Sylvain Prudhomme

 4,1 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor*in von Der Junge im Taxi, Allerorten und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Sylvain Prudhomme, geboren 1979, ist Schriftsteller und Übersetzer. Seine Kindheit verbrachte er in Kamerun, Burundi, Mauritius und im Niger. In Paris studierte er Literaturwissenschaften und arbeitete danach mehrere Jahre in Afrika. Er ist Autor von mehreren Romanen und Mitbegründer der Zeitschrift Geste. Er wurde u. a. mit dem Prix Femina, dem Prix littéraire Georges Brassens, dem Prix littéraire de la Porte Dorée, dem Prix François Billetdoux und dem Prix Révélation de la Société des Gens de Lettres ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sylvain Prudhomme

Cover des Buches Der Junge im Taxi (ISBN: 9783293006324)

Der Junge im Taxi

(12)
Erschienen am 10.07.2025
Cover des Buches Legenden (ISBN: 9783293209169)

Legenden

(4)
Erschienen am 13.09.2021
Cover des Buches Allerorten (ISBN: 9783293209374)

Allerorten

(4)
Erschienen am 11.07.2022
Cover des Buches Ein Lied für Dulce (ISBN: 9783293208483)

Ein Lied für Dulce

(3)
Erschienen am 15.07.2019

Neue Rezensionen zu Sylvain Prudhomme

Cover des Buches Der Junge im Taxi (ISBN: 9783293006324)
F

Rezension zu "Der Junge im Taxi" von Sylvain Prudhomme

filipinesbuchclub
Ein Buch über das Schicksal von Besatzungskindern

Simon, der Ich-Erzähler, erfährt auf der Beerdigung seines Großvaters von dessen unehelichem Sohn in Deutschland. Diese Enthüllung setzt Simons Suche nach seinem Onkel M. in Gang. Seine Familie hält sich bedeckt, doch sein Onkel kann mehr Licht ins Dunkel bringen. Simons Reise führt ihn von Südfrankreich zum Bodensee.  Dabei entdeckt er die erschütternde Realität von hunderttausenden Besatzungskindern, die ihren Vätern nie begegnen durften.


Sylvain Prudhomme hat einen sprachlich brillanten und feinfühligen Roman verfasst, der von Claudia Kalscheuer meisterhaft übersetzt wurde. Es ist ein stiller, melancholischer Roman, der sich mit Themen wie Besatzungskindern, Vergangenheit, Wiedergutmachung und Schuld auseinandersetzt.


Von der ersten Zeile an war ich gefesselt von dieser Geschichte und habe mich intensiv mit einem Teil der Deutsch-Französischen Geschichte auseinandergesetzt.


Ich kann diesen wunderbaren Roman, der Familien- und Weltgeschichte auf eindrucksvolle Weise verbindet, nur wärmstens empfehlen.

Cover des Buches Der Junge im Taxi (ISBN: 9783293006324)
M

Rezension zu "Der Junge im Taxi" von Sylvain Prudhomme

magdas_buecherwelt
Sehr französisch, anspruchsvoll, künstlerisch

Der Junge im Taxi von Sylvain Prudhomme, aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Das Buch beschäftigt mich noch nach dem Lesen, es ist ein eindringlicher, melancholischer Roman über Familie, Trennung und Vaterschaft.

Auf der Beerdigung seines Großvaters Malusci erfährt Simon von einem angeheirateten Onkel aus Deutschland, dass Malusci am Ende des Zweiten Weltkriegs am Bodensee mit einer Deutschen einen Sohn gezeugt hatte.

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob es mich auch so aufwühlen würde, wenn ich erfahren würde, dass mein Großvater im Krieg ein Kind gezeugt hätte, Simon jedenfalls ist wie besessen von dem Gedanken, M. kennenzulernen. Die Suche nach M. und die Trennung von seiner Lebensgefährtin A. bestimmen von nun an sein Leben. Mit seinen Kindern fährt er an den Bodensee und sucht dort in einem kleinen Ort bei Friedrichshafen nach M.

Mit Prudhommes Schreibstil habe ich zunächst gehadert, die zahlreichen Dialoge werden ohne Satzzeichen wiedergegeben, es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich mich damit anfreunden konnte. Ein weiteres mir bis dato unbekanntes Stilmittel ist, dass die beiden Personen, die Simons Gedankengänge am meisten beherrschen, also seine Ex-Partnerin und sein deutscher Onkel, nicht namentlich benannt, sondern mit A. bzw. M. abgekürzt werden.

Nach etwa fünfzig Seiten war der Knoten geplatzt, der poetische Schreibstil des Autors hat mich gepackt, und ich tauchte fasziniert in Simons und M.‘s Geschichte ein.

Eine Rezensentin vergleicht das Lesen dieses Buches mit einem französischen Arthouse-Film, diesen Vergleich finde ich sehr passend, da in dem Buch der künstlerische Anspruch und nicht die Handlung im Vordergrund steht. Gerne empfehle ich diesen französischen Roman im Stil eines Arthouse-Films weiter.

Cover des Buches Der Junge im Taxi (ISBN: 9783293006324)
Alriks avatar

Rezension zu "Der Junge im Taxi" von Sylvain Prudhomme

Alrik
Zwischen Schweigen und Herkunft

Manchmal stolpert man in Bücher hinein wie in ein Taxi, ohne genau zu wissen, wohin die Fahrt geht. Und sitzt plötzlich da, schweigend, schaut aus dem Fenster und merkt, dass etwas in Bewegung geraten ist. Der Junge im Taxi ist genau so ein Buch. Still, zurückhaltend, aber mit einer emotionalen Wucht, die sich erst langsam entfaltet – und dann bleibt.


Im Zentrum steht eine Leerstelle. Ein Mann, über den niemand spricht. Ein Sohn, der irgendwo in Deutschland existiert oder existiert hat. Prudhomme macht aus diesem Schweigen keinen Thriller, sondern etwas viel Eindringlicheres: eine tastende Suche. Keine großen Enthüllungen, keine dramatischen Wendungen, sondern Gedanken, Zweifel, Annäherungen. Dieses ständige Fragen: Wer wäre ich gewesen, wenn meine Geschichte anders begonnen hätte?


Simons eigene Trennung läuft dabei wie ein leiser Bass unter allem mit. Verlust trifft auf Verlust, Vergangenheit auf Gegenwart. Und plötzlich fühlt sich diese Recherche nicht mehr fremd an, sondern intim. Die Reise an den Bodensee wirkt weniger wie eine Ortsveränderung, mehr wie ein vorsichtiges Abklopfen der eigenen Risse.


Was hängen bleibt, ist dieser ruhige, poetische Ton. Kein Satz zu viel, keiner zu glatt. Prudhomme schreibt mit Respekt vor dem Ungesagten. Über Kriegskinder, über Väter, die fehlen, über Identität, die nie abgeschlossen ist. Ein Roman, der nicht schreit, sondern flüstert – und genau deshalb so tief trifft.


Am Ende klappt man das Buch zu und sitzt einen Moment da. So wie nach einer langen Taxifahrt, wenn der Motor aus ist, aber die Gedanken noch weiterfahren.

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