Der C.H.Beck Wissenband zu „Hitler“ gehört zur Jubiläumsstaffel „30 Jahre C.H.Beck Wissen“ 2025. Beinahe unzählige Bücher dieser Serie habe ich bereits mit großem Genuss und Gewinn gelesen, was sich an dieser Stelle allerdings nicht ganz repupliziert hat. Das Niveau der Monographien Reihe ist konstant gut, da die Autoren in der Regel ausgewiesene Expertise auf ihrem Gebiet besitzen. So hat die Autorin Sybille Steinbacher bezeichnenderweise laut Verlagsankündigung den Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocausts inne und ist in Personalunion zugleich deren Direktorin.
Zum Inhalt: Aufstieg und Faszinationskraft Hitlers sind bis heute ein Rätsel, und das umso mehr, je mehr er überzeichnet und dämonisiert wird. Sybille Steinbacher beschreibt Hitlers Herkunft, die Wurzeln seines Antisemitismus und den Aufstieg des Redners und Putschisten zum Hoffnungsträger und Reichskanzler. Sie erklärt, wie Hitler in wenigen Jahren seine auf Rassismus und eine begeisterte "Volksgemeinschaft" gegründete Herrschaft ausbaute und schließlich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust eine historisch einzigartige Katastrophe herbeiführte. Eine konzise Einführung für alle, die sich knapp und zuverlässig über den Diktator informieren wollen.
Als "konzise" Einführung reklamiert der Verlag das Büchlein über Hitler und dem ist zuzustimmen. Fachliche Fehler unterlaufen Steinbacher nicht. Für Kenner der Materie ist das Buch aber zu sehr mit Allgemeinwissen verbunden und bedient auch immer dieselben Mainstream-Denkschemata und -muster in Sachen Hitler und Nationalsozialismus, ohne innovative Akzentuierungen. Zwar hebt Steinbacher nicht in jedem Satz moralisierend den Zeigefinger, aber dennoch atmet beinahe jede Zeile den Impetus des guten und gerechten Menschen, der ein historisches Urteil über eine in der Tat traurige Epoche der deutschen Geschichte fällt.
Fazit: "Hitler" ist wohl insbesonders für junge Menschen geeignet, die sich der hier mit einer aufs minimale Kondensat beschränkte Darstellung der Person Hitlers auseinandersetzen und vielleicht sogar den gelesenen historischen Stoff gut für Klassenarbeits- oder Klausurvorbereitungen benutzen wollen. Kenner der Materie wären von der Lektüre wahrscheinlich eher enttäuscht, da sie nichts Neues erfahren.
Last but not least: Der Titel "Hitler" ist irreführend bzw. nicht konzise genug, denn Steinbacher übt den Spagat zwischen einer Biografie und einer epochenspezifischen historischen Darstellung.




