Sylvain Tesson Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt“ von Sylvain Tesson

Zeit und Raum bestimmen unser Leben. In dem Maße, in dem der Raum heute an Bedeutung verliert, wird die Zeit, die uns zur Verfügung steht, immer knapper. Sylvain Tesson erkundet die Welt, um die Zeit wieder zu dehnen – wandernd, reitend, mit dem Fahrrad oder dem Kanu: »Der Nomadismus ist die beste Antwort auf das Fliehen der Zeit.« Seine Wege führen ihn in abgelegene, menschenleere Gegenden. Sein Begleiter ist die Literatur, sein Antrieb, die Lust, dem Anderen zu begegnen mit offenen Augen, frei von materiellen und menschlichen Bindungen. Im Bewusstsein, dass dem Gegenwärtigen etwas Märchenhaftes innewohnt, berichtet er in diesem literarischen Essay, Reisebericht und Manifest von der Unermesslichkeit der Welt – und wie wir sie für uns wieder entdecken können.

Verblüffend, unterhaltsam und dabei nachdenklich: Dieses Buch ist wie eine kleine Reise, es lässt das Materielle vergessen, den Körper verst

— ewigewelten
ewigewelten
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Zwischen Steppe und Sternenhimmel

    Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt
    ewigewelten

    ewigewelten

    01. June 2014 um 20:54

    Nach Tesson ist der Yeti ist das letzte freie Wesen unseres Planeten, denn er lebt angenehmer »in der Finsternis der Vorzeiten als im Angesicht der Menschen«. Der selbsternannte Vagabund beginnt sein Reisetagebuch mit einer Reflexion zum Verfall der Gesellschaft, zur Hektik, zur Entfernung von der Natur. Dabei ist er kurzweilig in seiner anfänglichen Oberflächlichkeit: Tesson wechselt die Themen wie die Landschaften, die er durchstreift. Die Zivilisationsflucht ist sein Rezept, sein Balsam die Entschleunigung. Er durchmisst die Welt zu Fuß, aber auch mit dem Motorrad, dem Fahrrad oder zu Pferde; so entschlüpft er der schnellen Zeit und hält ihrem Verstreichen die zurückgelegte Strecke entgegen. Von Sibirien bis nach Indien, über den gefrorenen Baikalsee und durch die Wüste Gobi begleiten den Wanderer nur Wildnis und seine eigenen Gedanken. Der preisgekrönte Reiseschriftsteller formuliert kritische und philosophische Betrachtungen zum Humanismus und die traurigen Erfahrungen, die den Wanderer von den Pfaden der Menschen abbrachten. In bildgewaltiger Sprache schwärmt der Franzose vom Glück, seine Hängematte in eine Baumkrone zu spannen; er beschreibt die Schlaflosigkeit im Angesicht des Sternenhimmels und die unglaubliche Ehrfurcht, in freier Natur Goethe, Hesse und Hugo zu rezitieren – je nach Gelände und Wetterlage! Mit der »Unermesslichkeit der Welt« erfährt der Leser die Einfachheit, die die Seele erlangt, wenn sie vergisst, dass sie in einem Körper wohnt. Das Entdeckerfieber ist nicht nur ansteckend, sondern schafft auch Ordnung im Geist, wenn er alle Kraft auf die nötigsten Bedürfnisse konzentriert. Und glaubt man, alles gesehen zu haben, widmet sich ein Kapitel ausschließlich dem Erklimmen von Kirchtürmen... Verblüffend, unterhaltsam und dabei nachdenklich: Dieses Buch ist wie eine kleine Reise, es lässt das Materielle vergessen, den Körper verstummen und das Herz lauschen. Es fehlt die Illustration durch Poesie, Fotografien oder Zeichnungen zum vollkommenen Werk. Bleibt nur, Tessons Gedanken in der lyrischen Landschaft selbst zu lesen. Ein Loblied auf den Wanderer!

    Mehr