommt die Zeit in der Masumah die nicht bewältigte Vergangenheit einholt. Sie vermisst ihren Bruder immer mehr und bekommt gesundheitliche Probleme.
Sie beschließt nach Afghanistan zu reisen und Said zu suchen.
Sie findet ihn auch, aber der Albtraum der dann beginnt ist unvorstellbar.

Meine Meinung:
Die Autorin weiß wovon sie schreibt, da sie seit 25 Jahren in Afghanistan tätig ist.
Zwar sind die Geschehnisse im Buch fiktiv, aber alles könnte so oder ähnlich passiert sein. Und dies ist erschreckend für unsere heutige moderne Zeit.
Da haben Frauen keinerlei Rechte, werden verkauft und verheiratet (vergewaltigt und misshandelt) wie im finstersten Mittelalter.

Der Schreibstil ist (vor allem in der 1. Hälfte) etwas einfach, (kommt mir manchmal ein bisschen wie ein Schulaufsatz vor).

Der 1. Teil des Buches ist durch viele positiv aneinandergereihte Ergebnisse relativ ruhig und hoffnungsvoll, es ist (meiner Meinung nach) auch relativ viel Distanz da.
Im 2. Teil wird es dann emotionaler, gefährlicher, spannender und dramatischer.

Autorin:
Die Autorin Sybille Schnehage bereist seit 25 Jahren regelmäßig Afghanistan und leitet eine Hilfsorganisation in Kunduz im Norden des Landes.


Mein Fazit:
Ein interessantes Buch über das Leben in Afghanistan, eine völlig andere Kultur, Frauen haben so gut wie keine Rechte.
Diese Werte sind tief in den Menschen eingegraben und es wird noch Generationen dauern und es braucht unsere Hilfe diese Zustände zu ändern.

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