Sylvain Coher Nordnordwest

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Inhaltsangabe zu „Nordnordwest“ von Sylvain Coher

Zwei Jungen, ein Mädchen - und das Meer Sie müssen schnell weg aus Frankreich – und ihre Idee ist so einfach wie verrückt: Lucky, der Kleine und das in Saint-Malo neu hinzugekommene Mädchen wollen nach England segeln, über den Kanal – ohne überhaupt segeln zu können. Die drei Jugendlichen klauen sich ein altes Segelboot und hoffen, bald in Plymouth ein Bier zu trinken. Auf dem Boot aber ist es eng, der Himmel über dem Kanal schrecklich weit, die Überfahrt wird zur Irrfahrt: Übermüdet, hungrig, zerstritten und ohne klare Orientierung treiben sie auf dem Wasser. Ein ergreifender Roman über drei junge Menschen auf der Suche nach ihrem Leben und über das Meer mit all seiner Macht und brutalen Herrlichkeit.

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  • Drei junge Menschen und das Meer...

    Nordnordwest

    hello_marlie

    04. May 2017 um 18:59

    Drei junge Menschen, auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Lucky, der Kleine und das Mädchen, diese drei Protagonisten begeben sich auf eine durch und durch waghalsige und kaum durchdachte Segelfahrt von Frankreich - Saint Malo nach England. Irgendwo an der englischen Küste hoffen sie anzukommen, ein bis zwei Tage, länger kann das ja nicht dauern. So simpel und machbar das im ersten Moment klingt, so fatal erscheinen die Folgen, die diese Reise mit sich bringen wird. Drei Schicksale, von denen man zunächst nur wenig bis gar nichts erfährt, die Hintergründe bleiben also anonym, so anonym, dass es sich nicht zu lohnen scheint, zwei der Personen einen Namen zu geben. Diese jungen Leute könnten jeder sein, so oft gibt es hoffnungslose Geschichten, durch unglückliche Schicksale zusammengebastelt. Lucky scheint ein Anführer zu sein, ist älter als die anderen und gibt den Ton an. Er kommt schließlich auch auf die Idee, ein Segelboot in Saint Malo zu klauen und damit an die englische Küste zu segeln. Wie? Egal, Hauptsache weg von Frankreich. Es werden Vorbereitungen getroffen, die widererwarten durchdacht wirken, Hamstereinkäufe sollen den eventuellen Fall abdecken, doch länger als zwei Tage unterwegs sein zu müssen, doch so richtig schlimm kann das laut Lucky nicht werden, schließlich ist der Ärmelkanal auch nur ein Kanal. So naiv die Gedanken und Ideen der Jugendlichen manchmal klingen, so vernünftig wird dann doch geplant und so realistisch klingen ihre Vorstellungen. Als Leser schwankt man also ständig zwischen schrecklichen Vorahnungen und Zweifeln und der Hoffnung, dass es ja vielleicht doch klappen könnte, wieso eigentlich auch nicht? Das Mädchen versteht sogar was vom Segeln, da sie einen Großvater hatte, der es ihr beibrachte. Eventuell ein rettender Glückstreffer? Sylvain Coher beschreibt mit einem so schlichten und knappen Erzählton eine dichte und atmosphärische Tragödie. Zunächst ist es anstrengend und schwierig dieser Sprache zu folgen, wörtliche Rede wird nicht gekennzeichnet, die Sätze folgen knapp und kurz aufeinander. Dies erschwert auch, eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Doch der Erzählstil lohnt sich. Die Handlung verdichtet sich im Laufe der Geschichte und die Stimme wird durch ihren kurzen, prägnanten Stil immer eindringlicher, passender zur einsamen und tristen Umgebung des Meeres. Coher schafft es, das man als Leser das Gefühl hat, selbst auf dieser Nussschale auf diesen unendlichen Weiten dahinzutreiben und allen Regeln und Gesetzen des Meeres ausgeliefert zu sein. Das Meer zeigt in diesem Roman übrigens sowieso was es kann. Von allen Seiten lernt man es kennen, den schönen, den schrecklichen, den erbarmungslosen. Ein wirklich toll geschriebener Roman mit einer sehr einprägsamen Geschichte die einen nach Beenden des Buches noch ein Weilchen verfolgen mag.

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  • Atmosphärisch dichtes und bedrängendes Kammerspiel

    Nordnordwest

    michael_lehmann-pape

    27. February 2017 um 12:52

    Atmosphärisch dichtes und bedrängendes Kammerspiel Eine Nussschale von Bott, drei Kojen gerade so eingebaut. Keine Ahnung vom Segeln (nur das Mäfchen hat da durch ihre Eltern das ein oder andere aufgeschnappt) und dann raus auf den Ärmelkanal. Zwei der drei Jugendlichen, „Lucky“ und „Der Kleine“ sind auf der Flucht, etwas Furchtbares scheint passiert zu sein. Und das Mädchen, aus bestem Hause, schließt sich an in St. Malo, der Hafenstadt, in der die drei zusammenkommen. Warum das Mädchen so dringend weg möchte, ob es an Lucky liegt, den sie anhimmelt, ob noch anderes dahintersteckt, das wird dauern, diese Motive näher kennenzulernen. „Eine dümmliche Romantikerin, süß und klebrig wie Hustensaft“, so sieht das „Der Kleine“. Der ziemlich abgezockt ist, wie der Leser feststellt, als er ihn auf einer ersten „Einkaufstour“ durch ein Modegeschäft begleitet. Sehr genau erzählt Coher, Schritt für Schritt und Tau für Tau und Segel für Segel vollzieht sie das „Bedienen“ des Bootes ebenso, wie sie, Schein für Schein, den „Geldautomatentrick“ vor Augen führt. Und ebenso ruhig, in die Tiefe gehend, geht sie ihren drei Protagonisten nach, die, der Natur ausgesetzt, verirrt, untereinander in der Enge des Bootes mehr und mehr in Reibung geratend, sich den existenziellen Fragen des Lebens stellen werden. Warum ist man hier? Wohin wendet man sich, wenn man keine Anhaltspunkte hat? Wie gelingt es, mit Schuld umzugehen? Einander zu ertragen? Düster ist die Atmosphäre, hart scheinen die beiden männlichen Jugendlichen zu sein, auch wenn Lucky durchaus zärtliche Anwandlungen für das Mädchen zeigt. Vielleicht kann das der Schlüssel sein, am Ende heil anzulangen? Wobei keiner der Drei weiß, wie es dann weitergehen soll, sollte man England tatsächlich erreichen? Seenot wird sich einstellen und Verluste, die zu tragen sein werden. „In der Geschichte klaffte eine große Lücke…..trotzdem schämten sie sich insgeheim. Sie hatten das Gefühl, die Slangevar zu verraten. Als wäre sie mehr, als ein Boot“. Und dass stimmt, dieses kleine Segelboot war für eine Zeit das Leben. Mit allen Höhen, vor allem aber mit tiefen Tiefen. Sturm, Wellengang, Dunkelheit, keine Orientierung mehr möglich. Man muss sich hier als Leser gar nicht sehr bemühen, um die Symbolik der „Nussschale“ auf dem „weiten Ozean“, die Hoffnungen und (teils geplatzten) Träume eines „heil Anlangens“ auf das Leben selbst hin zu übersetzen. Dass düstere Zeiten kennt und die Frage, wohin die Reise geht und warum als zu beantwortend als Aufgabe in dieses Leben stellt. Das mit Schlägen, Stürmen, Verlusten, aber auch mit Hoffnungen und Sehnsüchten den Menschen formt, wie das Meer ununterbrochen im Buch seine Wirkung auf die drei unbedarften Segler ausübt. Und es bleibt nicht aus, so dicht Coher zu erzählen versteht, das man mitfiebert mit den drei „verlorenen Seelen“ und in der Lektüre, trotz des eher unprätentiösen Endes, nicht nachlässt, bevor man zumindest ahnt, was die drei unterschiedlichen Jugendlichen auf dieses Boot letztlich verschlagen hat.

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  • Beklemmend, überwältigend und sprachlich ein Genuss

    Nordnordwest

    buchstabentraeumerin

    19. January 2017 um 20:53

    „In der Ferne traf die Wasserwüste auf den Himmel. […] Weit und breit gab es nichts, davon aber umso mehr.“ (Seite 87) Den Einstieg hat mir Autor Sylvain Coher nicht ganz leicht gemacht. Ein auktorialer Erzähler hielt mich etwas auf Distanz, und auch die Geschichte gewann erst nach einigen Seiten an Fahrt. Wir treffen auf Lucky und den Kleinen. Die Jungen sind auf der Flucht und bereits einige Zeit unterwegs, als Lucky in einem französischen Ort am Meer einem Mädchen begegnet, deren Namen der Leser nicht erfährt. Sie möchte ausbrechen aus ihrem Leben und begleitet die beiden fortan auf ihrem Weg, der sie auf einem Segelboot über den Ärmelkanal führt. Einen unerbittlichen Sog entwickelte „Nordnordwest“ mit Beginn der Überfahrt auf dem kleinen Segelboot mit Namen „Slangevar“. Coher vermittelte mir das Gefühl, hautnah mit dabei zu sein, und so spürte ich die gleiche Beklemmung, die gleiche zarte Hoffnung und die alles stets präsente Furcht der Jugendlichen. Beim Lesen wurde mir nochmal mehr bewusst, was für eine gewaltige Kraft diese Urgewalt Meer birgt. Sie allein ist es, die das Schicksal der Jugendlichen bestimmt, willkürlich und unerbittlich. Je länger die drei unterwegs waren, desto mehr war mir, als ginge es weniger um sie, als vielmehr um das, was das Meer aus ihnen macht. Wie es sie prägt, schonungslos und eiskalt. Lucky, der Kleine und das Mädchen werden während der Überfahrt, besser gesagt Irrfahrt, vom Wasser geformt, so wie Steine, Treibgut oder Glasscherben vom Wasser glatt geschmirgelt werden. Schicht um Schicht wird von Wellen, Regen und Salz abgetragen, bis nur noch der Kern eines jeden übrig bleibt und Verdrängtes zu Tage kommt. Ein faszinierender Prozess.Charaktere„Wohin das Auge blickte, nirgends Land. Nur endlose Wassermassen. Die drei zerbrechlichen Körper und die paar zusammengenagelten Planken hatten hier eigentlich nichts zu suchen.“ (Seite 90) Die Charaktere blieben das gesamte Buch hinweg unnahbar für mich, ich konnte den Kleinen, Lucky und das Mädchen nicht recht greifen. Dabei werden sie von Emotionen erschüttert und auch ihr Schicksal berührte mich sehr, doch es herrschte stets eine gewisse Verhaltenheit. Prinzipiell mag ich es nicht, wenn ich keinen Zugang zu den Charakteren habe, doch hier erlebte ich einen interessanten Unterschied. Denn schlussendlich sind die Jugendlichen nur ein Spielball des Meeres und führen dem Leser lebhaft vor Augen, was das Meer als „Charakter“ ausmacht. Das fand ich absolut überzeugend und überwältigend. Dennoch ein paar Worte zu den Jugendlichen. Lucky ist der Älteste und der Anführer. Er und der Kleine teilen eine gemeinsame Vergangenheit, die sie zu verdrängen versuchen. Vor allem ein Ereignis hat sie zusammengeschweißt und das Vertrauen zueinander wachsen lassen. Der Kleine verlässt sich auf Luckys Entscheidungen, hat aber auch seinen eigenen Kopf. Zudem ist er ein geschickter Dieb. Das Mädchen ist der abstrakteste Charakter, über sie erfährt der Leser am wenigsten. Weder wie sie lebt oder was sie macht, noch weshalb sie so erpicht darauf ist, Lucky und den Kleinen auf ihrer waghalsigen Reise zu begleiten. Sie versteht jedoch etwas vom Segeln und ist so für den Verlauf der Geschichte von äußerster Wichtigkeit. Der eigentlich wichtigste Charakter im Buch ist aber, wie gesagt, das Meer. Es zeigt sich den drei Jugendlichen in seiner ganzen Vielfalt. Von rau und stürmisch bis hin zu sanft und friedlich. Auch das tapfere kleine Segelboot, die Slangevar, wuchs mir sehr ans Herz.Schreibstil Autor Sylvain Coher ist für mich eine der schönsten Neuentdeckungen in diesem noch so jungen Jahr. Seine Sprache fesselte und bezauberte mich, so dass ich mit relativer Leichtigkeit über meine Startschwierigkeiten hinwegkam. Als allwissender Erzähler schaut er in die Gedanken und Herzen seiner Charaktere und bringt diese Beobachtungen mit treffenden Worten ans Licht. Am meisten haben mir jedoch die Beschreibungen des Meeres gefallen. Diese Einsamkeit, die Stille, die Bedrohlichkeit der Nacht, die stürmische See – all das brachte Coher geradezu poetisch zum Ausdruck. Hinzu kommen Fachbegriffe aus der Nautik, Manöver werden beschrieben, Handgriffe erläutert, doch alles passt zusammen. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr kippt die Stimmung der Jugendlichen, was ebenfalls sprachlich hervorragend zum Ausdruck gebracht wird. Der Autor bricht mit der Erzählung, lässt Rückblenden einfließen, überspringt Handlungen und setzt sie im Nachhinein wie Traumsequenzen wieder aneinander. Sehr spannend.Fazit „Nordnordwest“ ist ein durch und durch faszinierender Roman. Er berührte mich unerwartet tief und wird mich nicht so schnell loslassen. Eine Empfehlung für alle Lesebegeisterten, und vor allem für diejenigen darunter, die sich auf eine Geschichte mit sprachlichem und inhaltlichem Tiefgang einlassen möchten.

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